“Kiss me once” ist ein Liebesroman der deutschen Autorin Stella Tack. Eine Geschichte über eine reiche, Studentin, die sich undercover in einer Universität einschreibt und endlich einmal ihre Freiheit genießen möchte. Sich allerdings prompt in jenen jungen Mann verliebt, den ihr Vater als ihr Secret Bodyguard eingestellt hat. Eine schöne, anfangs noch etwas dick aufgetragene Sommerlektüre, die sich dann aber perfekt herunterliest und mit einem traumhaften Cover aufwartet. Für Jugendliche ab 14 und interessierte Erwachsene.
Florida. Die 18-jährige Ivy Haidi Redmond — Musterschülerin und Erbin von ungefähr dreißig Milliarden Dollar — entbricht in die Freiheit. Entgegen den Vorstellungen ihrer Eltern hat sie sowohl Harvard als auch Princeton abgelehnt und ein Stipendium an der UFC, der University of Central Florida angenommen. Sie möchte endlich auf eigenen Beinen stehen. Eigene Entscheidungen treffen. “Ich war achtzehn, verdammt noch mal! Ich wollte selbst entscheiden, was ich anzog. Ich wollte selbst entscheiden, was ich aß und was ich in meiner Freizeit machte. […] Ich wollte auch endlich meine eigene Meinung sagen können. Nicht nur die Dinge, die von mir erwartet wurden.” (Zitat aus “Kiss me once” S.103) Deshalb lässt sie das für sie vorgesehene
Chanel-Kostüm auch links liegen und ihr ganzes anderes Gepäck ebenfalls und macht sich schon zwei Tage früher auf, um zur Universität zu fahren. Ihre Frisur wird ein bisschen aufgepimpt und sie färbt sich die Haarspitzen pink und entert gleich den nächsten Walmart, um sich komplett neu einzukleiden. Weißes T‑Shirt mit einem Regenbogen und einem Einhorn, das Ballett tanzt, inklusive. “Ich konnte mich nicht erinnern, jemals so billige Sachen getragen zu haben, aber bei Gott — ich liebte jedes einzelne Stück! Sogar die No-Name-Flipflops an meinen Füßen, von denen meine Mutter immer behauptete, dass sie schon allein vom Hinsehen eine Plastikvergiftung bekäme.” (Zitat S.8) Auch wenn Ivy weiß, dass ihr Vater einen Personenschützer für sie engagiert hat, versucht sie bereits jetzt ihren Start ins Universitätsleben zu genießen. Und trifft auf dem Campus sogleich auf Ryan, den sie mit ihrem Auto erst fast über den Haufen fährt und dann noch beinahe umrennt. Ein Eis-Date später und es ist um Ivy geschehen. Die Anziehungskraft zwischen ihnen ist nicht zu
leugnen. Doch gerade nachdem sie sich das erste Mal geküsst haben, zerplatzt die große Seifenblase und sowohl Ivy, als auch Ryan müssen geschockt feststellen, dass sie mehr miteinander verbindet, als sie je geahnt hätten. Denn Ivy ist Ryans zukünftiger “Job” und Ryan Ivys zukünftiger Bodyguard! Eine Beziehung zwischen den beiden? Völlig ausgeschlossen…
Das Cover ist wirklich wunderschön gestaltet und zieht wie magisch die Blicke auf sich! Dreht man das Buch leicht, sieht man die vielen, kleinen Glitzerpünktchen leuchten. Auch der Klappentext ist genauso formuliert, dass er Lust macht diesen Roman zu lesen: prägnant, das Wichtigste zusammengefasst und neugierig auf mehr machend. “Kiss me once” wird aus Ivys und Ryans Sicht in der jeweiligen Ich-Perspektive erzählt und kommt mit einer angenehmen, einfachen und sehr flüssigen Sprache daher. Ein teils süffisanter Unterton begleitet den Text, was sehr erfrischend ist. Der Plot ist schnell
gezeichnet. Die reiche, in einen Käfig der Konventionen gesperrte Ivy, die sich nach Freiheit und Selbstfindung sehnt. Und Ryan — mit Tattoos und Piercings ganz das Bad-Boy-Image — dessen Vater bereits für die Familie Redmond arbeitet und der diesem etwas beweisen will: “Sie war nur das Sprungbrett zu meiner Karriere. Ein, höchstens zwei Semester musste ich durchhalten, um meinem Vater zu beweisen, dass es sich gelohnt hatte, für diesen Job das College zu schmeißen. Und ihm zu zeigen, wie verdammt gut ich darin war, Leben zu retten. Viel zu gut, um wie er hinter einem Schreibtisch zu versauern” (Zitat S.31) Zwei gegensätzliche Figuren, die aufeinandertreffen (und natürlich Klischees bedienen) und nicht zusammen sein dürfen. Aber genau das macht das Erfolgskonzept des opulenten (512 Seiten starken) Romans aus und lässt den Leser gespannt mitfiebern. Und genauso muss eine entspannende Urlaubslektüre auch sein dürfen. Nichtsdestotrotz gab es zwei Dinge, die mich zuweilen beim Lesen etwas gestört haben. Zum einen flucht die weibliche Protagonistin ziemlich oft (aber auch Ryan zuweilen) und diese
Flüche bleiben auf Englisch gehalten (obwohl die Autorin ja keine Amerikanerin ist, sondern eine Deutsche) und man hört ziemlich oft Ausdrücke wie “Holy Moly”, “Jeese” oder gar “Shrimp”, was manchmal etwas befremdlich wirkt. Zum anderen gab es am Anfang als Ivy und Ryan sich kennenlernen und noch nicht ahnen, wer der jeweils andere ist, immer wieder Stellen, die einfach etwas aufgesetzt und übertrieben wirken: “Ihr Lachen war mit Abstand das Schönste, was ich jemals gehört hatte. […] Zum Glück schien sie auch etwas durchgeknallt zu sein, sonst wäre der Gentleman in mir wahrscheinlich sofort auf die Knie gegangen und hätte um ihre Hand angehalten. So ein Lachen sollte verboten werden.” (Zitat S.73) Es ist ein bisschen viel Theatralik, die einem da entgegenschlägt: “Und dieser Augenaufschlag. Fuck! Ich war hier gerade dabei, mich in ernsthafte Probleme zu manövrieren. Mayday! Houston, wir haben ein Problem! Es hieß Haidi und war gerade dabei, mich mit drei
Sommersprossen in den emotionalen Ruin zu treiben.” (Zitat S.76ff) Und die Gefahr den schmalen Grat zum Kitsch zu überschreiten: “Sie lachte und grunzte dabei ein wenig. Schnell schlug sie die Hand vor den Mund, um das Geräusch zu dämpfen, aber ich hörte es trotzdem deutlich heraus. Oh Himmel! Wenn sie das noch mal tat, würde ich sterben. Oder sie küssen. Leider gab es keine Option mehr dazwischen.” (Zitat S.79) Zum Glück legt sich dies recht bald und die Authentizität weiß beim Lesen wieder zu überzeugen und man mag das Buch kaum mehr aus den Händen legen! Auch ein wenig Erotik ist darin zu finden.
Fazit: Eine romantische Sommergeschichte mit anfänglichen Schwächen, die dann aber doch brilliert!
Dir gefällt Stella Tacks Erzählstil? Dann lies noch die Fortsetzungen der Reihe: “Kiss me twice” und “Kiss me now”, die aber auch unabhängig voneinander zu lesen sind. Zuvor hat sie noch einige Fantasybücher geschrieben: “Luzifer: Des Teufels Sünde” (2016), “Warrior Peace: Göttliches Blut” (2017) und “Warrior Peace: Göttlicher Zorn” (2018). Du suchst eine inhaltliche Alternative zu “Kiss me once”? Sich in seinen Personenschützer verlieben — das passiert ebenso den Protagonisten in “Mein Leben für dich” von Annette Moser (schon etwas älter, aber sehr unterhaltsam!), in “Kiss & Crime: Zeugenkussprogramm” von Eva Völler (Reihe) und in “Keep me safe” von Sarah Alderson (Spannung & Romantik). Besonders Letztere versteht es über die Maße authentisch zu bleiben und Liebesgeschichten zu erzählen, die nicht kitschig sind. Lies zum Beispiel “Trust in love” oder ihre Neuheit “Lass mich nicht los”. Herzschmerz pur und ein bisschen überzogen manchmal fand ich ebenso “Mein Dilemma bist du” von Cristina Chiperi.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ravensburger ISBN: 978-3-473-58555-7 Erscheinungsdatum: 15.Mai 2019 Einbandart: Broschur Preis: 14,99€ Seitenzahl: 512 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: - Hörprobe:
Kasimiras Bewertung:
(4 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-58555-7
Erscheinungsdatum: 15.Mai 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 512
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -
Hörprobe: