Ross Welford — Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bist

Ross Welford - Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bist31.Januar 2018

Der bri­ti­sche Autor Ross Wel­ford legt mit “Was du nie­mals tun soll­test, wenn du unsicht­bar bist” ein neu­es Buch vor. Über das Pro­blem plötz­lich unsicht­bar zu sein und die gleich­zei­ti­ge Chan­ce dabei. Schräg, humor­voll und mit einem wun­der­bar locker-flo­cki­gen Erzähl­ton geschrie­ben. Ein Roman, der wirk­lich Spaß zu lesen macht und gleich­zei­tig erns­te The­men anspricht. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Whit­ley Bay. Eine Stadt an der Nord­ost­küs­te Eng­lands. Hier lebt Esther mit ihrer Groß­mut­ter. Ihr Vater hat die Fami­lie ver­las­sen, als sie noch klein war. Ihre Mut­ter ist an Krebs gestor­ben, als sie drei Jah­re alt war. Jetzt ist sie zwölf und hat ein Gesicht vol­ler fie­ser Pickel, die ein­fach nicht weg­ge­hen wol­len. “Die Akne hat vor etwa einem Jahr mit einem klei­nen Pickel auf der Stirn ange­fan­gen. Ich stel­le mir oft vor, dass es die Vor­hut der Akne-Armee war. Der Spä­her hat dem Haupt­quar­tier Mel­dung erstat­tet, und inner­halb von ein paar Wochen hat­te ein gan­zes Regi­ment von Pus­teln und Mit­es­sern mein Gesicht ein­ge­nom­men, und nichts, was ich tat, konn­te sie zurück­schla­gen.” (Zitat aus “Was du nie­mals tun soll­test, wenn du unsicht­bar bist” S.19) In der Schu­le wird Esther des­halb von den bösen Knight-Zwil­lin­gen geär­gert, wes­halb sie alles Mög­li­che tut, um ihre Pickel end­lich los­zu­wer­den. Momen­tan tes­tet sie eine ganz beson­de­re Metho­de. Sie hat Ross Welford - Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bistsich im Inter­net Dr Changs Haut-So-Klar bestellt, ein Pul­ver, das man sich zu einer Art kal­tem Tee zusam­men­rührt. Ein wider­li­ches Getränk, das den Geruch von Pil­zen hat und das so schmeckt “…wie ich mir den Geschmack von Wür­mern vor­stel­le.” (Zitat S.56ff) Am Abend zuvor hat Esther sich ein wenig zu viel davon ein­ver­leibt und sich am nächs­ten Tag dann noch auf die alte Son­nen­bank gelegt, die sie vor ihrer Groß­mut­ter heim­lich in der Gara­ge ver­steckt hält und die sie bei einem Räu­mungs­ver­kauf aus Net­tig­keit von der Besit­ze­rin über­las­sen bekom­men hat­te: “Alt und etwas kaputt”, sag­te Lin­da und rieb über einen Krat­zer im Deckel. “Geht aber noch. Wir dür­fen sie nur nicht mehr im Geschäft benut­zen. Neue Vor­schrif­ten. Ver­kau­fen dür­fen wir sie auch nicht. Mor­gen kommt das Teil auf den Müll.” (Zitat S.37) Das schwe­re Teil nach Hau­se zu tra­gen, dabei hat ihr Elli­ot, ihr unbe­lieb­ter Mit­schü­ler, gehol­fen, den kei­ner so rich­tig mag und der sich aus irgend­ei­nem Grund wie eine Klet­te an Esther gehef­tet hat und unbe­dingt mit ihr befreun­det sein will. Doch als das Mäd­chen nach dem Bad auf der Son­nen­bank nach ihrem Han­dy grei­fen will, geschieht das Unfass­ba­re: sie merkt, dass sie auf ein­mal unsicht­bar gewor­den ist! “Die­sen Augen­blick wer­de ich mein Leben lang nicht ver­ges­sen. Es ist eigen­ar­tig und beängs­ti­gend und wahn­sin­nig schwer zu beschrei­ben, aber ich wer­de mein Bes­tes geben. Zuerst fällt mir gar nicht auf, dass ich unsicht­bar bin. Dann aber schon.” (Zitat S.10) Zum Glück lässt die Unsicht­bar­keit nach ein paar Stun­den wie­der nach, aber in der Zwi­schen­zeit ist viel gesche­hen und Esther, die von den bösen Knight-Zwil­lin­gen plötz­lich erpresst wird und Elli­ot — der eigent­lich doch nicht so übel ist — unge­wollt vor den Kopf stößt, erkennt, dass sie noch ein­mal unsicht­bar wer­den muss, um das Ruder her­um­zu­rei­ßen. Mit Hil­fe des ekli­gen Tees und der Son­nen­bank ver­schwin­det sie erneut von der Bild­flä­che, um bald dar­auf abso­lu­tes Cha­os anzu­rich­ten und neben­bei einem Fami­li­en­ge­heim­nis auf die Spur zu kom­men…

Ross Welford - Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bistDas Cover von “Was du nie­mals tun soll­test, wenn du unsicht­bar bist” ist wie­der — wie ich fin­de — rich­tig schön gelun­gen. Knall­gelb und mit vie­len wich­ti­gen Bild­ele­men­ten, die auch im Buch eine Rol­le spie­len. Dazu der knal­li­ge, blaue Schnitt — abso­lut pas­send. Der Roman ist durch­ge­hend aus Esthers Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Hier­bei wird ein Erzähl­stil ver­wen­det, bei dem das Mäd­chen den Leser zuwei­len auch direkt anspricht: “Ihr sollt erfah­ren, wie ich unsicht­bar gewor­den bin und was ich sonst noch alles raus­ge­fun­den habe. Doch vor­her braucht ihr noch ein paar “Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen”, wie mein Leh­rer Mr Par­ker es nen­nen wür­de.” (Zitat S.15) und “Wir sind immer noch bei den Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und ihr seid noch dabei. Gut so.” (Zitat S.21) Das wirkt zunächst noch etwas unge­wohnt, passt aber ein­fach zum locke­ren, leicht süf­fi­san­ten Unter­ton der Geschich­te — eben­so wie die Auf­lis­tun­gen oder fett­ge­druck­ten Ein­schü­be zwi­schen den Kapi­teln: Geständ­nis­se oder War­nun­gen oder detail­lier­ten Aus­füh­run­gen wie z.B. “Was ich gegen die Akne aus­pro­biert habe” (eine 11-Punk­te-Lis­te). Die Erzähl­art lie­fert dadurch auch inter­es­san­te Andeu­tun­gen, die neu­gie­rig machen:Iro­ni­scher­wei­se soll­te die­ses Foto noch dra­ma­ti­sche Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen.” (Zitat S.50) und “Ich hät­te ihn wei­ter­hin igno­riert, wenn er nicht eine Rol­le in den nun kom­men­den Ereig­nis­sen gespielt hät­te.…” (Zitat S.23) Für mich hat “Was du nie­mals tun soll­test, wenn du unsicht­bar bist” alles, was ein gutes Buch braucht. Es hat zwei fie­se Böse­wich­te, berich­tet über eine ent­ste­hen­de Freund­schaft und der Suche nach der eige­nen Iden­ti­tät. Es ist mit Witz und Esprit erzählt, aber auch mit Ernst­haf­tig­keit (als Esther wegen ihrer Mut­ter trau­rig ist) und Tief­gang. Und man wird mühe­los im Lese­fluss gehal­ten, weil die Geschich­te eigent­lich kei­nen Moment hat, in dem man sich irgend­wie lang­wei­len könn­te.

Fazit: Ein wun­der­schö­ner, herr­li­cher Lese-Spaß!

Dir gefällt “Was du nie­mals tun soll­test, wenn du unsicht­bar bist”? Dann liesLesealternativen unbe­dingt noch das ers­te Buch von Ross Wel­ford: “Zeit­rei­se mit Hams­ter”. Die Bücher haben bei­de nichts mit­ein­an­der zu tun und sind kom­plett eigen­stän­di­ge Geschich­ten. “Zeit­rei­se mit Hams­ter” ist aus der Sicht eines Jun­gen geschrie­ben und bereits ab 10 Jah­ren zu lesen. Du magst humor­vol­le Bücher mit Tief­gang? Dann schau dir doch mal “Die Köni­gin­nen der Würst­chen” von Clé­men­ti­ne Beau­vais an oder “Ver­wünscht und zuge­näht” von Man­dy Hub­bard. In bei­den Titeln geht es eben­so um die Suche nach der eige­nen Iden­ti­tät. Eine gute inhalt­li­che Alter­na­ti­ve ist auch Plötz­lich unsicht­bar” von Liz Kess­ler. Über Freund­schaft und eine gewis­se Art der Unsicht­bar­keit geht es auch in dem Buch “Das unsicht­ba­re Mäd­chen” von Cha­ris Cot­ter, das ich sehr gelun­gen fand. 

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-62238-3
Erscheinungsdatum: 16.Januar 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€ 
Seitenzahl: 384 
Übersetzer: Petra Knese, Nora Lachmann
Originaltitel: "What not to do if you turn invisible"
Originalverlag: Harper Collins

Britischer Originalcover: 
Ross Welford - Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bist

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Britisches Cover: Homepage von Ross Welford

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