Ella Blix — Der Schein

Ella Blix - Der Schein19.Januar 2018

Unter dem Psyeud­onym Ella Blix haben sich die Autorin­nen Ant­je Wager (“Unland”) und Tania Wit­te zusam­men­ge­tan und nun das Buch “Der Schein” ver­öf­fent­licht. Eine Mischung aus Inter­nats­ge­schich­te, Thril­ler und einem Touch Über­na­tür­li­chem. Über ein selt­sa­mes Schiff, Freund­schaft und eine ner­ven­auf­rei­ben­de Spu­ren­su­che. Sehr unter­halt­sam und mit einem packen­den Fina­le! Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 16-jäh­ri­ge Ali­na ist nicht wirk­lich begeis­tert davon von ihrem Vater für eini­ge Zeit auf ein Inter­nat geschickt zu wer­den. Noch dazu auf das Eli­te-Inter­nat auf der spär­lich besie­del­ten Ost­see­insel Grif­fiun. Doch ihr Vater, der für ein wich­ti­ges For­schungs­pro­jekt nach Ame­ri­ka muss, will sie nicht allei­ne zu Hau­se las­sen. Und jetzt sitzt Ali­na nicht nur ohne Han­dy­emp­fang auf die­ser Insel fest, son­dern ver­misst auch sehn­süch­tig ihren Freund Lukas und ihre bes­te Freun­din Pinar. Ihre Zim­mer­ge­nos­sin hat einen hal­ben Urwald aus Pflan­zen in ihrem Zim­mer und spricht kein Wort mehr mit ihr, seit Ali­na die­se Gewäch­se auf deren Hälf­te des Zim­mers ver­bannt hat. Und die Cli­que der “Lone­lies” — so nen­nen sich die Schü­ler, die am Wochen­en­de im Inter­nat blei­ben — sind auch etwas ver­schro­ben und fol­gen ihren eige­nenElla Blix Der Schein gesell­schaft­li­chen Regeln. Einer von ihnen schminkt sich sogar und zieht Frau­en­klei­dung an! Und die­ser Herr Mühl­stet­ter, der Kiosk­be­sit­zer der Insel, der immer ein Mon­okel und einen Zylin­der trägt, ver­hält sich eben­falls höchst selt­sam. Er wohnt in der Vogel­schutz­war­te des Natur­schutz­ge­bie­tes, in wel­ches nie­mand der Inter­nats­schü­ler hin­ein­darf. Dort hau­sen sel­te­ne Vögel und die soge­nann­ten Urrin­der, eine höchst aggres­si­ve Tie­re, vor denen das Inter­nat mit einem Infor­ma­ti­ons­film warnt. Doch gera­de wenn etwas ver­bo­ten ist, reizt es Ali­na beson­ders es zu erfor­schen. Vor allem als sie eines Nachts eine beson­de­re Ent­de­ckung macht: “Ganz, ganz weit da drau­ßen im Natur­schutz­ge­biet… etli­che Kilo­me­ter hin­ter Mühl­stetters ein­sa­men Heim… im tiefs­ten Herz der Dun­kel­heit… schim­mer­te ein zwei­tes Licht! […] Ich ver­stand das nicht. Wenn Mühl­stet­ter ganz offen­sicht­lich zu Hau­se war — wer war dann dort drau­ßen in der Fins­ter­nis?” (Zitat S.67) Ali­na beschließt dem Gan­zen auf den Grund zu gehen und dringt hin­ein in das Natur­schutz­ge­biet mit dem abso­lu­ten Zugangs­ver­bot. Und sie trifft auf Tin­ka, ein Mäd­chen, das dort wild campt. Die eine selt­sa­me Aus­rüs­tung bei sich hat und mehr zu wis­sen scheint, als sie vor­gibt. Was geht dort vor sich? Und was ist das für einElla Blix Der Schein merk­wür­di­ges, dunk­les Schiff, das bei Nacht am Nord­rand der Insel hin­ter dem Natur­schutz­gebiet plötz­lich auf­taucht und dann eben­so schnell wie­der ver­schwin­det? Ein Schiff mit einer rie­si­gen Kugel in der Mit­te? “Ein Licht­strahl schoss aus der Kugel her­aus. Er war von so grel­lem Grün, das er direkt auf mei­ner Netz­haut explo­dier­te. Ich schloss geblen­det die Augen, doch hin­ter mei­nen Lidern sah ich immer noch den lan­gen Bogen, den der Strahl genom­men hat­te: vom Schiff direkt ins Natur­schutz­ge­biet.” (Zitat S.167ff) Als bald eine Leh­re­rin vom Inter­nat ver­schwin­det und die “Lone­lies” ihr von einer alten Legen­de erzäh­len, über­schla­gen sich die Ereig­nis­se…

Das Cover von “Der Schein” ist rich­tig schön gestal­tet und mal etwas ganz ande­res. Am Anfang, als ich das Buch zu lesen begon­nen habe, das durch­ge­hend aus Ali­nas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist, habe ich mir nicht wirk­lich vor­stel­len kön­nen, in was für eine Rich­tung das Gan­ze gehen könn­te. Inter­nat und altes Schiff? Das klingt nach einer höchst selt­sa­men Kom­bi­na­ti­on. Auch die Cha­rak­te­re wir­ken etwas über­zo­gen und extrem. DoElla Blix Der Scheinch in “Der Schein” ist tat­säch­lich nicht alles so, wie es scheint. Das stellt auch die Prot­ago­nis­tin Ali­na bald fest, wäh­rend sie ihr “Schub­la­den­den­ken” — eben­so wie der Leser — neu über­den­ken muss: Cara, pum­me­lig, liebt Rosa, ver­ehrt Models. Schub­la­de Unsport­lich. Schub­la­de Nicht-ernst-zu-nehmen. […] Und jetzt? Rann­te sie. Ging im Win­ter eis­baden, kann­te Geheim­we­ge, war mutig… Die Schub­la­den in mei­nem Hirn klap­per­ten hilf­los auf und zu. Wie­der mal begann ich, an ihrer Taug­lich­keit zu zwei­feln.” (Zitat S.249) Eben­so die typi­sche (zu Beginn eher etwas gemäch­lich erzähl­te) Inter­nats­ge­schich­te nimmt rasch an Tem­po auf und lässt einen schnell inmit­ten einer Hau­fen rät­sel­haf­ter Ereig­nis­se hin­ein­stür­zen, die auch in Ali­nas Ver­gan­gen­heit zurück­füh­ren (was ist mit ihrer Mut­ter damals pas­siert?) Irgend­wann im hin­te­ren Teil des Buches wird das Gan­ze so tem­po­reich, dass man sich dem Erzähl­sog kaum mehr ent­zie­hen kann und wie gebannt an den Sei­ten hängt! Die Spra­che ist sehr facet­ten­reich und deren Unter­schied­lich­keit ist wahr­schein­lich auch der Tat­sa­che geschul­det, dass zwei Autorin­nen dar­an geschrie­ben haben. Die Erzähl­art reicht von salopp und jugend­sprach­lich (“War­um muss­te ich in die­seElla Blix Der Scheins ver­fick­te Inter­nat, wo ich kei­nen kann­te?” (Zitat S.15)) bis hin zu kraft­voll und poe­tisch: “Die Stil­le drückte sich gegen mei­ne Haut. Ich fühl­te mich von allen ver­las­sen, die ich lieb­te. Von Pa. Von Pinar. Von Lukas. Lukas. Die Sehn­sucht nach ihm war eine fei­ne sil­ber­ne Nadel, die jemand ganz lang­sam in mein Herz hin­ein­trieb. Ich leg­te die Arme auf den Tisch und den Kopf dar­auf. Schloss die Augen. Spür­te die Nadel. Und atme­te.” (Zitat S.63) Zuwei­len berich­tet Ali­na auch in einer Art Tage­buch­stil. Das Ende ist über­ra­schend, gelun­gen und sehr schlüs­sig.

Fazit: Eine ganz beson­de­re Geschich­te, die sich zu lesen lohnt!

Wenn dir die Erzähl­art von Ella Blix gefällt, kannst du zumin­dest von Ant­je Wag­ner (einer Autorin des Duos) noch ihre ande­ren Jugend­bü­cher lesen: Unland” (2009), “Schat­ten­ge­sicht” (2010) Lesealternativenund “Vaku­um” (2012). Tania Wit­te hat bis­her kei­ne Jugend­ro­ma­ne, son­dern nur Titel für Erwach­se­ne ver­öf­fent­licht. Lese­al­ter­na­ti­ven an Inter­nats­ro­ma­nen gibt es zuhauf. Hier eine Aus­wahl an Titeln, in denen auch immer irgend­et­was Mys­te­riö­ses pas­siert: “Das Tal”-Rei­he von Kry­sty­na Kuhn (bril­lant! äußerst span­nend), “Stig­ma­ta: Nichts bleibt ver­bor­gen” von Bea­trix Guri­an (nicht ganz ein Inter­nat, mehr ein Camp; mit Hor­ror­ele­men­ten) und “Eden Aca­da­mey: Du kannst dich nicht ver­ste­cken” von Lau­ren Mil­ler. Sehr klas­se ist vor allem die zwei­bän­di­ge Rei­he von Robi­son Wells: Du kannst kei­nem trau­en” und “Ihr seid nicht allein”. In einen Wald (=Natur­schutz­ge­biet), in den auch nie­mand hin­ein darf, das fin­dest du eben­so in “Schlamm oder Die Kata­stro­phe von Heath Cliff” von Lou­is Sachar. Ein biss­chen hat mich “Der Schein” auch an “Der Som­mer, in dem die Zeit ste­hen blieb” von Tanya Stew­ner erin­nert.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60413-8
Erscheinungsdatum: 19.Januar 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€ 
Seitenzahl: 472 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

2 Kommentare

  1. Ella Blix

    Oh, wie toll! Wir sagen DANKE für die­se zau­ber­haf­te Rezen­si­on. Gro­ße Freu­de … :-D

    die zwei Ellas

    Antworten
    1. Kasimira (Beitrag Autor)

      Hal­lo Ella Blix/die zwei Ellas,

      gern gesche­hen;-) Dan­ke für den Ein­trag!

      LG Kasi­mi­ra

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.