Silas Matthes — Miese Opfer

Silas Matthes Miese Opfer19.Februar 2018

Mie­se Opfer” von Silas Mat­thes ist ein Jugend­buch, das damals im neu­en Imprint des Oetin­ger Ver­la­ges erschie­nen ist: Oetin­ger 34 - einer Krea­tiv­werk­statt, in dem eine ver­netz­te Com­mu­ni­ty gemein­sam an Buch­pro­jek­ten arbei­tet. Das Cover z.B. wur­de durch Abstim­mung ermit­telt. Der Roman eines noch recht jun­gen Autoren setzt sich mit Mob­bing inten­siv aus­ein­an­der. Jugend­sprach­lich. Direkt. Authen­tisch. Nun als preis­wer­te­re Aus­ga­be im Oetin­ger Taschen­buch Ver­lag erschie­nen. Beson­ders für Jungs ab 13 Jah­ren zu emp­feh­len.

Der 15-jäh­ri­ge Fred (eigent­lich Fer­di­nand) und Leo sind die bes­ten Freun­de. Sie hän­gen gemein­sam im Gewer­be­ge­biet her­um, schau­en Fil­me an, machen zusam­men Musik und sind dabei ein eige­nes Brett­spiel zu erfin­den: “Mir kam der Gedan­ke, dass ich Jah­re so ver­brin­gen könn­te, jah­re­lang mit Leo die Zeit ver­schwen­den, indem wir hier rum­hin­gen, uns irgend­wel­chen Scheiß aus­dach­ten, uns von der Son­ne zu Sta­tu­en bren­nen lie­ßen.” (Zitat aus “Mie­se Opfer” S.11). Alles könn­te so schön sein, wären da nicht Sebas­ti­an Dun­ker — den sie nur Dun­ker nen­nen — und sei­ne Freun­de, die die bei­den regel­mä­ßig fer­tig machen. Sie geben ihnen im Unter­richt Schlä­ge auf den Hin­ter­kopf, ver­prü­geln sie, schla­gen gegen ihre Essens­ta­blets in der Men­sa und demü­ti­gen sie mit aller­lei Sprü­chen in jeder frei­en Minu­te. Gemein­sam ver­su­chen Fred und Leo das Gan­ze eigent­lich nur so schnell und mög­lichst unbe­schol­ten über sich erge­hen zu las­sen. Einem Leh­rer etwas zu sagen, bräch­te sowie­so nichts. Außer­dem möch­te Fred sei­ner dau­er­ge­stress­ten Mut­ter nicht noch mehr Kum­mer berei­ten. “…man ertrug es halt so gut es ging, das war schei­ße, aber letzt­lich die bes­te Opti­on.” (Zitat S.41) Doch die Demü­ti­gun­gen hin­ter­las­sen Spu­ren. Und so fällt Fred auf, dass Leo Silas Matthes - Miese Opferin letz­ter Zeit irgend­wie anders ist. Oft ballt er die Faust, wäh­rend er die Pei­ni­gun­gen Dun­kers ertra­gen muss. Und dann schlägt er eines Tages wirk­lich zurück. Das ver­än­dert alles…

Mie­se Opfer” ist aus der Ich-Per­spek­ti­ve und aus Freds Sicht geschrie­ben. Der Erzähl­stil ist rela­tiv flüs­sig, nur zuwei­len gibt es eini­ge bedäch­ti­ge­re Momen­te, in denen sich auf die Freund­schaft zwi­schen Fred und Leo und ihren Beschäf­ti­gun­gen kon­zen­triert wird. Ein wenig tro­cke­ner Humor fließt mit­un­ter in den Text ein: “Leo und ich husch­ten in die Ecke vor­ne rechts. Da die Rang­ord­nung einer Klas­se abstei­gend zur Nähe vom Leh­rer­pult zeig­te, hät­ten wir eigent­lich auf dem Leh­rer­pult Platz neh­men müs­sen, aber das ging ja nicht.” (Zitat S.25) Die Spra­che ist teil­wei­se sehr jugend­sprach­lich, auch wer­den Sze­nen wie Selbst­be­frie­di­gung und eine unge­woll­te, sexu­el­le Erre­gung ange­sichts eines Mäd­chen nicht aus­ge­blen­det und sehr deut­lich geschil­dert. Sehr bewe­gend wird jedoch auf das The­ma Mob­bing ein­ge­gan­gen: Es ist hef­tig zu lesen, was die Freun­de jeden Tag aus­hal­ten müs­sen. Fred wür­de am liebs­ten an man­chen Tagen gar nicht zu Schu­le gehen: “Ich fühl­te mich fieb­rig, aber ich wuss­te, dass ich nicht wirk­lich krank war. Viel­leicht hat­te ich eine all­er­gi­sche Reak­ti­on gegen die Schu­le. […] Ich müss­te dann nur noch zum Arzt, mir ein paar Trop­fen Schu­le auf Silas Matthes - Miese Opferden Unter­arm träu­feln las­sen, das wür­de sich dann hef­tig röten, und der Arzt wür­de sagen: “Oh, oh, oh. Da haben wir es ja mit einer rich­tig gesund­heits­ge­fähr­den­den Form von Schul­all­er­gie zu tun, Sie dür­fen da nie wie­der hin, oder Sie müs­sen mit blei­ben­den Schä­den rech­nen.” (Zitat S.21) Aber Fred tut es aus Freund­schaft zu Leo. Er will ihn dort nicht allei­ne all dem aus­ge­setzt wis­sen. Selbst als er durch eine Atta­cke von Dun­ker Sym­pto­me einer Gehirn­er­schüt­te­rung zeigt, bleibt er nur einen Tag zu Hau­se, obwohl es ihm nicht wirk­lich viel bes­ser geht. Auch über die Ursa­chen von Mob­bing macht sich Leo Gedan­ken. War­um sind es gera­de sie, die “Opfer” gewor­den sind? Sei­ner Mei­nung gab es eini­ge ande­re, die es eher hät­te tref­fen kön­nen: “Es gab Pick­li­ge­re als uns…[…] Es gab Dicke­re als uns…[…] Und es gab Nerdi­ge­re…[…] Kei­ne Ahnung also, war­um es uns getrof­fen hat­te. Viel­leicht waren wir nur mal zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort gewe­sen, oder was weiß ich.” (Zitat S.41)

Wenn dir der Erzähl­stil von Silas Mat­thes gefällt, kannst du auch noch die “Kings & Fools”-Rei­he (Fan­ta­sy) von ihm und Natha­lie Matt lesenLesealternativen. Die wohl bes­te Alter­na­ti­ve zum The­ma Mob­bing ist “Opfer­land” von Bet­ti­na Obrecht, das sehr inten­siv beschreibt, was der Prot­ago­nist der Geschich­te durch­macht, aber auch auf die Ursa­chen ein­geht. Sich nicht weh­ren gegen uner­war­te­tes Drang­sa­lie­ren einer Grup­pe Jugend­li­cher, das tut die Haupt­per­son in der aktu­el­len Neu­erschei­nung “Dreck­stück” von Clé­men­ti­ne Beau­vais. Hin­ge­gen setzt sich ein gediss­ter Jun­ge von Außen­sei­tern in “Die Liga der Guten” von Rüdi­ger Bertram auf eine ganz ande­re, uner­war­te­te Wei­se zur Wehr. Sehr gut gefal­len hat mir eben­so “Schlamm oder Die Kata­stro­phe von Heath Cliff” von Lou­is Sachar, wel­cher Mob­bing gegen Ende fried­lich auf­löst. Oder lies “Wie ein flam­men­der Schrei” von Mats Wahl, das zeigt, was auf schwe­di­schen Schul­hö­fen so los ist.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Oetinger
ISBN: 978-3-8415-0498-2
Erscheinungsdatum: 1.Februar 2018
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 7,00€
Seitenzahl: 192
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -

Deutsches Originalcover:
Silas Matthes - Miese Opfer











Kasimiras Bewertung: 

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