Der deutsche Spieleentwickler und Autor Tobias Rafael Junge hat mit “Deadwater: Das Logbuch” sein erstes Jugendbuch geschrieben. Eine abenteuerliche Geschichte über 14 Jugendliche auf einem Schulschiff mitten auf dem indischen Ozean, auf dem es nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Angereichert mit ein paar coolen Kritzeleien am Rande des Art Tagebuchs, das die Jugendlichen aus unterschiedlichen Perspektiven führen. Kurzweilig und unterhaltsam! Für Jugendliche — insbesondere Jungs & Wenigleser — ab 12 Jahren.
Der 15-jährige Chris hat Mist gebaut. Eine heimliche Party mit seinen Freunden. Und irgendwie ist er dann doch erwischt worden! Jetzt hat er von seinen Eltern eine besondere Strafmaßnahme aufgebrummt bekommen. Er soll auf eine Art Schul- und Erziehungsschiff — und das für ganze sechs Monate, wie auch das schulische Oberhaupt der “Marie” es ihnen erklärt: “Ich freue mich, mit Ihnen zusammen sechs aufregende, lehrreiche und einzigartige Monate zu verbringen. Sie werden in dieser Zeit die Grundlagen und so manche Feinheit der klassischen Seefahrt erlernen, Disziplin und Vertrauen zu schätzen wissen sowie Kameradschaft und vielleicht sogar Freundschaft finden.” Seine Stimme hatte mittlerweile etwas Feierliches. “Wenn Sie diese Fahrt hinter sich gebracht haben, ist jeder Einzelne von ihnen ein neuer, besserer Mensch, auf See und an Land.” (Zitat S.41) Daran glaubt Chris zwar nicht wirklich, aber er
lernt schnell ein paar nette Leute kennen. Und auch wenn das Essen äußerst mies, die Arbeit ungewohnt und hart ist, kommt er nicht umhin sich bald doch ganz wohl auf dem Schiff zu fühlen: “Zum ersten Mal seit Langem fühlte ich mich irgendwie unbeschwert und glücklich. Wir waren so weit weg von unserem alten Leben, dass sie uns zunehmend wie die Geschichten fremder Menschen erschienen. Wir hatten hier unsere eigene kleine Welt, die ganz sicher nicht perfekt war, aber sie gehörte uns.” (Zitat S.58) Bis sie beim Putzen eines Tages etwas Seltsames herausfinden: Das Schiff namens “Marie” heißt gar nicht “Marie”. Unter den Buchstaben, die Chris putzen soll, taucht ein ganz anderer Name auf: “Mary Celeste”. Und was es mit diesem Namen auf sich hat, das weiß eine der vierzehn Jugen
dlichen: “Mein Vater hatte mir vor ein paar Jahren einmal von der Mary Celeste erzählt. Die Brigantine soll irgendwann Ende des 19.Jahrhunderts führerlos im Atlantik aufgefunden worden sein. Keine Anzeichen von Beschädigung, aber von der Besatzung fehlte jede Spur. Es sah aus, als sei die Mannschaft Hals über Kopf von Bord gegangen — warum auch immer. Das Rätsel um ihren Verbleib wurde nie gelöst.” (Zitat S.78) Bald verschwindet der erste Lehrer. Spurlos. Und es bleibt nicht dabei. Nach und nach tauchen auch die anderen Erwachsenen — Lehrer und Schiffspersonal — ab und niemand weiß, was mit ihnen geschehen ist…
“Deadwater: Das Logbuch” ist mit einem sehr ansprechend gestalteten Cover versehen. Dramatik, Spannung, Abenteuer — das verspricht der Einband bereits. Und all das befindet sich auch darin (wenn auch nicht auf dem aller höchsten Spannungsniveau, zu Beginn plätschert es noch ein wenig dahin, ehe es dann richtig losgeht). Der Anfang verdeutlicht schnell, es wird etwas Heftiges passieren: “Wir sind über den Rand unserer Welt hinausgesegelt. Für uns gibt es kein Zurück mehr. Deshalb haben wir angefangen, alles aufzuschreiben. Für das, was wir getan haben, könnten wir uns ein Leben lang entschuldigen, uns einreden wir hätten keine andere Wahl gehabt, doch ändern würde es nichts. […] Wenn ihr das hier lest, sind wir wahrsch
einlich tot…” (Zitat S.9ff) Das Logbuch ist sozusagen das Tagebuch der 14 Jugendlichen, die von ihrer Reise berichten. Wobei Chris die meisten Erzählpassagen, die alle in der Ich-Perspektive geschrieben sind, einnimmt. Jeder Abschnitt beginnt daher mit einem anderen Namen. Und auch wenn es sehr viele verschiedene Personen sind, kommt man doch überraschend gut mit. Hilfreich ist dazu der gelungene und sehr ausführliche Anhang. Hier werden alle Figuren mit ihren Eigenarten und wichtigsten Beschreibungen noch einmal aufgelistet. Ebenfalls ein äußerst umfangreicher Lexikonteil ist hinten im Buch zu finden, in dem alle (fachmännischen) Begriffe zum Segeln noch einmal erklärt werden — toll! Der Thriller ist sehr liebevoll gestaltet, was vor allem den Zeichnungen des Illustrators Nils Andersen geschuldet ist. Fast jede Seite ist mit zahlreichen Kommentaren in unte
rschiedlichem Schriftbild versehen. Die Jugendlichen kommentieren die Einträge, geben ihren Senf ab und Chris zeichnet immer wieder etwas dazu. Das lockert die Geschichte auf, macht Spaß zu lesen und gibt dem Ganzen noch etwas mehr Pfiff. Auch beginnt jeder Kapitelanfang mit den zeitlichen und örtlichen Daten, sowie Wetterangaben, eben wie ein richtiges Logbuch. Rechnet man zu Beginn noch mit etwas Gruseligem, Mystischen, überrascht der Autor gegen Ende mit einer ganz anderen Thematik (wenn für mich auch nicht alle Details ganz geklärt waren).
Ebenfalls in Logbuchgestaltung arrangiert und jede Menge Abenteuer verspricht die Trilogie von Joshua Mowll: “Operation Red Jericho” (Band 1), “Operation Taifun” (Band 2) und “Operation Storm City” (Band 3) — die wohl beste Alternative. Die zwe
ibeste Lesevariante ist das geheimnisvolle “Das dunkle Lied des Todes” von Bjarne Reuter, hier geht es auch um eine Schulklasse, die sich zwar nicht auf einem Schiff befindet, jedoch in einem Haus am Meer übernachtet, das seltsame Parallelen zu einem Schiff hat. Toll und ebenfalls aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Ein richtiges Geisterschiff hingegen findest du in “Die Geheimnisse von Ravenstorm Island: Das Geisterschiff” von Gillian Philip. Und es gibt auch tatsächlich ein (christliches) Buch über ein Schulschiff: “Das Phantom der schwimmenden Schule” von Elke Pfesdorf. Du magst Abenteuer auf dem Meer? Dann lies unbedingt die Neuheit “Creature: Gefahr aus der Tiefe” von Bestsellerautor Morton Rhue oder “Der Schiffsjunge: Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty” von John Boyne. Seefahrerei und Humor kombiniert die “Die Legende der blauen Meere”-Trilogie von Geoff Rodkey.
Bibliografische Angaben:Verlag: Dressler ISBN: 978-3-7915-0049-2 Erscheinungsdatum: 20.Feburar 2017 Einbandart: Broschur Preis: 9,99€ Seitenzahl: 224 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
Kasimiras Bewertung:
(4 von 5 möglichen Punkten)
-------------------------------------------- Die Abbildungen stammen aus dem Buch und sind abfotografiert.

Verlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-0049-2
Erscheinungsdatum: 20.Feburar 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 9,99€
Seitenzahl: 224
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -
Hallo,
vielen Dank für die (wahrscheinlich erste) Besprechung des Buchs. :-) Schön, dass es dir gefallen hat.
Viele Grüße,
Tobi
Hallo Tobi,
vielen Dank für den (wahrscheinlich ersten) Kommentar eines Autoren auf meiner Seite;-)
Ja, ich fand es in der Tat sehr schön und werde es auch sicherlich einigen Kunden (in der Buchhandlung) noch empfehlen!
Liebe Grüße
Kasimira
Das trifft sich gut. ;-) Als kleinen Bonus gibt es übrigens hier: https://www.rabenmaul.de/deadwater-das-bonusmaterial‑i/ eine Karte der Reiseroute.
Viele Grüße und danke nochmals,
Tobi