Tess Sharpe — The girls I’ve been

Kasimira25.November 2021

The girls I’ve been” ist ein Thril­ler der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Tess Shar­pe, der sich wirk­lich zu lesen lohnt! Sie stellt ein Mäd­chen in den Vor­der­grund, das mit zwei Freun­den mit­ten in einen Bank­über­fall gerät und als Gei­sel genom­men wird. Doch die Gangs­ter ahnen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Denn Nora ist die Toch­ter einer Trick­be­trü­ge­rin und mit allen Was­sern gewa­schen. Eine Geschich­te über die Schat­ten der Ver­gan­gen­heit, Mani­pu­la­ti­on, die Suche nach der Wahr­heit und nach der eige­nen Iden­ti­tät. Raf­fi­niert und mit aller­lei Rück­blen­den erzählt. Hef­tig. Mit­rei­ßend. Und abso­lut emp­feh­lens­wert! Ver­fil­mung mit Mil­lie Bob­by Brown auf Net­flix in Pla­nung. Für taf­fe Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Eigent­lich woll­ten sie nur Geld ein­zah­len. Doch dann gera­ten sie mit­ten in einen Bank­über­fall: Nora, ihr Exfreund Wes und ihre aktu­el­le Lie­be Iris. Mit ihnen sind noch ande­re Men­schen in der Bank. Die Kas­sie­re­rin, ein Wach­mann, ein Kind und eine älte­re Frau. Wäh­rend es der Kas­sie­re­rin nicht zu gelin­gen scheint, den Alarm­knopf zu drü­cken, hat Nora jedoch mit ihrem Han­dy eine Nach­richt abset­zen kön­nen. An ihre zwan­zig Jah­re älte­re Schwes­ter Lee. Sie schickt ihr das Wort “OLIVE”. “Solan­ge ich mei­ne Schwes­ter ken­ne, ist das immer unser Not­fall­code gewe­sen. Wir sind Mäd­chen, die sich auf Stür­me vor­be­rei­ten. Lee wird kom­men. Mei­ne Schwes­ter kommt immer. Und sie bringt Ver­stär­kung mit.” (Zitat aus The girls I’ve been” S.16ff) Die zwei Män­ner sind bewaff­net und äußerst gefähr­lich. Sper­ren ihre Gei­seln in ver­schie­de­nen Büro­räu­me ein. Sie haben offen­bar Kasimiraauf den Bank­ma­na­ger gewar­tet, der Ein­zi­ge, der ihnen Zugang zu den Räu­men im Unter­ge­schoss ver­schaf­fen kann, in denen sich Schließ­fä­cher befin­den. Doch Lee, die mit einem Mega­phon auf dem Park­platz drau­ßen und mit der ört­li­chen Poli­zei bald auf­taucht, muss den Gangs­tern mit­tei­len, dass der Bank­ma­na­ger im Kran­ken­haus liegt, weil er einen Unfall hat­te. Eini­ges am Plan der Gano­ven scheint schief­zu­ge­hen. Denn sie ahnen außer­dem nicht, dass Nora die Töch­ter einer Trick­be­trü­ge­rin ist: “Als Lee ein klei­nes Kind war, hat Mom noch kei­ne krum­men Din­ger gedreht. Lees Vater war ein nor­ma­ler Mann, aber er ist früh gestor­ben. Auf die Art wur­de Mom zur Betrü­ge­rin: Sie woll­te den Lebens­stil behal­ten, den sie gewohnt war.” (Zitat S.31) Lee hat Nora erst ken­nen­ge­lernt, als sie sechs war. Sie haben die glei­che Mut­ter, aber unter­schied­li­che KasimiraVäter. Lee hat sich von der Mut­ter bald lösen kön­nen. Im Gegen­satz zu Nora: “Anders als Lee wur­de ich schon hin­ein­ge­bo­ren in die Welt des Betrugs. Ich bin mit einer Lüge auf den Lip­pen ins Leben getre­ten und konn­te von Anfang an lächeln und blen­den, genau wie mei­ne Mut­ter.” (Zitat S.32) Ihre Mut­ter hat sich auf Lie­bes­be­trug spe­zia­li­siert. Hat sich immer die “bösen Män­ner” aus­ge­sucht, sol­che, die ohne­hin in krum­me Geschäf­te ver­wi­ckelt waren, so dass sie nicht zur Poli­zei gehen konn­ten. Deren Lie­be sich erschli­chen und sie dann um ihr Geld erleich­tert. Wenn es zu gefähr­lich wur­de oder ihre Mut­ter ihren Plan in die Tat umset­zen konn­te, hat sie sich eine neue Ziel­per­son gesucht und eine neue Iden­ti­tät für sich und ihre Toch­ter gewählt. “Eine mei­ner deut­lichs­ten frü­hen Erin­ne­run­gen ist, wie mei­nen Mut­ter mich vor den Spie­gel setzt und mir die blon­den Haa­re über die Schul­tern zurück­kämmt, wäh­rend sie sagt: Rebec­ca. Du heißt Rebec­ca. Sag es Lieb­ling. […] Zuerst den­ke ich noch, das mit Rebec­ca wäre ein Spiel. Aber spä­ter schlägt mich Mom jedes Mal auf den Arm, wenn ich auf irgend­was außer Rebec­ca reagie­re. Ich ler­ne, dass es kein Spiel ist. Son­dern mein Leben.” (Zitat S.45) Denn auch Nora spiel­te in ihren Intri­gen stets eine beson­de­re Rol­le, muss­te Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten Kasimiraanneh­men, die die Mut­ter ihr vor­gab. Doch auch wenn ihre Mut­ter mitt­ler­wei­le im Gefäng­nis sitzt und Nora ihren kri­mi­nel­len Lebens­stil längst hin­ter sich gelas­sen hat, kom­men ihre erlern­ten Fähig­kei­ten ihr jetzt zugu­te. Sie ahnt näm­lich, dass die Gangs­ter, die kei­ne Mas­ke tra­gen, sie hin­ter­her töten wer­den. Des­halb lässt sie sich nun eini­ges ein­fal­len, um die Män­ner zur Stre­cke zu brin­gen und ihre Freun­de zu befrei­en. Doch nicht jede Mani­pu­la­ti­on und nicht jeder Trick gelingt…

Die Auf­ma­chung des Covers, der Titel, aber auch die ein­lei­ten­den Wor­te über dem Gesicht des Mäd­chens “Du glaubst, du kennst mich? Falsch gedacht.” sind sehr gut gewählt. Wenn die­ses Design eines macht — dann auf jeden FKasimiraall neu­gie­rig! Der Thril­ler wird haupt­säch­lich aus Noras Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Er ist in vier Tei­le geteilt, die mit Über­schrif­ten ver­se­hen sind. Inner­halb der Tei­le gibt es Rück­blen­den, die eben­falls mit Über­schrif­ten ver­se­hen sind und die Erzäh­lung, die in der Gegen­wart spielt und mit Zeit­an­ga­ben beti­telt wird. Inter­es­sant ist vor allem die Gestal­tung on Letz­te­rem, weil außer­dem noch Fol­gen­des zum Bei­spiel ent­hal­ten ist:“10:30 Uhr (78 Minu­ten in Gefan­gen­schaft) 1 Feu­er­zeug, 3 Fläschen Wod­ka, 1 Sche­re, 2 Schließ­fach­schlüs­sel Plan #1: ver­wor­fen Plan #2: in Arbeit” (Zitat S.78) Es wer­den immer die Gegen­stän­de auf­ge­führt, die die drei Jugend­li­chen ergat­tern konn­ten oder bereits besit­zen und die sich als Waf­fe oder als Werk­zeug für etwas eig­nen. Dazu noch die aktu­el­le Pla­nungs­stu­fen ihrer FluKasimiracht. Die Kapi­tel sind teils etwas kür­zer, wech­seln oft zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart. Auch Aus­zü­ge von Gesprächs­pro­to­kol­len mit der Poli­zei oder Tele­fo­na­te wer­den wie­der­ge­ge­ben. Alles ist pas­send auf­ein­an­der auf­ge­baut, schön cho­reo­gra­phiert. Die Geschich­te ist schon etwas anspruchs­vol­ler hin­sicht­lich vie­ler Anspie­lun­gen, Per­so­nen und Details, man kommt aber ins­ge­samt gut mit. Ein beson­de­res Haupt­au­gen­merk wird vor allem auf die unter­schied­li­chen Iden­ti­tä­ten gelegt, die Nora bereits anneh­men muss­te. “Um Ash­ley zu ver­ste­hen, musst du Katie ken­nen. Und Katie kannst du nur ken­nen, wenn du Haley getrof­fen hast. Haley wie­der­um wür­de nicht exis­tie­ren ohne das Trai­ning von Saman­tha, und vor Saman­tha hat es Rebec­ca gege­ben. Aber vor Rebec­ca war da… Ein Mäd­chen. Das Mäd­chen hat einen Namen. Aber ich bin damit groß gewor­den, ihn für mich zu behal­ten, ihn zu hüten wie einen gehei­men Schatz.” (Zitat S.97) In Rück­blen­den erfährt man mehr über die ein­zel­nen Per­so­nen, was tKasimiraotal fas­zi­nie­rend ist. Hier­bei sind die Sei­ten immer grau unter­legt, heben sich optisch vom Nor­mal­text deut­lich ab. Die Grund­idee mit den ver­schie­de­nen Mäd­chen fand ich äußerst bril­lant. “Rebec­ca. Saman­tha. Haley. Katie. Ash­ley. Die Mäd­chen, die ich gewe­sen bin. Lau­ter per­fek­te Töch­ter für die Frau, in die sich mei­ne Mut­ter ver­wan­del­te, um die Leu­te her­ein­zu­le­gen, auf die sie es abge­se­hen hat­te. Jedes die­ser Mäd­chen hat­te etwas von mir und war trotz­dem anders.” (Zitat S.45) Den­noch muss man sich als Leser klar sein, dass einen hier eini­ges an Gewalt und auch Bru­ta­li­tät erwar­ten wird. Denn das Päck­chen, das Nora tra­gen muss, ist kein leich­tes. Die Ver­gan­gen­heit, die sie erlebt und geprägt hat, hat sie in gewis­ser Wei­se zwar auch gestärkt, aber auch zer­bro­chen. Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit ihrer eige­nen Iden­ti­tät, das ver­langt wäh­rend des Bank­über­falls auch der Cha­rak­ter von Iris. Das Mäd­chen, das erst neu in Noras Leben getre­ten ist, und die — im Gegen­satz zu Wes, der sie bes­ser kennt und ähn­li­che Erleb­nis­se mit Gewalt gemacht hat — noch kaum etwas über ihre Ver­gan­gen­heit weiß: “Ich habe Iris von mei­ner Mut­ter erzählt. So irgend­wie. Dass sie im Gefäng­nis sitzt und dass mei­ne Schwes­ter gelo­gen hat, als ich zu ihr gezo­gen bin, damit ich nicht die Neue mit der kri­mi­nel­len Mut­ter bin. Aber icKasimirah habe Iris nicht gesagt, wer sie in den Knast gebracht hat, und schon gar nicht, wie und war­um.” (Zitat S.65) Vor allem Letz­te­res ist ein gro­ßer Punkt in “The girls I’ve been”, dem erst all­mäh­lich nach­ge­gan­gen wird. War­um ist Nora dafür ver­ant­wort­lich, dass ihre Mut­ter ins Gefäng­nis gekom­men ist? Was waren die Hin­ter­grün­de? Ihren Tricks und raf­fi­nier­ten Ein­fäl­len wäh­rend des Bank­über­falls nach­zu­ge­hen, ist auf jeden Fall äußerst span­nend (die Span­nung ist all­ge­mein sehr hoch in der Geschich­te!) und macht echt Spaß. Denn dass man eine mes­ser­schar­fe Ana­lys­tin vor sich hat, wird einem schnell bewusst: “War das nicht klar genug?”, fragt er und da höre ich sie. Die Wut in sei­ner Stim­me. Dar­auf habe ich gewar­tet. Vor­her war ich auf Mes­sers Schnei­de vor lau­ter Anspan­nung, jetzt weiß ich, was ich wis­sen muss. Nichts ist so schlimm wie ein wüten­der Mann mit einer Waf­fe. Das habe ich früh gelernt.” (Zitat S.22) Das Ende ist raf­fi­niert und passend.

Dir gefällt Tess Shar­pes Erzähl­stil? Dann Lesealternativenlies noch ihre ande­ren Bücher. “Mein wil­des Herz” (für Jugend­li­che) und “River of vio­lence” (für Erwach­se­ne). Eine sehr gute inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu “The girls I’ve been” ist “Ste­al­ing hea­ven” von Eli­sa­beth Scott, hier ist die Prot­ago­nis­tin eben­falls mit ihrer Mut­ter auf Abzo­cker­tour unter­wegs. Mit allen Was­sern gewa­schen, das sind auch die Per­so­nen in “City of thie­ves” von Nata­lie C.Anderson, “Bad girls” von E.Lockhart und “Cat­wo­man: Die­bin von Got­ham City” von Sarah J. Maas. Etwas kri­mi­nel­ler geht es außer­dem in die­sen Büchern zu: “Sear­ching Lucy” von Chris­ti­na Stein (Lese­tipp!), “Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” von Ant­je Leser und “Cat Deal: Nach allen Regeln der Kunst” von Kate Frey. Aller­lei Tricks erlernt zudem die Haupt­fi­gur in “Kil­ling Novem­ber” von Adria­na Mather. Ein sehr emp­feh­lens­wer­ter Thril­ler über ver­schie­de­nen Per­sön­lich­kei­ten ist auch “Scher­ben­mäd­chen” von Liz Coley.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58447-2
Erscheinungsdatum: 21.Oktober 2021
Einbandart: Broschur
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer: Beate Schäfer
Originaltitel: "The girls I've been"
Originalverlag: G.P. Putnam's Sons Books for Young Readers

Amerikanisches Originalcover:
Kasimira











Deutscher Trailer zum Buch:

Englischer Trailer zum Buch:

Kasimira auf Instagram:

Kasimira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

-------------------------------------------------------------
Amerikanisches Cover: Homepage von Penguin Random House

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner