Tamara Bach — Wörter mit L

Kasimira14.März 2019

Wör­ter mit L” ist das neu­es­te Buch der mit zahl­rei­chen Prei­sen aus­ge­zeich­ne­ten, deut­schen Autorin Tama­ra Bach. Eine Geschich­te, die ein jun­ges Mäd­chen in den Mit­tel­punkt rückt, in deren Umfeld sich alle ver­lie­ben. Nur sie selbst hat mit sol­chen Gefüh­len eigent­lich gar nichts am Hut. Ein Roman über Ver­än­de­run­gen, über das Erwach­sen­wer­den, das nicht immer ein­fach ist, manch­mal aber auch wie­der rich­tig schön sein kann. Mit ihrer bestechend glas­kla­ren Spra­che ent­führt uns die Autorin auf äußerst authen­ti­sche Art und Wei­se in das tur­bu­len­te Leben einer Her­an­wach­sen­den. Lese­tipp! Für Jugend­li­che ab 10 Jah­ren und all jene, die plötz­lich mit der Lie­be um sich her­um kon­fron­tiert wer­den;-)

Jeden Mor­gen tref­fen sich Pau­li­ne und ihre bes­te Freun­din Nata­scha vor der Schu­le am Zei­tungs­ki­osk. Manch­mal ist Pau­li­ne etwas frü­her dran und manch­mal etwas spä­ter. Je nach­dem bei wel­chem ihrer Eltern­tei­le sie gera­de über­nach­tet hat. Denn Pau­li­nes Eltern leben getrennt. Mon­tags bis don­ners­tags über­nach­tet sie bei ihrem Vater, des­sen Frau Jet­te und ihrem klei­nen Halb­bru­der Jona­than. Den Rest der Woche ist sie bei ihrer Mut­ter. “Wenn Papa mich mit­nimmt, bin ich ein biss­chen frü­her als Nata­scha da. Wenn ich bei Mama schla­fe, komm ich spä­ter. Eine von uns muss immer war­ten.” (Zitat S.13). Doch auf ein­mal war­tet auch Leo­nie mor­gens Kasimiraöfters an ihrem Treff­punkt. Leo­nie, mit der Nata­scha plötz­lich so viel über Jungs tuscheln muss. Über Tris­tan, in den sie sich ver­guckt hat. Auch Leo­nie ist ein biss­chen in Oskar ver­liebt. Pau­li­ne kann so etwas gar nicht ver­ste­hen. “Ich weiß gar nicht, war­um Jungs plötz­lich so wich­tig sind. Dass man dau­ernd dar­über reden muss, über Jungs, über Gefüh­le, über den gan­zen Herz­scha­mott. Das war vor­her nicht so, oder? Das ist, als hät­te es ein Zei­chen gege­ben, eine Hupe, einen Start­schuss, irgend­was. Als hät­ten sich alle ver­ab­re­det. Nur mir hat kei­ner Bescheid gege­ben. (Zitat S.27ff) Jetzt hat sie von ihrem Vater erfah­ren, dass sogar ihre Mut­ter ver­liebt sein soll? Stimmt das? Doch als ihr Vater sie nach einem Zahn­arzt­ter­min im Büro der Mut­ter absetzt und sie die­se auf ein­mal in einem ganz ande­ren, auf­ge­reg­ten Zustand erlebt, als ein Mit­ar­bei­ter in ihr Zim­mer ein­tritt, wird Pau­li­ne klar, dass ihr Vater Recht hat­te. Auch ihre Mut­ter ist ver­liebt. “Das gan­ze Wochen­en­de muss Mama arbei­ten. Das gan­ze Wochen­en­de denk ich, Mama ist ver­liebt und hat es mir nicht Kasimiraerzählt. Und ich muss sie nicht mal fra­gen, weil ich es selbst gese­hen habe. Weil ich sogar weiß, in wen. Eigent­lich sind alle Fra­gen beant­wor­tet, die ich hat­te. Und plötz­lich sind da so viel mehr.” (Zitat S.55) Pauli­ne ver­steht die Welt nicht mehr. Gibt es eigent­lich auch noch etwas ande­res als ver­liebt sein? Pau­li­ne zum Bei­spiel inter­es­siert sich mehr für den Hund, den der Leh­rer aus ihrer Par­al­lel­klas­se schein­bar immer mit in die Schu­le bringt. Oder eben Hun­de im All­ge­mei­nen. Auch den drei­bei­ni­gen Hund ihres Mit­schü­lers Lukas fin­det sie toll. Doch dann sagt Pau­li­ne unab­sicht­lich etwas Gemei­nes zu Nata­scha und die­se will auf ein­mal nicht mehr mit ihr befreun­det sein…

Wör­ter mit L” war­tet mit einem Cover aus, das anders ist. Detail­freu­dig und neu­gie­rig machend. Was gibt es da alles auf dem Schreib­tisch der Prot­ago­nis­tin zu ent­de­cken? Auch auf den Innen­sei­ten des Buches kann man eini­ges ent­de­cken — näm­lich, dass es nicht nur KasimiraWör­ter mit L wie Lie­be gibt, son­dern ganz vie­le ande­re: “Lapp­land, Luft­schlan­ge, Luft­schlös­ser, Latein, Lari­fa­ri…” Pau­li­ne ist ein äußerst sym­pa­thi­sches Mäd­chen, das in der Ich-Per­spek­ti­ve ihre Sicht der Din­ge zum Bes­ten gibt. Beson­ders die sich ver­än­dern­de Freund­schaft zu Nata­scha und die “Lie­be”, die ihnen dazwi­schen­kommt, ist sehr gut getrof­fen: “Ich komm mir vor, als wäre ich zwei Wochen krank gewe­sen und komm jetzt in die Schu­le und ver­steh gar nichts mehr, weil jeder Leh­rer mit einem neu­en The­ma ange­fan­gen hat. Weil alle dabei waren, nur ich nicht. Als könn­ten alle plötz­lich eine neue Spra­che und ich ver­steh nur Lalu­la.” (Zitat S.75ff) Denn auf ein­mal mel­det sich Nata­scha auf ihre Nach­rich­ten am Wochen­en­de nicht mehr bei ihr. Ruft sie nicht zurück. Und erzählt ihr auch gar nicht, was in dem Brief stand, den sie ihrem Schwarm Tris­tan gege­ben hat. Eben­so in Pau­li­nes Klas­se ist vie­les anders gewor­den. Das Erwach­sen­wer­den hat sich zwi­schen sie gedrängt und das merkt man, manch­mal auch ein­fach nur so neben­bei. Wie zum Bei­spiel im KasimiraSchwimm­un­ter­richt, wenn man hin­ter­her unter der Dusche steht. “Das ist nicht mehr so wie damals im Kin­der­gar­ten im Som­mer, wo man sich ein­fach aus­ge­zo­gen hat und durch den Rasen­spren­ger gehüpft ist. Da haben wir ja alle noch gleich aus­ge­se­hen. Kin­der­gar­ten ist ja ewig her. Wir schau­en uns an und ich fra­ge mich, ob das okay ist, dass ich sehe, dass eine aus der Par­al­lel­klas­se schon Brüs­te kriegt. Und dass man­che dicker oder dün­ner sind, und man­che Po haben und man­che gar kei­nen.” (Zitat S.16) Gefüh­le in Wor­te packen, das ist Tama­ra Bach auf beson­ders ein­fühl­sa­me Wei­se gelun­gen. Ihre Spra­che ist ein­fach und klar. Und mit so viel Raum zwi­schen den Zei­len, das es dem Leser gera­de­zu ent­ge­gen­springt, die­ses Unge­sag­te, die­se Grat­wan­de­rung zwi­schen Kind­heit und Erwach­sen­wer­den, die­ses Los­las­sen und die­ses Ver­trau­en zu etwas Neu­em, das man erst lang­sam auf­bau­en und ver­ste­hen muss. Das Ende ist pas­send und bringt ein Hap­py-end:-)

Dir gefällt Tama­ra Bachs Erzähl­stil? Dann lies noch ihre ande­ren Bücher (chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum): “Mars­mäd­chen” (hierfLesealternativenür erhielt sie unzäh­li­ge Prei­se, u.a. den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2004), “Bus­fahrt mit Kuhn” (nomi­niert für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2005), “Jetzt ist hier”(2007), “Was vom Som­mer übrig bleibt” (erhielt den Katho­li­schen Kin­der- und Jugend­buch­preis 2013) und “Mari­en­bil­der” (2014, gefiel mir gut!), “Vier­zehn” (2016, treff­si­cher und prä­gnant!) und “Maus­meer” (2018). Wenn alle ande­ren sich ver­lie­ben und man selbst das eben nicht ist, das ist eben­so The­ma in die­sen Büchern: “Ver­liebt? Ich doch nicht!” von Agnès Des­ar­t­he und “Mira — #freun­de #ver­liebt #ein­jahr­mei­nes­le­bens” von Sabi­ne Lemi­re. Der Lie­bes­vi­rus ist auch in die­sen Roma­nen aus­ge­bro­chen: “Chloé und die rosa­ro­te Bril­le” von Son­ja Kaib­lin­ger, “Alle Ster­ne ste­hen auf Lie­be” von Her­mi­en Stell­ma­cher und in Con­ni und der Lie­bes­brief” von Julia Boeh­me (bereits ab 8 Jah­ren). Eine Neu­erschei­nung über das Erwach­sen­wer­den von einer Autorin, einen sehr schö­nen Erzähl­stil hat, ist “Son­ne, Moon und Ster­ne” von Lara Schütz­sack. Eine Freund­schaft, die sich plötz­lich ver­än­dert, das erlebst du bei fol­gen­den Titeln: “Wun­der­wor­te” von Abby Coo­per (ab 10),Wohin mei­ne Flos­sen mich tra­gen” von Kate Gor­don (ab12) und in Papier­flie­ger­wor­te” von Dawn O’Por­ter (ab 14).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-55386-7
Erscheinungsdatum: 28.Februar 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 11,00€ 
Seitenzahl: 176 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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