Stella Tack — Kiss me once

14.Juli 2019

Kiss me once” ist ein Lie­bes­ro­man der deut­schen Autorin Stel­la Tack. Eine Geschich­te über eine rei­che, Stu­den­tin, die sich under­co­ver in einer Uni­ver­si­tät ein­schreibt und end­lich ein­mal ihre Frei­heit genie­ßen möch­te. Sich aller­dings prompt in jenen jun­gen Mann ver­liebt, den ihr Vater als ihr Secret Body­guard ein­ge­stellt hat. Eine schö­ne, anfangs noch etwas dick auf­ge­tra­ge­ne Som­mer­lek­tü­re, die sich dann aber per­fekt her­un­ter­liest und mit einem traum­haf­ten Cover auf­war­tet. Für Jugend­li­che ab 14 und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Flo­ri­da. Die 18-jäh­ri­ge Ivy Hai­di Red­mond — Mus­ter­schü­le­rin und Erbin von unge­fähr drei­ßig Mil­li­ar­den Dol­lar — ent­bricht in die Frei­heit. Ent­ge­gen den Vor­stel­lun­gen ihrer Eltern hat sie sowohl Har­vard als auch Prince­ton abge­lehnt und ein Sti­pen­di­um an der UFC, der Uni­ver­si­ty of Cen­tral Flo­ri­da ange­nom­men. Sie möch­te end­lich auf eige­nen Bei­nen ste­hen. Eige­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen. “Ich war acht­zehn, ver­dammt noch mal! Ich woll­te selbst ent­schei­den, was ich anzog. Ich woll­te selbst ent­schei­den, was ich aß und was ich in mei­ner Frei­zeit mach­te. […] Ich woll­te auch end­lich mei­ne eige­ne Mei­nung sagen kön­nen. Nicht nur die Din­ge, die von mir erwar­tet wur­den.” (Zitat aus “Kiss me once” S.103) Des­halb lässt sie das für sie vor­ge­se­he­ne KasimiraCha­nel-Kos­tüm auch links lie­gen und ihr gan­zes ande­res Gepäck eben­falls und macht sich schon zwei Tage frü­her auf, um zur Uni­ver­si­tät zu fah­ren. Ihre Fri­sur wird ein biss­chen auf­ge­pimpt und sie färbt sich die Haar­spit­zen pinkt und entert gleich den nächs­ten Walm­art, um sich kom­plett neu ein­zu­klei­den. Wei­ßes T-Shirt mit einem Regen­bo­gen und einem Ein­horn, das Bal­lett tanzt, inklu­si­ve. Ich konn­te mich nicht erin­nern, jemals so bil­li­ge Sachen getra­gen zu haben, aber bei Gott — ich lieb­te jedes ein­zel­ne Stück! Sogar die No-Name-Flip­flops an mei­nen Füßen, von denen mei­ne Mut­ter immer behaup­te­te, dass sie schon allein vom Hin­se­hen eine Plas­tik­ver­gif­tung bekä­me.” (Zitat S.8) Auch wenn Ivy weiß, dass ihr Vater einen Per­so­nen­schüt­zer für sie enga­giert hat, ver­sucht sie bereits jetzt ihren Start ins Uni­ver­si­täts­le­ben zu genie­ßen. Und trifft auf dem Cam­pus sogleich auf Ryan, den sie mit ihrem Auto erst fast über den Hau­fen fährt und dann noch bei­na­he umrennt. Ein Eis-Date spä­ter und es ist um Ivy gesche­hen. Die Anzie­hungs­kraft zwi­schen ihnen ist nicht zu Kasimiraleug­nen. Doch gera­de nach­dem sie sich das ers­te Mal geküsst haben, zer­platzt die gro­ße Sei­fen­bla­se und sowohl Ivy, als auch Ryan müs­sen geschockt fest­stel­len, dass sie mehr mit­ein­an­der ver­bin­det, als sie je geahnt hät­ten. Denn Ivy ist Ryans zukünf­ti­ger “Job” und Ryan Ivys zukünf­ti­ger Body­guard! Eine Bezie­hung zwi­schen den bei­den? Völ­lig aus­ge­schlos­sen…

Das Cover ist wirk­lich wun­der­schön gestal­tet und zieht wie magisch die Bli­cke auf sich! Dreht man das Buch leicht, sieht man die vie­len, klei­nen Glit­zer­pünkt­chen leuch­ten. Auch der Klap­pen­text ist genau­so for­mu­liert, dass er Lust macht die­sen Roman zu lesen: prä­gnant, das Wich­tigs­te zusam­men­ge­fasst und neu­gie­rig auf mehr machend. “Kiss me once” wird aus Ivys und Ryans Sicht in der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve erzählt und kommt mit einer ange­neh­men, ein­fa­chen und sehr flüs­si­gen Spra­che daher. Ein teils süf­fi­san­ter Unter­ton beglei­tet den Text, was sehr erfri­schend ist. Der Plot ist schnell Kasimiragezeich­net. Die rei­che, in einen Käfig der Kon­ven­tio­nen gesperr­te Ivy, die sich nach Frei­heit und Selbst­fin­dung sehnt. Und Ryan — mit Tat­toos und Pier­cings ganz das Bad-Boy-Image — des­sen Vater bereits für die Fami­lie Red­mond arbei­tet und der die­sem etwas bewei­sen will: Sie war nur das Sprung­brett zu mei­ner Kar­rie­re. Ein, höchs­tens zwei Semes­ter muss­te ich durch­hal­ten, um mei­nem Vater zu bewei­sen, dass es sich gelohnt hat­te, für die­sen Job das Col­le­ge zu schmei­ßen. Und ihm zu zei­gen, wie ver­dammt gut ich dar­in war, Leben zu ret­ten. Viel zu gut, um wie er hin­ter einem Schreib­tisch zu ver­sau­ern” (Zitat S.31) Zwei gegen­sätz­li­che Figu­ren, die auf­ein­an­der­tref­fen (und natür­lich Kli­schees bedie­nen) und nicht zusam­men sein dür­fen. Aber genau das macht das Erfolgs­kon­zept des opu­len­ten (512 Sei­ten star­ken) Romans aus und lässt den Leser gespannt mit­fie­bern. Und genau­so muss eine ent­span­nen­de Urlaubs­lek­tü­re auch sein dür­fen. Nichts­des­to­trotz gab es zwei Din­ge, die mich zuwei­len beim Lesen etwas gestört haben. Zum einen flucht die weib­li­che Prot­ago­nis­tin ziem­lich oft (aber auch Ryan zuwei­len) und die­se KasimiraFlü­che blei­ben auf Eng­lisch gehal­ten (obwohl die Autorin ja kei­ne Ame­ri­ka­ne­rin ist, son­dern eine Deut­sche) und man hört ziem­lich oft Aus­drü­cke wie “Holy Moly”, “Jee­se”  oder gar “Shrimp”, was manch­mal etwas befremd­lich wirkt. Zum ande­ren gab es am Anfang als Ivy und Ryan sich ken­nen­ler­nen und noch nicht ahnen, wer der jeweils ande­re ist, immer wie­der Stel­len, die ein­fach etwas auf­ge­setzt und über­trie­ben wir­ken: “Ihr Lachen war mit Abstand das Schöns­te, was ich jemals gehört hat­te. […] Zum Glück schien sie auch etwas durch­ge­knallt zu sein, sonst wäre der Gen­tle­man in mir wahr­schein­lich sofort auf die Knie gegan­gen und hät­te um ihre Hand ange­hal­ten. So ein Lachen soll­te ver­bo­ten wer­den.” (Zitat S.73) Es ist ein biss­chen viel Thea­tra­lik, die einem da ent­ge­gen­schlägt: “Und die­ser Augen­auf­schlag. Fuck! Ich war hier gera­de dabei, mich in ernst­haf­te Pro­ble­me zu manö­vrie­ren. May­day! Hous­ton, wir haben ein Pro­blem! Es hieß Hai­di und war gera­de dabei, mich mit drei KasimiraSom­mer­spros­sen in den emo­tio­na­len Ruin zu trei­ben.” (Zitat S.76ff) Und die Gefahr den schma­len Grat zum Kitsch zu über­schrei­ten“Sie lach­te und grunz­te dabei ein wenig. Schnell schlug sie die Hand vor den Mund, um das Geräusch zu dämp­fen, aber ich hör­te es trotz­dem deut­lich her­aus. Oh Him­mel! Wenn sie das noch mal tat, wür­de ich ster­ben. Oder sie küs­sen. Lei­der gab es kei­ne Opti­on mehr dazwi­schen.” (Zitat S.79) Zum Glück legt sich dies recht bald und die Authen­ti­zi­tät weiß beim Lesen wie­der zu über­zeu­gen und man mag das Buch kaum mehr aus den Hän­den legen! Auch ein wenig Ero­tik ist dar­in zu fin­den.

Fazit: Eine roman­ti­sche Som­mer­ge­schich­te mit anfäng­li­chen Schwä­chen, die dann aber doch bril­liert!

Dir gefällt Stel­la TackErzähl­stil? Zuvor hat sie noch eini­ge Fan­ta­sy­bü­cher geschrie­ben: “Luzi­fer: Des Teu­fels Sün­de” (2016), “War­ri­or Peace: Gött­li­ches Blut” (2017) und “War­ri­or Peace: Gött­li­cher Zorn” (2018). Du suchst eine inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu “Kiss me once”? Sich in sei­nen Per­so­nen­schüt­zer ver­lie­ben — das pas­siert eben­so den Prot­ago­nis­ten in “Mein Leben für dich” von Annet­te Moser (schon etwas älter, aber sehr unter­halt­sam!), in “Kiss & Crime: Zeu­gen­kuss­pro­gramm” von Eva Völ­ler (Rei­he) und in “Keep me safe” von Sarah Alder­son (Span­nung & Roman­tik). Beson­ders Letz­te­re ver­steht es über die Maße authen­tisch zu blei­ben und Lie­bes­ge­schich­ten zu erzäh­len, die nicht kit­schig sind. Lies zum Bei­spiel “Trust in love” oder ihre Neu­heit “Lass mich nicht los”. Herz­schmerz pur und ein biss­chen über­zo­gen manch­mal fand ich eben­so “Mein Dilem­ma bist du” von Cris­ti­na Chi­p­e­ri.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-58555-7
Erscheinungsdatum: 15.Mai 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 512
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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