Trisha Leaver — Die Seele meiner Schwester

Trisha Leaver Die Seele meiner Schwester20.Juli 2017

Die See­le mei­ner Schwes­ter” von der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Tri­sha Lea­ver ist ein Thril­ler über eine Schwestern­be­zie­hung. Eine Geschich­te über einen uner­war­te­ten Iden­ti­täts­tausch, ein gro­ßes Geheim­nis und die Suche nach der Wahr­heit. Flüs­sig und unter­halt­sam geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und für inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Sie sind Zwil­lings­schwes­tern. Ella und Mad­dy. Optisch sind sie nur durch einen klit­ze­klei­nen Leber­fleck an der Stirn zu unter­schei­den. Cha­rak­ter­lich tren­nen sie jedoch Wel­ten von­ein­an­der. Mad­dy trug Röcke und Stö­ckel­schu­he und glät­te­te sich die Haa­re, ich trug am liebs­ten Jeans und T-Shirt und Pfer­de­schwanz. Sie ging frei­tag­abends auf Par­tys und ließ kei­nen ein­zi­gen Schul­ball aus. Ich saß mit Mikro­wel­len-Pop­corn auf der Couch und guck­te mit­tel­mä­ßi­ge Hor­ror­fil­me.” (Zitat S.11). Ella ist ruhig und intro­ver­tiert, schreibt gute Noten und liebt das Zeich­nen. Ihre Bewer­bung für eine Kunst­hoch­schu­le hat sie gera­de ein­ge­reicht. Mad­dy hat Unmen­gen an Freun­den, einen fes­ten Freund namens Alex und ist in der Schu­le eher mit­tel­mä­ßig. Auch wenn sie viel Ärger macht, schafft sie es irgend­wie immer sich aus der Affä­re zu zie­hen. Sie weiß genauTrisha Leaver Die Seele meiner Schwester, was sie sagen muss und wie sie sich ver­hal­ten muss, um ihren Wil­len zu bekom­men. Auch Ella über­re­det sie ab und zu — wenn sie mal wie­der für eine Klau­sur nicht rich­tig gelernt hat — für sie “ein­zu­sprin­gen” und sich als ihre Zwil­lings­schwes­ter aus­zu­ge­ben: Inzwi­schen war ich so gut dar­in, Mad­dy zu spie­len, dass noch nicht mal ihre Freun­de etwas merk­ten. Ich behielt mei­ne Haa­re so lang wie sie und hör­te auf, mir pin­ke Sträh­nen zu fär­ben, damit ich ihr ähn­li­cher sah. Ich bekam auch ihre Stim­me hin, wuss­te genau, wie ich sie heben und sen­ken muss­te, um ihren sar­kas­ti­schen Ton zu tref­fen.” (Zitat S.10ff) So lässt sich Ella auch dazu breit­schla­gen ihre Schwes­ter eines Nachts von einer Par­ty abzu­ho­len. Doch irgend­et­was ist anders mit Mad­dy an die­sem Abend: ihre Stim­me und dass sie weint und abseits der Gäs­te drau­ßen in der Dun­kel­heit sitzt, obwohl es reg­net und sie ganz nass wird. Ella gibt Mad­dy Tei­le ihre Klei­dung, bevor sie heim­fah­ren. Sie strei­ten sich, ehe Ella die Kon­trol­le über den Wagen ver­liert und sich ein Unfall ereig­net, bei dem Mad­dy ihr Leben ver­liert. Und Ella wird für Mad­dy gehal­ten. Das Trisha Leaver Die Seele meiner SchwesterMut­ter­mal an ihrer Schlä­fe: durch Scher­ben und Näh­te nicht mehr erkenn­bar. Und so trifft Ella eine fol­gen­schwe­re Ent­schei­dung: “Wenn sie woll­ten, dass Mad­dy leb­te, dann wür­de ich dafür sor­gen, dass sie es tat. Mad­dy ver­dien­te die Chan­ce zu leben, glück­lich zu sein. Die Chan­ce hat­te ich ihr mit mei­nem wüten­den Her­um­rei­ßen des Lenk­rads genom­men. […] Ich wür­de es wie­der gut­ma­chen, für sie, für mei­ne Eltern, für Alex. Ich wür­de mich selbst begra­ben und Mad­dy mein Leben schen­ken.” (Zitat S.75) Doch bald merkt sie, dass ihr Plan gar nicht so ein­fach ist. Denn Mad­dy hat­te ein dunk­les Geheim­nis…

Die See­le mei­ner Schwes­ter” beginnt mit einem Pro­log, der bereits deut­lich macht, was Ella getan hat und mit wel­chen Schwie­rig­kei­ten sie nun rech­nen muss: “Ich will Frie­den schlie­ßen mit mei­ner Ent­schei­dung, aber Mad­dys Geheim­nis ver­folgt mich. Hin­ten in ihrem Schrank sind die dunk­len Sei­ten ihres Lebens ver­steckt, und nie­mand außer mir kann sie sehen. Sie war nicht die, für die ich sie gehal­ten habe, aber das ist egal. Mad­dy war mei­ne Schwes­ter, mei­ne Zwil­lings­schwes­ter, und ich wer­de alles für sie tun, auch wenn das heiTrisha Leaver Die Seele meiner Schwesterßt, mich selbst zu ver­lie­ren.” (Zitat S.5) Die Grund­idee in dem Roman, der durch­ge­hend aus Ellas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist, ist gelun­gen. Die Spra­che ist ein­fach und der Erzähl­stil sehr flüs­sig. Am Anfang wir­ken die Cha­rak­te­re lei­der etwas kli­schee­haft, aber die Ent­wick­lung jener wird schließ­lich glaub­haf­ter und etwas greif­ba­rer. Das Buch berich­tet nicht nur von den aktu­el­len Ereig­nis­sen, son­dern gibt auch immer wie­der Erin­ne­run­gen an Ellas und Mad­dys gemein­sa­me Ver­gan­gen­heit preis. Die Span­nung hält sich auf einem mitt­le­ren, aber ange­neh­men Niveau — eine Geschich­te, die man mal gut in einem Zug durch­le­sen kann. Ein wenig unglaub­wür­dig kam mir jedoch fol­gen­de Sze­ne vor: als “Mad­dy” sich an den Lieb­lings­platz ihrer Schwes­ter zurück­zieht (in einem Trep­pen­haus) und zu zeich­nen anfängt. Etwas, was Mad­dy eigent­lich nicht beson­ders gut konn­te und beson­ders Ella aus­zeich­ne­te: “Ich war so ver­sun­ken in mei­ne Zeich­nung, dass ich rich­tig zusam­men­zuck­te, als es plötz­lich klin­gel­te. Die Tür ging auf und die weni­gen Leu­te, die die­ses Trep­pen­haus benut­zen, lie­fen an mir vor­bei. Ich igno­rier­te sie, kon­zen­trier­te mich auf das Blatt vor mir…” (Zitat S.148) Wie kann sie ris­kie­ren sich so leicht dabei erwi­schen zu las­sen? (was ja dann auch geschieht) Auch ihre Ver­hal­tens­wei­sen ihre Schwes­ter zu imi­tie­ren, erschei­nen mir manch­mal nicht beson­ders bemüht. Das Ende wird dann zum Glück wie­der rich­tig schön dra­ma­tisch, emo­tio­nal und ner­ven­auf­rei­bend!

Das ame­ri­ka­ni­sche Cover (sie­he unten) fand ich übri­gens sehr gelun­gen. Scha­de, dass der Kos­mos Ver­lag das nicht über­nom­men hat. Das deut­sche wirkt einer­seits fas­zi­nie­rend, ande­rer­seits für mich — farb­lich gese­hen — lei­der auch etwas anti­quiert.

Fazit: Abge­se­hen von ein paar inhalt­li­chen Schwä­chen ist “Die See­le mei­ner Schwes­ter” ist ein Buch, das man mal gut so run­ter­le­sen kann.

Ande­re Bücher von Tri­sha Lea­ver gibt es im Deut­schen bis­her noch nicht. Aber eine sehr gute Lese­al­ter­na­ti­ve ist “Könn­test du nur bei mir sein” von Lara Avery. Hier nimmt ein Mäd­chen eben­so die Iden­ti­tät ihrer verstorLesealternativenbenen Zwil­lings­schwes­ter an. Wie unter­schied­lich Zwil­lin­ge sein kön­nen, fin­dest du eben­so in “Book of lies” von Teri Ter­ry oder äußerst span­nend in “Feu­er­schwes­ter” von Emi­ko JeanRich­tig gut fand ich auch “In dei­nem Licht und Schat­ten” von Loui­sa Reid — lei­der noch immer ein Geheim­tipp. Was Zwil­lings­schwes­tern alles für­ein­an­der tun, kannst du in “Alle mei­ne Leben” von Sarah Wylie ent­de­cken. Den Tod der Zwil­lings­schwes­ter muss auch die Haupt­fi­gur in dem schon etwas älte­ren Titel “Du fehlst mir, du fehlst mir” von Peter Pohl ver­ar­bei­ten. Du magst Schwes­tern­ge­schich­ten im All­ge­mei­nen? Dann such in die­sem Spe­cial noch nach ande­ren Titeln. Die Iden­ti­tät eines ande­ren anneh­men? Das fin­dest du auch in  Das zwei­te Leben des Cas­siel Road­night” von Jen­ny Valen­ti­ne, in “Who I am: Von Lügen und ande­ren Wahr­hei­ten” von Ted Staun­ton und in “Geis­ter­blu­men” von Miche­le Jaf­fe

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Kosmos
ISBN: 978-3-440-14913-3
Erscheinungsdatum: 8.Juni 2017
Einbandart: Hardcover 
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 288 
Übersetzer: Stefanie Frida Lemke
Originaltitel: "The secrets we keep" 
Originalverlag: Macmillan Publishers

Amerikanisches Originalcover: 
Trisha Leaver Die Seele meiner Schwester

Kasimiras Bewertung:

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(3 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Originalcover: Homepage von Trisha Leaver

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