Ursula Poznanski — Shelter

Kasimira10.Oktober 2021

Shel­ter: Es ist dei­ne Ver­schwö­rung — aber du bist ihr Opfer” ist das neu­es­te Buch der öster­rei­chi­schen Best­sel­ler­au­torin Ursu­la Pozn­an­ski. Ein ful­mi­nan­ter Thril­ler über eine Grup­pe Jugend­li­cher, die aus einer Par­ty­lau­ne her­aus eine Ver­schwö­rungs­theo­rie über Außer­ir­di­sche in die Welt setzt und zuse­hen muss, wie die­se all­mäh­lich ent­gleist (die Theo­rie eben­so wie ihre eige­ne Welt), als immer mehr Men­schen dem Glau­ben schen­ken und sie selbst in Gefahr gera­ten. Ein höchst bri­san­tes, tem­po­rei­ches, fes­seln­des Lese­ver­gnü­gen für Jung & Alt. Bes­te Unter­hal­tung für Auf­ge­klär­te und sol­che, die es wer­den wol­len;-) Frü­hes­tens ab 14 Jahren.

Ben­nys Mit­be­woh­ner und Medi­zin­stu­dent Nan­do fei­ert sei­nen Geburts­tag. Doch am Ende der rau­schen­den Par­ty sind nur sie, Mit­be­woh­ne­rin Liv und ihre Freun­de Till und Darya, auf die Ben­ny heim­lich steht, übrig. Die Nach­barn haben sich mit Klopf­zei­chen bereits über die lau­te Musik beschwert und dann hat sich Liv auch noch einen Streit mit zwei Par­ty­gäs­ten gelie­fert, die dar­auf­hin gegan­gen sind. “Noch mal, tut mir leid dass ich mich nicht beherr­schen konn­te.” “Muss dir nicht leid­tun. Es war echt nicht mehr aus­zu­hal­ten.” (Zitat Kasimiraaus “Shel­ter” S.7). Die Zwei haben Nan­do Heil­stei­ne und ein Pen­del geschenkt und ihn von der Sinn­lo­sig­keit sei­nes Medi­zin­stu­di­ums zu über­zeu­gen ver­sucht. “Sie haben ernst­haft wie­der mit dem Chem­trail-Quatsch ange­fan­gen und mit den Chips, die man angeb­lich bei Imp­fun­gen ein­ge­pflanzt kriegt. Gro­ße, grooo­ße Welt­ver­schwö­rung.” Er seufz­te. “Ehr­lich, ich ken­ne Den­nis schon seit der Schu­le, und ich mag ihn, aber ein­la­den wer­de ich ihn nicht mehr.” (Zitat S.8) Doch das The­ma schlägt irgend­wie doch Wel­len bei den letz­ten, ver­blie­be­nen Par­ty­gäs­ten. Und so kommt Ben­ny auf die Idee, die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern zu ent­lar­ven, indem sie eine eige­ne, absur­de Theo­rie erfin­den, die­se ver­brei­ten und hin­ter­her die Wahr­heit auf­klä­ren, um zu zei­gen, wie naiv man sein kann, auf so etwas her­ein­zu­fal­len. Vol­ler Taten­drang Kasimirazie­hen die Jugend­li­chen in der­sel­ben Nacht noch los und ver­tei­len ein erdach­tes Sym­bol (Kreis plus Halb­kreis) auf allen mög­li­chen Wän­den. Am nächs­ten Tag erstel­len sie sich eine Rei­he von Fake-Accounts auf den ver­schie­dens­ten sozia­len Netz­wer­ken und begin­nen mit ihrem Pro­jekt, einer ver­meint­li­chen Inva­si­on von Ali­ens, wel­ches Liv sogar doku­men­tiert und für ihre Bache­lor­ar­beit ver­wen­den möch­te: “Die­ses Zei­chen habe ich letz­te Nacht auf mei­nem Weg nach Hau­se drei Mal gese­hen!, schrieb er dazu. Jemand eine Ahnung, was es bedeu­tet?” (Zitat S.28) und “Wir sind bereit. Wir war­ten. #Oc” (Zitat S.38) und rei­zen das Gan­ze aus bis hin zu einem Kom­men­tar wie “Bei mir wur­de die Über­nah­me ges­tern voll­zo­gen. Ihr müsst kei­ne Angst davor haben, es tut nicht weh. Im Gegen­teil. Es ist ange­nehm, es krib­belt nur eiKasimiran wenig in den Schul­tern und im Rücken. #shel­ter” (Zitat S.45) Liv hat sich den Begriff “Shel­ter” dafür aus­ge­dacht, wel­ches auf Deutsch “Unter­schlupf” bedeu­tet. “Ich fin­de es schö­ner, wenn wir uns etwas Eige­nes ein­fal­len las­sen und nicht ein­fach “Wir­te” zu denen sagen, die von einem Ali­en bewohnt wer­den.” (Zitat S.45) Neben vie­len, die sich über sie lus­tig machen, gibt es dann aber auch immer wie­der Neu­gie­ri­ge, Inter­es­sier­te, die mehr wis­sen wol­len. Dann plötz­lich sogar wel­che, die selbst glau­ben “über­nom­men” wor­den zu sein; die auf ein­mal viel bes­ser sehen oder viel selbst­be­wuss­ter gewor­den sind und nur von einem Ali­en besetzt wor­den sein kön­nen! Die Freun­de kön­nen es nicht fas­sen, wie naiv die Men­schen sind. Doch dann taucht ein Unbe­kann­ter auf, der sich “Octa­vio” nennt und der sich selbst als Urhe­ber die­ser Ope­ra­ti­on outet. “Ihr habt mei­ne Zei­chen gese­hen. Wir kom­men, um eKasimirauch zu befrei­en.” (Zitat S.53). Als Liv eines Tages ver­folgt wird und Ben­ny nachts selt­sa­me Geräu­sche hört und Anru­fe erhält, droht das Gan­ze all­mäh­lich aus dem Ruder zu laufen…

Ein unfass­bar schö­nes und hoch­wer­tig wir­ken­des Cover — glit­zern­des Gold und ein ein­ge­präg­tes rotes Zei­chen, das auch im Buch eine wich­ti­ge Rol­le spielt — design­tech­nisch hat der Loewe Ver­lag hier alles rich­tig gemacht! Dazu noch das gol­de­ne Lese­bänd­chen — per­fekt. Der Ein­stieg in die Geschich­te gelingt mühe­los, wel­che durch­ge­hend aus Ben­nys Sicht in per­so­na­ler Erzähl­wei­se geschrie­ben ist. Ursu­la Pozn­an­ski hat mal mit dem The­ma Ver­schwö­rungs­theo­rien wie­der höchst aktu­el­len Stoff aus­ge­wählt als Zutat für ihren sehr gelun­ge­nen ThrKasimirailler. “Aber treibt das Spiel nicht zu weit; nicht dass jemand aus­flippt, Panik kriegt und auf die Idee kommt, an sich her­um­zu­schnei­den, um ein Ali­en her­aus­zu­ope­rie­ren.” “Das wird nicht pas­sie­ren”, beru­hig­te ihn Liz.” (Zitat S.45) Denn als Leser ahnt man bereits zu Beginn des Buches, dass genau das gesche­hen wird — dass es ESKALIEREN wird. Auch wenn der Vor­satz der Cli­que eigent­lich ein ganz ande­rer war: “Sie leg­ten die Leu­te bewusst rein. “Aber sie wer­den danach ernüch­tert sein und beim nächs­ten Mal genau­er hin­se­hen”, hat­te Darya ent­geg­net, als er sei­ne Beden­ken aus­ge­spro­chen hat­te. “Dar­um ist es doch von Anfang an gegan­gen. Um genau die­sen Effekt. Wir sind harm­los, wir scha­den kei­nem, und wir klä­ren die Sache ja bald auf.” (Zitat S.47) Aber auch Liz treibt das Spiel immer wei­ter vor­an, weil sie das Pro­jekt nicht abb­reKasimirachen will, um mehr Mate­ri­al für ihre Bache­lor­ar­beit zu haben. Selbst, als sie ver­folgt wird, als es gefähr­li­cher für sie zu wer­den scheint, will sie wei­ter­ma­chen. Für Span­nung sorgt dann auf jeden Fall, dass Darya auf ein­mal wie vom Erd­bo­den ver­schluckt wor­den zu sein scheint und dass auch Ben­ny schein­bar eine Lei­che im Kel­ler ver­gra­ben hat, von der nie­mand weiß: “Es war nur ein­ein­halb Jah­re her, dass sein Leben so bru­tal umge­krem­pelt wor­den war, und er träum­te immer sel­te­ner davon. Das lag sicher auch an sei­ner Cli­que — und dar­an, dass sie nichts davon wuss­ten.” (Zitat S.14) Das The­ma Ver­schwö­rungs­theo­rien hat Ursu­la Pozn­an­ski in einer Hin­sicht beson­ders gut durch­dacht und aus­ge­führt, die der Cli­que letzt­end­lich zum Ver­häng­nis wird: “Es gibt ein neu­es Detail in unse­rer Ver­schwKasimiraörungs­theo­rie. Die uns jetzt echt englit­ten ist, fürch­te ich. […] Die Cap­tors, die Octa­vio erfun­den hat. […] Ich habe ja gesagt, jede Ver­schwö­rungs­theo­rie braucht ein Feind­bild. Jetzt gibt es eines, und lei­der haben nicht wir es erfun­den.” (Zitat S.87) Denn die “Cap­tors” sind all jene, die der Akti­on scha­den wol­len, die behaup­ten, dass alles eine Lüge und nur erfun­den wäre. Doch wie sol­len die Freun­de ihr Pro­jekt noch auf­klä­ren, wenn sie genau die­sem Fein­des­bild ent­spre­chen und kei­ner ihnen mehr glaubt? Auch wenn eini­ges sich öfters wie­der­holt, liest sich “Shel­ter” doch äußerst fes­selnd. Das Ende ist uner­war­tet, aber doch pas­send und sehr auf ein Hap­py-End fokus­siert. Ein klei­ner Cliff­han­ger wäre da zum Schluss fast wir­kungs­vol­ler gewesen.

Noch mehr Infos über die OC-Ver­schwö­rung fin­dest du übri­gens auf die­ser extra kre­ierten Sei­te.

Wenn dir “Cryp­tos” gefal­len hat, dann lies noch die ande­ren Thril­ler von Ursu­la Pozn­an­ski, hier chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum auf­ge­lis­tet: “Ere­bos”, “Sae­cu­lum”“Lay­ers”“Ela­nus”, “Aqui­la”“Tha­la­mus” und “Ere­bos 2”. Außer­deLesealternativenm hat sie die dys­to­pi­sche “Ele­ria”-Tri­lo­gie geschrie­ben: “Die Ver­ra­ten” (Band 1), Die Ver­schwo­re­nen” (Band 2) und “Die Ver­nich­te­ten” (Band 3). Ihr letz­tes Werk war “Cryp­tos”, das ich eben­falls sehr gelun­gen fand. Ein Pro­jekt, das außer Kon­trol­le gerät? Das fin­dest du höchst fes­selnd in die­sen Wer­ken: “Die Wel­le” von Best­sel­ler­au­tor Mor­ton Rhue“Staat X: Wir haben die Macht!” von Caro­li­ne Wahl“Got­cha!” von Shel­ley Hrd­litsch­ka, “Ner­ve: Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen” von Jean­ne Ryan, Panic: Wer Angst hat, ist raus!” von Lau­ren Oli­ver und “Fair Play: Spiel mit, sonst ver­lierst du alles!” von Kers­tin Gul­den. Hin­sicht­lich eines inhalt­li­chen Aspekts könn­te ich mir auch gut die “Phe­ro­mon”-Rei­he von Rai­ner Wekwerth oder “Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” von Ken­neth Oppel vor­stel­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0051-7
Erscheinungsdatum: 13.Oktober 2021
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,95€
Seitenzahl: 448
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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