Stefanie Kaluza — Faustschlag von rechts

21.Juni 2026

“Faust­schlag von rechts” ist ein Roman der deut­schen Autorin Ste­fa­nie Kalu­za, der sich mit den Gefah­ren von Rechts­extre­mis­mus aus­ein­an­der­setzt. Im Mit­tel­punkt der 15-jäh­ri­ge Jarik, der unter der Tren­nung sei­ner Eltern lei­det, mit sei­nen Freun­den nicht mehr so rich­tig reden kann und der beim Boxen im Jugend­zen­trum Dampf ablässt. Als sein cha­ris­ma­ti­scher Trai­ner Falk ihn zu einem Zelt­la­ger ein­lädt, freut sich Jarik über den neu­en Anschluss. Holz hacken, Sport trei­ben und Fan­ta­sy-Rol­len­spie­le im Wald. Hier fühlt er sich will­kom­men und ange­nom­men. Sei­ne Freun­de war­nen ihn, dass dies ein Camp von völ­ki­schen Neo­na­zis sein soll. Doch Jarik igno­riert das. Das hät­te er doch mit­be­kom­men. Erst als er und sei­ne neu­en Kum­pels vom Jugend­zen­trum aus­ge­schlos­sen wer­den, gerät die Situa­ti­on all­mäh­lich außer Kon­trol­le… Ein eher ein­fach geschrie­be­nes Buch, das mit kur­zen Sät­zen und einer schlich­ten Spra­che aus­kommt, es dadurch aber schafft, auch jün­ge­re Leser:innen für das erns­te The­ma Rechts­extre­mis­mus zu sen­si­bi­li­sie­ren. Bewe­gend und wich­tig. Ide­al auch als Klas­sen­lek­tü­re oder für eine Buch­vor­stel­lung. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Der 15-jäh­ri­ge Jarik lebt in einem Kaff, in dem nur zwei Mal am Tag der Bus fährt. Nichts groß los hier. Oft hängt er mit sei­ner Cli­que an der Bus­hal­te­stel­le ab. Oder sie gehen ins Jugend­zen­trum, wo er boxen lernt. Doch in letz­ter Zeit ist das Leben anstren­gend für ihn gewor­den. Sei­ne Eltern haben Kasimirasich getrennt, weil sein Vater sei­ne Mut­ter mona­te­lang betro­gen hat. Jarik lebt mit sei­nem jün­ge­ren Bru­der Lukas bei sei­ner Mut­ter, die stän­dig an ihm her­um­me­ckert und immer unaus­steh­li­cher gewor­den ist. “Ich knal­le die Woh­nungs­tür etwas hef­ti­ger als gewollt zu. “Jarik! Du nimmst jetzt sofort den Müll mit run­ter!”, höre ich Mama durch die Tür rufen. Wie kann eine ein­zel­ne Per­son so extrem ner­ven. Seit Papa weg ist, wird es immer schlim­mer. Als ob ich was dafür­könn­te.” (Zitat S.7) Sein Vater sagt stän­dig die ver­ein­bar­ten Tref­fen mit ihnen ab, was Jarik schwer zu schaf­fen macht. Aber er hat nicht den Ein­druck, dass er mit sei­nen Freun­den dar­über reden kann. Über­haupt läuft es mit ihnen gera­de nicht so beson­ders. Sie ver­an­stal­ten selt­sa­me Gen­der-Cal­lenges, trot­zen den Rol­len­kli­schees. Und Mo, in die Jarik heim­lich ver­liebt ist, scheint sei­ne Gefüh­le nicht zu erwi­dern. Bis Falk, sein Box­trai­ner, eines Tages auf Jarik auf­merk­sam wird und ihn zu einem Zelt­la­ger im Ort ein­lädt. “Wie immer gucken alle wie fern­ge­steu­ert zu ihm. Die­ser Typ hat ein kras­ses Selbst­be­wusst­sein. Dabei ist er nicht mal groß für sei­ne 18 Jah­re. Aber voll mus­ku­lös. Sei­ne blau­en Augen scan­nen den Raum, das macht er immer. Wie so ein Action­held im Film — auf alles vor­be­rei­tet.” (Zitat S.17) Falk ist cool, mit ihm kann Jarik reden. Vor allem das Boxen gefällt ihm, um Dampf abzu­las­sen. “Wir kom­men ganz schön ins Schwit­zen und Falk ist uner­bitt­lich. Ich feie­re das total. Der gan­ze Ärger, der sich wegen der Absa­ge von Papa und auch der Strei­te­rei­en der letz­ten Tage mit Mama in mir auf­ge­staut haben, löst sich Schlag für Schlag auf. Mein Herz klopft hart gegen mei­ne Brust, ich atme schnell und tief, es ist, als wür­de mein gan­zer Kör­per den Ärger aus mir raus­pum­pen. Ich füh­le mich rich­tig leben­dig!” (Zitat S.18) Im Zelt­la­ger hacken sie Holz, stel­len Zel­te auf, trei­ben viel Sport — fast schon ein biss­chen boot­camp­mä­ßig — und spie­len ein Fan­ta­sy-Rol­len­spiel im Wald. Jarik fühlt sich wohl und will­kom­men dort, fin­det neue Freun­de und lernt, wie ein Mann zu sein. Doch dann behaup­ten sei­ne alten Freun­de, dass das Camp von völ­ki­schen Neo­na­zis ver­an­stal­tet wird. Das kann doch nicht sein, von so etwas war nie die Rede. Jarik hät­te so etwas doch bemerkt, oder? Als Falk und sei­ne neu­en Freun­de eines Tages vom Jugend­zen­trum aus­ge­schlos­sen wer­den, gera­ten die Din­ge all­mäh­lich außer Kontrolle…

Das Cover und der Titel, sehr aus­sa­ge­kräf­tig und pas­send. Fasst die zwei The­men Boxen und Gefah­ren von Rechts­extre­mis­mus per­fekt in Wor­te. Der Roman beginnt mit einem Pro­log, der bereits Aus­blick gibt, auf das, was kom­men wird: “Ich zit­te­re am gan­zen Kör­per. Andi liegt vor mir auf dem Boden. Sein Gesicht ist blut­über­strömt. In Panik schaue ich mei­ne Hand an. Auch sie ist blu­tig. Lang­sam schüt­te­le ich den Kopf. Ich kann das alles gar nicht glau­ben. Wie konn­te es nur so weit kom­men? Und wie hat das alles ange­fan­gen?” (Zitat S.5) Dann star­tet der Haupt­teil, der kom­plett aus Jariks Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist. Ein Jun­ge, der sich frus­triert und abge­lehnt fühlt und mit sei­nen Gefüh­len schwer umzu­ge­hen weiß. “Ich weiß, dass er über Papa spre­chen will. Ich will nicht. Nicht nach heu­te. Ich bin so wütend, dass Papa wirk­lich schon wie­der abge­sagt hat und ich nichts tun kann. Gar nichts. Ich fühl mich wütend und hilf­los und will schon wie­der irgend­wo rein­dre­schen und…” (Zitat S.29) Auch fami­liä­re Pro­ble­me, sich ver­än­dern­de Freund­schaf­ten, die ers­te Lie­be und die Suche nach der eige­nen Iden­ti­tät wer­den in “Faust­schlag von rechts” behan­delt. Aber vor allem der schlei­chen­de Radi­ka­li­sie­rungs­pro­zess steht stark im Vor­der­grund. Die Mani­pu­la­ti­on, die Jarik erfährt und die ihm zunächst gar nicht bewusst ist. “Nicos Bru­der hat erzählt, dass hier in der Gegend ein Zelt­la­ger von so völ­ki­schen Neo­na­zis statt­fin­den soll. Er weiß aber nicht genau wo. Es wird schon Pro­test dage­gen geplant.” “Was?”, fra­ge ich scharf zurück. […] Als wäre ich zu dumm zu erken­nen, dass ich mit — wie heißt das? — “völ­ki­schen Neo­na­zis” abhän­ge. Bin mir sicher, dass ich das bemerkt hät­te.” (Zitat S.91) Wie Jarik sich all­mäh­lich ver­än­dert, das wird sehr authen­tisch beschrie­ben. Wie der Ein­fluss von Falk ihn prägt und er bei­spiels­wei­se sei­nen Bru­der, den er frü­her noch getrös­tet und in sein Bett gelas­sen hat, nun zurück­stößt. “Jetzt höre ich es in Lukas Ecke rascheln, und dann steht er schon an mei­nem Bett. Er will echt zu mir unter die Decke krie­chen. Echt jetzt. “Komm klar, Lukas”, sage ich und dre­he mich von ihm weg. Er bleibt noch kurz ste­hen. Dann geht er end­lich zurück. Es nervt, ihn jetzt flen­nen zu hören. Aber es muss sein. Wenn er nicht bald här­ter wird, bleibt er viel­leicht so ein alber­ner Sof­ti-Arsch. So wie Duy.” (Zitat S.123) Die Spra­che in “Faust­schlag nach rechts” ist eher ein­fach und die Sät­ze sind kür­zer. Der unkom­pli­zier­te Schreib­stil sorgt für einen ange­neh­men Erzähl­fluss, auch wenn die Geschich­te teil­wei­se noch etwas mehr Tie­fe hät­te ver­tra­gen kön­nen. Dies tut jedoch dem Kern der Bot­schaft kei­nen Abbruch, jun­ge Men­schen für sub­ti­le Fang­me­tho­den des Rechts­extre­mis­mus zu sen­si­bi­li­sie­ren. Das Ende ist sehr har­mo­nisch, die Wand­lung des Prot­ago­nis­ten kommt fast ein biss­chen zu schlagartig.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Karibu
ISBN: 978-3-96129-570-8
Erscheinungsdatum: 1.April 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 224

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Kasimiras Bewertung:

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