Louis Sachar — Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff

Louis Sachar - Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff22.Februar 2018

Löcher“-Best­sel­ler­au­tor Lou­is Sachar hat mit „Schlamm oder Die Kata­stro­phe von Heath Cliff“ mal wie­der ein rich­tig gutes Jugend­buch geschrie­ben! Über eine plötz­li­che Infek­ti­ons­wel­le aus­ge­löst durch ein Schlamm­loch, wel­ches in einer Klein­stadt für größ­tes Cha­os sorgt. Äußerst unter­halt­sam, span­nend und mit einer schö­nen Pri­se Humor. Nun als Taschen­buch erschie­nen. Für Wenig­le­ser (vor allem Jungs) und alle ande­ren Jugend­li­chen ab 12 Jah­ren. Lese­tipp!

Penn­syl­va­nia. In dem klei­nen (fik­ti­ven) Städt­chen namens Heath Cliff gehen jeden Mor­gen gemein­sam zur Schu­le: die 5.Klässlerin Tama­ya und der 7.Klässler Mar­shall. Frü­her hat das Mäd­chen den älte­ren Jun­gen immer ein wenig ange­him­melt, doch in letz­ter Zeit ver­hält sich Mar­shall irgend­wie anders und möch­te nicht ein­mal in der Schu­le zusam­men mit ihr gese­hen wer­den. Sie gehen nur des­halb noch gemein­sam hin und zurück, weil Tama­yas Mut­ter ihre Toch­ter nicht allei­ne zur Schu­le gehen las­sen will. Ihr Weg führt sie stets um den Wald her­um, in den nie­mand der Kin­der hin­ein­ge­hen darf. Schau­er­ge­schich­ten ran­ken sich in der Schu­le dar­über. Auch die älte­ren Jungs, die neu­er­dings an dem Pau­sen­tisch von Tama­ya und ihren Freun­din­nen sit­zen, erzäh­len eine von dem geis­tes­ge­stör­ten Ein­sied­ler, der dort angeb­lich haust. Des­halb ist Tama­ya umso über­rasch­ter, als Mar­shall eines Tages plötz­lich eine Abkür­zung gehen will: mit­ten durch den Wald hin­durch! Da sie nicht allei­neLouis Sachar Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliffgehen darf, bleibt ihr nichts ande­res übrig als Mar­shall zu fol­gen, von dem sie jedoch bald den Ein­druck bekommt, dass er gar kei­ne Ahnung hat, wo sie über­haupt sind. Da ist das Mäd­chen sehr erfreut, als sie auf ein­mal einen ande­ren Schü­ler im Wald ent­deckt: Chad, der auch in der 7. Klas­se ist. Er war es, der ihr und ihren Freun­din­nen von dem geis­tes­ge­stör­ten Ein­sied­ler erzähl­te. Dum­mer­wei­se ist aus­ge­rech­net Chad, der Grund, war­um Mar­shall über­haupt den Weg durch den Wald genom­men hat­te. Der noch rela­tiv neue Schü­ler schi­ka­niert Mar­shall seit einer Wei­le, wes­we­gen sich auch all sei­ne Freun­de von ihm abge­wandt haben. Nach der Schu­le hat­te Chad Mar­shall ver­prü­geln wol­len, wes­halb die­ser von sei­nem übli­chen Schul­weg abge­wi­chen war, um dem Klas­sen­row­dy nicht zu begeg­nen. Bei einer begin­nen­den Ran­ge­lei ist es Tama­ya, die Mar­shall schließ­lich ver­tei­digt: sie greift ein­fach in die­ses selt­sa­me Schlamm­loch, das sie im Wald ent­deckt haben, auf dem merk­wür­di­ger­wei­se kein ein­zi­ges Blatt liegt und wirft es Chad direkt ins Gesicht. Dann ren­nen sie so schnell sie kön­nen aus dem Wald. Bald dar­auf bemerkt Tama­ya einen komi­schen Aus­schlag auf ihrer Hand, der immer schlim­mer wird. Was ist das nur? Kann das etwa von dem Schlamm kom­men? Dann müss­te Chad das­sel­be Pro­blem ja im Gesicht haben! Nur Chad scheint seit dem Geran­gel im Wald spur­los ver­schwun­den zu sein…

Louis Sachar Schlamm oder Die Katastrophe von Heath CliffSchlamm oder Die Kata­stro­phe von Heath Cliff“ ist aus der Sicht eines all­wis­sen­den Erzäh­lers geschrie­ben, der meis­tens aus Tama­yas Per­spek­ti­ve berich­tet, aber auch ande­re Sicht­wei­sen mit ein­flie­ßen lässt. Die Geschich­te liest sich durch­weg inter­es­sant und ist mit 192 Sei­ten rela­tiv flott zu lesen. Mir hat vor allem der iro­ni­sche Unter­ton, der sich zuwei­len in die Zei­len schleicht, gefal­len und die ein­ge­scho­be­nen Dia­lo­ge eines Unter­su­chungs­aus­schus­ses, der sich mit den Ereig­nis­sen in Heath Cliff aus­ein­an­der­setzt. Denn der Schlamm, so erfährt man bald, ist eigent­lich ein „Unfall“ eines gro­ßen Kon­zerns. Die­ser woll­te mit­tels eines gene­tisch ver­än­der­ten Schleim­pil­zes eine neue Form von Ben­zin (namens Bio­len) her­stel­len. Eigent­lich soll­te die­ser Mikro­or­ga­nis­mus an der Luft gar nicht über­le­ben kön­nen. Doch einer mutier­ten Form schien dies gelun­gen zu sein. Der Aus­schuss befragt ver­schie­de­ne Wis­sen­schaft­ler zu der Gefähr­lich­keit die­ses Schleim­pil­zes und berich­tet spä­ter im Buch von dem, was in Heath Cliff pas­siert, nach­dem eine Qua­ran­tä­ne über die gan­ze Stadt ver­hängt wird. Klas­se fand ich auch die gra­fi­sche Ver­an­schau­li­chung der Ver­brei­tung der Mikro­or­ga­nis­men. Ein paar klei­ne Bläs­chen säu­men den Buch­rand, die immer mehr und mehr wer­den und zum Schluss gan­ze Sei­ten aus­fül­len. Die Wis­sen­schaft­ler erklä­ren, dass eine Zell­tei­lung alle 36 Minu­ten geschieht und dem­entspre­chend wird das lau­fen­de Kapi­tel immer wie­der von eben die­ser Zell­tei­lung (in Zah­len aus­ge­drückt) unter­bro­chen, was die Dra­ma­tik der Geschich­te unwei­ger­lich erhöht. Zu Beginn sieht das noch ganz sim­pel aus: “2×1=2 und 2×2=4” (S.42), doch irgend­wann wach­sen die Zah­len ins Uner­mess­li­che: “2x1.048.576=2.097.152 und 2x2.097.152=4.194.304” S.117). Das eng­li­sche Cover (sie­he unten) sieht übri­gens auch rich­tig klas­se aus! Der Roman eig­net sich auch her­vor­ra­gend als Klas­sen­lek­tü­re oder für eine Buch­vor­stel­lung.

Inter­es­sant: Der Roman ist sogar — obwohl Lou­is Sachar ein ame­ri­ka­ni­scher Autor ist — zuerst im Deut­schen erschie­nen. Die eng­li­sche Aus­ga­be ist erst ab dem 4.August 2015 erhält­lich gewe­sen! Im Deut­schen (bezieht sich auf die Hard­co­ver) schon Mit­te Juli;-)

LesealternativenWenn dir “Schlamm oder Die Kata­stro­phe von Heath Cliff” gefal­len hat, kannst du natür­lich noch das bekann­te Löcher” von Lou­is Sachar lesen oder die eher unbe­kann­te­ren Roma­ne “Klei­ne Schrit­te” (ab 12), Brad­ley, letz­te Rei­he, letz­ter Platz” (ab 10), Der Fluch des David Bal­lin­ger” (ab 12) und König, Dame, Joker” (ab 14). Eine gute Alter­na­ti­ve in Sachen Iro­nie und Umwelt­schutz ist auch der Autor Carl Hiaa­sen, lies hier zum Bei­spiel “Eulen” oder Fet­te Fische”. Mit humor­vol­lem Unter­ton schreibt eben­so Marie-Aude Murail, die auch meist einen aukt­oria­len Erzäh­ler ver­wen­det, wie zum Bei­spiel in “Viel­leicht sogar wir alle” oder “Ein Ort wie die­ser”. Eine Epi­de­mie, die sich lang­sam aus­brei­tet, fin­dest du in der “Wir sind ver­bannt” -Rei­he von Megan Crewe, wel­ches sehr span­nend zu lesen ist! Rich­tig fes­selnd fand ich eben­falls Todes­brut” von Klaus-Peter Wolf, wel­ches ich aller­dings erst ab 16 Jah­ren emp­feh­len wür­de.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-74865-2
Erscheinungsdatum: 7.Februar 2018
Einbandart: Taschenbuch 
Preis: 7,95€
Seitenzahl: 191
Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn
Originaltitel: "Fuzzy Mud"
Originalverlag: Random House

Amerikanisches Originalcover:
Louis Sachar Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Englisches Cover: Homepage von Random House Children's Books

2 Kommentare

  1. ZickiVici

    Ich fin­de die­se Zusam­men­fas­sung sehr gut, da sie vie­le Sachen gut beschreibt und sie mir bei einer Haus­auf­ga­be in Eng­lisch sehr gehol­fen hat. Vie­len Dank!! :***

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    1. Kasimira (Beitrag Autor)

      Vie­len Dank! Bei Eng­lisch­haus­hauf­ga­ben hel­fe ich auf die­se Wei­se ger­ne;-)
      LG Kasi­mi­ra

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