Will Hill — After the fire

Kasimira24.Juli 2020

Einen wirk­lich bemer­kens­wer­ten Roman hat der bri­ti­sche Autor Will Hill geschrie­ben: “After the fire” wur­de zu Recht mit zahl­rei­chen Prei­sen aus­ge­zeich­net und ent­führt sei­ne Leser in das Leben einer Sek­te, die mit­ten in der Wüs­te lebt. Schreck­li­ches ist dort gesche­hen — es gab ein Feu­er, Schüs­se, zahl­rei­che Tote. Ein jun­ges Mäd­chen, das sich nun in einer Psych­ia­trie befin­det, schafft es erst all­mäh­lich Ver­trau­en zu fas­sen und von ihren Erleb­nis­sen zu erzäh­len. Ein auf­wüh­len­des, unglaub­lich mit­rei­ßen­des Buch, das auf beson­de­re Art und Wei­se erzählt wird. Eine Geschich­te, die in den Bann zieht und die man so schnell nicht mehr ver­ges­sen wird! LESETIPP!! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und vor allem Erwach­se­ne.

Texas. In der Wüs­te. Dort lebt die 17-jäh­ri­ge Moon­beam mit ihren Brü­dern und Schwes­tern. Die Legi­on Got­tes. Ein ein­ge­zäun­te Gelän­de, abge­si­chert von den Gefah­ren von drau­ßen. Hier ist sie in Sicher­heit, so sagt es der Pro­phet. Als sie noch ein klei­nes Kind war, sind ihre Eltern die­ser Glau­bens­ge­mein­schaft bei­getre­ten. Doch ihr Vater ist gestor­ben und ihre Mut­ter ist auch nicht mehr da. Dafür küm­mert sich Father John um sie. Er bekommt Bot­schaf­ten direkt von Gott und gibt sie an sie alle wei­ter. Berei­tet sie vor auf die letz­te gro­ße Schlacht, die bald kom­men wird. Frü­her durf­ten sie nochKasimira das Gelän­de ver­las­sen, ande­re Mit­glie­der anwer­ben. Doch nach der Säu­be­rung ist vie­les anders gewor­den. Man darf kei­ne Bücher mehr lesen, nicht fern­se­hen. Gedan­ken der Ket­ze­rei müs­sen bestraft wer­den. Zur Not auch in hei­ßen Con­tai­ner aus Metall, auf die stun­den­lang die Son­ne scheint. Father John hat meh­re­re Frau­en. Und auch Moon­beam wur­de im Alter von zehn zu sei­ner künf­ti­gen Ehe­frau bestimmt. Wenn sie 18 Jah­re alt ist, wird sie ihn hei­ra­ten. Aber da ist auch Nate, der noch nicht so ganz lan­ge bei ihnen ist. Für den Moon­beam manch­mal mehr emp­fin­det, als sie eigent­lich dürf­te. Doch dann geschieht etwas Schreck­li­ches und danach ist alles anders. Ein Feu­er, unend­lich vie­le Schüs­se, der Feind, der das Lager zu stür­men scheint und ganz vie­le Ver­letz­te und Tote. Moon­beam erwacht in einem Kran­ken­haus: “Aus mei­ner Kind­heit, als Fern­se­hen noch erlaubt war, weiß ich, was Ärz­te sind, ich habe noch nie einen leib­haf­tig gese­hen, und in mei­nem Kopf schreit der Pro­phet, dass die ÄKasimirarzte Hand­lan­ger des STAATES sind, dass sie alle­samt der SCHLANGE die­nen, und sei­ne Stim­me geht mir unauf­hör­lich durch den Kopf, bis mir übel wird und ich vor Angst nicht mehr atmen kann” (Zitat aus “After the fire” S.13) Was ist pas­siert? Die­se Fra­ge stel­len ihr nicht nur ein Psy­cho­lo­ge und ein FBI-Beam­ter. Die­se Fra­gen stellt vor allem auch sie selbst sich. Denn Moon­beam hat gro­ße Schuld auf sich gela­den…

Schlicht und ein­drucks­voll und doch sehr auf­fäl­lig so wirkt das Cover. Und star­tet mit einem hef­ti­gen Pro­log, der direkt bei den Ereig­nis­sen des Feu­ers ein­setzt: “Ich hal­te mir mit der Hand Mund und Nase zu, aber der dicke, bei­ßen­de Rauch dringt zwi­schen den Fin­gern hin­durch und ich begin­ne zu hus­ten. Im Wei­ter­lau­fen sehe ich über­all Brü­der und Schwes­tern lie­gen, dunk­le Hau­fen, denen ich im Zick­zack nach rechts und links aus­wei­che. Eini­ge bewe­gen sich noch, zie­hen sich über den Boden oder zuckKasimiraen krampf­ar­tig wie bei einem Anfall, aber die meis­ten nicht. Die meis­ten lie­gen nur da.” (Zitat S.9) “After the fire” ist kein Spa­zier­gang. Es ist ein Buch, mit dem man sich aus­ein­an­der­set­zen muss. Es gibt Stel­len in “After the fire”, die sind bru­tal und hef­tig, scho­nungs­los. Eine Geschich­te, die dem Leser eini­ges abver­langt. Aber es ist eine — hat man sie erst ein­mal begon­nen — einen schwer los­lässt und ein­fach fas­zi­niert. Dazu trägt vor allem der raf­fi­nier­te Erzähl­stil bei. Durch­ge­hend wird aus Moon­beams Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt, aller­dings wird alles in Kapi­tel mit dem Titel “DAVOR” und “DANACH” ein­ge­teilt. DANACH” schil­der­te ihre Erleb­nis­se nach dem Brand, wie sie im Kran­ken­haus erwacht, schließ­lich in eine Kli­nik ver­legt wird und anfängt The­ra­pie­ge­sprä­che mit Dr. Robert Her­nan­dez zu füh­ren, zu denen sich schließ­lich auch ein FBI-Beam­ter gesellt. “DAVOR” beschreibt ihre Erin­ne­run­gen an das Leben vor dem Feu­er, die Teil der Gesprä­che in der Klink sind, aber in einem rei­nen Fließ­text daKasimirarge­stellt wer­den, so als erle­be sie es gera­de erst. Die­se Wech­sel sind unheim­lich span­nend. Am Anfang sind die The­men zeit­lich gese­hen noch ein wenig durch­ein­an­der, aber schließ­lich steu­ert alles immer näher auf die schreck­li­chen Ereig­nis­se des Feu­ers zu. Bemer­kens­wert ist auch, wie Moon­beam immer mehr mit sich kämpft. Wie sie zu Beginn kei­ner­lei Ver­trau­en zu ihrem behan­deln­den Arzt hat und die­ses erst lang­sam ent­wi­ckelt. Denn schließ­lich hat sie lan­ge Zeit etwas völ­lig ande­res ver­mit­telt bekom­men. Doch was glaubt das jun­ge, äußerst klu­ge Mäd­chen wirk­lich? Und — hier zieht sich der rote Faden unauf­hör­lich durch die Geschich­te — was bedeu­ten die Andeu­tun­gen, dass sie etwas Schlim­mes getan hat? Dass sie schuld an allem ist? Am Anfang hält sie vie­le Infor­ma­tio­nen noch zurück, was auch einen gro­ßen Anteil an der Span­nungs­ent­wick­lung aus­macht. Möch­te über vie­le Din­ge ein­fach nicht reden. Blen­det man­che The­men völ­lig aus. Auch wenn mir an einer Stel­le die Wand­lung sich zu öff­nen, doch etwas über­ra­schend kam, war dies wirk­lich nur eine win­zi­ge Moment­auf­nah­me. Der Rest des Buches ist glaub­haft und äußerst authen­tisch dar­ge­stellt.

Fazit: Ein wirk­li­cher Page­tur­ner, der sich defi­ni­tiv zu lesen lohnt!

Für Erwach­se­ne hat Will Hill noch eine wei­te­re Buch-Rei­he geschrie­ben“Depar­te­ment 19”: Die Mis­si­on” (Band 1), “Die Wie­der­kehr” (Band 2), “Das Gefecht” (Band 3). Roma­ne über Sek­ten gibt es im Jugend­buch sehr vie­le, das ist immer wie­der ein The­ma, das auf­taucht. Für “Ein­stei­ger” eig­nen sich zum Bei­spiel pri­ma die Roma­ne “Das eis­kal­te Para­dies: Ein Mäd­chen bei den Zeu­gen Jeho­vas” voLesealternativenJana Frey, Du auf der ande­ren Sei­te” von Moni­ka Feth und “Aus­er­wählt: Ein Mäd­chen zwi­schen Sek­te und Frei­heit” von Patri­cia Schrö­der. Mehr Thril­ler-Niveau haben “Moor­see­len” von Hei­ke Eva Schmidt (sehr span­nend!), “Engel­mord” von Bet­ti­na Bröm­me und “Teu­fel­sen­gel” von Moni­ka Feth. Eine Lie­bes­ge­schich­te ist oft in sol­chen Roman mit ent­hal­ten, wie zum Bei­spiel auch in dem gelun­ge­nen “Ada: Im Anfang war die Fins­ter­nis” von Ange­la Mohr (die Autorin berich­tet aus eige­nen Erfah­run­gen). Hier lebt ein jun­ges Mäd­chen eben­falls fast abge­schnit­ten von der Außen­welt in einer Sek­te und kommt erst all­mäh­lich dahin­ter, was ihr ange­tan wur­de, als sie sich in einen Jun­gen von außen ver­liebt. Rich­tig klas­se fand ich zudem “In dei­nem Licht und Schat­ten” von Loui­sa Reid. Hier sind zwei Zwil­lings­schwes­tern in den Fän­gen eines streng reli­giö­sen Vaters und eine der bei­den ver­liebt sich eben­falls. Etwas älter sind “Esters Angst” von Irma Krauß, “Scher­ben­pa­ra­dies” von Fleur Bea­le und “Aus­er­ko­ren” von Carol Lynch Wil­liams (sehr bewe­gend!). Gut könn­te ich mir auch “Hier musst du glück­lich sein” von Lisa Heath­field und die “Gated”-Rei­he von Amy Chris­ti­ne Par­ker vor­stel­len: “Die letz­ten 12 Tage” (Band 1) und “Sie sind über­all” (Band 2). Für Jungs wären eher: “Wir Ret­ter der Welt” von Sam Mills“Und plötz­lich bist du jemand anders” von Chris­ti­an Tiel­mann und “Pfeif auf die Erlö­sung” von Jeri Smith-Rea­dy.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-65032-8
Erscheinungsdatum: 24.Juli 2020
Einbandart: Broschur
Preis: 15,95€
Seitenzahl: 480
Übersetzer: Wolfram Ströle
Originaltitel: "After the fire"
Originalverlag: Usborne 

Britisches Originalcover: 
Kasimira










Trailer zum Buch (auf Englisch):

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Britisches Cover: Homepage von Usborne

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