Der Roman “Freischwimmen” (im Hardcover: “Was die Welle nahm“) von der deutschen Autorin Vera Kissel erzählt die Geschichte eines Jungen auf der Suche nach der eigenen Identität, auf der Suche nach der Wahrheit. Über seinen Vater, der bei einem Tsunami in Thailand ums Leben kam. Ein einfühlsames Porträt eines Jugendlichen, dessen Leben sich mit einem Schlag verändert. Nun neu als Taschenbuch erschienen. Ab 12 Jahren.
Lukas ist 14. Er lebt in Berlin-Neukölln und hat zwei Wochen sturmfrei. So lange ist seine Mutter mit ihrem Freund am Bodensee. Er muss sich zwar jeden Tag bei ihr melden und auch Oma und Opa ab und zu mal einen Besuch abstatten, aber ansonsten hat er alle Freiheiten. Entweder geht er seine täglichen 3000 Meter schwimmen, bastelt mit einem Freund an dessen Auto herum oder denkt an Annika – das Mädchen, in das er verliebt ist. Doch dann geschieht etwas, das ihn völlig aus der Bahn wirft: auf der Suche nach einem Thema, über das er mit Mathecrack Annika reden könnte, greift er zu einem alten Mathematikbuch seiner Mutter, aus dem ein Brief herausfällt. Ein Brief, der mit der Vergangenheit seines verstorbenen Vaters zu tun hat. Sein Vater, über dessen Tod stets geschwiegen wurde. Lukas war damals vier, als er bei einem Tsunami
in Thailand ums Leben kam. Was ist damals geschehen? Was für ein Mensch war sein Vater? Was hat Lukas von ihm geerbt? Der Junge beschließt dieser Spur nachzugehen und stößt auf etwas ganz Unerwartetes…
„Was die Welle nahm“ wird aus Lukas Sicht erzählt. Immer wieder richtet er sich bei seinen Schilderungen direkt an seinen Vater und spricht ihn mit „Du“ an. Seinen Vater, über den er kaum etwas weiß. Das einzige Foto, das er von ihm besitzt, hat Lukas zufällig aus der Mülltonne gefischt, als seine Mutter es entsorgt hat. Warum spricht niemand in der Familie über seinen Vater? Warum stößt er bei Fragen, wie sein Vater so war, immer auf Schweigen? Die persönliche Entwicklung, die Lukas durchmacht, ist sehr glaubwürdig geschildert. Auch als er etwas über seinen Vater erfährt, was ihm im ersten Moment wirklich den Boden unter den Füßen wegzieht. Gefühle von Wut und Sehnsucht wechseln sich ab. Verständnis und
Unverständnis kämpfen miteinander. Letztendlich siegen allerdings Liebe und Toleranz. Der Roman macht deutlich, dass zwar auch Patchworkfamilien funktionieren, aber die Suche nach den eigenen Wurzeln für Jugendliche immer auch eine Rolle spielt, auf dem Weg, die Person zu werden, die sie sein wollen. Lukas hat schon seit Jahren Alpträume, träumt von einer Welle, die ihn zu überrollen droht. Der Tod des Vaters beschäftigt auch ihn über die Maße. Deshalb hat er auch mit dem exzessiven Schwimmen begonnen, um schneller zu sein wie eben jene Welle, die seinem Vater das Leben nahm.
„Was die Welle nahm“ ist ein perfekt gewählter Titel, das Cover ansprechend für Jungs. Ebenfalls sehr, sehr ansprechend ist die Sprache von Vera Kissel. Manche Sätze brechen frühzeitig ab. Brechen, wie eine Welle, um dann in einem neuen Satz fortgesetzt zu werden. Das Leseerlebnis wird dadurch umso intensiver und der Inhalt wird auf ausdrucksstarke Weise transportiert.
Von dem Roman gibt es übrigens noch eine Fortsetzung, die 2015 erschienen ist: “Die Glückssucher”.
Ebenfalls mit dem Tsunami von 2004 in Thailand beschäftigen sich noch zwei andere Jugendbücher: „Du zahlst den Preis für mein Leben“ von Carolin Philipps und „Tödliche Welle“ von Eric Walters.
Hinsichtlich der eindringlichen Sprache gibt es eine schöne Lesealternative: „Kein einziges Wort“ von Andreas Jungwirth, ebenfalls aus der Sicht eines Jungen geschrieben, der lernen muss erwachsen zu werden und Courage zu zeigen. Hinter das Geheimnis eines Todes kommt auch die Hauptfigur in „Dein eines, wildes, kostbares Leben“ von Jessi Kirby, auch wenn dieser nicht in der eigenen Familie liegt (allerdings eher für Mädchen). Die Suche nach den eigenen Wurzeln erlebst du zudem sehr berührend in “Eine Insel zwischen Himmel und Meer” von Lauren Wolk (aktuell nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis).
Bibliografische Angaben:Verlag: Dressler ISBN: 978-3-7915-1110-8 Erscheinungsdatum: 21.Juli 2014 Einbandart: Hardcover Preis: 14,99€ Seitenzahl: 256 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Deutsches Originalcover:
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Kasimiras Bewertung:
(4,5 von 5 möglichen Punkten)
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2.Bild v.o.: © Michael Heimann/pixelio.de


Verlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-1110-8
Erscheinungsdatum: 21.Juli 2014
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 256
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Deutsches Originalcover: