“Faustschlag von rechts” ist ein Roman der deutschen Autorin Stefanie Kaluza, der sich mit den Gefahren von Rechtsextremismus auseinandersetzt. Im Mittelpunkt der 15-jährige Jarik, der unter der Trennung seiner Eltern leidet, mit seinen Freunden nicht mehr so richtig reden kann und der beim Boxen im Jugendzentrum Dampf ablässt. Als sein charismatischer Trainer Falk ihn zu einem Zeltlager einlädt, freut sich Jarik über den neuen Anschluss. Holz hacken, Sport treiben und Fantasy-Rollenspiele im Wald. Hier fühlt er sich willkommen und angenommen. Seine Freunde warnen ihn, dass dies ein Camp von völkischen Neonazis sein soll. Doch Jarik ignoriert das. Das hätte er doch mitbekommen. Erst als er und seine neuen Kumpels vom Jugendzentrum ausgeschlossen werden, gerät die Situation allmählich außer Kontrolle… Ein eher einfach geschriebenes Buch, das mit kurzen Sätzen und einer schlichten Sprache auskommt, es dadurch aber schafft, auch jüngere Leser:innen für das ernste Thema Rechtsextremismus zu sensibilisieren. Bewegend und wichtig. Ideal auch als Klassenlektüre oder für eine Buchvorstellung. Für Jugendliche ab 12 Jahren und interessierte Erwachsene.
Der 15-jährige Jarik lebt in einem Kaff, in dem nur zwei Mal am Tag der Bus fährt. Nichts groß los hier. Oft hängt er mit seiner Clique an der Bushaltestelle ab. Oder sie gehen ins Jugendzentrum, wo er boxen lernt. Doch in letzter Zeit ist das Leben anstrengend für ihn geworden. Seine Eltern haben
sich getrennt, weil sein Vater seine Mutter monatelang betrogen hat. Jarik lebt mit seinem jüngeren Bruder Lukas bei seiner Mutter, die ständig an ihm herummeckert und immer unausstehlicher geworden ist. “Ich knalle die Wohnungstür etwas heftiger als gewollt zu. “Jarik! Du nimmst jetzt sofort den Müll mit runter!”, höre ich Mama durch die Tür rufen. Wie kann eine einzelne Person so extrem nerven. Seit Papa weg ist, wird es immer schlimmer. Als ob ich was dafürkönnte.” (Zitat S.7) Sein Vater sagt ständig die vereinbarten Treffen mit ihnen ab, was Jarik schwer zu schaffen macht. Aber er hat nicht den Eindruck, dass er mit seinen Freunden darüber reden kann. Überhaupt läuft es mit ihnen gerade nicht so besonders. Sie veranstalten seltsame Gender-Callenges, trotzen den Rollenklischees. Und Mo, in die Jarik heimlich verliebt ist, scheint seine Gefühle nicht zu erwidern. Bis Falk, sein Boxtrainer, eines Tages auf Jarik aufmerksam wird und ihn zu einem Zeltlager im Ort einlädt. “Wie immer gucken alle wie ferngesteuert zu ihm. Dieser Typ hat ein krasses Selbstbewusstsein. Dabei ist er nicht mal groß für seine
18 Jahre. Aber voll muskulös. Seine blauen Augen scannen den Raum, das macht er immer. Wie so ein Actionheld im Film — auf alles vorbereitet.” (Zitat S.17) Falk ist cool, mit ihm kann Jarik reden. Vor allem das Boxen gefällt ihm, um Dampf abzulassen. “Wir kommen ganz schön ins Schwitzen und Falk ist unerbittlich. Ich feiere das total. Der ganze Ärger, der sich wegen der Absage von Papa und auch der Streitereien der letzten Tage mit Mama in mir aufgestaut haben, löst sich Schlag für Schlag auf. Mein Herz klopft hart gegen meine Brust, ich atme schnell und tief, es ist, als würde mein ganzer Körper den Ärger aus mir rauspumpen. Ich fühle mich richtig lebendig!” (Zitat S.18) Im Zeltlager hacken sie Holz, stellen Zelte auf, treiben viel Sport — fast schon ein bisschen bootcampmäßig — und spielen ein Fantasy-Rollenspiel im Wald. Jarik fühlt sich wohl und willkommen dort, findet neue Freunde und lernt, wie ein Mann zu sein. Doch dann behaupten seine alten Freunde, dass das Camp von völkischen Neonazis veranstaltet wird. Das kann doch nicht sein, von so e
twas war nie die Rede. Jarik hätte so etwas doch bemerkt, oder? Als Falk und seine neuen Freunde eines Tages vom Jugendzentrum ausgeschlossen werden, geraten die Dinge allmählich außer Kontrolle…
Das Cover und der Titel, sehr aussagekräftig und passend. Fasst die zwei Themen Boxen und Gefahren von Rechtsextremismus perfekt in Worte. Der Roman beginnt mit einem Prolog, der bereits Ausblick gibt, auf das, was kommen wird: “Ich zittere am ganzen Körper. Andi liegt vor mir auf dem Boden. Sein Gesicht ist blutüberströmt. In Panik schaue ich meine Hand an. Auch sie ist blutig. Langsam schüttele ich den Kopf. Ich kann das alles gar nicht glauben. Wie konnte es nur so weit kommen? Und wie hat das alles angefangen?” (Zitat S.5) Dann startet der Hauptteil, der komplett aus Jariks Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Ein Junge, der sich frustriert und abgelehnt fühlt und mit seinen Gefühlen schwer umzugehen weiß. “Ich weiß, dass er über
Papa sprechen will. Ich will nicht. Nicht nach heute. Ich bin so wütend, dass Papa wirklich schon wieder abgesagt hat und ich nichts tun kann. Gar nichts. Ich fühl mich wütend und hilflos und will schon wieder irgendwo reindreschen und…” (Zitat S.29) Auch familiäre Probleme, sich verändernde Freundschaften, die erste Liebe und die Suche nach der eigenen Identität werden in “Faustschlag von rechts” behandelt. Aber vor allem der schleichende Radikalisierungsprozess steht stark im Vordergrund. Die Manipulation, die Jarik erfährt und die ihm zunächst gar nicht bewusst ist. “Nicos Bruder hat erzählt, dass hier in der Gegend ein Zeltlager von so völkischen Neonazis stattfinden soll. Er weiß aber nicht genau wo. Es wird schon Protest dagegen geplant.” “Was?”, frage ich scharf zurück. […] Als wäre ich zu dumm zu erkennen, dass ich mit — wie heißt das? — “völkischen Neonazis” abhänge. Bin mir sicher, dass ich das bemerkt hätte.” (Zitat S.91) Wie Jarik sich allmählich verändert, das wird sehr authentisch beschrieben. Wie der Einfluss von Falk ihn prä
gt und er beispielsweise seinen Bruder, den er früher noch getröstet und in sein Bett gelassen hat, nun zurückstößt. “Jetzt höre ich es in Lukas Ecke rascheln, und dann steht er schon an meinem Bett. Er will echt zu mir unter die Decke kriechen. Echt jetzt. “Komm klar, Lukas”, sage ich und drehe mich von ihm weg. Er bleibt noch kurz stehen. Dann geht er endlich zurück. Es nervt, ihn jetzt flennen zu hören. Aber es muss sein. Wenn er nicht bald härter wird, bleibt er vielleicht so ein alberner Softi-Arsch. So wie Duy.” (Zitat S.123) Die Sprache in “Faustschlag nach rechts” ist eher einfach und die Sätze sind kürzer. Der unkomplizierte Schreibstil sorgt für einen angenehmen Erzählfluss, auch wenn die Geschichte teilweise noch etwas mehr Tiefe hätte vertragen können. Dies tut jedoch dem Kern der Botschaft keinen Abbruch, junge Menschen für subtile Fangmethoden des Rechtsextremismus zu sensibilisieren. Das Ende ist sehr harmonisch, die Wandlung des Protagonisten kommt fast ein bisschen zu schlagartig.
Bibliografische Angaben:Verlag: Karibu ISBN: 978-3-96129-570-8 Erscheinungsdatum: 1.April 2026 Einbandart: Hardcover Preis: 16,99€ Seitenzahl: 224
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Verlag: Karibu
ISBN: 978-3-96129-570-8
Erscheinungsdatum: 1.April 2026
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Seitenzahl: 224
