Sara Wolf — Heartless: Der Kuss der Diebin

Kasimira8.Februar 2019

Heart­less: Der Kuss der Die­bin” ist nicht nur das ers­te Buch der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Sara Wolf, das ins Deut­sche über­setzt wur­de, son­dern zugleich auch ihr in Erfül­lung gegan­ge­ner Wunsch­traum, den sie im Alter von 13 Jah­ren hat­te — ein­mal eine Fan­ta­syt­ri­lo­gie zu schrei­ben. Der Roman ist somit der Auf­takt einer Rei­he und ent­führt sei­ne Leser in ein fer­nes König­reich, in dem gegen Hexen gekämpft wird und in wel­chem ein “herz­lo­ses” Mäd­chen, um ihr eige­nes Leben wie­der­zu­be­kom­men, nichts Gerin­ge­res tun muss, als dem — nach einer Frau suchen­den — Prin­zen sei­nes zu steh­len. Eine rebel­li­sche Ver­si­on von “Selec­tion”, mit einer star­ken, taf­fen Hel­din. Unter­halt­sam, roman­tisch und fes­selnd. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 16-jäh­ri­ge Zera ist schon seit drei Jah­ren ohne Herz und muss einer Hexe die­nen. “Ich has­se Night­sin­ger nicht dafür, dass sie mein Herz genom­men hat, trotz allem, was das für mei­nen Kör­per und mei­ne See­le bedeu­tet. Wie könn­te ich? Sie hat mich vor den Ban­di­ten geret­tet, die mei­ne Fami­lie ermor­det haben, vor der Dun­kel­heit des Todes, und seit­dem die­ne ich ihr.” (Zitat aus “Heart­less: Der Kuss der Die­bin” S.29) Zeras Herz steht in einem Glas auf dem Kamim­sims der Hexe, das mit einem Zau­ber ver­se­hen ist, sodass sie es nicht öff­nen kann. Eigent­lich wäre Zera jetzt schon Kasimira19, aber für eine Herz­lo­se bleibt gewis­ser­ma­ßen die Zeit ste­hen. Eben­so wie für die ande­ren zwei  Die­ner der Hexe, die noch viel jün­ger als Zera sind und auch bei ihr im Wald leben. Und woan­ders hin­ge­hen, das kön­nen sie nicht. “…ich kann mich nicht weit von der Stel­le ent­fer­nen, an der die Hexe mein Herz auf­be­wahrt: höchs­tens zwei Kilo­me­ter. Wenn ich wei­ter weg­ge­he, zer­reißt mich der Schmerz und ver­wan­delt mich in ein kraft­lo­ses, schrei­en­des Etwas.” (Zitat S.28) Also ist alles gleich, jeder Tag, jeden Baum hat Zera schon ein­mal gese­hen. Und nur die Edel­leu­te, die sich durch den Wald wagen, sor­gen für ein wenig Abwechs­lung, wenn sie sie ihrer kost­ba­ren Juwe­len und teu­ren Klei­der beraubt. Die Hexe Night­sin­ger könn­te ihr ihr Herz zurück­ge­ben, wenn sie woll­te. Dann wür­de Zera in ihr altes Leben zurück­keh­ren und hät­te auch ihre Men­sche­ner­in­ne­run­gen wie­der zurück. “Aber Night­sin­ger hat mir gesagt, dass sie uns (mich) hier braucht, um sie vor den Men­schen zu beschüt­zen, die hin­ter ihr her sind. Das hin­dert mich jedoch nicht dar­an, sie anzu­fle­hen, uns gehen zu las­sen.” (Zitat S.36) Doch die Hexe lehnt immer wie­der freund­lich ab. Sie kann auf Zera nicht ver­zich­ten. Umso über­rasch­ter ist das Mäd­chen, als Night­sin­ger ihr eines Tages ein uner­war­te­tes Ange­bot macht. Die Hexe hat Angst davor, dass ein neu­er Krieg gegen sie und Ihres­glei­chen aus­bre­chen könn­te. Und um das zu ver­hin­dern, braucht sie ein Druck­mit­tel: das Herz des Prin­zen. KasimiraWenn Zera es ihm ent­rei­ßen könn­te, hät­ten die Hexen die Königs­fa­mi­lie in ihrer Hand. Also wird der Dunst­kreis, in dem das Mäd­chen sich bewe­gen kann, mit Hil­fe eines Medail­lons aus­ge­wei­tet und Zera schleicht sich als — getarnt als Früh­lings­braut — in den Palast ein, um das Herz von Prinz Luci­en zu steh­len: “…ich bin hier, um mir das Organ zu holen, das in sei­ner Brust schlägt, ent­we­der mit einem Trick oder mit Gewalt. Doch um nah genug an ihn her­an­zu­kom­men, muss ich sein Ver­trau­en gewin­nen. Der Prinz erwar­tet Idio­ten und Schlei­mer. Ich muss ihm bewei­sen, dass ich weder das eine noch das ande­re bin. Ich muss bril­lant sein, ein dia­man­ten­be­setz­ter Dolch im Rücken sei­nes gelang­weil­ten Lebens.” (Zitat S.16ff) Womit Zera aller­dings nicht gerech­net hat, als sie dem Prin­zen all­mäh­lich näher kommt, dass sie sich tat­säch­lich in ihn ver­lie­ben könn­te. Das erschwert ihre Mis­si­on unge­mein…

Heart­less: Der Kuss der Die­bin” war­tet mit einem tol­len Plot auf. Die Idee mit dem Mäd­chen ohne Herz, das es einem ande­ren steh­len muss, um frei­zu­kom­men, ist fas­zi­nie­rend: “Ich lege die Hand auf mein Unherz und lau­sche der Stil­le in mei­ner Brust. Nach drei Jah­ren weiß ich kaum noch, wie es sich ange­fühlt hat, ein Herz zu haben. […] Also las­se ich es. Ich strei­fe durch den Wald. Und wenn das nicht Kasimiramehr hilft, wer­fe ich mei­nen Umhang über, set­ze eine Mas­ke auf und besteh­le die Edel­leu­te, die auf dem Kno­chen­pfad unter­wegs sind — ich rau­be Juwe­len, Klei­der, alles Mög­li­che. Alles, was hübsch ist. Alles, was mir wie­der das Gefühl gibt, ein Mensch zu sein, sobald ich es tra­ge.” (Zitat S.27) Denn genau das ist es, wonach Zera sich sehnt — sich end­lich wie­der mensch­lich zu füh­len. Denn seit sie ohne Herz ist, spürt sie eine Stim­me in sich, die sie zu Schreck­li­chem auf­for­dert. Dazu zu töten. Ein Blut­bad anzu­rich­ten. Es gibt nur einen Weg, um die­se Stim­me, die sie “die rote Glut” nennt, in Schach zu hal­ten: Zera muss jeden Tag zur sel­ben Zeit rohes Fleisch essen. “Wir sind Mons­ter, kei­ne Fra­ge. Aber solan­ge wir rohes Fleisch essen, kön­nen wir… weni­ger mons­ter­haft sein. Wir spü­ren den Drang zu töten, zu zer­stö­ren, eine Lee­re in unse­rer aus­ge­höhl­ten Brust, und in die­ser Lee­re nis­tet eine bren­nen­de Glut. Die­se Glut erlischt nie.” (Zitat S.32ff) Die Stim­me der Glut wird in dem Roman immer fett abge­druckt. Es dau­ert zu Beginn eine Wei­le, sich in das Buch, das durch­gän­gig aus Zeras Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt wird, ein­zu­fin­den. Es ist eine neue, unge­wohn­te Welt, vie­le Details und immer wie­der über­ra­schen­de Andeu­tun­gen wie zum Bei­spiel “Ich wur­de nie­der­ge­sto­chen. Das ist nichts Neu­es für mich.” (Zitat S.18), hin­ter deren Bedeu­tung man erst kom­men muss. Ich muss zuge­ben, dass mich der Roman zu Beginn noch nicht wirk­lich packen konn­te. KasimiraInter­es­sant — ja, aber die Span­nung baut sich erst sehr lang­sam auf. Auch gab es Stel­len, an denen Zera fast ein wenig unsym­pa­thisch, bei­na­he schon arro­gant wirkt: “Ich habe so lan­ge allein gestoh­len, dass es bei­na­he tröst­lich war, jeman­den zu tref­fen, der genau­so geschickt dar­in ist. Es ist gut zu wis­sen, dass die Welt sich auch ohne mich dreht, ob ich nun frei bin oder nicht.” (Zitat S.117) Was dann recht unter­halt­sam wird, sind die Dia­lo­ge zwi­schen Zera und Luci­en, auf deren Auf­ein­an­der­tref­fen man immer wie­der hin­fie­bert. Und schließ­lich — viel­leicht so ab Mit­te des Buches — wird die Geschich­te total mit­rei­ßend, roman­tisch und höchst dra­ma­tisch! Man möch­te “Heart­less: Der Kuss der Die­bin” dann eigent­lich kaum mehr aus den Hän­den legen und ver­folgt gespannt Zeras inne­rem Zwie­spalt, ihr Vor­ha­ben tat­säch­lich in die Tat umzu­set­zen. Das Ende offen­bart eine Über­ra­schung, bleibt offen und macht neu­gie­rig auf die Fort­set­zung.

Fazit: Ein Roman mit ein paar klei­nen Anlauf­schwie­rig­kei­ten, der dann aber doch rich­tig gut wird!!

Hin­sicht­lich der unglaub­lich taLesealternativenffen, star­ken Prot­ago­nis­tin muss­te ich ein wenig an “Cat­wo­man: Die­bin von Gotham City” von Sarah J. Maas den­ken. Eine der inhalt­lich wohl bes­ten Alter­na­ti­ven ist aller­dings “Eli­an und Lira: Das wil­de Herz der See” von Alex­an­dra Chris­to — hier muss die Toch­ter der Mee­res­kö­ni­gin jedes Jahr als Sire­ne einem Prin­zen das Herz rau­ben. Doch durch einen Feh­ler wird sie als Stra­fe aus­ge­rech­net in einen Men­schen ver­wan­delt, etwas, was sie auf kei­nen Fall sein will! Ein­zi­ge Mög­lich­keit wie­der zurück­ver­wan­delt zu wer­den: das Herz eines bestimm­ten Prin­zen zu steh­len, in den sie sich — wie auch in “Heart­less: Kuss der Die­bin” dann aber uner­war­tet ver­liebt… Das Herz gestoh­len bekommt auch die Haupt­fi­gur in “Hea­ven: Stadt der Feen” von Chris­to­pher Mar­zi. Ver­liebt in den­je­ni­gen, den sie töten soll, das pas­siert eben­so in “Heart of Ivy: Gelieb­ter Feind” von Amy Engel.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-40178-9
Erscheinungsdatum: 31.Januar 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,99€ 
Seitenzahl: 480 
Übersetzer: Simone Wiemken
Originaltitel: "Bring me their hearts"
Originalverlag: -Entangled Publishing

Amerikanisches Originalcover:


Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Sara Wolf

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