Ursula Poznanski — Erebos 2

27.September 2019

Die öster­rei­chi­sche Best­sel­ler­au­torin Ursu­la Pozn­an­ski hat — nach einem ver­meint­li­chen April­scherz — tat­säch­lich Ernst gemacht und die Fort­set­zung von ihrem Erfolgs­ti­tel “Ere­bos” geschrie­ben“Ere­bos 2” setzt zehn Jah­re spä­ter ein und lässt ein Com­pu­ter­spiel erneut in den Mit­tel­punkt tre­ten, das grö­ße­ren Ein­fluss auf das reel­le Leben eini­ger Men­schen nimmt. Bedroh­lich, gefähr­lich — Ere­bos ist noch böser und intel­li­gen­ter gewor­den! Im Zeit­al­ter der sozia­len Medi­en und tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten ist sein Ein­fluss­be­reich gera­de­zu gren­zen­los… Span­nend und ein Muss für alle Fans des Thril­lers, der 2011 mit dem Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis aus­ge­zeich­net wur­de. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Nick ist mitt­ler­wei­le erwach­sen gewor­den. Neben dem Stu­di­um ver­dient er sich als Hoch­zeits­fo­to­graf etwas Geld dazu. Gera­de hat er einen neu­en Auf­trag erhal­ten, als er auf sei­nem Han­dy plötz­lich ein merk­wür­di­ges Icon ent­deckt. Ein rotes E. Eines, das er ganz sicher nicht instal­liert hat. “Nein, kein Irr­tum. Es gab eine neue Anwen­dung auf sei­nem Smart­pho­ne — wobei das Wort neu sich falsch anfühl­te. Nick kann­te die­ses Icon. Es war genau das Sym­bol, das er als Schü­ler eine Zeit lang auf sei­nem Desk­top gehabt hat­te, bevor das dazu­ge­hö­ri­ge Pro­gramm sich selbst gelöscht hat­te. Dies­mal hat­te es sich eigen­stän­digKasimira instal­liert.” (Zitat S.10) Das ist das Icon des Spiels “Ere­bos”. Das er in sei­ner Jugend als 16-Jäh­ri­ger noch zunächst mit größ­ter Begeis­te­rung spiel­te und immer wie­der klei­ne Auf­ga­ben zwi­schen­durch in der Rea­li­tät erle­di­gen muss­te, um wei­ter­zu­kom­men. Was Per­fi­des hin­ter die­sem Spiel steck­te, das hat er erst am Schluss erfah­ren. “Er hat­te kei­ne Angst, das war doch lächer­lich. Sobald er zu Hau­se war, wür­de er die App ein­fach von sei­nem Han­dy löschen. Er war älter als damals und nicht mehr so leicht zu beein­dru­cken” (Zitat S.12) Doch Ere­bos scheint nicht zu wol­len, dass er die App ein­fach löscht. Denn auf ein­mal sind alle Bil­der des Hoch­zeits­auf­trags sowohl von sei­nem Rech­ner als auch von sei­nem Spei­cher­chip weg. Und so muss Nick das Spiel erneut star­ten, um sich die Bil­der zurück zu erspie­len. Aber Ere­bos hat dazu gelernt und ist noch böser gewor­den. Nahe­zu unmög­lich sei­nem Ein­fluss­be­reich zu ent­kom­men…

Ere­bos 2″ fällt auf: das grell gel­be Cover, dazu der schwar­ze Buch­schnitt mit der wei­ßen Schrift. In der limi­tier­ten Son­der­aus­ga­be zudem noch ein ein­ge­druck­tes, gold­glän­zen­des Auto­gramm der Autorin auf schwar­zem Unter­grund - für das Revi­val des Thril­lers hat sich der Loewe Ver­lag ordent­lich was ein­fal­len las­sen. Für das Inhalt­li­che sorgt KasimiraBest­sel­ler­au­torin Ursu­la Pozn­an­ski und hat Ere­bos in die heu­ti­ge Zeit geholt. Das merkt auch Nick, der in per­so­na­ler Erzähl­per­spek­ti­ve berich­tet, zu Beginn gleich. Denn Ere­bos kom­mu­ni­ziert mitt­ler­wei­le mit Sprach­er­ken­nung mit ihm, nicht mehr per Text, den er von sei­nem Bild­schirm able­sen oder selbst ein­tip­pen muss. Auch die Welt im Spiel hat sich ver­än­dert: “Alles, was ihn umgab, war gleich­zei­tig ver­traut und neu; es wirk­te noch lebens­ech­ter als beim ers­ten Mal, noch ‑detail­rei­cher. Das Spiel war mit der Zeit gegan­gen.” (Zitat S.31) Im Zeit­al­ter hoch­tech­ni­sier­ten Fort­schritts erhebt sich die Macht Ere­bos’ in eine ganz ande­re Dimen­si­on. Auf sämt­li­che Daten zu zugrei­fen, sich in Über­wa­chungs­ka­me­ras zu hacken, E‑Mails in Nicks Namen zu ver­sen­den, Anru­fe mit sei­ner Stim­me zu fin­gie­ren — nichts scheint unmög­lich zu sein. Und wenn Nick sich dem zu wider­set­zen ver­sucht, dann hat das sofor­ti­ge Aus­wir­kun­gen auf sei­nen All­tag: “Wenn das Spiel jeman­den scha­den woll­te, dann tat es das, ohne Rück­sicht.” (Zitat S.25) Da ist schnell mal die aktu­el­le Bezie­hung been­det, wenn eine gefälsch­te Sprach­nach­richt auf dem Han­dy der Freun­din auf­taucht, in der Nick die­se angeb­lich belei­digt. KasimiraOder Stu­den­ten, die mit ihm spre­chen, bekom­men mal eben eine anony­me Nach­richt zuge­sandt, die sie vor ihm war­nen und als Lüg­ner dar­stel­len“Du erin­nerst dich noch an die Regeln? […] Gut. Das alles gilt nach wie vor. Was sich geän­dert hat, sind die Kon­se­quen­zen, die du tra­gen musst, wenn du dich nicht dar­an hältst. Oder stirbst. […] Du wirst dies­mal nicht ver­bannt. Du wirst bestraft.” (Zitat S.27) “Ere­bos 2” setzt noch mal eine gehö­ri­ge Schip­pe oben drauf! Für mich war das Buch noch ein­dring­li­cher und bedroh­li­cher erzählt als das ers­te. Wäh­rend sich im ers­ten Buch noch sehr auf das Spiel kon­zen­triert wird, pas­siert im zwei­ten viel außen her­um. Eine beson­de­re wei­te­re Per­spek­ti­ve bie­tet dies­mal auch eine neue Figur: Derek, ein Schü­ler, der eben­so ahnungs­los wie Nick damals zum Mit­spie­ler wird. Die­se zwei Gegen­sät­ze zu erle­ben — Nick, der Ere­bos nur noch ver­las­sen will, es aber nicht kann — und Derek, der fas­zi­niert in die neue Welt ein­taucht, liest sich äußerst span­nend. Es bleibt auch sehr undurch­schau­bar, was das Spiel vor­hat. Bis zum Schluss hat Ursu­la Pozn­an­ski die Erzähl­fä­den fest in der Hand und offen­bart erst dann eine inter­es­san­te Über­ra­schung.

Fazit: Noch bes­ser als der ers­te Teil!! (aber nicht unab­hän­gig les­bar, da sehr viel Vor­wis­sen vor­aus­ge­setzt wird)

Dir hat “Ere­bos 2” gefal­len? Dann lies noch Ursu­la Pozn­anskis vor­he­ri­gen Bücher: “Sae­cu­lum” (Rol­leLesealternativennspiel im Wald), “Lay­ers” (Obdach­lo­sig­keit, vir­tu­el­le Rea­li­tät), “Ela­nus” (selbst­ge­bau­te Droh­ne, Über­wa­chung), “Aqui­la” (Black­out) und “Tha­la­mus” (abge­le­ge­ne Kli­nik). Außer­dem hat sie die dys­to­pi­sche “Ele­ria”-Tri­lo­gie geschrie­ben: “Die Ver­ra­ten” (Band 1), Die Ver­schwo­re­nen” (Band 2) und “Die Ver­nich­te­ten” (Band 3). Die Gren­zen zwi­schen rea­ler und vir­tu­el­ler Welt ver­schwim­men auch bei “Der letz­te Play­er” von Chris Brad­ford und der “Cro­nos Cube”-Rei­he von Thek­la Krau­ßen­eck. Äußerst span­nend fand ich zudem “God Game” von Søren Jes­sen und “Ner­ve: Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen” von Jean­ne Ryan. Gut könn­te ich mir auch “Run” von Mara Lang“Dead.end.com” von Ali­ce Gaba­thuler und “Dark­word: Der gehei­me Code” von Tobi­as Rafa­el Jun­ge vor­stel­len. Die Gos­sip-behaf­te­te “weib­li­che Ver­si­on” von Ere­bos ist die Neu­erschei­nung “Secret Game” von Ste­fa­nie Has­se. Oder lies das bril­lan­te “Cain­storm Island: Der Gejag­te” von Marie Goli­en

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0049-4
Erscheinungsdatum: 15.August 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,95€
Seitenzahl: 512
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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