Thomas Thiemeyer — Evolution: Die Stadt der Überlebenden

Thomas Thiemeyer Evolution Die Stadt der Überlebenden13.August 2016

Der Stutt­gar­ter Autor Tho­mas Thie­mey­er hat ein neu­es Jugend­buch ver­öf­fent­licht: “Evo­lu­ti­on: Die Stadt der Über­le­ben­den” ist der ers­te Teil einer geplan­ten Tri­lo­gie. Der Autor, der Geo­lo­gie und Geo­gra­phie stu­diert hat, nimmt den Leser mit in eine unge­wis­se Welt in der Zukunft, in der die Natur sich ihren Lebens­raum zurück­er­obert hat. Ein dys­to­pi­scher Span­nungs­ro­man, eine Aben­teu­er­ge­schich­te und ein Kampf ums Über­le­ben. Unter­halt­sam und fas­zi­nie­rend. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Der 15-jäh­ri­ge Jero­me, genannt Jem, hat sie im Zug ken­nen­ge­lernt. Die eben­falls 15-jäh­ri­ge Lucie, die das sel­be Rei­se­ziel hat wie er. “Sie war ihm sofort auf­ge­fal­len, als er heu­te Mor­gen in den Zug nach Frank­furt gestie­gen war. Er hat­te noch nie ein frem­des Mäd­chen ange­spro­chen, aber nach­dem er den Sti­cker ihrer Rei­se­or­ga­ni­sa­ti­on auf dem Kof­fer gese­hen hat­te, war er über sei­nen Schat­ten gesprun­gen.” (Zitat aus “Evo­lu­ti­on: Die Stadt der Über­le­ben­den”) Sie bei­de haben sich für einen Schü­ler­aus­tausch nach Ame­ri­ka ange­mel­det. In Los Ange­les wür­den sie dann in ihre Gast­fa­mi­li­en ver­teilt wer­den. Doch wäh­rend des Flu­ges gera­ten sie in ein Unwet­ter, selt­sa­me Erschüt­te­run­gen erfas­sen das Flug­zeug, ein merk­wür­di­ger Geruch durch­dringt den Innen­raum. Arm­band­uh­ren spie­len plötz­lich ver­rückt und dre­hen sich rasend schnell. Lucie wird sogar Thomas Thiemeyer Evolution Die Stadt der Überlebendenohn­mäch­tig. Jem erwacht kur­ze Zeit spä­ter, wie nach einem bizar­ren Traum. Auch den ande­ren Jugend­li­chen ihrer Aus­tausch­grup­pe ist ähn­li­chen ergan­gen. Irgend­et­was scheint hier abso­lut nicht in Ord­nung zu sein. Der Ver­dacht bestä­tigt sich, als sie am Inter­na­tio­nal Air­port von Den­ver not­lan­den: Dort ist über­haupt nichts mehr “inter­na­tio­nal”. Der Flug­ha­fen gleicht einem Gewächs­haus. Alles ist von Pflan­zen über­wu­chert. “Schwe­rer Blü­ten­duft durch­ström­te die Hal­le und das Zir­pen und Zwit­schern win­zi­ger Vögel war zu hören. Jem konn­te ein paar von ihnen erken­nen. Wie klei­ne blaue Blit­ze zisch­ten sie hier­hin und dort­hin und tauch­ten in die wei­ßen und rosa­far­be­nen Blü­ten, um dort nach Nek­tar zu suchen. Bio gehör­te nicht unbe­dingt zu sei­nen Lieb­lings­fä­chern, aber er wuss­te sicher, dass sol­che Tie­re und Pflan­zen nicht in die­se Brei­ten­gra­de gehör­ten.” (Zitat S.55) Die Lan­de­bahn ist in einem völ­lig ver­wahr­los­ten Zustand. Und: nir­gend­wo auch nur eine Men­schen­see­le. Wohin sie auch gehen. “Fast wie ein Dorn­rös­chen­schloss”, flüs­ter­te sie. “Als wären hier alle durch einen Zau­ber in Tief­schlaf gefal­len.” Thomas Thiemeyer Evolution Die Stadt der Überlebenden“Wenn sie wenigs­tens schla­fen wür­den”, sag­te Marek. “Aber es sieht aus, als hät­ten die Leu­te alles ste­hen und lie­gen gelas­sen und wären ein­fach ver­schwun­den…” (Zitat S.67) Dann fin­den sie auch noch eine Zeit­schrift aus einem beson­ders hoch­wer­ti­gen, fremd­ar­ti­gen Mate­ri­al, deren Erschei­nungs­da­tum auf das Jahr 2035 datiert ist. “Wenn man die Grö­ße man­cher Bäu­me und den all­ge­mei­nen Ver­fall des Gelän­des mit ein­be­zieht, tip­pe ich auf wei­te­re zwei­hun­dert Jah­re.” Arthur lächel­te ent­schul­di­gend. “Ver­mut­lich mehr.” Lucie hat­te plötz­lich einen tro­cke­nen Hals. “Das wür­de ja bedeu­ten, dass das…” Paul nick­te. “…das Jahr 2235 wäre. Genau.” (Zitat S.82). Aber das sind bald ihre gerings­ten Pro­ble­me. Denn auf einer Erkun­dungs­fahrt mit einem High-Tech-Bus stel­len sie fest, dass sie hier über­haupt nicht will­kom­men sind und wer­den bald von Vögeln, Schlan­gen und Raub­tie­ren atta­ckiert…

Mit einem rich­tig tol­len Cover macht “Evo­lu­ti­on: Die Stadt der Über­le­ben­den” bereits auf sich auf­merk­sam. HThomas Thiemeyer Evolution Die Stadt der Überlebendenier spürt man schon das Aben­teu­er, das Geheim­nis­vol­le und erahnt die Gefahr. Denn Tho­mas Thie­mey­er ent­führt sei­ne Leser in eine fas­zi­nie­ren­de Welt: ohne Men­schen, die Natur in der Über­macht? Exo­ti­sche Tie­re und fremd­ar­ti­ge Orga­nis­men, die die Erde bevöl­kern? All das scheint auf ein­mal mög­lich zu sein. Doch wie kann das sein? Wie sind sie hier her­ge­kom­men? “Er wur­de das Gefühl nicht los, dass es die­sen Ort eigent­lich nicht geben durf­te. Alles wirk­te so falsch, so ver­kehrt. Als hät­te irgend­ein fehl­ge­steu­er­ter Tele­por­ter ihn in eine alter­na­ti­ve Rea­li­tät geschleu­dert.” (Zitat S.61) Und noch viel ent­schei­den­der: was ist mit den ande­ren Men­schen pas­siert? War­um lebt kei­ner mehr von ihnen? Die­sen Fra­gen geht der Autor auf unter­halt­sa­me Wei­se nach. Das Buch ist zugleich Aben­teu­er­ro­man, Lie­bes­ge­schich­te (sehr am Ran­de) und Sci­ence-Fic­tion-Thril­ler. Es macht aber auch nach­denk­lich. “Frü­her hat­te es immer gehei­ßen, der Mensch müs­se zur Natur zurück­fin­den, er müs­se ler­nen, im Ein­klang mit ihr zu leben. […] Inzwi­schen war er Thomas Thiemeyer Evolution Die Stadt der Überlebendenaber nicht mehr so sicher, ob das alles noch stimm­te. Wenn er dar­über nach­dach­te, was die Men­schen in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit alles so ver­bro­chen hat­ten, war es mehr als frag­lich, ob die Natur sie über­haupt noch zurück­ha­ben woll­te.” (Zitat S.158) So rich­tig packend wird es dann ab der Mit­te des Romans, wenn der Feind greif­ba­rer und die Bedro­hung deut­lich wird. Hier­zu tra­gen vor allem die zuwei­len vor­kom­men­den, schwarz ein­ge­färb­ten Buch­sei­ten mit wei­ßem Schrift­text bei, in denen eine unbe­kann­te Spe­zi­es die Jugend­li­chen zunächst beob­ach­tet und dann zu ver­nich­ten plant. Die Spra­che ist ein­fach, die Erzähl­per­spek­ti­ven lie­gen haupt­säch­lich bei Lucie und Jem in der per­so­na­len Sicht­wei­se, wech­seln aber gele­gent­lich auch zu ande­ren (eher ste­reo­ty­pen) Neben­cha­rak­te­ren. Das Buch ist für Jungs und für Mäd­chen daher glei­cher­ma­ßen geeig­net. Das Ende ist offen und macht neu­gie­rig auf Teil 2.

Wenn du wis­sen willst, Lesealternativenwie es wei­ter­geht, dann mer­ke dir schon mal die Fort­set­zun­gen von “Evo­lu­ti­on: Die Stadt der Über­le­ben­den” vor, die im Halb­jah­res­rhyth­mus erschei­nen: “Evo­lu­ti­on: Der Turm der Gefah­ren” (Janu­ar 2017) und “Evo­lu­ti­on: Die Quel­le des Lebens” (Juli 2017). Oder lies noch die zwei ande­ren Jugend­buch­zy­klen, die Tho­mas Thie­mey­er geschrie­ben hat: “Chro­ni­ken der Wel­ten­su­cher” (fünf­bän­dig, plus Kurz­ge­schich­te) und “Das ver­bo­te­ne Eden” (drei­bän­dig). Bezüg­lich der Flug­zeug­the­ma­tik hat mich der Roman auch ein biss­chen an Lan­go­lier” von Hor­ror­meis­ter Ste­phen King den­ken las­sen; hin­sicht­lich der fremd­ar­ti­gen, höhe­ren Intel­li­genz und dem Kampf Jugend­li­cher ums Über­le­ben aber auch an die “Gone”-Rei­he von Micha­el Grant (sechs­bän­dig, bril­lant! Aber erst ab 15 bzw 16 Jah­ren zu emp­feh­len).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60167-0
Erscheinungsdatum: 1.Juli 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€ 
Seitenzahl: 368	 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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