“Nachtschwarz” ist der erste Teil der zweibändigen Urban-Fantasy-Reihe der deutschen Autorin Saskia Louis. Im Mittelpunkt steht die Tochter eines Astrophysikers, die in ein verschlafenes, kleines Städtchen umziehen muss und auf dem Weg zur Schule einen Zusammenstoß mit einem seltsamen Lichtblitz hat. Billies Auto hat daraufhin eine Delle und am Scheibenwischer hängt ein Stück Stoff. Mysteriöserweise hat ihr attraktiver, unnahbarer Mitschüler Ash am selben Tag eine frische Wunde am Knie und sein zerrissener Mantelstoff stimmt genau mit dem Fetzen überein. Billie versucht hinter sein Geheimnis zu kommen und stößt auf etwas völlig Unerwartetes… Unterhaltsam und mit teils schön fetzigen Dialogen. Erinnert zu Beginn fast ein wenig an “Twilight”;-) Kommt aber erst allmählich in Fahrt. Für Jugendliche ab 13 Jahren und für interessierte Erwachsene.
Die 17-jährige Billie muss schon wieder umziehen. In sieben Bundesstaaten hat sie bereits gewohnt. Nun wurde ihr Vater, der als Astrophysiker arbeitet, von Texas nach Kalifornien versetzt. In ein verschlafenes Nest namens Amber Lake. “Er suchte sich schließlich nicht aus, wohin er versetzt wurde. Aber ausgerechnet hierhin? In ein 11000-Seelen Städtchen mit dem furchbar niedlichen Namen Amber Lake, das auf halber Strecke zwischen dem Yosemite und Kings Canyon Park lag und somit womöglich den schlechtesten Internetempfang in ganz Kalifornien besaß?” (Zitat aus “Nachtschwarz” S.9) Billie möchte ihre Kisten am liebsten gar nicht auspacken. Sie hasst es
die Neue an der Schule zu sein. Innerhalb der letzten sieben Jahre hat sie fünfmal die Schule gewechselt. Eigentlich sind ihr Großstädte lieber, weil sie da in der Masse untergehen kann. In einer Kleinstadt fällt sie gleich jedem auf. Doch tatsächlich bekommt Billie an ihrem Tag bereits Anschluss an eine Clique, findet in der sympathischen Kala eine neue Freundin. Zu der Gruppe, die sich schon seit Ewigkeiten kennt, gehört auch der unnahbare Ash. Der angeblich nie datet, den Billie irgendwie faszinierend findet, obwohl er sie manchmal unglaublich aufregen kann. “Er war freundlich, konnte aber auch ein Arschloch sein. Er verstand sich mit den meisten Leuten, wahrte aber zu allem außer seiner Clique eine gewisse Distanz. Er war aufmerksam, bemerkte anscheinend jede Kleinigkeit, doch gleichzeitig war er die Häfte der Zeit abwesend und in Gedanken versunken. Er war arrogant,
wenn es um manche Dinge ging, aber bescheiden bei anderen.” (Zitat S.81ff) Auf der Fahrt zur Schule hatte Billie jedoch mit ihrem Auto einen merkwürdigen Unfall. “Ein helles, funkelndes Licht blitzte auf und blendete mich. Erschrocken kniff ich die Augen zusamen und ließ den Bagel fallen. Die Achsen quietschten und die Reifen schlitterten geräuschvoll über den Schotter, als ich die Bremse durchtrat… und im nächsten Moment ein ohrenbetäubender metallischer Knall mein Trommelfell zu zerfetzen drohte. Der Wagen kam ruckartig zum Stillstand” (Zitat S.15) Aber sie sieht nichts. Kein Tier, keinen Menschen, nur eine große Delle an ihrem Auto und ein Fetzen Stoff, der an ihrer Windschutzscheibe hängt. Seltsamerweise hat Ash an jenem Tag eine Verletzung am Knie und sein rissiger Mantel hat genau dasselbe Stoffmuster. Billie will herausfinden, was er damit zu tun hat. Denn irgendetwas in Amber Lake scheint nicht mit rechten Dingen zu zugehen. Nachts bemerkt sie seltsame Lichter und dunkle Schatten am Waldrand…
Das Cover ist passend gemacht, der Titel klingt auch schön geheimnisvoll. Der Roman wird durchgehend aus Billies Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Dass die Grundthematik etwas mit dem Sternenhimmel/Sternbildern zu tun hat, ahnt man nicht nur aufgrund des Klappentextes/Covers, sondern auch das auffällig gestaltete Vorsatzpapier, deutet dies an. Das Setting des verschlafenen Amber Lake, des Hauses am Waldrand und dem Beruf des Vaters sind daher ganz passend: “Mein Vater hatte mich früher oft mit auf die Sternwarte genommen. […] ich hatte die Zeit mit ihm allein geliebt. Die Abende, an denen er mir die riesigen Teleskope erklärt hatte, mit deren Hilfe er den Sternenhimmel untersuchte. An denen er mir all die verschiedenen Stern-Konstellationen gezeigt und aufgemalt hatte. Und noch heute liebte ich es, nachts in den Himmel zu starren.” (Zitat S.66) Auch wenn es wirklich lange dauert,
bis man all den Hintergründen und Geheimnissen auf die Schliche kommt. Zu Beginn — hinsichtlich der Autosache — hatte ich tatsächlich kurz ein paar “Twilight”-Vibes, dazu der geheimnisvolle, unnahbare Junge und seine Clique, die irgendetwas zu verbergen scheint. Aber von der Spannung her hat mich “Nachtschwarz” leider zunächst nicht wirklich gepackt. Es ist interessant, die Dialoge sind teils auch sehr humorvoll, aber so richtig mitgerissen hat mich die Geschichte lange Zeit leider einfach nicht. Die Sprache ist jedoch sehr angenehm, auch mit viel angenehmer Ironie versehen: “Der Schweiß von Jahrzehnten schien sich in Umkleide vier der Amber Lake High festgesetzt zu haben und verbündete sich mit den herumwabernden Deowolken zu einer feuchten, stickigen Luft, in der tropische Farne fantastisch gedeihen würden. Abgesehen davon war es immer schön, seine neuen Mitschülerinnen halbnackt und den Rest der Stufe dann rotgesichtig und mit fetten Schweißflecken unter den Achseln kennenzulernen. Jap, genauso hatte ich mir den ersten Schultag immer gewünscht.” (Zitat S.31) Billie und ihr Vater, das Miteinander zwischen
den beiden, liest sich zudem sehr erfrischend. Ebenfalls das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, nirgendwo ankommen zu können oder enge Bindungen aufzubauen, ist sehr gut in den Roman eingearbeitet: “Sie kannten sich einfach schon ewig. Deswegen wirkten sie so entspannt miteinander. So sicher innerhalb ihrer kleinen Gruppe. Weil sie vermutlich schon eine Menge zusammen erlebt hatten. Ich konnte nicht verhindern, dass mir der Gedanke einen kleinen Stich in die Brust versetzte. Denn ich hatte nie die Möglichkeit gehabt, so tiefe Bindungen aufzubauen.” (Zitat S.45) Schließlich wird es dann glücklichweise doch zunehmend fesselnder und zum Ende hin richtig schön spannend und nervenaufreibend. Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht.
Dir gefällt der Schreibstil von Saskia Louis? Sehr gut von ihr gefielen mir “Die Lügendiebin” und “Die Lügenkönigin”. Noch mehr Bücher (für Erwachsene vor allem) findest du hier. Und wenn du wissen willst, wie es weitergeht, freu dich auf “Sternenhell”, das im
Frühjahr 2024 erscheinen wird. Dir gefällt die Idee mit den Sternzeichen? Dann wäre vielleicht auch die “Zodiac”-Reihe von Lana Rotaru etwas für dich. Band 1 ist “Servants of the Moon” und Band 2 ist “Soldiers of the Sun”. Eine Lesealternative — in der Licht eine besondere Rolle spielt, Liebesgeschichte inklusive — ist die bekannte “Obsidian”-Reihe von Jennifer Armentrout. Band 1 ist “Obsidian: Schattendunkel, Band 2 ist “Onyx: Schattenschimmer”, Band 3 ist “Opal: Schattenglanz”, Band 4 ist “Origin: Schattenfunke”, Band 5 ist “Opposition: Schattenblitz” und Zusatzbänd sind “Shadows: Finsterlicht” (Prequel), “Oblivion: Lichtflüstern”, “Oblivion: Lichtflimmern” und “Oblivion: Lichtflackern”, “Obsession: Dunkelglanz”. Danach folgten noch “Revenge: Sternensturm”, “Revenge: Schattensturm” und “Revenge: Nachtsturm”. Oder lies die bereits erwähnte “Bis(s)”-Reihe von Stephenie Meyer.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ueberreuter ISBN: 978-3-7641-7136-0 Erscheinungsdatum: 18.Juli 2023 Einbandart: Hardcover Preis: 20,00€ Seitenzahl: 416 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
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Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7136-0
Erscheinungsdatum: 18.Juli 2023
Einbandart: Hardcover
Preis: 20,00€
Seitenzahl: 416
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