Sabine Giebken — Orcasommer

Sabine Giebken - Orcasommer18.August 2018

Eine schö­ne Som­mer­ge­schich­te geschrie­ben — das hat die deut­sche Autorin Sabi­ne Gieb­ken mit ihrem neu­en Buch “Orca­som­mer”. Im Mit­tel­punkt ein Mäd­chen, das nicht nur ihren Vater ken­nen­lernt, son­dern auch eine beson­de­re Bekannt­schaft mit einem Wal macht. Lie­bes­ge­schich­te inklu­si­ve. Fas­zi­nie­rend und ange­nehm erzählt. Leich­te Unter­hal­tung für hei­ße Som­mer­ta­ge. Für Mäd­chen ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge Sven­ja fliegt allein nach Kana­da. Nach elf Stun­den und einer gehö­ri­gen Por­ti­on Flug­angst ist sie nun in Van­cou­ver gelan­det, wo sie das ers­te Mal ihren Vater ken­nen­ler­nen wird. Den Mann, den ihre Mut­ter damals in Kali­for­ni­en traf und für einen Som­mer lie­ben lern­te, ehe sich ihre Wege wie­der trenn­ten und jeder in sein eige­nes Leben zurück­kehr­te. Im Inter­net ist Sven­jas Mut­ter vor eini­ger Zeit durch Zufall auf ihn gesto­ßen und jetzt hat Sven­ja end­lich die Chan­ce, ihren Vater zu tref­fen! Zwei Mona­te lang wird sie bei ihm woh­nen. Doch kaum dass sie da ist, erwar­tet sie eine Ent­täu­schung nach der nächs­ten. Ihr Vater Sabine Giebken - OrcasommerMatt wohnt auf Van­cou­ver Island — einer Insel, in einem Ort namens Soli­ta­ry Cave, völ­lig abge­schie­den von der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on. Dort kennt jeder jeden und man kann die Ein­woh­ner an ein paar Hän­den abzäh­len. Zudem wirkt Matt nicht beson­ders freund­lich, eher eisig und distan­ziert. Manch­mal sogar etwas in sich gekehrt und reden tut er auch nicht beson­ders viel. So hat sich Sven­ja ihren Vater über­haupt nicht vor­ge­stellt. “Mein ver­fluch­tes Leben lang habe ich auf die­sen Men­schen gewar­tet, habe von ihm geträumt und der Him­mel weiß was in ihn hin­ein­in­ter­pre­tiert. Er war mein Halt, wenn Mama alles zu viel wur­de und ich allein zu Hau­se saß und mir nichts mehr wünsch­te als einen Papa, der die­se Stim­mung abfing. Der da war, wenn Mama wein­te, die hal­be Nacht.” (Zitat S.77) Matt arbei­tet im einem Holz­fäl­ler­camp und lebt in einer Hüt­te, die einer Bruch­bu­de gleicht und völ­lig lieb­los ein­ge­rich­tet ist. Sven­ja hat zwar ein eige­nes Zim­mer, aber nicht mal ein Bett, son­dern nur zwei Matrat­zen, die auf­ein­an­der­ge­legt wur­den. Schon nach ein paar Tagen und kaum einer Annäh­rung an ihren Vater, der zudem auch stän­dig arbei­ten muss, und das jun­ge Mäd­chen hat die Schnau­ze gehö­rig voll. Das Rück­flug­ti­cket qua­si schon fast in der Tasche, will sie das Wei­te suchen und zurück nach Deutsch­land flie­gen. Bis auf ein­mal ein klei­ner Orca in der Bucht auf­taucht. “Der Wal taucht erneut auf, nur weni­ge Meter von mei­nem Fel­sen ent­fernt. Er scheibt sei­nen Kopf sSabine Giebken - Orcasommerenk­recht aus dem Was­ser, genau­so so, wie er es heu­te bei dem Kata­ma­ran getan hat. Ein gla­si­ger Schim­mer über­zieht die wei­ße Stel­le sei­ner Haut, den lang­ge­zo­ge­nen Fleck schräg über sei­nem Auge. Sieht er mich an? Auf ein­mal schlägt mein Herz hef­tig und schnell. Nur wir bei­de sind hier, so allein.” (Zitat S.105) Auf selt­sa­me Art und Wei­se fühlt sich Sven­ja mit die­sem ein­sa­men Tier ver­bun­den. Er scheint sei­ne Fami­lie ver­lo­ren zu haben. Bald wer­den auch ande­re auf den jun­gen Orca auf­merk­sam. Auch der Mee­res­bio­lo­ge stu­die­ren­de Alex, dem Sven­ja eben­falls näher kommt. Und so beschließt sie den Som­mer über doch da zu blei­ben und her­aus­zu­fin­den, zu wem der Orca, den sie “Solo” tauft wohl gehö­ren mag. Doch eines Tages kom­men immer mehr Tou­ris­ten in die Bucht, die von dem schein­bar “zah­men” Wal gehört haben und die Situa­ti­on fängt an zu eska­lie­ren…

Orca­som­mer” ver­spricht durch sein Cover bereits eine inter­es­san­te Tier­ge­schich­te. Der Roman, der durch­ge­hend aus Sven­jas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist, bie­tet jedoch mehr als ein­fach nur einen Aben­teu­er­ro­man, in dem ein Orca eine Haupt­rol­le spielt. Er kommt zugleich als Com­ing-of-Age-Geschich­te daher, der neben der Vater-Toch­ter-Pro­ble­ma­tik auch eine Lie­bes­ge­schich­te beinhal­tet. Und auch wenn das Buch zuwei­len etwas gemäch­lich unSabine Giebken - Orcasommerd in einem ruhi­gen Erzähl­tem­po vor­an­plät­schert, so ist das Ein­füh­len in die Prot­ago­nis­tin und in ihr Gefühls­cha­os sehr gut mög­lich. Ein paar sen­ti­men­ta­le Stel­len ver­zeiht man da aus­nahms­wei­se ger­ne. Zudem erfährt man eini­ges über Orcas und ihre Lebens­art: Wale sind Fami­li­en­tie­re. Die schwim­men nicht allein her­um. So ein klei­ner Kerl schon gar nicht. Da stimmt etwas nicht. Ent­we­der er ist von sei­ner Fami­lie getrennt wor­den oder sei­ne Mut­ter ist gestor­ben.” (Zitat S.118) Beson­ders mit­zu­er­le­ben wie der ent­ste­hen­de Medi­en­rum­mel immer hef­ti­ger wird und Schau­lus­ti­ge alles dar­an set­zen sich dem Wal zu nähern und sei­ne Zutrau­lich­keit aus­nut­zen, das liest sich sehr bewe­gend und zeigt die trau­ri­ge Kehr­sei­te der Geschich­te. Im hin­te­ren Teil des Buches wird es dann rich­tig schön dra­ma­tisch und ner­ven­auf­rei­bend und immer mehr Geheim­nis­se tre­ten ans Tages­licht, die alles ver­än­dern. An sich könn­ten das Buch auch schon 12-jäh­ri­ge Mäd­chen lesen, es gibt nur eine Stel­le, die ein wenig blu­tig ist und bei der ein totes Tier im Was­ser näher beschrie­ben wird, die dem ent­ge­gen­stün­de.

Fazit: Eine unter­halt­sa­me, fas­zi­nie­ren­de Som­mer­ge­schich­te!

Übri­gens: auf Sabi­ne Gieb­kens Home­page kannst du noch mehr zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te zu “Orca­som­mer” erfah­ren und ein inter­es­san­tes Chat­ge­spräch zwi­schen Matt und Sven­jas Mut­ter lesen. Sozu­sa­gen die Vor­ge­schich­te des Buches.

Dir gefällt Sabi­ne Gieb­kens Erzähl­art? Dann lies noch ihre ande­ren Büchern. Beson­de­ren Erfolg hat sie mit ihrer Wol­ken­herz-Rei­he: “Die Spur desLesealternativen wei­ßen Pfer­des” (Band 1) und “Eine Fähr­te im Sturm” (Band 2) und “Schat­ten im Wind” (Band 3). Außer­dem geschrie­ben hat sie den schon etwas älte­ren Ein­zel­ti­tel “Über uns das Meer” (über einen Apnoe­tau­cher). Dir gefal­len Bücher, in denen Orcas eine Haupt­rol­le spie­len? Eine per­fek­te inhalt­li­che Alter­na­ti­ve ist “Der Gesang der Orcas” von Ant­je Baben­der­er­de. Du könn­test auch “Die Nacht der Wale” oder Das Riff der Del­fi­ne” von Chris­to­pher Ross lesen. Oder greif zu “Dol­phin Rider” von Mar­kus Ben­ne­mann, in wel­chem auch die Pres­se eine gro­ße Rol­le spielt an der Ent­wick­lung der Geschich­te. Tier­ge­schich­ten schreibt eben­so Fre­de­ri­ca de Ces­co, wie zum Bei­spiel “Meli­na und die Del­fi­ne” oder “Das Lied der Del­fi­ne”. Roma­ne, bei denen es zum ers­te Ken­nen­ler­nen des Vaters kommt, sind zum Bei­spiel “Insel­me­lo­die” von Kath­rin Jäger, “Zebra­wald” von Adi­na Ris­he Gewirtz und das sprach­lich bril­lan­te “Durchs Feu­er” von Jen­ny Valen­ti­ne.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-5605-1
Erscheinungsdatum: 17.Juli 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€ 
Seitenzahl: 448 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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