Sarah Alderson — Lass mich nicht los

13.März 2019

End­lich wie­der etwas Neu­es von der bri­ti­schen Autorin Sarah Alder­son, die lei­der immer noch eher ein Geheim­tipp ist… “Lass mich nicht los” heißt ihr neus­tes Werk, eine behut­sam erzähl­te Lie­bes­ge­schich­te, die Zwei, die zusam­men auf­ge­wach­sen sind und sich inein­an­der ver­liebt haben, nach sechs Jah­ren Tren­nung und Abschied ohne ein Wort wie­der auf­ein­an­der­tref­fen lässt. Gro­ße Emo­tio­nen, Herz­klop­fen ohne Ende -Sarah Alder­son weiß ein­fach, wie sie ihre Leser rich­tig gut unter­hält! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Bain­bridge Island. Hier sind sie zusam­men auf­ge­wach­sen. Emer­son und der ein Jahr älte­re Jake. Bes­te Freun­de von klein auf. Haben Aben­teu­er zusam­men erlebt, ein Baum­haus im Wald ihr eigen nen­nen kön­nen, Eis­ho­ckey gespielt und jede freie Minu­te zusam­men ver­bracht. Von den bösen Brü­dern Reid und Ron wur­den sie geär­gert und auf­ge­zo­gen, dass sie ein Paar wären. Bis sie sich tat­säch­lich irgend­wann ihre Gefüh­le für­ein­an­der ein­ge­stan­den und sich das ers­te Mal geküsst haben. Doch weni­ge Tage spä­ter ist Jake auf ein­mal Kasimiraver­schwun­den. Ist mit sei­ner Fami­lie von Bain­bridge Island fort­ge­gan­gen ohne sich von Emer­son, die nur er Em nennt, zu ver­ab­schie­den. Da waren sie 13 und 14 Jah­re alt. Nun — sechs Jah­re spä­ter — küm­mert sich Em auf­op­fe­rungs­voll um den Laden ihrer Eltern und ist nie aufs Col­le­ge gegan­gen. Denn ihr Vater hat Mul­ti­ple Skle­ro­se und die Fami­lie kommt auf­grund teu­rer Arzt­rech­nun­gen kaum über die Run­den. Und da taucht Jake, der mitt­ler­wei­le Pro­fi-Eis­ho­ckey­spie­ler und neben­bei gut ver­die­nen­des Model gewor­den, plötz­lich wie­der auf. “Ich weiß nicht, was Jake nach all die­sen Jah­ren hier in Bain­bridge will, aber ich wer­de bestimmt nicht zulas­sen, dass er mein Leben ein zwei­tes Mal rui­niert.” (Zitat aus “Lass mich nicht los” S.13) Em ver­sucht ihm aus dem Weg zu gehen. Aber das ist nicht gera­de ein­fach, denn die Aus­hil­fe im Laden, die sie drin­gend die­sen Som­mer benö­ti­gen, ist aus­ge­rech­net Jake. Und auch wenn sie ihn extra in ande­re Schich­ten ein­teilt, gibt es den­noch immer wie­der Situa­tio­nen, in denen sie auf­ein­an­der tref­fen: “Ich hole tief Luft und ver­su­che, mich zu beru­hi­gen. In sei­ner Nähe zu sein, bringt Kasimiramich total durch­ein­an­der. Ich weiß ein­fach nicht, ob ich immer noch wütend auf ihn sein soll oder ob ich ihm ver­zei­hen soll. Ob ich auf ihn zuge­hen oder mich von ihm fern­hal­ten soll. Mein Kopf ist vol­ler wider­sprüch­li­cher Stim­men, mein Herz vol­ler wider­strei­ten­der Gefüh­le.” (Zitat S.95) Denn sie haben noch nicht über damals gespro­chen. Über das Schreck­li­che, das gesche­hen ist, kurz bevor Jake abtauch­te. Eigent­lich hät­te Em ihn drin­gend an ihrer Sei­te gebraucht…

Ein roman­ti­sches Cover, das genau­so viel ver­spricht, wie es im Innen­teil auch hält. Ich mag Bücher von Sarah Alder­son ein­fach. Sprach­lich schön und flüs­sig erzählt, vol­ler Gefühl und jedes Wort am rich­ti­gen Platz. Die Kapi­tel sind rela­tiv kurz, wech­seln zwi­schen den Ich-Per­spek­ti­ven von Em und Jake hin und her. Vor allem sei­ne Sicht der Din­ge zu erle­ben, liest sich sehr fas­zi­nie­rend: “All die Zeit, die ver­gan­gen ist, seit ich Em das letz­te Mal gese­hen habe, fühlt sich an wie eine tie­fe Schlucht, die wir mög­li­cher­wei­se nicht Kasimiramehr über­brü­cken kön­nen. […] Doch das ändert nichts an der Tat­sa­che, dass Emer­son Lowe das ein­zi­ge Mäd­chen ist, das mir jemals den Atem geraubt hat.” (Zitat S.15) Auch Em ist ein wirk­lich gelun­ge­ner Cha­rak­ter. Ein Mäd­chen mit Ecken und Kan­ten, die sich als Kind durch­aus mal mit Jungs geprü­gelt hat, eher bur­schi­kos und impul­siv ist und die schnells­te Läu­fe­rin auf dem Eis. Doch es gibt ein Geheim­nis, hin­ter das man beim Lesen erst all­mäh­lich kommt; etwas, das sie für immer ver­än­dert hat. “Jakes Rück­kehr hat sämt­li­che Erin­ne­run­gen an die­sen Tag wie­der hoch­ge­holt. Dabei will ich das, was damals pas­siert ist, ein­fach nur ver­ges­sen.” (Zitat S.32) Wäh­rend man den Schat­ten der Ver­gan­gen­heit lang­sam näher kommt, tau­chen auch immer wie­der Rück­blen­den in kur­si­ver Schrift auf, die die Geschich­te von damals Stück für Stück zusam­men­set­zen. Und auch wenn im Mit­tel­teil span­nungs­tech­nisch kurz mal die Luft raus ist, ist “Lass mich nicht los” den­noch so ein Buch, bei dem man förm­lich über die Sei­ten fliegt. Beson­ders die viel­schich­ti­gen, wider­sprüch­li­chen Gefüh­le ihrer Prot­ago­nis­ten kann Sarah Alder­son beson­ders gut Kasimirain Wor­te fas­sen: “Ich unter­drü­cke den Impuls, mich auf ihn zu stür­zen, denn ich weiß nicht, ob ich ihn umar­men oder ihm eine run­ter­hau­en will. Instink­tiv bal­le ich die Hän­de zu Fäus­ten. Das Lächeln auf sei­nem Gesicht ver­blasst, als er mei­ne ver­stei­ner­te Mie­ne bemerkt. Zuerst wirkt es ledig­lich, als wäre er auf der Hut, doch dann schluckt er und press die Lip­pen fest zusam­men. Das macht er immer, wenn er ner­vös ist.” (Zitat S.11) Das Ende ist dann noch ein­mal ordent­lich dra­ma­tisch und sehr berüh­rend. Und natür­lich mit Hap­py-end:-) Genau so wie es sein muss.

Fazit: Ein rich­tig schö­ner Schmö­ker!

Du bist begeis­tert von Sarah Alder­sons Erzähl­stil? Dann greif noch zu ihren ande­ren Büchern, chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungsdLesealternativenatum sor­tiert: “Ein Herz­schlag danach” (Band 1) und “Kein Augen­blick zu früh” (Band 2). Danach erschie­nen die Ein­zel­ti­tel “Die Bucht” (roman­tisch, mit viel Iro­nie und sehr authen­tisch), “Keep me safe”(ein Thril­ler mit einem Schuss Roman­tik) und Trust in love”Gute Alter­na­ti­ven zu Sarah Alder­son sind Col­le­en Hoo­ver oder Lea Coplin. Letz­te­re hat eben­so eine Haupt­fi­gur in “Nichts ist gut. Ohne dich.” in den Mit­tel­punkt ihres Romans gesetzt, deren Jugend­lie­be plötz­lich wie­der auf­taucht und ihr Leben völ­lig auf den Kopf stellt. Sel­bi­ges pas­siert auch in die­sen Büchern: “Der Som­mer, als du wie­der­kamst” von Emi­ly Mar­tin (gran­di­os!), “Long-lost fri­end” von Sarah Zarr (schon etwas älter), “Emmy & Oli­ver” von Robin Ben­way (sen­si­bel und unter­halt­sam erzählt), “Das Glück hat vier Far­ben” von Lisa Moo­re und “My life in cir­cles” von Bran­dy Col­bert. Sehr pas­send ist auch “Das tie­fe Blau der Wor­te” von Cath Crow­ley.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-58541-0
Erscheinungsdatum: 13.Februar 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 416 
Übersetzer: Sabine Tandetzke
Originaltitel: "Run away with me"(unter Psyeudonym: Mila Gray) 
Originalverlag: Simon Pulse

Amerikanisches Originalcover:
Kasimira

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Simon Pulse

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