Skye McKenna — Cassandra Morgan: Der goldene Schlüssel

27.Dezember 2025

“Cas­san­dra Mor­gan: Der gol­den Schlüs­sel” ist der ers­te Band einer geplan­ten Tri­lo­gie der aus­tra­li­schen Autorin Skye McKen­na (die aber mitt­ler­wei­le in Schott­land lebt). Ein Fan­ta­sy­ro­man, der ein jun­ges Mäd­chen in den Mit­tel­punkt stellt, das seit sie­ben Jah­ren in einem für sie schreck­li­chen Inter­nat lebt und noch immer dar­an glaubt, dass ihre Mut­ter, die vor eben jenen sie­ben Jah­ren spur­los ver­schwand, eines Tages wie­der auf­tau­chen wird. Doch dann erfährt sie eines Tages, dass sie doch noch eine Ver­wand­te hat. Eine Tan­te. Die sogar eine Hexe ist. Cas­san­dra stammt aus einer gan­zen Fami­lie vol­ler Hexen! Bald wird sie flei­ßig unter­rich­tet, um ihre Hexen­prü­fung abzu­le­gen. Aber ihre Tan­te warnt sie davor, den Hag, den ältes­ten Wald Eng­lands zu betre­ten. Dahin­ter liegt das Land Fai­rie, aus dem das Böse kommt. Für Cas­san­dra ist klar, dass dort ihre Mut­ter zu fin­den ist. Und was ist mit den gan­zen Kin­dern, die in letz­ter Zeit ver­schwin­den? Natür­lich bricht Cas­san­dra die Regeln und wagt sich in den Wald hin­ein… Eine char­man­te Fan­ta­sy-Welt eröff­net sich, die unter­halt­sam und sehr ein­falls­reich geschrie­ben ist und die Her­zen von Hexen­ge­schich­ten-Fans höher schla­gen lässt. Für Jugend­li­che ab 10 Jahren.

Die 12-jäh­ri­ge Cas­san­dra Mor­gan liebt Bücher. Doch das Inter­nat, das sie besucht, das äußer­lich einem Gefäng­nis gleicht und sich auch so anfühlt, hat in der Biblio­thek kaum etwas zu bie­ten. “In der Biblio­thek von Fowell House stan­den nur lang­wei­li­ge Schul­bü­cher, oben­drein war jeg­li­che Lek­tü­re, die sich nicht auf den Unter­richt bezog, ver­bo­ten.” (Zitat aus “Cas­san­dra Mor­gan: Der gol­de­ne Schlüs­sel” S.12) Des­halb hat sie eine heim­li­che Pri­vat­bi­blio­thek. Eines ihrer liebs­ten Bücher ist “Mär­chen aus dem Lan­de Fae­rie”. Auch wenn an ihreKasimirar Schu­le an Magie nie­mand glaubt, kann sich Cas­sie in die­sen Geschich­ten ver­lie­ren. Zumal ihr All­tag im Inter­nat nicht sehr ange­nehm ist und sie ihre Mut­ter ver­misst, die sie das letz­te Mal vor sie­ben Jah­ren gese­hen hat. Damals hat die­se sich von ihrer Toch­ter ver­ab­schie­det und Cas­sie hat ver­spre­chen müs­sen, auf sie zu war­ten. Doch dass das War­ten so lan­ge dau­ern wür­de, damit hät­te Cas­sie nie­mals gerech­net. Nie­mand weiß, wo sich ihre Mut­ter auf­hält. Nun — nach sie­ben Jah­ren — wur­de sie offi­zi­ell für tot erklärt. “Die­ses Inter­nat ist kein Wohl­tä­tig­keits­ver­ein. Die Kon­ten dei­ner Mut­ter wur­den gesperrt, bei uns geht kein Schul­geld mehr ein.” (Zitat S.50) erklärt ihr die Direk­to­rin. Des­halb muss Cas­sie das Inter­nat nun ver­las­sen und soll in einem Wai­sen­haus unter­ge­bracht wer­den. Weil ihr das gar nicht gefällt, beschließt sie abzu­hau­en. Und erfährt etwas völ­lig Über­ra­schen­des: sie soll noch eine Tan­te haben! “Ges­tern bekam dei­ne Tan­te Miran­da ein Anwalts­schrei­ben. Dar­in stand ers­tens, dass ihre Schwes­ter für tot erklärt wur­de, und zwei­tens, dass sie eine Nich­te hat.” (Zitat S.74) Noch viel Außer­ge­wöhn­li­cher ist jedoch, dass es die Welt der Magie, von der sie schon immer geträumt hat, tat­säch­lich geben zu scheint. Ihre Tan­te ist eine Hexe! “Die Mor­gans sind ein alt­ehr­wür­di­ges Hexen­ge­schlecht. Dei­ne Tan­te ist die amtie­ren­de Hag­he­xe, so wie vor ihr dei­ne Urgroß­mutter. Dein Onkel arbei­tet für die Lan­des­wacht und auch Rose zeig­te gro­ße Bega­bung, bevor sie…” “Moment mal… Mei­ne Mut­ter ist eine Hexe?!” (Zitat S.76) Das muss Cas­sie erst mal alles ver­dau­en. Auch dass ihre Tan­te Miran­da, zu der sie bald dar­auf zieht, nicht wirk­lich nett zu ihr ist und erst mal gar nichts davon wis­sen will, Cas­sies Mut­ter zu suchen. Die­se muss im Land der Fae­ries sein, das hin­ter dem Hag — dem größ­ten Wald Eng­lands — liegt. Daher kommt das Böse und ihre Tan­te Miran­da hat als Hag­he­xe die Auf­ga­be die Men­schen zu beschüt­zen. Den Wald darf Cas­sie allei­ne nie­mals betre­ten. Viel zu vie­le Gefah­ren dro­hen dort. Aber dann ver­schwin­den immer mehr Kin­der im Land, auch der Bru­der einer guten Freun­din von Cas­sie und sie beschließt die War­nun­gen ihrer Tan­te zu ignorieren…

Das Cover ist wirk­lich aus­ge­spro­chen schön gestal­tet, dazu die gold schim­mern­den, ein­ge­ar­bei­te­ten Ele­men­te. Allen vor­an der Schlüs­sel, den Cas­san­dra um den Hals trägt und der für den Unter­ti­tel des Fan­ta­sy­ro­mans ver­ant­wort­lich ist. Ihn hat sie von ihrer Mut­ter erhal­ten. “Cas­sie hat­te unzäh­li­ge Theo­rien, wozu der Schlüs­sel pas­sen moch­te: zu einer Schatz­tru­he, einem gehei­men Gewöl­be, dem Zuhau­se, in das sie und ihre Mut­ter zurück­keh­ren wür­den. Gleich­zei­tig war der Schüs­sel die Erin­ne­rung an ein Ver­spre­chen. Beim Abschied hat­te Cas­sie ihrer Mut­ter ver­spre­chen müs­sen, auf sie zu war­ten und nicht die Geduld zu ver­lie­ren” (Zitat S.36) Das Buch, das auch im vor­de­ren und hin­te­ren Vor­satz­blatt mit einer gelun­ge­nen Zeich­nung ver­se­hen ist (illus­triert von Vik­to­ria Gavri­len­ko), ist in Kapi­tel unter­teilt und jede Sei­te ist mit einem blu­mi­gen Rah­men ver­se­hen, die Sei­ten­zahl in einem Blatt ver­bor­gen. Auch die Kapi­tel­an­fän­ge wer­den zeich­ne­risch mit einem sich wie­der­ho­len­den Motiv beglei­tet. “Cas­san­dra Mor­gan: Der gol­de­ne Schlüs­sel” ist durch­ge­hend aus Cas­sies Sicht in per­so­na­ler Erzähls­wei­se geschrie­ben. Einem sehr sym­pa­thi­schen Cha­rak­ter, in den man sich sehr gut ein­füh­len kann. Vor allem in ihren schwie­ri­gen All­tag im Inter­nat: Cas­sie ist eine Außen­sei­te­rin und wird zudem noch gemobbt, von der Schreck­li­chen Lis­sie, mit der sie sich ein­mal ange­legt hat. “Davor war sie ein­fach nur unbe­liebt gewe­sen, ab da galt sie als Aus­sät­zi­ge. Wer sich mit ihr sehen ließ, stand sofort auf Liz­zi­es schwar­zer Lis­te” (Zitat S.15) Nie­mand will etwas mit Cas­sie zu tun haben, sie könn­te genau­so gut unsicht­bar sein. Das Ele­ment mit den ver­schwun­de­nen Kin­dern sorgt für ers­te Span­nung: “Über­all in Lon­don wur­den Kin­der als ver­misst gemel­det.” (Zitat S.19). Die­sem darf man fort­wäh­rend in der gesam­ten Geschich­te nach­ge­hen. Auch wenn die Span­nung sich an man­chen Stel­len ein wenig ver­liert, unter­halt­sam ist “Cas­san­dra Mor­gan: Der gol­de­ne Schlüs­sel” alle­mal. Wäh­rend zunächst noch alles ziem­lich rea­lis­tisch zugeht, drif­tet das Gan­ze dann schlag­ar­tig ins Fan­tas­ti­sche ab, als Cas­sie aus dem Inter­nat abhaut und von ein paar Kobol­den ver­folgt wird. Es ret­tet sie ein spre­chen­der Kater mit Hil­fe eines flie­gen­den Hexen­be­sens. Und es tau­chen in dem Buch noch eini­ge ande­re fan­tas­ti­sche Wesen auf: Gestalt­wand­ler, Irr­lich­ter und Púcas. Das mit den Impa­mäd­chen ist auch sehr süß gemacht: statt zu tele­fo­nie­ren, über­brin­gen die­se Nach­rich­ten an ande­re und wer­den dar­für mit Kasimiraglit­zern­den Gegen­stän­den besto­chen. Viel wird sich auch auf Cas­sies Aus­bil­dung als Hexe kon­zen­triert. Sie muss hier eini­ge Lek­tio­nen ler­nen und über sich hin­aus­wach­sen. Etwas unlo­gisch fand ich den Teil in der Höh­le, war­um wird der Aus­gang von gewis­sen Per­so­nen nicht schon frü­her gesucht? Es wird gegen Ende des Romans auf jeden Fall ein biss­chen tur­bu­len­ter. Die Geschich­te klingt in sich abge­schlos­sen aus, auch wenn natür­lich gewis­se Rät­sel noch nicht voll­stän­dig gelöst wur­den. Hier darf man dann in den zwei Fortz­set­zun­gen wei­ter­le­sen. Band zwei wird im fol­gen­den Jahr auf Deutsch ver­öf­fent­licht wer­den. Band 3 und 4 gibt es bis­her nur auf Englisch.

Du möch­test wis­sen, wie es wei­ter­geht? Dann freu dich auf Band 2: “Cas­san­dra Mor­gan: Die magi­sche Flö­te”, der Anfang März 2026 erschei­nen wird. Im Eng­li­schen kanLesealternativennst du schon Band 3 “Sea­witch” und Band 4 “Stone­witch” lesen. Eine schö­ne Lese­al­ter­na­ti­ve zu “Cas­san­dra Mor­gan: Der gol­de­ne Schlüs­sel” ist auch die Neu­erschei­nung “Secret Forest Aca­de­my: Avas Bestim­mung” von Tina Stein lesen. Dies ist eben­falls der ers­te Band einer Rei­he eines Mäd­chen, deren Eltern eben­falls spur­los ver­schwun­den sind und die in eine magi­sche Welt abtaucht und ihre magi­schen Kräf­te erst noch ent­wi­ckeln muss, eben­so wie Cas­sie. Du magst Hexen­ge­schich­ten? Dann lies unbe­dingt die belieb­te “Ein Mäd­chen namens Wil­low”-Rei­he von Sabi­ne Bohl­mann: “Ein Mäd­chen namens Wil­low” (Band 1), “Wald­ge­flüs­ter” (Band 2), “Flü­gel­rau­schen” (Band 3), “Nebel­tanz” (Band 4) und “Schat­ten­zeit” (Band 5). Zwei ande­re Hexen­rei­hen wäre noch “Die Hexen von Fair­hol­low High” von Aria­na Cham­bers und die “Wild­he­xe” von Lene Kaaber­bøl.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-40932-7
Erscheinungsdatum:
Einbandart: Hardcover
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 15,99€
Seitenzahl: 416
Übersetzer*in: Katharina Orgaß
Illustrator*in: Viktoria Gavrilenko
Originaltitel: "Hedgewitch"
Originalverlag: Welbeck Children's Books

Britisches Originalcover:












Trailer zum Buch (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Cover: Homepage von Skye McKenna

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