Sarah Ann Juckes — Jasper und das Lied der Nachtigall

7.Februar 2025

Jas­per und das Lied der Nach­ti­gall” ist ein Roman der bri­ti­schen Autorin Sarah Ann Juckes. Sie erzählt die Geschich­te des neun­jäh­ri­gen Jas­pers, der mit sei­ner älte­ren Schwes­ter Rosie jedes Jahr auf die Ankunft der Nach­ti­gall in ihrem Gar­ten war­tet. Die­ses Jahr las­sen nicht nur der Vogel, son­dern auch Rosie, die mitt­ler­wei­le stu­diert, auf sich war­ten. Eigent­lich woll­te Rosie an die­sem Wochen­en­de nach Hau­se kom­men. Doch dann erzäh­len ihm sei­ne Eltern, dass Rosie jetzt an einem “bes­se­ren Ort” sei. Das kann nur die Auto­bahn­rast­stät­te sein! Hier wur­de die Nach­ti­gall offen­bar gesich­tet und Jas­per beschließt sich allei­ne dort­hin auf den Weg zu machen. Unter­wegs begeg­net er eini­gen Men­schen, die auch etwas ver­lo­ren haben… wird er sei­ne Schwes­ter am Ende fin­den? Eine sehr berüh­rend und behut­sam erzähl­te Geschich­te über das Suchen, das Fin­den, aber auch das Zuhö­ren. Über die Lie­be zur Natur und ins­be­son­de­re die zu Vögeln und über das Ver­ar­bei­ten von Trau­er. Ein Wohl­fühl­ro­man, der trotz erns­ter The­ma­tik ans Herz geht! Für Jugend­li­che ab 9 Jah­ren und Vogelliebhaber:innen (mit vie­len Zeich­nun­gen versehen!).

Sus­sex. Im Süden Eng­land. Hier lebt der neun­jäh­ri­ge Jas­per mit sei­nen Eltern. Sei­ne älte­re Schwes­ter Rosie, die schon voll­jäh­rig ist, stu­diert mitt­ler­wei­le und kommt nur noch gele­gent­lich nach Hau­se. Die Geschwis­ter eint vor allem ihre Lie­be zur Natur und zu Vögeln. Gemein­sam gehen sie oft auf Aben­teu­er­su­che und beob­ach­ten die Vögel. Im sei­nem “Buch der Vögel” trägt Jas­per alles dar­über ein. Was sie zusam­men erlebt haben und wel­che Din­ge er schon weiß. Beson­ders die Nach­ti­gall fas­zi­niert ihn sehr. Jedes Jahr kommt die­se im Früh­jahr wie­der zu ihnen geflo­gen. Wäh­rend es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren noch meh­re­re waren, kam letz­tes Jahr nur noch eine ein­zi­ge von ihrer wei­ten Flug­rei­se in den Süden zurück. DIe­ses Jahr kam bis­her kei­ne. Jas­per war­tet sehn­süch­tig dar­auf. Und auf die Ankunft sei­ner Schwes­ter, die irgend­wie nicht kommt, obwohl sie die­ses Wochen­en­de doch die Nacht­gall suchen woll­ten, die in der Nähe einer Auto­bahn­rast­stät­te gesich­tet wur­de. Doch dann erzäh­len sei­ne Eltern ihm, dass Rosie nicht nach Hau­se kommt, dass sie an einem bes­sern Ort ist. “Ich hat­te ein schlech­tes Gewis­sen, weil ich mei­nen Eltern nicht rich­tig zuhör­te, aber ich konn­te nichts dage­gen tun. Ich soll mich doch mit schö­nen Gedan­ken ablen­ken, wenn ich Panik bekom­me. Und am Ende war das Ein­zi­ge, was mir von dem Gespräch im Kopf blieb, ein Satz, den Papa sag­te: “Rosie ist an einen bes­se­ren Ort gegan­gen.” (Zitat aus “Jas­per und das Lied der Nach­ti­gall” S.19) Also beschließt Jas­per allei­ne auf­zu­bre­chen. Zur Auto­bahn­rast­stät­te. Denn wo die Nach­ti­gall ist, da ist sicher­lich auch Rosie. Er hin­ter­lässt sei­nen Eltern einen Brief. “Lie­be Mama, lie­ber Papa, ihr habt gesagt, dass Rosie an einen bes­se­ren Ort gegan­gen ist. Ich glau­be, ich weiß jetzt, wo das ist. Sie ist bestimmt bei der Nach­ti­gall. Ich gehe bei­de suchen, und wenn ich sie gefun­den habe, brin­ge ich sie zurück. Ich schaue ganz bestimmt nach links und rehts, wenn ich über die Stra­ße gehe. Und ich will ver­su­chen, kei­ne Angst zu haben. Euer Jas­per” (Zitat S.7) Auf sei­nem lan­gen Weg dort­hin trifft der Jun­ge eine Men­ge ande­rer Leu­te. Lulu, die ihren Hund ver­lo­ren hat und den er gemein­sam mit ihr fin­det. Eine Bäue­rin namens Meg, die ihm hilft eine Wei­de zu über­que­ren, und die einen RIng ver­lo­ren hat. Einen gleich­alt­ri­gen Jun­gen, der sei­nen gelieb­ten Fuß­ball nicht mehr fin­det und sei­nen Vater ver­misst, der zu sei­ner neu­en Fami­lie gezo­gen ist. “Ich habe noch nie jeman­den getrof­fen, der sol­che Ängs­te hat wie ich. Aber neben mir sitzt ein Jun­ge in mei­nem Alter, der sich über­legt, ob er mir sei­ne Geschich­te erzäh­len soll. Und ich sehe genau, dass er ein Vogel ist, der sich fürch­tet, sein Lied zu laut zu sin­gen. Genau wie ich.” (Zitat S.130) Die Rei­se ver­än­dert Jas­per. Bringt ihn dazu nach­zu­den­ken. Denn am Ende muss er sich der Wahr­heit stel­len. Dass sei­ne Schwes­ter nicht mehr am Leben ist. Dass er sie nie­mals mehr fin­den wird. Aber dafür viel­eicht etwas anderes…

Das Cover ist sehr schön gezeich­net, fasst die wich­tigs­ten Ele­men­te der Geschich­te bereits zusam­men. Der Roman wird durch­ge­hend aus Jas­per Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Er beginnt mit einer Kar­te, die sei­nen Weg von Zuhau­se bis zur Rast­stät­te zeich­net. Danach folgt der Brief, den er an sei­ne Eltern schrieb. Die dar­auf­fol­gen­den Kapi­tel wer­den jeweils mit einer Info über Vögel ein­ge­lei­tet, was sehr pas­send gemacht ist und man noch den ein oder ande­ren nütz­li­chen Fakt über jene Tie­re auf­schnap­pen kann. Dazu gibt es jedes Mal eine Zeich­nung am Anfang des Kapi­tels, aber manch­mal auch groß­for­ma­ti­ge, kom­plet­te Sei­ten fül­len­de Abbil­dun­gen von Vögeln. Die Spra­che von Sarah Ann Juckes ist sehr ange­nehm und teil­wei­se recht male­risch und atmo­sphä­risch: “Wir machen die Augen zu, hal­ten uns anein­an­der fest und lau­schen der Nach­ti­gall, die in der tin­ti­gen Däm­me­rung singt. Ihr Tschil­pen kleckst über den dunk­len Him­mel wie über eine Sei­te in einem Mal­buch.” (Zitat S.10) Als Leser:in ahnt man schon recht schnell, dass sei­ne Schwes­ter tot ist. Auch Jas­per scheint sich des­sen unbe­wusst bewusst zu sein, klam­mert sich aber an die kind­li­che Hoff­nung, Rosie am Ende sei­ner Rei­se zu fin­den. Er muss sei­nen eige­nen Weg gehen, die Wahr­heit zulas­sen und der Trau­er Raum geben. Doch da gera­de die­se Aus­ein­an­der­set­zung mit Trau­er nur spo­ra­disch statt­fin­det und mit Andeu­tun­gen, was pas­siert sein könn­te, auf­war­tet, ist “Jas­per und das Lied der Nach­ti­gall” ins­ge­samt gese­hen kein durch­weg trau­ri­ges Buch. Es ist eher eines, das Hoff­nung macht und einen Jun­gen zeigt, der trotz häu­fi­ger Panik­at­ta­cken, lernt mutig zu sein und über sich hin­aus­zu­wach­sen. Dazu tra­gen vor allem auch die Per­so­nen bei, die ihm unter­wegs begeg­nen. Wie zum Bei­spiel die Bäue­rin Meg, die er trifft und die ihm hilft über eine Kuh­wei­de zu lau­fen, obwohl er Angst vor den Kühen hat. “Meg stupst mich an. “Sieht so aus, als hät­te dir die­se Wei­de auch etwas weg­ge­nom­men, Jas­per.” Ich blick­te zu ihr auf und sie lächelt. “Dei­ne Angst.” (Zitat S.82) Er ver­liert sei­ne Furcht unter­wegs und traut sich sogar offe­ner auf ande­re Men­schen zuzu­ge­hen, obwohl er sonst eher sehr schüch­tern ist. Auch hilft Jas­per ande­ren bei ihrer Suche nach ver­lo­re­nen Din­ge und fin­det am Ende es Buches mehr als er erwar­tet hat: Freund­schaft, Fami­lie und Zusammenhalt.

Dir gefällt der Erzähl­stil von Sarah Ann Juckes? Eines ihrer bes­ten Bücher von ihr ist für mich immer noch “An mei­ner Wand ein leuch­tend blau­er Oze­an”. DiesLesealternativenes ist für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren. Außer­dem schrieb sie noch “Die Tie­re der Nacht”das für Leser:innen ab 10 Jah­ren geeig­net ist. Eine Lese­al­ter­na­ti­ve zu “Jas­per und das Lied der Nach­ti­gall” gesucht? Irgend­wie hat mich das Buch sofort an “Hat irgend­je­mand Oscar gese­hen?” von Les­lie Con­nor den­ken las­sen, in dem sich auch eine gan­ze Klein­stadt auf die Suche nach einem ver­miss­ten Jun­gen macht. Ein paar Par­al­le­len gibt es eben­so zu dem schon etwas älte­ren “Isla Schwa­nen­mäd­chen” von Lucy Chris­to­pher. Du möch­test noch ande­re Jugend­bü­cher zum The­ma Trau­er lesen (ab 10–12 Jah­ren)? Dann greif unbe­dingt zu “1000 gute Grün­de oder: Wie ein Glücks­keks mein Leben ver­än­der­te” von Lucy Ast­ner oder zu “16x zum Him­mel und zurück” von Mar­lies Sle­gers, wel­che ich bei­de sehr emp­feh­len kann. Das The­ma Ster­ben und Tod wird auf sehr berüh­ren­de Art und und Wei­se auch in die­sem Buch behan­delt: “Die wirk­li­che Wahr­heit” von Dan Gemein­hart. 

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-1535-1
Erscheinungsdatum: 15.Januar 2025
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,95€
Seitenzahl: 272
Übersetzer*in: Alexandra Ernst
Illustrator*in: Sharon King-Chai
Originaltitel: "The Hunt for the Nightingale"
Originalverlag: Simon & Schuster

Britisches Originalcover:




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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Originalcover: Homepage von Sarah Ann Juckes

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