Sarah Wynne — Tod im Samtmantel

9.April 2025

“Tod im Samt­man­tel” ist ein Kri­mi­nal­ro­man mit einem Touch Mys­tery von der bri­ti­schen Autorin Sarah Wyn­ne und zugleich der Auf­takt einer neu­er Rei­he (jeder Band ist in sich abge­schlos­sen). Im Mit­tel­punkt steht die 13-jäh­ri­ge Grace, die unbe­dingt einen neu­en Man­tel braucht und weil sie und ihre Mut­ter nicht unbe­dingt viel Geld haben, in einem Second-Hand-Shop fün­dig wird. Doch bald hat sie merk­wür­di­ge Visio­nen und sieht durch die Augen eines Mäd­chens, das die­sen Man­tel frü­her beses­sen hat. Ein Mäd­chen, das in den 1960ern gelebt hat und ermor­det wur­de! Schon bald macht sich Grace dar­an, den Fall gemein­sam mit ihrer bes­ten Freun­din auf­ge­zu­klä­ren. Aber ihre Nach­for­schun­gen gefal­len gewis­sen Leu­ten gar nicht. Bald gerät sie in gro­ße Gefahr… Ein wirk­lich äußerst unter­halt­sa­mer und span­nen­der Kri­mi mit einer sym­pa­thi­schen Prot­agonstin, die man sehr ger­ne bei der Lösung des Falls beglei­tet. Für Jugend­li­che ab 12 Jahren.

Die Ärmel ihres Man­tels sind ein­fach zu kurz. “Und es sind nicht nur die Ärmel. Wenn ich ihn zuknöp­fe, sehe ich aus wie in einer Wurst­pel­le.” (Zitat aus “Tod im Samt­man­tel” S.6) Doch die Mut­ter der 13-jäh­ri­gen Grace, die immer noch auf eine Beför­de­rung hin­ar­bei­tet, sieht das anders. “Jetzt über­treib mal nicht, Grace. Die­sen Win­ter geht er noch. Nächs­tes Jahr bekommst du einen neu­en.” (Zitat S.6). Aber Grace kann mit die­sem Man­tel unmög­lich zur Schu­le gehen, da lachen die ande­ren sie doch aus, allen vor­an die fie­se Jill und ihre Cli­que. Also geht Grace in einen Second-Hand-Laden und fin­det tat­säch­lich einen wun­der­schö­nen, samt­grü­nen Man­tel, der ihr wie ange­gos­sen passt. Bezahl­bar ist er noch dazu. Die Besit­ze­rin hat ihn erst frisch her­ein­be­kom­men. Aber dann hat Grace immer wie­der selt­sa­me Visio­nen. Visio­nen, die mit dem Man­tel zusam­men­hän­gen zu schei­nen. Sie sieht ein Mäd­chen in einer völ­lig ande­ren Zeit, die eben jenen Man­tel trägt. Die sich zurecht­macht. Mit ihrem Freund trifft. Und ermor­det wird. Bald fin­det Grace gemein­sam mit ihrer bes­ten Freun­din Suzy her­aus, dass das Mäd­chen Liv heißt und dass sie damals in den 1960er Jah­ren spur­los ver­schwand. Ihre Lei­che hat man nie gefun­den. Klar, dass Grace sich dar­an macht, den Fall auf­zu­klä­ren und mehr über ihr Ver­schwin­den her­aus­zu­fin­den. Denn durch ihre Visio­nen hat sie mehr Ein­blick in die Ver­gan­gen­heit als so manch ande­rer und zusam­men mit ihrem detek­ti­vi­schen Spür­sinn kommt sie dem Geheim­nis um Livs Ver­gan­gen­heit all­mäh­lich immer näher. Doch damit ruft sie auch den Täter auf den Plan, der unbe­dingt ver­hin­dern will, dass die Wahr­heit ans Licht kommt. Mit allen Mitteln.…

Das sich spie­geln­de Cover ist cle­ver gemacht und deu­tet bereits die zwei Zeit­ebe­nen an. Der Roman ist aus der Sicht eines all­wis­sen­den Erzäh­lers geschrie­ben, der sich aber sehr zurück­hält und den Fokus vor allem auf Grace legt. Dann gibt es noch Kapi­tel in kur­si­vem Schrift­bild, die aus der Per­spek­ti­ve der Wider­sa­cher der Geschich­te erzählt wer­den. “Wer ist sie? Müs­sen wir uns Sor­gen machen?” “Nein, bloß eine Schü­le­rin hier aus der Gegend. Recher­chiert für irgend­ein Schul­pro­jekt. Eigent­lich woll­te sie Geor­gie spre­chen, aber die war zum Glück nicht zu Hau­se.” “Okay, stell sicher, dass die bei­den sich nicht tref­fen, auf kei­nen Fall. Oh, und Frank?” “Ja?” “Lass das Mäd­chen beob­ach­ten. Wir wol­len doch nicht, dass sie zu neu­gie­rig wird. Das könn­te hei­kel wer­den. Für uns bei­de.” (Zitat S.92) Die­se Kapi­tel sind rela­tiv kurz. Auch wenn man dadurch die Täter natür­lich schon kennt und man als Leser:in Grace und ihrer Freun­din bereits einen Schritt vor­aus ist, tut dies der Span­nung kei­nen Abbruch. Im Gegen­teil — das Katz- und Maus-Spiel — macht es umso unter­halt­sa­mer. Die Spra­che ist recht ein­fach und “Tod im Samt­man­tel” sehr flüs­sig und tem­po­reich erzählt. Auch wenn die Cha­rak­te­re nicht all­zu sehr in die Tie­fe Kasimiragehen, macht es den­noch rich­tig viel Spaß die bei­den sym­pa­thi­schen Mäd­chen bei der Auf­lö­sung ihres Kri­mi­nal­falls zu beglei­ten. “Ich glau­be, du guckst zu vie­le Kri­mis”, unter­brach Grace sie lachend. “Hey, ich bin ein­fach nur auf­ge­regt. Das ist das Span­nends­te, was ich je erlebt habe.” (Zitat S.134) Stel­len­wei­se möch­te man das Buch kaum mehr aus den Hän­den legen, so mit­rei­ßend und fes­selnd ist die Geschich­te geschrie­ben! Das Ende klingt pas­send aus.

LesealternativenDir gefällt der Erzähl­stil von Sarah Wyn­ne? Es wird noch eine Fort­set­zung der “Mur­der in Vel­vet”-Rei­he geben. Die­se erscheint die­sen Monat im Eng­li­schen und heißt “Mur­der on the Dance­f­lo­or”. Wann die­se ins Deut­sche über­setzt wird, ist noch nicht bekannt. Es gibt jedoch auch ein paar schö­ne Kri­mi­nal­fäl­le, die du als Alter­na­ti­ve lesen könn­test. Etwas neu­er ist noch “Fräu­lein Flo­ren­ti­nes Gespür für Mord” von Alex­an­dra Fischer-Hunold oder greif zu ihrer tol­len “Eine Lei­che zum Tee”-Rei­he! Oder lies fol­gen­de Rei­hen, die eben­falls im Kne­se­beck Ver­lag erschie­nen sind: “Mord ist nichts für jun­ge Damen” von Robin Ste­vens, “Der Fall des ver­schwun­de­nen Lords. Ein Eno­la-Hol­mes-Kri­mi” von Nan­cy Sprin­ger und “Mord im Gewächs­haus Ein Myrt­le-Hard­cast­le-Kri­mi” von Eliza­beth C. Bun­ce.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Knesebeck
ISBN: 978-395728-912-4
Erscheinungsdatum: 27.Februar 2025
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 272
Übersetzer*in: Birgit Niehaus
Originaltitel: "Murder in Velvet"
Originalverlag: New Frontier Publishing

Britisches Originalcover:




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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Cover: Homepage von New Frontier Publishing

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