Ursula Poznanski — Elanus

Ursula Poznanski Elanus27.Februar 2018

Die öster­rei­chi­sche Best­sel­ler­au­to­rin Ursu­la Pozn­an­ski hat ein Jugend­buch ver­öf­fent­licht, das nun neu als preis­wer­te­re Taschen­buch­aus­ga­be erschie­nen ist: “Ela­nus”. Ein Thril­ler über einen äußerst intel­li­gen­ten Jun­gen, der eine eige­ne Droh­ne besitzt, mit der er sei­ne Umge­bung aus­spio­nie­ren kann. Doch man­che Geheim­nis­se sei­ner Mit­men­schen soll­te man lie­ber nicht ken­nen… Hoch­bri­sant, aktu­ell und span­nend geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Der 17-jäh­ri­ge Jona hat ein Voll­sti­pen­di­um für die Eli­te-Uni­ver­si­tät in Rothen­heim erhal­ten. Auch wenn er äußerst intel­li­gent für sein Alter ist, hapert es bei ihm manch­mal mit den sozia­len Fer­tig­kei­ten: “Darf ich Sie fra­gen, wie alt Sie sind?” [Fra­ge eines Dozen­ten] “Sieb­zehn und so hoch­be­gabt, dass es kaum noch aus­zu­hal­ten ist. Voll­sti­pen­di­um, per­sön­li­che Ein­la­dung des Rek­tors und des Bei­rats der Schu­le, die wahr­schein­lich hof­fen, sich einen künf­ti­gen Nobel­preis­trä­ger unter die Absol­ven­ten zu holen.” Wie­der ein Satz, den er sich eben­so hät­te ver­knei­fen kön­nen. Ver­dammt, er lern­te es ein­fach nicht.” (Zitat aus “Ela­nus” S.19) Glück­li­cher­wei­se lernt Jona ein Mäd­chen ken­nen, das ihn auf Anhieb ver­zau­bert: Lin­da. Mit gro­ßer Mühe gelingt es ihm sogar, ihre Han­dy­num­mer zu erhal­ten. Denn die­se Num­mer ist der Schlüs­sel für “Ela­nus”, Jonas eigens ent­wi­ckel­te Droh­ne, dieUrsula Poznanski Elanus nur so groß wie ein Hand­tel­ler ist und die er heim­lich zum Aus­spio­nie­ren sei­ner Umwelt ver­wen­det. Denn “Ela­nus” kann — sobald eine Spy­wa­re auf dem Han­dy des Opfers instal­liert ist — jenes orten und per Kame­ra fil­men. Sogar Ton­auf­nah­men sind mög­lich. Damit hat Jona sei­ne Umge­bung fest im Griff. Doch dann erfährt er etwas über Lin­da, das er bes­ser nicht beob­ach­tet hät­te. Denn am nächs­ten Tag gibt es einen Toten an der Uni und Jonas Welt steht Kopf. Kurz zuvor hat er näm­lich Lin­da — die ihn wegen sei­nes Alters unfreund­lich ange­fah­ren hat — aber auch ein paar ande­ren Kom­mi­li­to­nen (wie der net­ten Mar­le­ne zum Bei­spiel) einen Zet­tel unter­ge­ju­belt, dass er ihr dun­kels­tes Geheim­nis ken­ne. Das hat unge­ahn­te Aus­wir­kun­gen und bald kann Jona vor nie­man­dem mehr sicher sein. Er hat das Gefühl selbst beob­ach­tet zu wer­den, sein Zim­mer wird durch­sucht und man sperrt ihn in der Schu­le in einem Raum ein. Hat es jemand auf “Ela­nus” abge­se­hen?

Ursula Poznanski ElanusEla­nus” wird durch­ge­hend aus Jonas Sicht in der per­so­na­len Per­spek­ti­ve erzählt. Die Spra­che ist sehr flüs­sig und der Text liest sich mühe­los. Das Cover ist gut gewählt, erin­nert von der Art her ein biss­chen an den Erfolgs­ti­tel “Ere­bos” (zahl­rei­che Prei­se, u.a. den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis), auch der Titel ist ähn­lich klin­gend, was sicher­lich kein Zufall ist. Wobei sich Ursu­la Pozn­an­ski bei dem Namen “Ere­bos” noch der grie­chi­schen Mytho­lo­gie bedient hat (“Ere­bos” ist der Gott der Fins­ter­nis), greift sie bei “Ela­nus” zur Fami­lie der Greif­vö­gel. Titel­ge­ben­der ist näm­lich eine Habicht­art. “Ich fand es pas­send — Ela­nus sieht mes­ser­scharf, ist schnell und wen­dig und bleibt an sei­nem Opfer dran bis zum Schluss.” Er [Jonas] zuck­te mit den Schul­tern. “Oder jeden­falls so lan­ge, bis der Akku am Ende ist.” In Pas­cals Augen war eine ganz neue Art von Bewun­de­rung getre­ten. “Und ich dach­te, du kannst nur rech­nen.” (Zitat S.90) Die Droh­ne wirkt nicht nur für Jonas Nach­barn Pas­cal, dem er davon erzählt, sehr fas­zi­nie­rend, son­dern auch für den Leser. Was wäre, wenn? Ein­fach mal sei­ne Mit­men­schen heim­lich beob­ach­ten? Ande­rer­seits macht auch die Kehr­sei­te der Medail­le nach­denk­lich: Stän­di­ge Über­wa­chung? Nir­gend­wo mehr sicher sein? Ein erschre­cken­des Sze­na­rio, das auch heu­te schon mög­lich ist. “Er rief noch ein­mal ihre Num­mer auf, über sei­ne ganz spe­zi­el­le Nach­rich­ten-App. […] Kaum zwei Minu­ten spä­ter ver­kün­det sein Smart­pho­ne per Glo­cken­ton, dass eine SMS ein­ge­trof­fen war. […] Sie hat­te geant­wor­tet. Jona grins­te zufrie­den in sich hin­ein. Jetzt gUrsula Poznanski Elanusehör­te sie ihm. Ja, sie wür­de ihn ken­nen­ler­nen. Und er sie noch viel bes­ser.” (Zitat S.7) Zu Beginn erscheint Jona noch etwas arro­gant. Er ver­liert ver­bal oft die Beherr­schung und demons­triert sei­ne Über­le­gen­heit gegen­über ande­ren zu sehr. Gefal­len hat mir jedoch die inter­es­san­te Por­ti­on von Sar­kas­mus, die sich zuwei­len in sei­ne Beob­ach­tun­gen ein­schleicht: “Seuf­zend mar­schier­te er auf das Bahn­hofs­ge­bäu­de zu und hielt Aus­schau nach den bei­den Durch­schnitts­ge­sich­tern, die er auf den Face­book­pro­fi­len der Helm­reichs betrach­tet hat­te. Sil­via und Mar­tin. Wahr­schein­lich hat­ten sie heu­te Mor­gen aus dem Fens­ter gese­hen, dar­auf­hin einen depres­si­ven Schub erlit­ten und beschlos­sen, ihrem Leben ein frü­hes Ende zu set­zen. (Zitat S.5) und “Drei­und­zwan­zig Uhr. Er hat­te allen Erns­tes gemein­sam mit die­sen Spieß­bür­gern eine Cas­ting­show kon­su­miert und sich zwei­ein­halb Stun­den lang min­der­in­tel­li­gen­te Men­schen beim Nicht-Sin­gen-Kön­nen rein­ge­zo­gen.” (Zitat S.77) Erst als Jona Mar­le­ne ken­nen­lernt — die Lis­ten erstellt, um aus ihrer “Kom­fort­zo­ne” her­aus­zu­kom­men und bei­spiels­wei­se jeman­dem einen Gefal­len tut, den die­ser nicht zu schät­zen weiß oder die Wahr­heit sagt, statt zu lügen - lernt er anders mit Men­schen umzu­ge­hen. Von der Span­nung her muss ich sagen, dass die­se eher wel­len­för­mig auf­tritt. Die Geschich­te ist durch­weg inter­es­sant, aber auch nicht sooo mit­rei­ßend, dass ich das Buch kaum aus den Hän­den legen konn­te. Vie­le unge­klär­te Details wir­ken hier­bei zusam­men, vie­le Men­schen, die sich komisch ver­hal­ten und bei denen man lan­ge mit­rät­seln darf, in wel­che Rich­tung das Gan­ze denn nun geht. Auf­grund des tech­ni­schen Aspekts der Droh­ne, mit der man vie­le Spio­na­ge­flü­ge erle­ben darf, dürf­te “Ela­nus” beson­ders bei Jungs gut ankom­men! Auch sol­che, die viel­leicht nicht so ger­ne lesen, da man sich rasch in den Thril­ler ein­fin­det.

Wenn dir “Ela­nus” gefal­len hat, dann kannst du auch noch die ande­ren Thril­ler von Ursu­la Pozn­an­ski lesen, hier chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum: “Ere­bos” (Ein Com­pu­ter­spiel, das in das reel­le Leben ein­zu­grei­fen droht), “Sae­cu­lum” (Rol­leLesealternativennspiel im Wald) und “Lay­ers” (Obdach­lo­sig­keit, vir­tu­el­le Rea­li­tät) und “Aqui­la” (Black­out & Todes­fall). Außer­dem hat sie die dys­to­pi­sche “Ele­ria”-Tri­lo­gie geschrie­ben: “Die Ver­ra­ten” (Band 1), Die Ver­schwo­re­nen” (Band 2) und “Die Ver­nich­te­ten” (Band 3). Jugend­bü­cher über Droh­nen sind noch nicht all­zu vie­le bis­her erschie­nen: “Der Droh­nen­pi­lot” von Thors­ten Nesch und “Die Droh­ne, die vom Him­mel fiel und ver­schwand” von Mai E. Segert. Über­wa­chung auf die Spit­ze getrie­ben, das fin­dest du in den Thril­lern “Dele­ted: Traue nie­man­dem” von Mar­got Rui­le und in “T.R.O.J.A. Kom­plott” von Ort­win Rama­dan. Ein schon etwas älte­res, aber sehr mit­rei­ßen­des Buch über Geheim­nis­se, die ein Unbe­kann­ter über die drei Prot­ago­nis­ten zu ken­nen scheint, ist “Match­box Boy” von Ali­ce Gaba­thuler. Ein ähn­li­ches Prin­zip fin­dest du bei “Cold Calls” von Charles Benoit. Wenn du einen aktu­el­len Thril­ler lesen möch­test, der sich wirk­lich kaum aus den Hän­den legen lässt, dann greif doch zu “Die Müh­le” von Best­sel­ler­au­to­rin Eli­sa­beth Herr­mann.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0011-1
Erscheinungsdatum: 13.März 2018
Einbandart: Taschenbuch 
Preis: 9,95€
Seitenzahl: 416 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Ursula Poznanski liest aus "Elanus":

Kasimiras Bewertung:

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