“Das Glück liegt hinter der Hecke” ist der neueste Roman der amerikanischen Autorin Sara Pennypacker. Sie stellt ein Mädchen in den Mittelpunkt, das ihr Haus bisher nur zwei Mal verlassen durfte und ansonsten hinter einen hohen Hecke verborgen wohnt. Ihre Eltern kümmern sich gar nicht um sie, interessieren sich schlichtweg nicht für Leeva. Ihre Mutter ist die Bürgermeisterin der Stadt und nur auf Ruhm und Erfolg aus; für ihren Vater als Finanzmeister zählt lediglich das Geld. Sie lassen sich von Leeva das Essen kochen und sich bedienen, zur Schule gehen darf sie nicht, weil das ja weder Geld noch Erfolg bringt. Doch eines Tages bricht Leeva heimlich aus und entdeckt auf ihren kurzen Fluchten das wahre Leben außerhalb der Hecke. Findet Freundschaft, Wärme, Geborgenheit und versteht, was ihr all die Jahre gefehlt hat. Aber dann kommen ihre Eltern plötzlich hinter ihre heimlichen Ausflüge… Ein herzerwärmender Roman mit einer bezaubernden Protagonistin, die auf der Suche nach der Frage ist, wozu die Menschen da sind und Antworten findet, die alles verändern. Eine Geschichte, die an Menschlichkeit, Freundschaft und das Angenommenwerden und glauben lässt. Für Jugendliche ab 10 Jahren und interessierte Erwachsene, die besondere und außergewöhnliche Romane lieben.
Leeva hat ihr Haus bisher nur zwei Mal verlassen. Einmal, um mit ihrer Mutter auf einen Schönheitswettbewerb zu gehen, und einmal mit ihrem Vater, der erfolglos einen Job für sie suchen wollte. Seitdem ist sie nur zu Hause. Von ihren Eltern hat sie ein Bediensteten-Handbuch erhalten mit strengen Regeln, an die sie sich halten muss. Denn wirklich interessieren sich ihre Eltern nicht für sie. Für sie erzählt nur
Ruhm und Geld. Ihre Mutter, die Bürgermeisterin des kleinen Städtchens Nutsmore, will vor allem berühmt werden und ihr Vater, der strenge, geldgierige Schatzmeister der Stadt ist nur an Reichtum interessiert. In einem Zimmer hortet er das Geld, das er den Bürgern von Nutsmore abknöpft, in Bergen von Kartons. Abends kocht Leeva immer das Essen für ihre Eltern und bringt es ihnen zu ihren Fernsehern. “Zwei Fernseher plärrten kreuz und quer durcheinander. Leevas Vater schaute die Finanzsendung Geld, Geld, Geld! und tippte eilig die Zahlen, die über den Bildschirm liefen, in seinen Taschenrechner. Ihre Mutter verfolgte mit offenem Mund die aktuelle Folge von Die Promi-Show!.” (Zitat S.18) Doch nun hat Leeva erfahren, dass in der Stadt eine neue Schule gebaut wird. Dort möchte sie unbedingt hingehen. “Vor Schock stolperte sie fast in die Brombeerranken an der Haustür. Ihre Stadt hatte eine Schule gebaut! Und nachdem Leeva irgendwas zwischen acht und neun sein musste — da sie nicht wusste, wann ihr Geburtstag war, hatte sie auch nie ihr genaues Altern ausrechnen können -, würde sie in diese Schule gehen! Endlich raus in die Welt in — Leeva schaute noch einmal nach — fünf Wochen und drei
Tagen.” (Zitat S.13) Aber als sie ihren Eltern gegenüber diesen Wunsch äußerst. Sind diese nicht sehr begeistert. Lesen und Rechnen hat Leeva sich ohnehin schon selbst beigebracht, macht sogar regelmäßig die Buchhaltung für ihren Vater und löst die schwierigen Fälle. Außerdem bringt die Schule weder Geld noch Ruhm, also völlig sinnlos, der Ansicht ihrer Eltern nach. “Ich will zur Schule und mit anderen Menschen zusammen sein.” “Menschen?”, kreischten ihre Eltern gleichzeitig. “Du findest, Menschen sind wichtiger als Geld und Ruhm?!?”, fragte ihre Mutter entsetzt. “Du hast die Frage gestellt, wozu Geld da ist!”, schrie ihr Vater. “Aber wozu sind Menschen da?! Hä! Sag’s mir!” (Zitat S.31) Diese Frage stellt sich Leeva daraufhin auch. Und sie begreift, dass sie ihr Haus verlassen muss, um darauf eine Antwort zu finden. Eines Tages klettert sie durch die hohe Hecke hindurch und schleicht sich nach draußen. Sie trifft auf Harry, der die Bibliothek seiner Tante vertretungsweise übernommen hat. Er stellte ihr sogar einen eigenen Bibliotheksausweis aus! Sie holt sich also jeden Tag zehn Bücher, die sie verschlingt. “Im Lauf der vergangenen Woche war ihr klar ge
worden, dass das Leben der Figuren in den Büchern, die sie gelesen hatte, wenig mit ihrem eigenen Leben zu tun hatte. Niemand schaute dort in einem Bediensteten-Handbuch nach, was seine Aufgabe war und was verboten. Wenn sie es sich genau überlegte, schienen die Figuren überhaupt kein Bediensteten-Handbuch zu haben.” (Zitat S.60) Harrys Tante kann das obere Stockwerk aufgrund einer Verletzung momentan nicht verlassen und backt stattdessen jeden Tag eine neue Kekssorte. Dafür braucht sie täglich eine besondere Zutat. Es ist Leeva, die diese Zutat schließlich besorgen darf und zu den verschiedensten Orten in Nutsmore geschickt wird und die unterschiedlichsten Leute kennenlernt. Osmund, der nur einen Ganzkörperanzug trägt, aus Angst vor allen möglichen Gefahren. Bob, den Dachs, der von Osmund gerettet wurde. Fern, die sich um ihre zahlreichen Geschwister kümmert. Plötzlich ist das Leben schön, anders und ganz besonders. Plötzlich wird Leeva gesehen. Nur muss sie feststellen, dass ihre Eltern von den Bürgern von Nutsmore verachtet werden. Allerdings weiß niemand, wer Leeva wirklich ist. Aber dann kommen ihre Eltern dahinter, dass sie heimlich
das Haus verlässt…
Das Cover zeigt bereits die bedeutsamste Situation des Buches, der Titel verspricht, was er hält. Hinter der Hecke findet Leeva das Glück. Ein allwissender Erzähler berichtet aus ihrem Leben, konzentriert sich sehr auf die Protagonistin, spricht aber — was anfangs noch leicht holprig wirkt — die Leser:innen auch oft direkt an: “Liebe Leserin, lieber Leser, auch wir unterbrechen an dieser Stelle. Bedauerlicherweise müssen wir nun Leevas Eltern näher kennenlernen.” (Zitat S.19) und “Okay, genug der Zwischeninfo. Wenden wir uns wieder der Geschichte zu.” (Zitat S.23) Ansonsten ist die Erzählart aber sehr angenehm und flüssig. Von Leevas Bedingungen in ihrer Familie zu lesen, die nicht wirklich eine ist, ist heftig. Sie ist für ihre Eltern eigentlich nur eine Bedienstete. Ein wertloses Assessoire. “Ein Baby ist ein Mode-Artikel, der gut zu meiner charakteristischen Erscheinung passt”, überlegte Mrs.Thronblossom, betrachtete sich im Spiegel, den sie neben ihrem Sessel aufgestellt hatte, und berührte prüfen
d ihre Frisur. “So wie eine Handtasche. Wir brauchen ein Baby, unbedingt.” (Zitat S.22) Ihren Namen bestimmte eine Hebamme, darauf hatte ihre Mutter keine Lust. Den Vater interessiert nur das Geld. “Selbst ihre Kleidung war nur geliehen — ihr Vater führte genau Buch über die Kosten und erwartete, dass sie alles zurückzahlte, sobald sie einen Job haben würde.” (Zitat S.131). Oft sagen Leevas Eltern zu ihr nur, dass sie den Mund halten und verschwinden soll. Die Figuren in “Das Glück liegt hinter der Hecke” sind stark überzeichnet, fügen sich aber dennoch passend ein. Die Mutter beispielsweise hat sogar eine 20 Meter hohe Statue von sich selbst in Auftrag gegeben, die in der Stadt aufgestellt werden soll. “Für die Schuhe habe ich einen eigenen Bildhauer angeheuert. Vergoldet, einen Meter fünfzig beträgt allein die Höhe vom Absatz.” Leeva schauderte. Die Schuhe ihrer Mutter waren schon in Originalgröße angsteinflößend genug.” (Zitat S.26) Der Vater hat den Geschirrspüler verkauft, um Geld zu sparen, als Leeva alt genug war, um selbst an die Spüle heranzukommen und fortan mit Hand abwaschen zu können. Der große Wendepunkt in der Geschichte ist das Verlassen durch die hohe Hecke, durch die Leeva
sich hindurchquetscht. Plötzlich trifft sie auf Menschen, zu denen sie eine echte Verbindung aufbauen kann. Denen sie auch etwas bedeutet. “Wunderbar, vielen Dank. Morgen gibt es Orangen-Biscotti — ich hoffe, du magst sie, mein Schatz.” Mein Schatz! Schon wieder! Leeva ging nach Hause und dachte über das Leben nach. Im einen Moment weinst du im Matsch unter einem Dornengebüsch und im nächsten bist du für jemanden mein Schatz und besitzt einen nagelneuen Kamm. Leben eben.” (Zitat S.132) Der Roman ist voller zauberhafter Momente, in denen Leeva lernt, dass man Glück, Freude, aber auch Trauer mit anderen Menschen teilen kann. In denen sie begreift, dass sie einen eigenen Wert hat und auch nicht so sein muss wie ihre Eltern. Dass sie zwar deren Gene hat, aber was sie aus ihrem Leben macht, ihre Entscheidung ist. “Das Glück liegt hinter der Hecke” endet passend und hoffnungsvoll. Eine rundherum gelungene Wohlfühlgeschichte!
Dir gefällt der Erzählstil von Sara Pennypacker? Dann lies unbedingt noch “Der Sommer der Eulenfalter” un
d “Hier im echten Leben” von ihr, die mir ebenso außerordentlich gut gefallen haben. Für dieselbige Altersgruppe ist “Mein Freund Pax” und die Fortsetzung “Mein Freund Pax — Die Heimkehr”. Außerdem schrieb sie noch die mehrbändige “Clementine”-Reihe, die allerdings bereits ab 8 Jahren empfohlen wird. Im Herbst erscheint von Sara Pennypacker schon wieder ein neues Buch: “Der Junge, der kein Held sein wollte”. Eine äußerst passende, inhaltliche Alternative zu “Das Glück liegt hinter der Hecke” ist “Gras unter meinen Füßen: Das Jahr, als ich leben lernte” von Kimberly Brubaker Bradley, welches ebenfalls ein Mädchen in den Mittelpunkt stellt, die von ihrer Mutter eingesperrt und völlig ungerecht behandelt wird und erst als sie ausbricht, das wahre Leben kennenlernt und ihr Glück findet — eines der bemerkenswertesten Titel für die Altersgruppe, welches ebenfalls über eine Fortsetzung verfügt: “Über mir der weite Himmel: Als die Zukunft begann”. Oder greif zu dem Klassiker “Matilda” von Roald Dahl, das auch einige Parallelen aufweist.
Bibliografische Angaben:Verlag: dtv ISBN: 978-3-423-64136-4 Erscheinungsdatum: 12.März 2026 Einbandart: Hardcover Preis: 16,00€ Seitenzahl: 320 Übersetzer*in: Uwe-Michael Gutzschhahn Illustrator*in: Jens Rassmus Originaltitel: "Leeva at Last" Originalverlag: Harper Collins Amerikanisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
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--------------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von Sara Pennypacker

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-64136-4
Erscheinungsdatum: 12.März 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer*in: Uwe-Michael Gutzschhahn
Illustrator*in: Jens Rassmus
Originaltitel: "Leeva at Last"
Originalverlag: Harper Collins
Amerikanisches Originalcover:
