Die deutsche Autorin Sabine Both, die vor allem durch ihre “Freche Mädchen — Freche Bücher”-Romane bekannt geworden ist, hat ein neues Buch geschrieben: “Ein Sommer ohne uns”. Eine flott erzählte Geschichte über die eine große Liebe, das Erwachsenwerden, Sexualität und eine besondere Auszeit. Sehr unterhaltsam und nah an der Zielgruppe. Für Jugendliche ab 14 Jahren.
Sie kennen sich von klein auf. Die 18-jährige Verena, die jetzt kurz vor dem Abitur steht, und der zwei Monate ältere Tom. “Verena weiß noch, wie sie Tom das erste Mal gesehen hat. Sie muss drei gewesen sein, als Hannes und Sigrid die Doppelhaushälfte gekauft haben. Tom auf seinem roten Fahrrad mit der Piratenflagge ist die erste Erinnerung, die Verena aus ihrem Leben vor Augen hat. […] Tom, der auf sie zuraste, vor ihr bremste und lächelte. Tom, von dem Verena sofort wusste, dass sie ihn mögen würde.” (Zitat aus “Ein Sommer ohne uns” S.8) Sie sind Nachbarn. Sie verbringen jede freie Minute miteinander. Ihre Eltern sind eng miteinander befreundet. Doch als sie 13 sind, verändert sich ihre Beziehung zueinander. Sie sehen sich auf einmal mit anderen Blicken. Werden buchstäblich voneinander angezogen. Verena und Tom werden ein Paar. Das gefällt vor allem ihren Eltern: “Ich will ja nicht angeben und behaupten, ich hätte das schon immer gewusst, aber…
ich hab schon immer gewusst, dass bei euch mal der Funke überspringen wird.” “Ihr passt so toll zueinander”, sagt Sigrid. “Wie füreinander gebacken”, stimmt Inge zu. (Zitat S.25) Doch nun nach fünf Jahren Beziehung träumt Verena plötzlich seltsame Träume. Von einem Mann, der nicht Tom ist. Und dann ist da auch noch die neue Freundin von ihrem Zwillingsbruder Rollo, die mit den unterschiedlichsten Männern schläft und Verena einen unerwarteten Rat für ihre Zeit zwischen Abitur und Studium gibt: “Jeder Mann ist schließlich anders”, sagt sie, als wäre der Faden nie verloren gegangen. “Es ist doch so. Ich will auch nicht jeden Tag Pommes essen, wenn es noch Pizza, Pasta, Steak, Kuchen und exotische Gerichte gibt.” […] Vielleicht nutzt du deine Auszeit dazu, auch mal naschen zu gehen, bevor du die Pommesdiät auf Lebzeiten antrittst.” (Zitat S.62) Soll sie das wirklich machen? Und was wird Tom dazu sagen? Überraschenderweise ist er mit diesem ungewöhnlichen Vorschlag einverstanden: eine offene Beziehung für drei Monate. Danach werden sie wieder ein Paar sein. Doch klappt das wirklich? Die drei Monate verändern alles…
“Ein Sommer ohne uns” ist in drei Teile eingeteilt: In “Fünf Jahre zuvor” wird erzählt, wie Verena und Tom mit 13 Jahren zusammen gekommen sind. Dann folgt der Hauptteil mit “Jetzt” und das Ganze endet in “Ein Jahr später”. Das Cover ist sehr passend zum Inhalt, betrachtet man Vorder- und Rückseite gemeinsam. Es ist nicht nur der Buchrücken, der sie voneinander trennt, sondern auch die Auszeit, die sie sich nehmen. Die Verbindung über die Hände ist da, die Verbindung ihrer gemeinsamen Kindheit und ihrer Liebe ebenfalls, aber ob diese auch reichen wird, darauf darf der Leser gespannt sein. Der Roman wird durchgehend aus Tom und Verenas sich abwechselnden Perspektiven erzählt. Das unterschiedliche Schriftbild grenzt die beiden gut erkennbar voneinander ab und führt zu keinerlei Verwirrungen. Gerade beide Sichtweisen mit verfolgen zu können, macht einen besonderen Reiz der Geschichte aus. Diese wechseln innerhalb der Kapitel mitunter ziemlich oft und erzeugen ein sehr interessantes Gesamtbild. Über Sexualität wird freizügig gesprochen. Die Sprache ist teilweise recht salopp und direkt. Die Sätze manchmal sehr kurz, was das Erzähltempo erhöht: “Er küsst sie. Seine Lippen öffnen sich. Ihre Zunge findet Einlass. Kennt jeden Winkel. Den Geschmack am Morgen. Am Abend. Wenn er krank ist. Den Schweiß auf der Oberlippe nach dem Sport. Das Raue der Lippen im Winter. Die Bartstoppeln. Von Jahr zu Jahr härter. Die Lücke zwischen den Schneidezähnen.” (Zitat S.36) Die Geschichte ist durchweg unterhaltsam geschrieben und liest sich nahezu in einem Rutsch. Und sie regt zum Nachdenken an. Für immer mit dem einen/der einen? Oder sich doch lieber “ausprobieren” wollen, bis man sich festlegt? Diese Antwort müssen nicht nur Tom und Verena, sondern auch ein jeder für sich selbst finden…
Ein anderer Roman über eine “offene Beziehung” ist mir im Jugendbuch nicht bekannt, hier scheint Sabine Both Neuland zu betreten. Wenn dir ihr Schreibstil gefällt, kannst du auch noch andere Bücher von ihr lesen: “VerhEXt noch mal” oder Romane aus der Mädchen-Reihe “Freche Mädchen — Freche Bücher” wie zum Beispiel “Herzklopfen auf Rezept”, “Frage nicht — küss mich” oder “Kleine Ziege — große Liebe”. Unter dem Pseudonym Franziska Moll hat sie noch zwei andere Romane geschrieben: “Was ich dich träumen lasse” und “Egal wohin”. Sich seit Kindheit kennen, das tun auch die Hauptfiguren in folgenden Büchern: “Zwillingssterne” von Cristina Moracho , “Liebeskinder” von Jana Frey (toll!) und “Killing Butterflies” von M.Anjelais (faszinierend).
Bibliografische Angaben:Verlag: Loewe ISBN: 978-3-7855-8222-0 Erscheinungsdatum: 15.Februar 2016 Einbandart: Broschur Preis: 12,95€ Seitenzahl: 240 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
Kasimiras Bewertung:
(4,5 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-8222-0
Erscheinungsdatum: 15.Februar 2016
Einbandart: Broschur
Preis: 12,95€
Seitenzahl: 240
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -