Ross Welford — Zeitreise mit Hamster

Ross Welford Zeitreise mit Hamster17.Februar 2017

Der bri­ti­sche Autor Ross Wel­ford hat mit “Zeit­rei­se mit Hams­ter” eine echt schrä­ge Geschich­te geschrie­ben über das The­ma Zeit­rei­se. Ein Jun­ge erhält von sei­nem ver­stor­be­nen Vater einen Brief, in dem die­ser ihn über eine uner­war­te­te Erfin­dung (eine Zeit­ma­schi­ne!) infor­miert, die nur dar­auf war­tet, genutzt zu wer­den (und ihn zurück­zu­ho­len!). Kann das gut gehen? Ein amü­san­tes, aben­teu­er­li­ches Buch für Jugend­li­che von 10 bis 12 Jah­ren.

Alberts Vater war Inge­nieur und ziem­lich ver­narrt in Tech­nik und Phy­sik. Wahr­schein­lich hat der Jun­ge daher sei­nen beson­de­ren Namen bekom­men, denn aus­ge­schrie­be­nen heißt er: Albert Ein­stein Haw­king Chaud­hu­ry. Sein Vater heißt mit Vor­na­men Pytha­go­ras. Und er ist lei­der vor vier Jah­ren an einem Aneu­rys­ma im Kopf gestor­ben. Jetzt an sei­nem 12. Geburts­tag erhält Albert über­ra­schend ein Geschenk von ihm: “Also, Al. Das ist für dich. Von dei­nem Vater.” Ich bin sprach­los. “Wir haben es nach sei­nem Tod in sei­nen Sachen gefun­den. Er muss den Brief schon vor Ewig­kei­ten geschrie­ben haben.” […] “Was steht drin?”, fra­ge ich schließ­lich. “Ich weiß es nicht. Der Brief ist an dich per­sön­lich adres­siert. Und du soll­test ihn ver­trau­lich behan­deln.” Sie macht eine Pau­se. “Und mit nie­man­dem dar­über spre­chen.” (Zitat aus “Zeit­rei­se mit Hams­ter” S.17) Albert darf ihn auch erst nach 16 Stun­den Ross Welford Zeitreise mit Hamsteröff­nen. Dar­in offen­bart sein Vater ihm ein paar ganz beson­de­re Erklä­run­gen. Und zwar hat er eine Zeit­ma­schi­ne erfun­den! Und er braucht Alberts Hil­fe: “Denn wenn Du mei­nen Anwei­sun­gen folgst und wenn Du so mutig und klug bist, wie ich glau­be, dann kannst Du mei­nen Tod ver­hin­dern. […] Du wirst ler­nen, wie man in der Zeit reist, Al.” (Zitat S.36ff) Dum­mer­wei­se befin­det sich jene Maschi­ne wohl in dem alten Haus, in dem sie frü­her gewohnt haben, ehe Alberts Mut­ter einen neu­en Mann ken­nen­lern­te und sie zu ihm und sei­ner (ner­vi­gen) Toch­ter Car­ly zogen. Albert muss dort also ein­bre­chen und in den ehe­ma­li­gen (Luft­schutz-) Bun­ker dar­un­ter, der von der Fami­lie, die jetzt dort wohnt, glück­li­cher­wei­se nicht genutzt wird. Doch stimmt das, was sein Vater geschrie­ben hat, tat­säch­lich? Kann man wirk­lich in eine ande­re Zeit rei­sen? Sicher­heits­hal­ber nimmt Albert sei­nen Hams­ter mit, um das Gan­ze mit die­sem erst mal zu tes­ten…

Zeit­rei­se mit Hams­ter” besticht durch ein sehr gelun­ge­nes Cover und der gel­be Schnitt ist echt cool! Es wird durch­ge­hend aus Alberts Per­spek­ti­ve berich­tet. Er spricht wäh­rend des Buches aber auch immer wie­der die Leser an und man merkt — er erzählt sei­ne Geschich­te: “Denkt dar­an, dass ich zu die­sem Zeit­punkt noch kei­nen blas­sen Schim­mer von der Sache mit der Zeit­ma­schi­ne hat­te.” (Zitat S.30) und “Ich erzäh­le euch jetzt mal ein biss­chen von der Welt-schlimms­ten-Stief­schwes­ter, weil sie in der Geschich­te eine grö­ße­re Rol­le spie­len wird.” (Zitat S.100) Das macht neu­gie­rig und lie­fert einen schö­nen Erzähl­rah­men. Ross Welford Zeitreise mit HamsterDer Roman star­tet mit einem Pro­log, bei dem bereits der ers­te Satz einen inter­es­san­ten Ein­stieg bie­tet: “Mein Dad ist zwei­mal gestor­ben. Ein­mal mit neun­und­drei­ßig und noch ein­mal vier Jah­re spä­ter mit zwölf. (Zitat S.5) In Kapi­tel eins wird eben­falls ein span­nen­des Ereig­nis geschil­dert, auf das der Haupt­teil dann erst zusteu­ert (“Eine Woche vor­her”). Es ist der Ein­bruch in das ehe­ma­li­ge Haus sei­ner Fami­lie: “Auf dem Tisch steht eine Zink­wan­ne, in der man einen Hund oder so baden wür­de. Dar­in befin­det sich ein alter Apple-Lap­top, die­ser wei­ße und eine Com­pu­ter­maus. Vom Com­pu­ter führt eine Lei­tung zu einem schwar­zen Metall­kas­ten in der Grö­ße eines Taschen­buchs, aus dem zwei ein Meter lan­ge Kabel kom­men, die selt­sa­me Grif­fe an den Enden haben. […] Das kann ja wohl kaum Dads Zeit­ma­schi­ne sein. Ist sie aber. Und das Ver­rück­te dar­an? Sie funk­tio­niert.” (Zitat S.10ff) Albert selbst ist ein sehr lie­bens­wür­di­ger Cha­rak­ter, ein biss­chen naiv wir­kend, manch­mal, aber sehr intel­li­gent und orga­ni­siert vor­ge­hend. Bei­spiels­wei­se fügt er in den Erzähl­text immer wie­der Lis­ten mit 10 Punk­ten ein, in denen er sein Wis­sen über eine bestimm­te Per­son mit sei­nen Lesern teilt: “Zehn Din­ge, die ich über…weiß”. Das lockert die Geschich­te auf und fes­tigt die Authen­ti­zi­tät der Prot­ago­nis­ten. Und da sind wirk­lich ein paar außer­ge­wöhn­li­che Cha­rak­te­re dabei, wie zum Bei­spiel der medi­tie­ren­de und schwar­ze Rocker­stie­fel tra­gen­de Groß­va­ter mit den indi­schen Wur­zeln, der immer Quiz­sen­dun­gen im FernsRoss Welford Zeitreise mit Hamsterehen sieht und meist alle Ant­wor­ten kennt. Die Spra­che ist locker und unkom­pli­ziert und pas­send für die Ziel­grup­pe: “Das Ding ist näm­lich, dass ich auf St. Eddies kei­ne Freun­de habe. Das liegt aber nicht an der Schu­le, eher an mei­nem Leben all­ge­mein. Nicht dass ich kei­ne Leu­te mag oder mich alle doof fin­den. Doch selbst wenn sie nett sind, schau­en sie durch mich durch. Zum Glück bin ich gern für mich, sonst wäre ich wirk­lich trau­rig.” (Zitat S.24ff) Auch wenn die ers­ten 100 Sei­ten mei­ner Mei­nung nach noch etwas gestraff­ter hät­ten erzählt wer­den kön­nen, reißt einen die Geschich­te letzt­end­lich doch irgend­wie mit. Vor allem gegen Ende wird es super­dra­ma­tisch!!

Zeit­rei­se­ge­schich­ten gibt es im Kin­der- und Jugend­buch jede Men­ge, beson­ders gut für Jungs geeig­net sind zum Bei­spieLesealternativenl “Die Time Cat­cher” von Richard Ungar, “Jack Mor­row und das Grab der Zeit ” von Niel Bush­nell (hier ist auch das The­ma Mob­bing dabei, so wie in “Zeit­rei­se mit Hams­ter”) und die “Jake Djo­nes”-Rei­he von Dami­an Dib­ben. Oder lies die “Das Buch der Zeit”-Rei­he von Guil­lau­me Pré­vost, in dem die Mut­ter ver­stor­ben und der Vater ver­schwun­den ist. In “Nächs­ter Halt: Zukunft” von Jean-Michel Payet ent­deckt der Prot­ago­nist Emil die Zeit­ma­schi­ne sei­nes Opas und reist unge­wollt in die Zukunft. Zeit­rei­se­ge­schich­ten für Mäd­chen sind zum Bei­spiel die sehr bekann­te “Edel­stein”-Tri­lo­gie von Kers­tin Gier (Band 1: “Rubin­rot”, Band 2: “Saphir­b­lau” und Band 3: “Sma­ragd­grün”). Oder lies das höchst amü­san­te Wie ich in High Heels durch die Zeit stol­per­te” von Man­dy Hub­bard (mit Witz und Tief­gang). Es gibt von Ross Wel­ford übri­gens noch ein wei­te­res Buch “Was du nie­mals tun sol­lest, wenn du unsicht­bar bist”Die­ses ist eben­falls herr­lich komisch und wird ab 12 Jah­ren emp­foh­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-62237-6
Erscheinungsdatum: 31.Januar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€ 
Seitenzahl: 368 
Übersetzer: Petra Knese
Originaltitel: "Time travelling with a hamster" 
Originalverlag: Harper Collins

Britisches Originalcover:
Ross Welford Zeitreise mit Hamster

Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Britisches Cover: Homepage von Harper Collins

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