Ein neues Werk aus der Feder der amerikanischen Bestsellerautorin Raquel J. Palacio. Die “Wunder”-Autorin entführt mit “Pony: Wenn die Reise deines Lebens lockt, mach dich auf den Weg” in eine völlig andere Welt. In das 19.Jahrhundert auf eine abgelegene Farm, auf der Silas mit seinem Vater lebt. Als drei Männer Letzteren vor seinen Augen entführen, ist es ein Pony, das Silas dazu animiert, sich auf die Reise zu machen, um seinen Vater zu retten. Es steht am nächsten Tag einfach so vor der Tür. Als würde es ihn auf ein Abenteuer einladen. Diesem nimmt Silas sich an, mit sich im Gepäck eine Geige und einen Geist — sein unsichtbarer Freund Mittenwool. Bald warten die ersten Herausforderungen auf die Drei… Nein, “Pony” ist keine typische Pferdegeschichte! Es kommt ein Pferd darin vor, aber lediglich als treuer Begleiter. Der Roman ist so viel mehr — eine Abenteuer‑, Freundschafts- und Vater-Sohn-Geschichte mit einem Hauch Mystik dabei und gleichzeitig eine Hommage an die Anfänge der Fotographie, er hat aber auch irgendwie etwas von einem Western. Sehr klug und spannend erzählt. Ein herrliches Lesevergnügen für Jung und Alt, frühestens ab 11 Jahren.
1860. Ohio. Auf einer Farm, weit abgelegen. Hier lebt der 12-jährige Sila mit seinem Vater. Dieser ist ein äußerst kluger Mann. Für Naturwissenschaften und besonders Fotographie hat er sich schon immer interessiert. Doch als Sila vor zwei Jahren unter einem Baum von einem Blitz getroffen wurde und daraufhin ein Abbild des Baumes auf seinem Rücken trägt, beschäftigte er — der aus praktischen Gründen mittlerweile Schuster geworden ist — sich noch intensiver damit. Und verwendet nun ein Verfahren, bei dem
“man Papier in einer Lösung aus Eisen und Salz einweicht. Auf diesem Papierbogen kann man dann mithilfe des Sonnenlichts ein positives Bild von einem auf Glas festgehaltenen Negativ übertragen.” (ZItat S.16 aus “Pony”). Bald kommen die Leute aus dem ganzen Land angereist, um sich von Silas Vater porträtieren zu lassen und er kann seine Arbeit als Schuster aufgeben. Aber leider zieht seine Berühmtheit auch ein paar ganz üble Typen an. “Genau zu dieser Zeit änderte sich unser Leben für immer, als wir, noch vor Sonnenaufgang, Besuch erhielten — von drei Reitern und einem Pony mit merkwürdig weißem, beinahe kahl wirkendem Gesicht.” (Zitat S.17) Die drei Männer haben einen Auftrag ihres Bosses erhalten. Sie sollen Sila und seinen Vater mitnehmen. “Er hat mir gesagt, ich solle Ihnen ausrichten, dass bei der Sache viel Geld für Sie rausspringen kann. Ein kleines Vermögen, lauteten seine exakten
Worte. Dafür müssen Sie nur einige wenige Unannehmlichkeiten auf sich nehmen. Bloß eine Woche Arbeit, und Sie sind ein reicher Mann. Wir haben sogar Pferde für Sie mitgebracht. Ein schönes großes für Sie und ein bezauberndes kleines für Ihren Jungen.” (Zitat S.21) Silas Vater lehnt ab und wird dennoch mitgenommen. Zumindest kann er aushandeln, dass Sila zu Hause bleiben darf, wo er auf ihn warten soll. Aber genau das kann der Junge nicht, vor allem, als am nächsten Tag plötzlich das Pony vor seiner Tür steht, das scheinbar abgehauen ist. Sila glaubt, dass das ein Zeichen ist. Er muss seinen Vater suchen! Auch, wenn er sich vor dem Wald eigentlicht fürchtet, in den er nun wohl oder übel hineinreiten muss. Bald trifft er auf einen kauzigen Marshal, der ebenfalls auf der Suche nach den Männern ist. “Ich verfolge einige Gesetzesbrecher, die
Richtung Osten unterwegs sind. Wir haben einen Hinweis bekommen, dass sie sich in einer Höhle auf der anderen Seite der großen Schlucht verkrochen haben. Sie sind mir, über den Daumen gepeilt, etwa drei Tage voraus. Es könnte durchaus sein, dass du und ich dieselbe Bande suchen.” (Zitat S.63) Der Marshal ist zunächst nicht begeistert, aber dann darf Silas sich ihm anschließen. Und dann ist da ja auch noch Mittenwool, Silas unsichtbarer Freund, der ihm zur Seite steht. Gemeinsam stellen sie sich dem Kampf gegen eine Bande voller Fälscher…
Das Cover ist passend zum Inhalt gestaltet, auch der Untertitel von “Pony” macht neugierig: “Wenn die Reise deines
Lebens lockt, macht dich auf den Weg”. Der Roman ist in Teile eingeteilt und innerhalb der Teile wiederum in einzelne Kapitel, denen Zitate und Fotographien vorangestellt werden. Der Erzählrahmen mit den Fotos ist brillant gemacht, so stellen sie immer die Figuren, die in der Geschichte gerade eine Rolle spielen, näher in den Mittelpunkt. Es sind Porträtaufnahmen, wie sie früher gemacht wurden, wie auch Silas Vater sie zu jener Zeit angefertigt hat. Die Anfänge der Fotographie werden vor allem zu Beginn näher erläutert, auch einige Fachbegriffe wie “Daguerreotypie”, “Sensibilisator” und “Kollodiumverfahren” werden genannt. Das ist für ein Jugendbuch ab 11 Jahren schon etwas anspruchsvoller, aber durchaus faszinierend dargestellt. Ein Zeitungsartikel leitet den Roman außerdem ein, in dem von Sila Zusammentreffen mit dem Blitz berichtet wird (auf wahren Begebenheiten beruhrend). Dann berichtet der sympathische Jugendliche durchgehend in der Ich-Perspektive, wobei er mit geheimnisvollen Andeutungen manchmal schon etwas vorausgreift und vor allem die Spannung erhöht: “Vielleicht weiß das Leben manchmal schon, wohin es einen führen wird, bevor man es selbst weiß, und irgendwo tief in meinem Inneren, in den Kammern meines Herzens, wusste ich wohl, dass i
ch nicht wieder nach Hause zurückkehren würde.” (Zitat S.38) Der Erzählstil von Rachel J. Palacio ist sehr angenehm und hat auch einen gewissen, philosophisch anmutenden Unterton. Da gibt es so weise formulierte Absätze, wie diesen hier zum Beispiel: “Ich nehme an, irgendwo, ganz tief in meinem Herzen, habe ich die Wahrheit wohl gekannt. Oder geglaubt, sie auf der anderen Seite dieses Waldes finden zu können. Aber das Herz ist ein geheimnisvolles Land. Man kann Tausende Meilen weit reisen, durch die seltsamsten Gebiete, und doch niemals etwas finden, das so unbegreiflich ist wie die Liebe.” (Zitat S.134) Die Autorin stellt Silas, den Außenseiter, den Jungen, der keine Freunde hat, in den Mittelpunkt. Macht ihn zu etwas Außergewöhnlichen. Gerade auch, dass er Geister sehen kann, wie seinen unsichtbaren
Freund Mittenwool, unterstreicht dies und stellt zugleich einen mystischen Teil des Romans dar: “Ich habe ja schon erwähnt, dass Mittenwool ein Geist war, aber ich war mir nicht ganz sicher, ob diese Bezeichnung wirklich auf ihn zutraf. Gespenst. Erscheinung. Tatsache war, dass ich nicht wusste, welche Bezeichnung die richtige für ihn war. Pa dachte, er wäre ein imaginärer Freund oder etwas in der Art, aber ich wusste, dass er das nicht war.” (Zitat S.27) Mittenwool ist bei Silas schon seit jeher immer mit dabei. Zuerst wusste Silas gar nicht, dass alle anderen ihn nicht sehen können. In der Schule wurde er deshalb von den anderen Kindern ausgegrenzt und von seinem Vater fortan zu Hause unterrichtet. Dieser betont jedoch vehement, dass es ein Wunder sei, dass Silas Mittenwool wahrnehmen kann und dass er sich dies bewahren solle. Auch wenn er besser vielleicht
nicht jedem davon erzählen dürfe. Ebenso auf seiner Reise durch ein Sumpfgebiet kann Silas Geister wahrnehmen. “Ihr eines Auge öffnete sich weit vor Entsetzen. Das andere war nicht da, denn die eine Hälfte ihres Gesichts fehlte, war nur noch Blut und Knochen. Ich konnte nicht anders, ich musste entsetzt nach Luft schnappen, worauf alle Geister gleichzeitig aufschauten und auf meine Anwesenheit aufmerksam wurden. Alle waren von den grässlichen Wunden bedeckt, an denen sie gestorben waren. Sie begannen, sich mir zu nähern.” (Zitat S.91) Stellenweise wird es hier schon etwas blutiger. Auch gegen Ende des Romans. Aber immerzu möchte man wissen, wie es weitergeht. Ob Silas es gelingen wird seinen Vater zu retten und welche Hürden er noch so zu überwinden hat. “Du bist etwas Besonders, Silas. Du nimmst Dinge wahr, die andere nicht wahrnehmen können. Das ist eine Gabe.” “
Ich will sie nicht. Das ist keine Gabe. Das ist ein Fluch.” “Sie könnte dir dabei helfen, Pa zu finden.” (Zitat S.70) Ein Junge, der über sich hinauswächst. Eine Welt zwischen den Lebenden und den Toten. Eine Fälscherbande, die seinen Vater in der Gewalt hat. Unerschrockene, tapfere Gesetzeshüter, die Silas auf seinem Weg begleiten. Familengeheimnisse, die gelüftet werden. Ein Finale wie in einem Western. Ein Pferd, zu dem Silas eine besondere Verbindung zu haben scheint. “Pony” vereint die unterschiedlichsten Elemente, verknüpft sie zu einer unterhaltsamen, klug erzählten Geschichte, die vor allem rund, schlüssig und durchdacht ist und zeigt wieder einmal, dass auch Außenseiter glänzen können und Menschlichkeit sich am Ende durchsetzt. Im Anhang geht die Autorin, die diesen Roman während Pandemiezeiten schrieb, noch sehr ausführlich auf die Entstehungsgeschichte des Buches ein, ihre eigene Liebe zur Fotographie und welche Bücher sie für ihre Recherche gelesen hat.
Du möchtest noch mehr Bücher von Raquel J. Palacio lesen? Dann greif unbedingt zu
ihrem Erfolgstitel und sehr empfehlenswerten Roman “Wunder: Sieh mich nicht an”. Dazu gibt es noch eine Fortsetzung, die aus anderen, ergänzenden Perspektiven geschrieben wurde, namens “Wunder: Julian, Christopher & Charlotte erzählen” und sogar ein Bilderbuch “Wir sind alle ein Wunder”. Außerdem schrieb und zeichnete Raquel J.Palacio noch die Graphic Novel “White Bird: Wie ein Vogel”, in welcher Julian (Person aus “Wunder” wieder eine Rolle spielt, wenn auch in einem ganz anderen Kontext). Den Roman dazu schrieb Erica S.Perl: “White Bird: Wie ein Vogel”. Du magst Geschichten, in denen Geister vorkommen, die sich aber dennoch mit ernsten Themen beschäftigen? Dann lies zum Beispiel “Wovon ich träume” von Kyle Lukoff oder “Der Schatten an meiner Wand” von Kerstin Lundberg Hahn. Sehr gelungen fand ich auch “Jessicas Geist” von Andrew Norriss und “Das unsichtbare Mädchen” von Charis Cotter.
Bibliografische Angaben:Verlag: Hanser ISBN: 978-3-446-27424-2 Erscheinungsdatum: 29.Januar 2024 Einbandart: Hardcover Preis: 19,00€ Seitenzahl: 304 Übersetzer*in: André Mumot Originaltitel: "Pony" Originalverlag: Knopf Books for Young Readers Amerikanisches Originalcover:
Erster Trailer zum Buch (auf Englisch):
Zweiter Trailer zum Buch (auf Englisch:)
Dritter Trailer zum Buch (auf Englisch):
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---------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von Penguin Random House

Verlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-27424-2
Erscheinungsdatum: 29.Januar 2024
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,00€
Seitenzahl: 304
Übersetzer*in: André Mumot
Originaltitel: "Pony"
Originalverlag: Knopf Books for Young Readers
Amerikanisches Originalcover:
Erster Trailer zum Buch (auf Englisch):
