Sara Pennypacker — Das Glück liegt hinter der Hecke

7.Mai 2026

“Das Glück liegt hin­ter der Hecke” ist der neu­es­te Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Sara Pen­ny­pa­cker. Sie stellt ein Mäd­chen in den Mit­tel­punkt, das ihr Haus bis­her nur zwei Mal ver­las­sen durf­te und ansons­ten hin­ter einen hohen Hecke ver­bor­gen wohnt. Ihre Eltern küm­mern sich gar nicht um sie, inter­es­sie­ren sich schlicht­weg nicht für Lee­va. Ihre Mut­ter ist die Bür­ger­meis­te­rin der Stadt und nur auf Ruhm und Erfolg aus; für ihren Vater als Finanz­meis­ter zählt ledig­lich das Geld. Sie las­sen sich von Lee­va das Essen kochen und sich bedie­nen, zur Schu­le gehen darf sie nicht, weil das ja weder Geld noch Erfolg bringt. Doch eines Tages bricht Lee­va heim­lich aus und ent­deckt auf ihren kur­zen Fluch­ten das wah­re Leben außer­halb der Hecke. Fin­det Freund­schaft, Wär­me, Gebor­gen­heit und ver­steht, was ihr all die Jah­re gefehlt hat. Aber dann kom­men ihre Eltern plötz­lich hin­ter ihre heim­li­chen Aus­flü­ge… Ein herz­er­wär­men­der Roman mit einer bezau­bern­den Prot­ago­nis­tin, die auf der Suche nach der Fra­ge ist, wozu die Men­schen da sind und Ant­wor­ten fin­det, die alles ver­än­dern. Eine Geschich­te, die an Mensch­lich­keit, Freund­schaft und das Ange­nom­men­wer­den und glau­ben lässt. Für Jugend­li­che ab 10 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne, die beson­de­re und außer­ge­wöhn­li­che Roma­ne lieben.

Lee­va hat ihr Haus bis­her nur zwei Mal ver­las­sen. Ein­mal, um mit ihrer Mut­ter auf einen Schön­heits­wett­be­werb zu gehen, und ein­mal mit ihrem Vater, der erfolg­los einen Job für sie suchen woll­te. Seit­dem ist sie nur zu Hau­se. Von ihren Eltern hat sie ein Bediens­te­ten-Hand­buch erhal­ten mit stren­gen Regeln, an die sie sich hal­ten muss. Denn wirk­lich inter­es­sie­ren sich ihre Eltern nicht für sie. Für sie erzählt nur Ruhm und Geld. Ihre Mut­ter, die Bür­ger­meis­te­rin des klei­nen Städt­chens Nuts­mo­re, will vor allem berühmt wer­den und ihr Vater, der stren­ge, geld­gie­ri­ge Schatz­meis­ter der Stadt ist nur an Reich­tum inter­es­siert. In einem Zim­mer hor­tet er das Geld, das er den Bür­gern von Nuts­mo­re abknöpft, in Ber­gen von Kar­tons. Abends kocht Lee­va immer das Essen für ihre Eltern und bringt es ihnen zu ihren Fern­se­hern. “Zwei Fern­se­her plärr­ten kreuz und quer durch­ein­an­der. Lee­vas Vater schau­te die Finanz­sen­dung Geld, Geld, Geld! und tipp­te eilig die Zah­len, die über den Bild­schirm lie­fen, in sei­nen Taschen­rech­ner. Ihre Mut­ter ver­folg­te mit offe­nem Mund die aktu­el­le Fol­ge von Die Pro­mi-Show!.” (Zitat S.18) Doch nun hat Lee­va erfah­ren, dass in der Stadt eine neue Schu­le gebaut wird. Dort möch­te sie unbe­dingt hin­ge­hen. “Vor Schock stol­per­te sie fast in die Brom­beer­ran­ken an der Haus­tür. Ihre Stadt hat­te eine Schu­le gebaut! Und nach­dem Lee­va irgend­was zwi­schen acht und neun sein muss­te — da sie nicht wuss­te, wann ihr Geburts­tag war, hat­te sie auch nie ihr genau­es Altern aus­rech­nen kön­nen -, wür­de sie in die­se Schu­le gehen! End­lich raus in die Welt in — Lee­va schau­te noch ein­mal nach — fünf Wochen und drei Tagen.” (Zitat S.13) Aber als sie ihren Eltern gegen­über die­sen Wunsch äußerst. Sind die­se nicht sehr begeis­tert. Lesen und Rech­nen hat Lee­va sich ohne­hin schon selbst bei­gebracht, macht sogar regel­mä­ßig die Buch­hal­tung für ihren Vater und löst die schwie­ri­gen Fäl­le. Außer­dem bringt die Schu­le weder Geld noch Ruhm, also völ­lig sinn­los, der Ansicht ihrer Eltern nach. “Ich will zur Schu­le und mit ande­ren Men­schen zusam­men sein.” “Men­schen?”, kreisch­ten ihre Eltern gleich­zei­tig. “Du fin­dest, Men­schen sind wich­ti­ger als Geld und Ruhm?!?”, frag­te ihre Mut­ter ent­setzt. “Du hast die Fra­ge gestellt, wozu Geld da ist!”, schrie ihr Vater. “Aber wozu sind Men­schen da?! Hä! Sag’s mir!” (Zitat S.31) Die­se Fra­ge stellt sich Lee­va dar­auf­hin auch. Und sie begreift, dass sie ihr Haus ver­las­sen muss, um dar­auf eine Ant­wort zu fin­den. Eines Tages klet­tert sie durch die hohe Hecke hin­durch und schleicht sich nach drau­ßen. Sie trifft auf Har­ry, der die Biblio­thek sei­ner Tan­te ver­tre­tungs­wei­se über­nom­men hat. Er stell­te ihr sogar einen eige­nen Biblio­theks­aus­weis aus! Sie holt sich also jeden Tag zehn Bücher, die sie ver­schlingt. “Im Lauf der ver­gan­ge­nen Woche war ihr klar gewor­den, dass das Leben der Figu­ren in den Büchern, die sie gele­sen hat­te, wenig mit ihrem eige­nen Leben zu tun hat­te. Nie­mand schau­te dort in einem Bediens­te­ten-Hand­buch nach, was sei­ne Auf­ga­be war und was ver­bo­ten. Wenn sie es sich genau über­leg­te, schie­nen die Figu­ren über­haupt kein Bediens­te­ten-Hand­buch zu haben.” (Zitat S.60) Har­rys Tan­te kann das obe­re Stock­werk auf­grund einer Ver­let­zung momen­tan nicht ver­las­sen und backt statt­des­sen jeden Tag eine neue Keks­sor­te. Dafür braucht sie täg­lich eine beson­de­re Zutat. Es ist Lee­va, die die­se Zutat schließ­lich besor­gen darf und zu den ver­schie­dens­ten Orten in Nuts­mo­re geschickt wird und die unter­schied­lichs­ten Leu­te ken­nen­lernt. Osmund, der nur einen Ganz­kör­per­an­zug trägt, aus Angst vor allen mög­li­chen Gefah­ren. Bob, den Dachs, der von Osmund geret­tet wur­de. Fern, die sich um ihre zahl­rei­chen Geschwis­ter küm­mert. Plötz­lich ist das Leben schön, anders und ganz beson­ders. Plötz­lich wird Lee­va gese­hen. Nur muss sie fest­stel­len, dass ihre Eltern von den Bür­gern von Nuts­mo­re ver­ach­tet wer­den. Aller­dings weiß nie­mand, wer Lee­va wirk­lich ist. Aber dann kom­men ihre Eltern dahin­ter, dass sie heim­lich Kasimiradas Haus verlässt…

Das Cover zeigt bereits die bedeut­sams­te Situa­ti­on des Buches, der Titel ver­spricht, was er hält. Hin­ter der Hecke fin­det Lee­va das Glück. Ein all­wis­sen­der Erzäh­ler berich­tet aus ihrem Leben, kon­zen­triert sich sehr auf die Prot­ago­nis­tin, spricht aber — was anfangs noch leicht holp­rig wirkt — die Leser:innen auch oft direkt an: “Lie­be Lese­rin, lie­ber Leser, auch wir unter­bre­chen an die­ser Stel­le. Bedau­er­li­cher­wei­se müs­sen wir nun Lee­vas Eltern näher ken­nen­ler­nen.” (Zitat S.19) und “Okay, genug der Zwi­schen­in­fo. Wen­den wir uns wie­der der Geschich­te zu.” (Zitat S.23) Ansons­ten ist die Erzähl­art aber sehr ange­nehm und flüs­sig. Von Lee­vas Bedin­gun­gen in ihrer Fami­lie zu lesen, die nicht wirk­lich eine ist, ist hef­tig. Sie ist für ihre Eltern eigent­lich nur eine Bediens­te­te. Ein wert­lo­ses Asses­soire. “Ein Baby ist ein Mode-Arti­kel, der gut zu mei­ner cha­rak­te­ris­ti­schen Erschei­nung passt”, über­leg­te Mrs.Thronblossom, betrach­te­te sich im Spie­gel, den sie neben ihrem Ses­sel auf­ge­stellt hat­te, und berühr­te prü­fend ihre Fri­sur. “So wie eine Hand­ta­sche. Wir brau­chen ein Baby, unbe­dingt.” (Zitat S.22) Ihren Namen bestimm­te eine Heb­am­me, dar­auf hat­te ihre Mut­ter kei­ne Lust. Den Vater inter­es­siert nur das Geld. “Selbst ihre Klei­dung war nur gelie­hen — ihr Vater führ­te genau Buch über die Kos­ten und erwar­te­te, dass sie alles zurück­zahl­te, sobald sie einen Job haben wür­de.” (Zitat S.131). Oft sagen Lee­vas Eltern zu ihr nur, dass sie den Mund hal­ten und ver­schwin­den soll. Die Figu­ren in “Das Glück liegt hin­ter der Hecke” sind stark über­zeich­net, fügen sich aber den­noch pas­send ein. Die Mut­ter bei­spiels­wei­se hat sogar eine 20 Meter hohe Sta­tue von sich selbst in Auf­trag gege­ben, die in der Stadt auf­ge­stellt wer­den soll. “Für die Schu­he habe ich einen eige­nen Bild­hau­er ange­heu­ert. Ver­gol­det, einen Meter fünf­zig beträgt allein die Höhe vom Absatz.” Lee­va schau­der­te. Die Schu­he ihrer Mut­ter waren schon in Ori­gi­nal­grö­ße angst­ein­flö­ßend genug.” (Zitat S.26) Der Vater hat den Geschirr­spü­ler ver­kauft, um Geld zu spa­ren, als Lee­va alt genug war, um selbst an die Spü­le her­an­zu­kom­men und fort­an mit Hand abwa­schen zu kön­nen. Der gro­ße Wen­de­punkt in der Geschich­te ist das Ver­las­sen durch die hohe Hecke, durch die Lee­va sich hin­durch­quetscht. Plötz­lich trifft sie auf Men­schen, zu denen sie eine ech­te Ver­bin­dung auf­bau­en kann. Denen sie auch etwas bedeu­tet. “Wun­der­bar, vie­len Dank. Mor­gen gibt es Oran­gen-Bis­cot­ti — ich hof­fe, du magst sie, mein Schatz.” Mein Schatz! Schon wie­der! Lee­va ging nach Hau­se und dach­te über das Leben nach. Im einen Moment weinst du im Matsch unter einem Dor­nen­ge­büsch und im nächs­ten bist du für jeman­den mein Schatz und besitzt einen nagel­neu­en Kamm. Leben eben.” (Zitat S.132) Der Roman ist vol­ler zau­ber­haf­ter Momen­te, in denen Lee­va lernt, dass man Glück, Freu­de, aber auch Trau­er mit ande­ren Men­schen tei­len kann. In denen sie begreift, dass sie einen eige­nen Wert hat und auch nicht so sein muss wie ihre Eltern. Dass sie zwar deren Gene hat, aber was sie aus ihrem Leben macht, ihre Ent­schei­dung ist. “Das Glück liegt hin­ter der Hecke” endet pas­send und hoff­nungs­voll. Eine rund­her­um gelun­ge­ne Wohlfühlgeschichte!

Dir gefällt der Erzähl­stil von Sara Pen­ny­pa­cker? Dann lies unbe­dingt noch “Der Som­mer der Eulen­fal­ter” unLesealternativend “Hier im ech­ten Leben” von ihr, die mir eben­so außer­or­dent­lich gut gefal­len haben. Für die­sel­bi­ge Alters­grup­pe ist “Mein Freund Pax” und die Fort­set­zung “Mein Freund Pax — Die Heim­kehr”. Außer­dem schrieb sie noch die mehr­bän­di­ge “Cle­men­ti­ne”-Rei­he, die aller­dings bereits ab 8 Jah­ren emp­foh­len wird. Im Herbst erscheint von Sara Pen­ny­pa­cker schon wie­der ein neu­es Buch: “Der Jun­ge, der kein Held sein woll­te”. Eine äußerst pas­sen­de, inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu “Das Glück liegt hin­ter der Hecke” ist “Gras unter mei­nen Füßen: Das Jahr, als ich leben lern­te” von Kim­ber­ly Bru­bak­er Brad­ley, wel­ches eben­falls ein Mäd­chen in den Mit­tel­punkt stellt, die von ihrer Mut­ter ein­ge­sperrt und völ­lig unge­recht behan­delt wird und erst als sie aus­bricht, das wah­re Leben ken­nen­lernt und ihr Glück fin­det — eines der bemer­kens­wer­tes­ten Titel für die Alters­grup­pe, wel­ches eben­falls über eine Fort­set­zung ver­fügt: “Über mir der wei­te Him­mel: Als die Zukunft begann”. Oder greif zu dem Klas­si­ker “Matil­da” von Roald Dahl, das auch eini­ge Par­al­le­len aufweist.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-64136-4
Erscheinungsdatum: 12.März 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer*in: Uwe-Michael Gutzschhahn
Illustrator*in: Jens Rassmus
Originaltitel: "Leeva at Last"
Originalverlag: Harper Collins

Amerikanisches Originalcover:






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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Sara Pennypacker

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