Zoë Jenny — Nachts werden alle Wünsche wahr

13.November 2024

“Nachts wer­den alle Wün­sche wahr” ist ein Kin­der­buch der Schwei­zer Autorin Zoë Jen­ny, die vor allem mit ihrem Roman “Blü­ten­staub­zim­mer” (für Erwach­se­ne) bekannt wur­de. In ihrem aktu­el­len Werk stellt sie die 10-jäh­ri­ge Lea in den Mit­tel­punkt, die mit ihren Freun­den die auf­re­gends­ten Aben­teu­er erlebt. Als sie sich nachts in das Ein­kaufs­zen­trum schlei­chen, in dem Leas Mut­ter arbei­tet, ent­de­cken sie ein geheim­nis­vol­les, magi­sches Buch, das ihnen Rät­sel auf­gibt und Auf­ga­ben stellt. Nur wenn sie ihre Ängs­te über­win­den und wah­ren Mut bewei­sen, wer­den sich eini­ge ihrer Träu­me erfül­len. Gemein­sam machen sich die Freun­de dar­an die Her­aus­for­de­run­gen zu lösen und über sich hin­aus­zu­wach­sen. Fan­ta­sie­voll, unter­halt­sam und mit einer schö­nen Bot­schaft ver­se­hen. Lei­der manch­mal ein wenig unau­then­tisch und künst­lich wir­kend. Für Kin­der ab 9 Jahren.

Die Schu­le hat wie­der ange­fan­gen und Lea freut sich dar­auf, ihre Freun­de wie­der­zu­se­hen. “Die letz­te Feri­en­wo­che war furcht­bar lang­wei­lig. Nur scha­de, dass sie in der Klas­se nicht neben einem ihrer Freun­de sit­zen kann. Die Leh­re­rin hat sie aus­ge­rech­net neben Mia gesetzt. Mia, die immer so unfreund­lich zu ihr ist. Schon in der ers­ten Stun­de hat Mia ihr Line­al in die Mit­te des Tisches gelegt und gesagt: “Das hier ist die Gren­ze!” (Zitat aus “Nachts wer­den alle Wün­sche wahr” S.6ff) Aber in ihrer Frei­zeit unter­nimmt sie viel mit ihren Freun­den. Da sind die Zwil­lin­ge Jes­scia und Jen­ny. Und Simon, des­sen Mut­ter gestor­ben ist. Und Lukas, der schon einen eige­nen KasimiraTik­Tok-Account hat und sei­ne Tricks mit dem Skate­board dort zeigt. Manch­mal machen sie Über­nachts­par­tys und schau­en zusam­men Fil­me an oder gehen Skate­board­fah­ren im Hof. Da sie alle in der Nähe des River­si­des woh­nen, nen­nen sie sich die “River­si­de Kids”. Lea lebt bei ihrer Mut­ter. Ihr Vater ist aus­ge­zo­gen und hat eine neue Freun­din. Am liebs­ten hät­te Lea ger­ne einen Hund. Aber lei­der hat ihre Mut­ter, die im Ein­kaufs­zen­trum als Fili­al­lei­te­rin in einer Buch­hand­lung arbei­tet, dafür zu wenig Zeit. Dafür hat Lea eine Vogel­spin­ne, die Tri­xie heißt. “Tri­xie ist ein beson­ders bra­ves Exem­plar, denn sie beißt nicht und wirft auch kei­ne Brenn­haa­re ab, um Fein­de abzu­weh­ren. Tri­xie erkennt Lea an ihrem Geruch und scheint es zu genie­ßen, auf ihr her­um­zu­krab­beln. Lea liebt es, sie zu strei­cheln, mit ihren vie­len Haa­ren fühlt Tri­xie sich ganz pel­zig an.” (Zitat S.19) Doch in letz­ter Zeit lei­det sie ziem­lich dar­un­ter, dass Mia so unfreund­lich zu ihr ist. Jeden Tag denkt sie sich eine neue Gemein­heit aus, um Lea zu schi­ka­nie­ren. Als sie ihr Feder­mäpp­chen zu Hau­se ver­ges­sen hat, muss Lea ihr für das Lei­hen eines Stifts eine Limo­na­de kau­fen. Oder Mia stellt ihr absicht­lich den Fuß, so dass sie hin­fällt. “Mia rückt mit dem Stuhl noch Kasimirawei­ter von ihr weg. Ihre Feind­se­lig­keit ist so unan­ge­nehm, dass Lea sich fast fürch­tet. Was hat Mia nur gegen sie? In der Mathe-Stun­de kann Lea sich nicht kon­zen­trie­ren. Als die Leh­re­rin sie dran­nimmt, zuckt sie zusam­men. Sie kann beim bes­ten Wil­len nicht nach­den­ken, obwohl die Fra­ge gar nicht schwer ist. “Lea?” Die Leh­re­rin blickt sie erwar­tungs­voll an. Sie merkt, wie Mia sie von der Sei­te anschaut, ihr spöt­ti­scher Blick brennt auf ihrer Wan­ge.” (Zitat S.22) Ihren Freun­den möch­te Lea jedoch davon lie­ber nichts erzäh­len. Ihr ist die Sache ziem­lich unan­ge­nehm. Eines Nachts schleicht sich die Cli­que in das Ein­kaufs­zen­trum ein. Sie träu­men davon nachts in den Läden her­um­zu­stö­bern. Lei­der sind alle Roll­lä­den zu. Nur zur Buch­hand­lung fin­den sie Zugang. Und ent­de­cken in der Kin­der­ab­tei­lung ein selt­sa­mes Buch, das auf dem Boden her­um­liegt: “In dem Moment fängt das Buch in allen Regen­bo­gen­far­ben zu blin­ken an. Ein­mal rot, dann gelb, grün und blau. Die Kin­der stel­len sich im Kreis um das Buch her­um und star­ren es ungläu­big an. Lukas beugt sich run­ter, um es genau­er anzu­schau­en, aber dann klappt der Buch­de­ckel Kasimiravon selbst auf, und Lukas schreckt mit einem Schrei zurück. “Das Buch lebt!” “Viel­leicht ist es gif­tig”, flüs­tert Jes­si­ca ängst­lich. “Viel­leicht ist es magisch”, meint Jen­ny.” (Zitat S.45) Plötz­lich stei­gen Buch­sta­ben aus den Sei­ten auf, wir­beln her­um und las­sen sich auf den Sei­ten wie­der nie­der. Ein leuch­ten­der Text erscheint: “An die fünf River­si­de Kids: Wer das Rät­sel löst, kommt hin­ein und fünf Träu­me wer­den wahr. Über­win­den ist das Ziel. Wo die Ware rein­kommt, müsst ihr hin, mon­tags zur frü­hen Stund’ Aber seid auf der Hut und seid leis’, ihr sollt nichts sagen und nichts ver­ra­ten. Ein Geheim­nis gehört gehü­tet, sonst wird es viel­leicht wütend…” (Zitat S.46) Kurz danach knallt das Buch zu, und alles scheint wie­der wie vor­her zu sein. Für die Freun­de aller­dings nicht. Sie wol­len das Rät­sel unbe­dingt lösen und ihre Träu­me wahr machen. Bald taucht die magi­sche Buch­sta­ben­schrift auch an ande­ren Orten auf. “Es scheint, dass wir für jeden erfüll­ten Traum eine Angst über­win­den müs­sen.” (Zitat S.94) Gemein­sam ver­su­chen die Freun­de die Prü­fun­gen zu bestehen…

KasimiraAuf das neue Werk von Zoë Jen­ny habe ich mich per­sön­lich schon gefreut, da mir “Blü­ten­staub­zim­mer” von ihr damals sehr gut gefiel — vor allem sprach­lich. Bei dem Kin­der­buch ist von der Schön­heit der Spra­che jedoch lei­der nicht all­zu viel anzu­mer­ken. Die­ses ist kind­ge­recht natür­lich sehr ein­fach und schlicht ver­fasst, hät­te aber durch­aus ein paar bild­haf­te For­mu­lie­run­gen ent­hal­ten kön­nen. Erzählt wird von einem all­wis­sen­den Erzäh­ler, der sich haupt­säch­lich auf Lea fokus­siert. Ein sehr sym­pa­thi­sches Mäd­chen, in wel­ches man sich gut ein­füh­len kann. Irri­tie­rend ist nur, dass im Klap­pen­text von einem Altern von 12 Jah­ren gespro­chen wird. Bereits zu Beginn des Buches wird erwähnt, dass sie bald ins Gym­na­si­um kommt, sie kann also höchs­tens in der 4.Klasse sein. Das passt vom Alter her nicht ganz zusam­men und lässt auf einen Druck­feh­ler beim Klap­pen­text schlie­ßen. Dies bestä­tigt auch eine Zei­tungs­an­zei­ge am Endes des Buches: “Am Tag der Preis­ver­lei­hung ste­hen sie auf der Titel­sei­te der Lokal­zei­tung: WIE FÜNF ZEHNJÄHRIGE EINEM HUNDEENTFÜHRER-RING DAS HANDWERK LEGTEN!” (Zitat S.175) Die Freund­schaft steht in “Nachts wer­den alle Wün­sche wahr” stark im KasimiraVor­der­grund. Die Kin­der hal­ten zusam­men, erle­ben die größ­ten Aben­teu­er zusam­men. Dass sie gemein­sam zuwei­len dann auch noch zu sin­gen anfan­gen — wie einem High­school Musi­cal — wirkt manch­mal ein wenig befremd­lich: “Lukas ver­tei­digt Simon wie einen klei­nen Bru­der, dabei ist er ein Ein­zel­kind, genau wie ich, denkt Lea. Nach die­sem Schreck und bevor es in die Klas­se zurück­geht, stel­len sich Jes­si­ca und Jen­ny, Lea, Lukas und Simon im Kreis auf und sin­gen den Song der River­si­de Kids: “Wir sind die River­si­de Kids. Wir las­sen uns nicht unter­krie­gen, nie­mand kann uns stop­pen. Wir machen, was wir wol­len, und nie­mals, was wir sol­len.” (Zitat S.13) Jedoch lässt Joë Jen­ny Kin­der­träu­me wahr wer­den, als sich ihre Prot­ago­nis­ten nachts in das Ein­kaufs­zen­trum steh­len und dort von offe­nen Geschäf­ten träu­men. Ein gro­ßer Hauch Fan­ta­sie schleicht sich an der Stel­le mit dem magi­schen Buch in die Geschich­te und auch spre­chen­de Tie­re wer­den dar­in noch eine Rol­le spie­len. Das Kern­the­ma des Buches sind Ängs­te, die es zu über­win­den gilt. Dies merkt auch Lea recht schnell, als das Buch sich mit einer Auf­ga­be direkt an sie wen­det: “Was ist nur mit Mia los? Lea Kasimiramer­ke dir: Opfer sein ist gar nicht schwer, sich zu weh­ren umso mehr!” (Zitat S.63) Die dar­auf fol­gen­de Akti­on liest sich sehr raf­fi­niert und ein­drucks­voll. Und Lea begreift auch — was als Bot­schaft sehr schön umge­setzt ist — dass es gar nicht schlimm ist, zuzu­ge­ben, vor etwas Angst zu haben. “Du fürch­test dich vor Mia?” fragt Jes­si­ca. Lea nickt. Ein biss­chen schämt sie sich, es zuzu­ge­ben. Aber nie­mand macht sich lus­tig. “Wenn man Angst hat, kann man nicht mehr klar den­ken, das habe ich auch schon erlebt. Nach­dem mich der Hund gebis­sen hat, habe ich jedes Mal in die Hosen gepin­kelt, wenn ein gro­ßer Hund auf mich zuge­kom­men ist”, gibt Simon zu. Wäh­rend er das sagt, blickt er zu Boden und wird rot im Gesicht. Aber nie­mand fin­det das zum Lachen.” (Zitat S.65) Die Kin­der­ängs­te wer­den jedoch recht schnell abge­han­delt, blei­ben lei­der meist etwas an der Ober­flä­che. Auch gegen Ende des Romans wirkt vie­les ein­fach zu kon­stru­iert und künst­lich. ««««««ACHTUNG SPOILER:»»»»»» Herr Bit­ter­li zieht die Beschwer­de plötz­lich zurück, nur weil ein Hund ihn anknurrt? Auch sind man­che Wand­lun­gen ein­fach zu rasch, wie bei Nick, der Com­pu­ter­spie­le auf ein­mal doof fin­det, obwohl er immer nur gezockt hat. Und man­che Zufäl­le sind zu unglaub­wür­dig. Der Papa­gei scheißt aus­ge­rech­net Herrn Bit­ter­li auf den Kopf? Der Ring in der Kana­li­sa­ti­on gehört aus­ge­rech­net Sophie? ««««««SPOILER ENDE »»»»»» Ergänzt wird der Roman mit eini­ge Zeich­nun­gen von Lisa Hänsch, die durch­gän­gig oran­ge-blau gestal­tet sind, was auch sehr gut zum Cover passt. Nur am Ende fiel mir eine Zeich­nung auf, die nicht zum Inhalt der Geschich­te pass­te: Wol­fi, der laut Text in einen Käfig ein­ge­sperrt ist und einen Maul­korb trägt, hat auf dem Bild dann doch kei­nen mehr auf;-) Das Ende des Buches löst sich in einem Hap­py-End auf und klingt pas­send Lesealternativenaus.

Dir gefal­len Geschich­ten, in denen ein Buch im Vor­der­grund steht? Dann lies noch die Rei­he von Angie West­hoff: “Das Buch der selt­sa­men Wün­sche” (Band 1) und “Der drei­zehn­te Wunsch” (Band 2). Ein Roman für Kin­der ab 8 Jah­ren, der eben­falls von einer Autorin geschrie­ben wur­de, die haupt­säch­lich für Erwach­se­ne schreibt, und das ich sehr emp­feh­len kann, ist “Der war’s” von Juli Zeh.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Karibu (Edel)
ISBN: 978-396129-408-4
Erscheinungsdatum: 7.September 2024
Einbandart: Hardcover 
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 208
Illustrator*in: Lisa Hänsch

Kasimira auf Instagram:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(2,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

Schreibe einen Kommentar

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner