Vera Kissel — Was die Welle nahm

Vera Kissel - Was die Welle nahm - Dressler30.Juli 2014

Der Roman „Was die Wel­le nahm“ von der deut­schen Autorin Vera Kis­sel erzählt die Geschich­te eines Jun­gen auf der Suche nach der eige­nen Iden­ti­tät, auf der Suche nach der Wahr­heit. Über sei­nen Vater, der bei einem Tsu­na­mi in Thai­land ums Leben kam. Ein ein­fühl­sa­mes Por­trät eines Jugend­li­chen, des­sen Leben sich mit einem Schlag ver­än­dert. Ab 12 Jah­ren.

Lukas ist 14. Er lebt in Ber­lin-Neu­kölln und hat zwei Wochen sturm­frei. So lan­ge ist sei­ne Mut­ter mit ihrem Freund am Boden­see. Er muss sich zwar jeden Tag bei ihr mel­den und auch Oma und Opa ab und zu mal einen Besuch abstat­ten, aber ansons­ten hat er alle Frei­hei­ten. Ent­we­der geht er sei­ne täg­li­chen 3000 Meter schwim­men, bas­telt mit einem Freund an des­sen Auto her­um oder denkt an Anni­ka – das Mäd­chen, in das er ver­liebt ist. Doch dann geschieht etwas, das ihn völ­lig aus der Bahn wirft: auf der Suche nach einem The­ma, über das er mit Mathe­crack Anni­ka reden könn­te, greift er zu einem alten Mathe­ma­tik­buch sei­ner Mut­ter, aus dem ein Brief her­aus­fällt. Ein Brief, der mit der Ver­gan­gen­heit sei­nes ver­stor­be­nen Vaters zu tun hat. Sein Vater, über des­sen Tod stets geschwie­gen wur­de. Lukas war damals vier, als er bei einem Tsu­na­mi in Thai­land ums Leben kam. Was ist damals gesche­hen? Was für ein Mensch war sein Vater? Was hat Lukas von ihm geerbt? Der Jun­ge beschließt die­ser Spur nach­zu­ge­hen und stößt auf etwas ganz Uner­war­te­tes…

Was die Wel­le nahm“ wird aus Lukas Sicht erzählt. Immer wie­der rich­tet er sich bei sei­nen Schil­de­run­gen direkt an sei­nen Vater und spricht ihn mit „Du“ an. Sei­nen Vater, über den er kaum etwas weiß. Das ein­zi­ge Foto, das er von ihm besitzt, hat Lukas zufäl­lig Tsunamiwelleaus der Müll­ton­ne gefischt, als sei­ne Mut­ter es ent­sorgt hat. War­um spricht nie­mand in der Fami­lie über sei­nen Vater? War­um stößt er bei Fra­gen, wie sein Vater so war, immer auf Schwei­gen? Die per­sön­li­che Ent­wick­lung, die Lukas durch­macht, ist sehr glaub­wür­dig geschil­dert. Auch als er etwas über sei­nen Vater erfährt, was ihm im ers­ten Moment wirk­lich den Boden unter den Füßen weg­zieht. Gefüh­le von Wut und Sehn­sucht wech­seln sich ab. Ver­ständ­nis und Unver­ständ­nis kämp­fen mit­ein­an­der. Letzt­end­lich sie­gen aller­dings Lie­be und Tole­ranz. Der Roman macht deut­lich, dass zwar auch Patch­work­fa­mi­li­en funk­tio­nie­ren, aber die Suche nach den eige­nen Wur­zeln für Jugend­li­che immer auch eine Rol­le spielt, auf dem Weg, die Per­son zu wer­den, die sie sein wol­len. Lukas hat schon seit Jah­ren Alp­träu­me, träumt von einer Wel­le, die ihn zu über­rol­len droht. Der Tod des Vaters beschäf­tigt auch ihn über die Maße. Des­halb hat er auch mit dem exzes­si­ven Schwim­men begon­nen, um schnel­ler zu sein wie eben jene Wel­le, die sei­nem Vater das Leben nahm.
„Was die Wel­le nahm“ ist ein per­fekt gewähl­ter Titel, das Cover anspre­chend für Jungs. Eben­falls sehr, sehr anspre­chend ist die Spra­che von Vera Kis­sel. Man­che Sät­ze bre­chen früh­zei­tig ab. Bre­chen, wie eine Wel­le, um dann in einem neu­en Satz fort­ge­setzt zu wer­den. Das Lese­er­leb­nis wird dadurch umso inten­si­ver und der Inhalt wird auf aus­drucks­star­ke Wei­se trans­por­tiert.

Von dem Roman gibt es übri­gens noch eine Fort­set­zung, die 2015 erschie­nen ist: “Die Glücks­su­cher”.

LesealternativenEben­falls mit dem Tsu­na­mi von 2004 in Thai­land beschäf­ti­gen sich noch zwei ande­re Jugend­bü­cher: „Du zahlst den Preis für mein Leben“ von Caro­lin Phil­ipps und „Töd­li­che Wel­le“ von Eric Wal­ters.
Hin­sicht­lich der ein­dring­li­chen Spra­che gibt es eine schö­ne Lese­al­ter­na­ti­ve: „Kein ein­zi­ges Wort“ von Andre­as Jung­wirth, eben­falls aus der Sicht eines Jun­gen geschrie­ben, der ler­nen muss erwach­sen zu wer­den und Cou­ra­ge zu zei­gen. Hin­ter das Geheim­nis eines Todes kommt auch die Haupt­fi­gur in „Dein eines, wil­des, kost­ba­res Leben“ von Jes­si Kir­by, auch wenn die­ser nicht in der eige­nen Fami­lie liegt (aller­dings eher für Mäd­chen).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-1110-8
Erscheinungsdatum: 21.Juli 2014
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 256
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

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2.Bild v.o.: © Michael Heimann/pixelio.de

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