Saskia Louis — Die Lügendiebin

Kasimira14.März 2022

Die Lügen­die­bin” von der deut­schen Autorin Saskia Lou­is ist der ers­te Teil einer zwei­bän­di­gen Fan­ta­sy­rei­he. Ein Roman­ta­sy-Schmö­ker der beson­de­ren Art! Er lässt sei­ne Leser in eine Welt ein­tau­chen, in der man­che Per­so­nen die Magie besit­zen aus­ge­spro­che­ne Lügen an den Lip­pen ande­rer Men­schen abzu­le­sen. Ein jun­ges Mäd­chen, die regel­mä­ßig in das Haus einer rei­chen Fami­lie ein­bricht, um sich Lügen zu erschlei­chen und teu­er wei­ter­zu­ver­kau­fen, wird vom Sohn des Hau­ses auf fri­scher Tat ertappt. Um nicht auf­zu­flie­gen, soll sie des­sen Freun­din mimen und dabei hel­fen einen Mord auf­zu­klä­ren. Sprach­ge­wal­tig, span­nend, mit über­aus feu­ri­gen Dia­lo­gen und einer taf­fen Prot­ago­nis­tin! Ein herr­li­ches Lese­ver­gnü­gen für Jugend­li­che ab 14 Jah­re und Erwachsene.

Die 17-jäh­ri­ge Fawn lebt mit ihren Geschwis­tern in Men­ta­no. In den äuße­ren Bezir­ken der Stadt — im grau­en Ring —  in dem der ärme­re Teil der Bevöl­ke­rung wohnt. Die Stadt liegt unter einer Kup­pel und hin­ter einer roten Wand ver­bor­gen liegt, um vor Fein­den geschützt zu sein. Die wei­ßen und roten Magi­er sind für die Erhal­tung die­ser Wand, deren genaue Zusam­men­set­zung nie­mand so genau kennt, zustän­dig. “Sie schüt­zen uns davor, dem Bünd­nis zum Opfer zu fal­len. Wenn wir nicht unse­re Arbei­ten erle­di­gen, kön­nen sie ihre nicht ver­rich­ten, Fawn. Wenn nicht jeder den Beruf annimmt, den das Königs­haus ihm zuteilt, geht unser Land im Cha­os unter. Die Wand zer­bricht, die Kup­pel fällt, die Angrif­fe des Bünd­nis­ses drin­gen durch.. Wäre es dir lie­ber, wenn Men­ta­no in Schutt und Asche gelegt wird, so wie alle ande­ren Län­der?” (Zitat S.67) Doch Fawn ist der Arbeits­all­tag mit der ihr zuge­teil­ten Arbeit zu lang­wei­lig. In ihrem Ring ver­dien­te man kein Geld. Man bekommt ledig­lich eine Unter­kunft und Essen. Doch sie hat noch eine zwei­te Arbeit. Sie arbei­tet als Lügen­die­bin, um sich das LebenKasimiraange­neh­mer zu gestal­ten. “Lügen sind ein lukra­ti­ves Geschäft. Das war das Ers­te, was mei­ne Mut­ter mir bei­brach­te. […] Lügen ver­lo­ren nie an Wert. Sie star­ben nicht aus. Sie ver­jähr­ten nicht. Die Men­schen hat­ten zu vie­le Schwä­chen und Geheim­nis­se, die sie zwang­haft zu ver­ber­gen ver­such­ten, als dass es anders sein könn­te.” (Zitat S.7) Fawns Mut­ter ist gestor­ben. Zu ihrem Vater hat sie kei­nen Kon­takt mehr. Nun will sie end­lich Teil der Dun­kel­die­be wer­den und des­halb steigt sie regel­mä­ßig in die Häu­ser der Rei­chen ein, um deren Lügen zu steh­len. “Die all­täg­li­chen Flun­ke­rei­en von der Stra­ße waren wert­los. Es waren die Geheim­nis­se der Rei­chen und Schö­nen, die ich sam­mel­te. Und die waren schwer zu beschaf­fen.” (Zitat S.8) Beson­ders in das Haus der Fami­lie Fal­cron bricht Fawn oft ein, beob­ach­tet die­se schon seit Jah­ren. “Ich war eine gute Lügen­die­bin. Nein, ich war die bes­te Lügen­die­bin. Sie brauch­ten mich — eine Men­ge Anse­hen oder gar Respekt genoss ich trotz­dem nicht. Ich war schließ­lich weder gefähr­lich noch bru­tal noch son­der­lich ang­st­ein­flö­ßend. KasimiraNoch nicht. Aber das konn­te sich jede Nacht ändern. Ich brauch­te nur die rich­ti­ge Lüge…” (Zitat S.10) Und eines Tages hat sie sie tat­säch­lich ergat­tert! Denn Lord Fal­cron ist vor ein paar Mona­ten ums Leben gekom­men. Das erzählt zumin­dest sei­ne Frau, als Fawn sie — ver­bor­gen in einem Lüf­tungs­schacht — bei einem Gespräch belauscht: “Es war ein tra­gi­scher Unfall.” Ich wei­te­te die Augen und sog zischend die Luft ein. Rot. Ihre Lip­pen waren blut­rot. “Wir ver­su­chen, dar­über hin­weg­zu­kom­men.” Und wie­der… Rot. Blut­rot. Ich schlug mir die Hand vor den Mund, um vor Auf­re­gung nicht laut zu quiet­schen. Es war kein Unfall gewe­sen. Lord Fal­cron, einer der mäch­tigs­ten Män­ner Men­ta­nos, war nicht auf­grund eines Unfalls gestor­ben” (Zitat S.26) Er muss ermor­det wor­den sein! Doch als Fawn ein wei­te­res Mal in das Haus der Fami­lie Fal­cron ein­bricht, wird sie tat­säch­lich auf fri­scher Tat ertappt, als sie das Arbeits­zim­mer des ver­stor­be­nen Lords nach Hin­wei­sen durch­sucht. Aus­ge­rech­net von Cae­den Fal­cron, den sie über­haupt nicht aus­ste­hen kann. “Das Pro­blem bei dem Sohn der Fal­crons war, Kasimiradass er unvor­her­seh­bar und, nicht zu ver­ges­sen, das ein­zi­ge Fami­li­en­mit­glied war, das ich noch nie beim Lügen erwischt hat­te. Das ver­un­si­cher­te mich.” (Zitat S.13) Nicht nur Cae­den, son­dern auch sei­ne Mut­ter will unbe­dingt her­aus­fin­den, wer gegen sie inte­griert und den Mord an ihrem Mann auf­klä­ren. Des­halb erpresst sie Fawn. Sie soll sich als Ver­lob­te ihres Soh­nes aus­ge­ben und ihnen hel­fen, die Lügen ihrer Fein­de zu über­füh­ren. Dafür wird sie nicht als Spio­nin an den Pran­ger gestellt. Denn mit die­sen macht man in Men­ta­no kur­zen Pro­zess. Not­ge­drun­gen lässt Fawn sich auf das Spiel ein und kommt Cae­den näher, als sie erwar­tet hät­te. Aber bald erfährt sie auch Din­ge über die Ver­gan­gen­heit ihrer Mut­ter, die alles auf den Kopf stellen…

Das Cover ist schön gestal­tet, dazu mit den roten, glit­zern­den Ele­men­ten — ein ech­ter Blick­fang! Der Roman, der durch­ge­hend aus Fawns Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist, beginnt mit einem äußerst unheil­vol­len Pro­log: “Das Blut rann zwi­schen mei­nen Fin­gern hin­durch wie Sand durch ein Uhr­glas. Es perl­te mei­ne Klei­dung hin­ab, sam­mel­te sich an mei­nen Füßen zu einer glat­ten Pfüt­ze und spie­gel­te ver­zerrt mein Gesicht wider. Rot. Über­all rot.” (Zitat S.5) und endet mit einem dra­ma­ti­schen “Du wirst heu­te nicht ster­ben. […] Du hast es mir ver­dammt noch mal ver­spro­chen!” “Ich habe gelo­gen”, flüs­ter­te ich und knick­te zur Sei­te weg. (Zitat S.6) Die Prot­ago­nis­tin ist cha­rak­ter­lich sehr schön skiz­ziert und hebt sich ab von ande­ren 0−8−15−KasimiraRoman­fi­gu­ren. Sie ist nicht auf den Mund gefal­len, tem­pe­ra­ment­voll, neu­gie­rig und fin­det die Lie­be lächer­lich, wür­de sich nie­mals zum Idio­ten machen wol­len. Dass Cae­den sie eines Bes­se­ren beleh­ren wird, scheint vor­her­be­stimmt, jedoch liest sich das all­mäh­li­che Sich-Annä­hern sehr authen­tisch und zuwei­len höchst unter­halt­sam und sogar humor­voll. 1A Wort­ge­fech­te und Schlag­ab­täu­sche, die sich gewa­schen haben, da macht die Lek­tü­re rich­tig Spaß! Saskia Lou­is hat einen wun­der­ba­ren Erzähl­ton, eine sehr ange­neh­me Art zu schrei­ben und ver­wen­det Sät­ze, die mit einer tol­len Iro­nie gespickt sind: “Ich griff nach dem gebo­ge­nen Later­nen­mast, der ein unheil­vol­les Quiet­schen von sich gab, und schwang mich ein­mal um ihn her­um, durch das offe­ne Fens­ter, das mit nichts außer Luft und Ver­trau­en gesi­chert war.” (Zitat S.10) Beson­ders die Erfin­dung einer Per­son, die Lügen steh­len kann, ist über­aus fas­zi­nie­rend. “Eine Lüge war fein. Wie roter Staub, der von den Lip­pen stob, einen Atem­zug lang in der Luft hän­gen blieb und sich dann ver­flüch­tig­te.” (Zitat S.20) Fawn hört die Lüge, schreibt sie wort­ge­treu auf ein Per­ga­ment und ver­birgt sie in einer Phio­le, die siKasimirae dann wei­ter­ver­kauft. Es ist nicht die Wahr­heit hin­ter der Lüge, die sie kennt, son­dern nur die Tat­sa­che, dass jemand gelo­gen hat. Die Lügen heben sich sogar optisch von­ein­an­der ab: “Lügen, die Men­schen nutz­ten, um sich selbst in ein bes­se­res Licht zu rücken, glänz­ten pur­pur­far­ben. Aus­re­den schim­mer­ten mal­ve­far­ben. All die­se Lügen waren jedoch so gut wie wert­los. Auf dem Schwarz­markt brach­ten sie kaum zwei Men­ti ein. Ich such­te die blut­ro­ten Lügen. Die Lügen, die ein Geheim­nis ver­steck­ten. Die Lügen, die etwas Gro­ßes ver­bar­gen.” (Zitat S.20ff) Am Anfang brauch­te ich ein wenig, um mich in die neue Welt von Men­ta­no ein­zu­fin­den, aber dann ist man ein­fach nur noch mit­ten im Lese­fluss. Span­nung, Dra­ma­tik, Roman­tik — “Die Lügen­die­bin” lie­fert ein­fach bes­te Unter­hal­tung! Das Ende lie­fert jede Men­ge unbe­ant­wor­te­te Fra­gen und macht äußerst neu­gie­rig auf die Fort­set­zung, die glück­li­cher­wei­se die­ses Jahr noch erschei­nen wird!

Du willst wis­sen wie es mit Fawn und Cae­den wei­ter­geht? Dann freue dich auf den letz­ten Band der Rei­he “Die Lügen­kö­ni­gin”, der im Juli 2022 erschei­nen wird. Dir gefällt die The­ma­tik mit den Ein­brü­chen? Das hat mich sofort an die­se bei­den emp­feLesealternativenhlens­wer­ten Bücher den­ken las­sen: “Sear­ching Lucy” von Chris­ti­na Stein (ein Thril­ler) und “Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” von Ant­je Leser (Lie­bes­ge­schich­te mit ernst­haf­tem Hin­ter­grund). Einen beson­de­ren Dieb­stahl soll auch die Prot­ago­nis­tin in “Heart­less: Der Kuss der Die­bin” von Sara Wolf (Fan­ta­sy) bege­hen, eben­so wie die Haupt­fi­gur in “Eli­an und Lira: Das wil­de Herz der See” von Alex­an­dra Chris­to (Fan­ta­sy).Die Gabe, die Wahr­heit von der Lüge zu unter­schei­den, das the­ma­ti­siert auch die Rei­he “Ein Augen­blick für immer: Das erste/zweite/dritte Buch der Lügen­wahr­heit” von Rose Snow. Eine Stadt, die unter eine Kup­pel liegt? Das hat mich auch an die dys­to­pi­schen Roma­ne “Die Ver­ra­te­nen” von Ursu­la Pozn­an­ski und “Brea­the: Gefan­gen unter Glas” von Sarah Crossan erinnert.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7128-5
Erscheinungsdatum: 14.Februar 2022
Einbandart: Hardcover
Preis: 20,00€
Seitenzahl: 416
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Soundtrack zum Buch (gesungen von der Autorin):

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Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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