Saskia Louis — Nachtschwarz

29.September 2023

“Nacht­schwarz” ist der ers­te Teil der zwei­bän­di­gen Urban-Fan­ta­sy-Rei­he der deut­schen Autorin Saskia Lou­is. Im Mit­tel­punkt steht die Toch­ter eines Astro­phy­si­kers, die in ein ver­schla­fe­nes, klei­nes Städt­chen umzie­hen muss und auf dem Weg zur Schu­le einen Zusam­men­stoß mit einem selt­sa­men Licht­blitz hat. Bil­lies Auto hat dar­auf­hin eine Del­le und am Schei­ben­wi­scher hängt ein Stück Stoff. Mys­te­riö­ser­wei­se hat ihr attrak­ti­ver, unnah­ba­rer Mit­schü­ler Ash am sel­ben Tag eine fri­sche Wun­de am Knie und sein zer­ris­se­ner Man­tel­stoff stimmt genau mit dem Fet­zen über­ein. Bil­lie ver­sucht hin­ter sein Geheim­nis zu kom­men und stößt auf etwas völ­lig Uner­war­te­tes… Unter­halt­sam und mit teils schön fet­zi­gen Dia­lo­gen. Erin­nert zu Beginn fast ein wenig an “Twi­light”;-) Kommt aber erst all­mäh­lich in Fahrt. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und für inter­es­sier­te Erwachsene.

Die 17-jäh­ri­ge Bil­lie muss schon wie­der umzie­hen. In sie­ben Bun­des­staa­ten hat sie bereits gewohnt. Nun wur­de ihr Vater, der als Astro­phy­si­ker arbei­tet, von Texas nach Kali­for­ni­en ver­setzt. In ein ver­schla­fe­nes Nest namens Amber Lake. “Er such­te sich schließ­lich nicht aus, wohin er ver­setzt wur­de. Aber aus­ge­rech­net hier­hin? In ein 11000-See­len Städt­chen mit dem furch­bar nied­li­chen Namen Amber Lake, das auf hal­ber Stre­cke zwi­schen dem Yose­mi­te und Kings Can­yon Park lag und somit womög­lich den schlech­tes­ten Inter­net­emp­fang in ganz Kali­for­ni­en besaß?” (Zitat aus “Nacht­schwarz” S.9) Bil­lie möch­te ihre Kis­ten am liebs­ten gar nicht aus­pa­cken. Sie hasst es die Neue an der Schu­le zu sein. Inner­halb der letz­ten sie­ben Jah­re hat sie fünf­mal die Schu­le gewech­selt. Eigent­lich sind ihr Groß­städ­te lie­ber, weil sie da in der Mas­se unter­ge­hen kann. In einer Klein­stadt fällt sie gleich jedem auf. Doch tat­säch­lich bekommt Bil­lie an ihrem Tag bereits Anschluss an eine Cli­que, fin­det in der sym­pa­thi­schen Kala eine neue Freun­din. Zu der Grup­pe, die sich schon seit Ewig­kei­ten kennt, gehört auch der unnah­ba­re Ash. Der angeb­lich nie datet, den Bil­lie irgend­wie fas­zi­nie­rend fin­det, obwohl er sie manch­mal unglaub­lich auf­re­gen kann. “Er war freund­lich, konn­te aber auch ein Arsch­loch sein. Er ver­stand sich mit den meis­ten Leu­ten, wahr­te aber zu allem außer sei­ner Cli­que eine gewis­se Distanz. Er war auf­merk­sam, bemerk­te anschei­nend jede Klei­nig­keit, doch gleich­zei­tig war er die Häf­te der Zeit abwe­send und in Gedan­ken ver­sun­ken. Er war arro­gant, wenn es um man­che Din­ge ging, aber beschei­den bei ande­ren.” (Zitat S.81ff) Auf der Fahrt zur Schu­le hat­te Bil­lie jedoch mit ihrem Auto einen merk­wür­di­gen Unfall. “Ein hel­les, fun­keln­des Licht blitz­te auf und blen­de­te mich. Erschro­cken kniff ich die Augen zusa­men und ließ den Bagel fal­len. Die Ach­sen quietsch­ten und die Rei­fen schlit­ter­ten geräusch­voll über den Schot­ter, als ich die Brem­se durch­trat… und im nächs­ten Moment ein ohren­be­täu­ben­der metal­li­scher Knall mein Trom­mel­fell zu zer­fet­zen droh­te. Der Wagen kam ruck­ar­tig zum Still­stand” (Zitat S.15) Aber sie sieht nichts. Kein Tier, kei­nen Men­schen, nur eine gro­ße Del­le an ihrem Auto und ein Fet­zen Stoff, der an ihrer Wind­schutz­schei­be hängt. Selt­sa­mer­wei­se hat Ash an jenem Tag eine Ver­let­zung am Knie und sein ris­si­ger Man­tel hat genau das­sel­be Stoff­mus­ter. Bil­lie will her­aus­fin­den, was er damit zu tun hat. Denn irgend­et­was in Amber Lake scheint nicht mit rech­ten Din­gen zu zuge­hen. Nachts bemerkt sie selt­sa­me Lich­ter und dunk­le Schat­ten am Waldrand…

KasimiraDas Cover ist pas­send gemacht, der Titel klingt auch schön geheim­nis­voll. Der Roman wird durch­ge­hend aus Bil­lies Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Dass die Grund­the­ma­tik etwas mit dem Sternenhimmel/Sternbildern zu tun hat, ahnt man nicht nur auf­grund des Klappentextes/Covers, son­dern auch das auf­fäl­lig gestal­te­te Vor­satz­pa­pier, deu­tet dies an. Das Set­ting des ver­schla­fe­nen Amber Lake, des Hau­ses am Wald­rand und dem Beruf des Vaters sind daher ganz pas­send: “Mein Vater hat­te mich frü­her oft mit auf die Stern­war­te genom­men. […] ich hat­te die Zeit mit ihm allein geliebt. Die Aben­de, an denen er mir die rie­si­gen Tele­sko­pe erklärt hat­te, mit deren Hil­fe er den Ster­nen­him­mel unter­such­te. An denen er mir all die ver­schie­de­nen Stern-Kon­stel­la­tio­nen gezeigt und auf­ge­malt hat­te. Und noch heu­te lieb­te ich es, nachts in den Him­mel zu star­ren.” (Zitat S.66) Auch wenn es wirk­lich lan­ge dau­ert, bis man all den Hin­ter­grün­den und Geheim­nis­sen auf die Schli­che kommt. Zu Beginn — hin­sicht­lich der Auto­sa­che — hat­te ich tat­säch­lich kurz ein paar “Twilight”-Vibes, dazu der geheim­nis­vol­le, unnah­ba­re Jun­ge und sei­ne Cli­que, die irgend­et­was zu ver­ber­gen scheint. Aber von der Span­nung her hat mich “Nacht­schwarz” lei­der zunächst nicht wirk­lich gepackt. Es ist inter­es­sant, die Dia­lo­ge sind teils auch sehr humor­voll, aber so rich­tig mit­ge­ris­sen hat mich die Geschich­te lan­ge Zeit lei­der ein­fach nicht. Die Spra­che ist jedoch sehr ange­nehm, auch mit viel ange­neh­mer Iro­nie ver­se­hen: “Der Schweiß von Jahr­zehn­ten schien sich in Umklei­de vier der Amber Lake High fest­ge­setzt zu haben und ver­bün­de­te sich mit den her­um­wa­bern­den Deo­wol­ken zu einer feuch­ten, sti­cki­gen Luft, in der tro­pi­sche Far­ne fan­tas­tisch gedei­hen wür­den. Abge­se­hen davon war es immer schön, sei­ne neu­en Mit­schü­le­rin­nen halb­nackt und den Rest der Stu­fe dann rot­ge­sich­tig und mit fet­ten Schweiß­fle­cken unter den Ach­seln ken­nen­zu­ler­nen. Jap, genau­so hat­te ich mir den ers­ten Schul­tag immer gewünscht.” (Zitat S.31) Bil­lie und ihr Vater, das Mit­ein­an­der zwi­schenKasimira den bei­den, liest sich zudem sehr erfri­schend. Eben­falls das Gefühl, ein Außen­sei­ter zu sein, nir­gend­wo ankom­men zu kön­nen oder enge Bin­dun­gen auf­zu­bau­en, ist sehr gut in den Roman ein­ge­ar­bei­tet: “Sie kann­ten sich ein­fach schon ewig. Des­we­gen wirk­ten sie so ent­spannt mit­ein­an­der. So sicher inner­halb ihrer klei­nen Grup­pe. Weil sie ver­mut­lich schon eine Men­ge zusam­men erlebt hat­ten. Ich konn­te nicht ver­hin­dern, dass mir der Gedan­ke einen klei­nen Stich in die Brust ver­setz­te. Denn ich hat­te nie die Mög­lich­keit gehabt, so tie­fe Bin­dun­gen auf­zu­bau­en.” (Zitat S.45) Schließ­lich wird es dann glück­lich­wei­se doch zuneh­mend fes­seln­der und zum Ende hin rich­tig schön span­nend und ner­ven­auf­rei­bend. Das Buch endet mit einem fie­sen Cliff­han­ger, der neu­gie­rig auf die Fort­set­zung macht.

Dir gefällt der Schreib­stil von Saskia Lou­is? Sehr gut von ihr gefie­len mir “Die Lügen­die­bin” und “Die Lügen­kö­ni­gin”. Noch mehr Bücher (für Erwach­se­ne vor allem) fin­dest du hier. Und wenn du wis­sen willst, wie es wei­ter­geht, freu dich auf “Ster­nen­hell”, das im LesealternativenFrüh­jahr 2024 erschei­nen wird. Dir gefällt die Idee mit den Stern­zei­chen? Dann wäre viel­leicht auch die “Zodiac”-Rei­he von Lana Rota­ru etwas für dich. Band 1 ist “Ser­vants of the Moon” und Band 2 ist “Sol­diers of the Sun”. Eine Lese­al­ter­na­ti­ve — in der Licht eine beson­de­re Rol­le spielt, Lie­bes­ge­schich­te inklu­si­ve — ist die bekann­te “Obsi­di­an”-Rei­he von Jen­ni­fer Arment­rout. Band 1 ist “Obsi­di­an: Schat­ten­dun­kel, Band 2 ist “Onyx: Schat­ten­schim­mer”, Band 3 ist “Opal: Schat­ten­glanz”, Band 4 ist “Ori­gin: Schat­ten­fun­ke”, Band 5 ist “Oppo­si­ti­on: Schat­ten­blitz” und Zusatz­bänd sind “Shadows: Fins­ter­licht” (Pre­quel), “Obli­vi­on: Licht­flüs­tern”, “Obli­vi­on: Licht­flim­mern” und “Obli­vi­on: Licht­fla­ckern”, “Obses­si­on: Dun­kel­glanz”. Danach folg­ten noch “Reven­ge: Ster­nen­sturm”, “Reven­ge: Schat­ten­sturm” und “Reven­ge: Nacht­s­turm”. Oder lies die bereits erwähn­te “Bis(s)”-Rei­he von Ste­phe­nie Meyer.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7136-0
Erscheinungsdatum: 18.Juli 2023
Einbandart: Hardcover
Preis: 20,00€
Seitenzahl: 416
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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