Tobias Rafael Junge — Deadwater: Das Logbuch

Tobias Rafael Junge Deadwater: Das Logbuch22.Februar 2017

Der deut­sche Spie­le­ent­wick­ler und Autor Tobi­as Rafa­el Junge hat mit “Dead­wa­ter: Das Log­buch” sein ers­tes Jugend­buch geschrie­ben. Eine aben­teu­er­li­che Geschich­te über 14 Jugend­li­che auf einem Schul­schiff mit­ten auf dem indi­schen Oze­an, auf dem es nicht mit rech­ten Din­gen zuzu­ge­hen scheint. Ange­rei­chert mit ein paar coo­len Krit­ze­lei­en am Ran­de des Art Tage­buchs, das die Jugend­li­chen aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven füh­ren. Kurz­wei­lig und unter­halt­sam! Für Jugend­li­che — ins­be­son­de­re Jungs & Wenig­le­ser — ab 12 Jah­ren.

Der 15-jäh­ri­ge Chris hat Mist gebaut. Eine heim­li­che Par­ty mit sei­nen Freun­den. Und irgend­wie ist er dann doch erwischt wor­den! Jetzt hat er von sei­nen Eltern eine beson­de­re Straf­maß­nah­me auf­ge­brummt bekom­men. Er soll auf eine Art Schul- und Erzie­hungs­schiff — und das für gan­ze sechs Mona­te, wie auch das schu­li­sche Ober­haupt der “Marie” es ihnen erklärt: “Ich freue mich, mit Ihnen zusam­men sechs auf­re­gen­de, lehr­rei­che und ein­zig­ar­ti­ge Mona­te zu ver­brin­gen. Sie wer­den in die­ser Zeit die Grund­la­gen und so man­che Fein­heit der klas­si­schen See­fahrt erler­nen, Dis­zi­plin und Ver­trau­en zu schät­zen wis­sen sowie Kame­rad­schaft und viel­leicht sogar Freund­schaft fin­den.” Sei­ne Stim­me hat­te mitt­ler­wei­le etwas Fei­er­li­ches. “Wenn Sie die­se Fahrt hin­ter sich gebracht haben, ist jeder Ein­zel­ne von ihnen ein neu­er, bes­se­rer Mensch, auf See und an Land. (Zitat S.41) Dar­an glaubt Chris zwar nicht wirk­lich, aber er Tobias Rafael Junge Deadwater: Das Logbuchlernt schnell ein paar net­te Leu­te ken­nen. Und auch wenn das Essen äußerst mies, die Arbeit unge­wohnt und hart ist, kommt er nicht umhin sich bald doch ganz wohl auf dem Schiff zu füh­len: Zum ers­ten Mal seit Lan­gem fühl­te ich mich irgend­wie unbe­schwert und glück­lich. Wir waren so weit weg von unse­rem alten Leben, dass sie uns zuneh­mend wie die Geschich­ten frem­der Men­schen erschie­nen. Wir hat­ten hier unse­re eige­ne klei­ne Welt, die ganz sicher nicht per­fekt war, aber sie gehör­te uns.” (Zitat S.58) Bis sie beim Put­zen eines Tages etwas Selt­sa­mes her­aus­fin­den: Das Schiff namens “Marie” heißt gar nicht “Marie”. Unter den Buch­sta­ben, die Chris put­zen soll, taucht ein ganz ande­rer Name auf: “Mary Celes­te”. Und was es mit die­sem Namen auf sich hat, das weiß eine der vier­zehn JugenTobias Rafael Junge Deadwater: Das Logbuchdli­chen: “Mein Vater hat­te mir vor ein paar Jah­ren ein­mal von der Mary Celes­te erzählt. Die Bri­gan­ti­ne soll irgend­wann Ende des 19.Jahrhunderts füh­rer­los im Atlan­tik auf­ge­fun­den wor­den sein. Kei­ne Anzei­chen von Beschä­di­gung, aber von der Besat­zung fehl­te jede Spur. Es sah aus, als sei die Mann­schaft Hals über Kopf von Bord gegan­gen — war­um auch immer. Das Rät­sel um ihren Ver­bleib wur­de nie gelöst.” (Zitat S.78) Bald ver­schwin­det der ers­te Leh­rer. Spur­los. Und es bleibt nicht dabei. Nach und nach tau­chen auch die ande­ren Erwach­se­nen — Leh­rer und Schiffs­per­so­nal — ab und nie­mand weiß, was mit ihnen gesche­hen ist…

Dead­wa­ter: Das Log­buch” ist mit einem sehr anspre­chend gestal­te­ten Cover ver­se­hen. Dra­ma­tik, Span­nung, Aben­teu­er — das ver­spricht der Ein­band bereits. Und all das befin­det sich auch dar­in (wenn auch nicht auf dem aller höchs­ten Span­nungs­ni­veau, zu Beginn plät­schert es noch ein wenig dahin, ehe es dann rich­tig los­geht). Der Anfang ver­deut­licht schnell, es wird etwas Hef­ti­ges pas­sie­ren: “Wir sind über den Rand unse­rer Welt hin­aus­ge­se­gelt. Für uns gibt es kein Zurück mehr. Des­halb haben wir ange­fan­gen, alles auf­zu­schrei­ben. Für das, was wir getan haben, könn­ten wir uns ein Leben lang ent­schul­di­gen, uns ein­re­den wir hät­ten kei­ne ande­re Wahl gehabt, doch ändern wür­de es nichts. […] Wenn ihr das hier lest, sind wir wahrschTobias Rafael Junge Deadwater: Das Logbuchein­lich tot…” (Zitat S.9ff) Das Logbuch ist sozu­sa­gen das Tage­buch der 14 Jugend­li­chen, die von ihrer Rei­se berich­ten. Wobei Chris die meis­ten Erzähl­pas­sa­gen, die alle in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben sind, ein­nimmt. Jeder Abschnitt beginnt daher mit einem ande­ren Namen. Und auch wenn es sehr vie­le ver­schie­de­ne Per­so­nen sind, kommt man doch über­ra­schend gut mit. Hilf­reich ist dazu der gelun­ge­ne und sehr aus­führ­li­che Anhang. Hier wer­den alle Figu­ren mit ihren Eigen­ar­ten und wich­tigs­ten Beschrei­bun­gen noch ein­mal auf­ge­lis­tet. Eben­falls ein äußerst umfang­rei­cher Lexi­kon­teil ist hin­ten im Buch zu fin­den, in dem alle (fach­män­ni­schen) Begrif­fe zum Segeln noch ein­mal erklärt wer­den — toll! Der Thril­ler ist sehr lie­be­voll gestal­tet, was vor allem den Zeich­nun­gen des Illus­tra­tors Nils Ander­sen geschul­det ist. Fast jede Sei­te ist mit zahl­rei­chen Kom­men­ta­ren in unteTobias Rafael Junge Deadwater: Das Logbuchrschied­li­chem Schrift­bild ver­se­hen. Die Jugend­li­chen kom­men­tie­ren die Ein­trä­ge, geben ihren Senf ab und Chris zeich­net immer wie­der etwas dazu. Das lockert die Geschich­te auf, macht Spaß zu lesen und gibt dem Gan­zen noch etwas mehr Pfiff. Auch beginnt jeder Kapi­tel­an­fang mit den zeit­li­chen und ört­li­chen Daten, sowie Wet­ter­an­ga­ben, eben wie ein rich­ti­ges Log­buch. Rech­net man zu Beginn noch mit etwas Gru­se­li­gem, Mys­ti­schen, über­rascht der Autor gegen Ende mit einer ganz ande­ren The­ma­tik (wenn für mich auch nicht alle Details ganz geklärt waren).

Eben­falls in Log­buch­ge­stal­tung arran­giert und jede Men­ge Aben­teu­er ver­spricht die Tri­lo­gie von Joshua Mowll: Ope­ra­ti­on Red Jeri­cho” (Band 1), “Ope­ra­ti­on Tai­fun” (Band 2) und “Ope­ra­ti­on Storm City” (Band 3) — die wohl bes­te Alter­na­ti­ve. Die zweLesealternativenibes­te Lese­va­ri­an­te ist das geheim­nis­vol­le “Das dunk­le Lied des Todes” von Bjar­ne Reu­ter, hier geht es auch um eine Schul­klas­se, die sich zwar nicht auf einem Schiff befin­det, jedoch in einem Haus am Meer über­nach­tet, das selt­sa­me Par­al­le­len zu einem Schiff hat. Toll und eben­falls aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven erzählt. Ein rich­ti­ges Geis­ter­schiff hin­ge­gen fin­dest du in “Die Geheim­nis­se von Raven­storm Island: Das Geis­ter­schiff” von Gil­li­an Phil­ip. Und es gibt auch tat­säch­lich ein (christ­li­ches) Buch über ein Schul­schiff: “Das Phan­tom der schwim­men­den Schu­le” von Elke Pfes­dorf. Du magst Aben­teu­er auf dem Meer? Dann lies unbe­dingt die Neu­heit “Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe” von Best­sel­ler­au­tor Mor­ton Rhue oder “Der Schiffs­jun­ge: Die wah­re Geschich­te der Meu­te­rei auf der Boun­ty” von John Boy­ne. See­fah­re­rei und Humor kom­bi­niert die Die Legen­de der blau­en Mee­re”-Tri­lo­gie von Geoff Rod­key.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-0049-2
Erscheinungsdatum: 20.Feburar 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 9,99€ 
Seitenzahl: 224 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

--------------------------------------------
Die Abbildungen stammen aus dem Buch und sind abfotografiert.

4 Kommentare

  1. Tobi

    Hal­lo,
    vie­len Dank für die (wahr­schein­lich ers­te) Bespre­chung des Buchs. :-) Schön, dass es dir gefal­len hat.

    Vie­le Grü­ße,
    Tobi

    Antworten
    1. Kasimira (Beitrag Autor)

      Hal­lo Tobi,
      vie­len Dank für den (wahr­schein­lich ers­ten) Kom­men­tar eines Autoren auf mei­ner Sei­te;-)
      Ja, ich fand es in der Tat sehr schön und wer­de es auch sicher­lich eini­gen Kun­den (in der Buch­hand­lung) noch emp­feh­len!

      Lie­be Grü­ße
      Kasi­mi­ra

      Antworten
      1. Tobi

        Das trifft sich gut. ;-) Als klei­nen Bonus gibt es übri­gens hier: https://www.rabenmaul.de/deadwater-das-bonusmaterial-i/ eine Kar­te der Rei­se­rou­te.

        Vie­le Grü­ße und dan­ke noch­mals,
        Tobi

        Antworten
  2. Pingback: Rezension – Kinder-/ Jugendbuch *** Deadwater – Das Logbuch *** wir haben ein etwas anderes Buch erwartet…die Thematik ist jedoch äußerst wichtig – BOOKS AND CATS

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.