Dass der britische Autor Ross Welford mit seinem neusten Roman “Der Hund, der die Welt rettet” in Zeiten von Corona ein höchst aktuelles Thema trifft, hätte er letztes Jahr, als das Buch bereits im Englischen erschien, wohl nicht gedacht. Nun wurde das Buch im Deutschen Anfang des Jahres veröffentlicht und ist gerade für Kinder ideal um sich mit der Virus-Thematik auseinanderzusetzen. Eine Geschichte über einen sich plötzlich verbreitenden Hunde-Virus, eine verrückte Wissenschaftlerin und zwei Jugendliche, die durch Zeitreise nichts Geringeres versuchen als eben mal die ganze Welt zu retten. Eine turbulente, äußerst unterhaltsame Lektüre, die mit Ernsthaftigkeit und Humor vor allem eines gibt, etwas das Kinder und Jugendliche jetzt brauchen — Hoffnung! Und der Glaube, dass — zumindest zwischen zwei Buchdeckeln — mal alles gut ausgehen kann. Der vierte — und für mich zugleich beste Roman des Autoren. Zu empfehlen ab 10 Jahren und für interessierte Erwachsene.
Als die 11-jährige Georgie von ihrem Vater eines Tages einen Hund, dessen Alter und Rasse nicht wirklich bekannt ist, geschenkt bekommt, verliebt sie sich sofort: “Mister Masch hat zotteliges Fell — grau, braun und weiß — und Schlappohren. Und so ein süßes, aufgewecktes Gesicht wie ein Schnauzer; große liebe Augen und einen kräftigen, sehr wedelfreudigen Schwanz wie ein Labroador. Sprich, er ist ein Mischmasch.” (Zitat aus “Der Hund, der die Welt rettet S.7) Eigentlich wollte Georgie ihn tatsächlich “Mischmasch” nennen, aber weil alle anderen
“Miss Masch” verstanden haben und der Hund nun mal ein Rüde ist, wurde er schließlich “Mister Masch” genannt. Er stammt aus dem Sankt Bello, einem Tierheim, das sich in einer ehemaligen Kirche befindet. Doch als Jessica, die Freundin ihres Vaters, eine Hundeallergie entwickelt, muss Mister Masch genau dorthin wieder zurück. Ins Tierheim. “Mister Masch landete wieder im Sankt Bello. Und das einzig Gute ist, dass er noch da ist. Der Pfarrer erlaubt mir auch, ihn jederzeit zu besuchen. Ich arbeite jetzt nämlich ehrenamtlich im Sankt Bello.” (Zitat S.22) Auf einem seiner Spaziergänge am Strand, bei denen nicht nur Mister Masch mit von der Partie ist, sondern auch Ramzy, Georgies bester Freund, machen sie unerwartet die Bekanntschaft mit einer älteren Frau namens Dr. Pretorius. Mister Masch stiehlt ihr die Badekappe. Die Wissenschaftlerin lädt sie daraufhin zu sich in ihr Haus ein, unter größter Geheimhaltung: Niemandem dürfen sie von dem Treffen erzählen. Allerlei ominöse Gerätschaften verbergen sich in dem Gebäude. Auch hat Dr. Pretorius
merkwürdige Helme gebaut, mit denen man virtuelle Welten entdecken kann, die sie gleich mal an den Kindern ausprobiert: “Nachdem Dr. Pretorius noch mal die Helme kontrolliert hat, klappt sie einen gebogenen Stahlbügel herunter, der sich wie ein Visier vor die Augen schiebt. “Das ist der 3‑D-Generator”, sagt sie. “Am Anfang blendet es ein wenig. Und wahrscheinlich kribbelt es auch auf der Kopfhaut, aber kümmert euch nicht drum.” Ramzy sagt: “Das ist ja wie im Virtuellen Erlebnisraum in Disneyland!” (Zitat S.33) Doch angeblich hat sie noch eine ganz andere bahnbrechende Erfindung auf Lager — eine Reise in die Zukunft mit dem selben Helm! Georgie darf Versuchskaninchen spielen. Und landet schließlich nicht nur kurzzeitig in der Zukunft, sondern hinterher auch mit starken Kopfschmerzen im Krankenhaus. Als dann jedoch ein Hundevirus überraschend weltweit ausbricht, ist klar, Georgie muss erneut in die Zukunft reisen, um ihren geliebten Mister Masch zu retten. Und vielleicht sogar die ganze Welt, da der Virus bereits auf den Menschen
überzuspringen droht…
Das Cover hat ganz klaren Wiedererkennungswert zu den drei Vorgängertiteln (alle unabhängig voneinander zu lesen). Die Geschichte beginnt mit einem kurzen Blick in die Zukunft und einem “Auftakt”, in dem Mister Masch vorgestellt wird und schließlich dem ersten von vier Teilen des Buches. Schon gleich zu Anfang wird Folgendes verraten: “Aber ohne Mister Masch gäbe es die Welt jetzt vielleicht nicht mehr. Kein Witz.” (Zitat S.8) Der Autor hat einen lockeren, einfachen Erzählstil und eine sehr angenehme Art zu unterhalten. Und was mir am besten gefällt — er schafft einen schönen Erzählrahmen. Oft gibt es zeitliche Sprünge, aber stets nimmt er den Leser an die Hand, lässt beispielsweise ein Kapitel mit einem Cliffhanger enden: “Denn in dieser Woche geht alles schief. In dieser Woche erfahren wir alle von der Seuche.” (Zitat S.58) und führt dann im nächsten Kapitel gleich noch ein paar Hintergrundinformationen hierzu an: “Erst mal muss ich aber von Sankt Bello erzählen…” (Zitat S.59) So ergeben sich immer mehr
die Zusammenhänge und man wird wunderbar durch die Handlung geführt. Auch spricht die Ich-Erzählerin Georgie ihre Leser oft direkt an: “Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass…” (S.64), was den Leser noch näher ins Geschehen hineinzieht. Gerade die zahlreichen Andeutungen sorgen für unheimlich viel Spannung und lassen einen rasch über die Seiten fliegen: “Eine fiese Bemerkung von Sass Hennessey führte dazu, dass sechs Monate später fast die Welt unterging. Und wenn ihr jetzt denkt, ich übertreibe, lasst es mich erklären. Also, bis vor Kurzem waren noch alle Hunde in Sankt Bello gesund. Aber jetzt… jetzt nicht mehr. Und das ist alles meine Schuld.” (Zitat S.66) Die Virenthematik wird erst allmählich in der Geschichte aufgegriffen, am Anfang konzentriert sich noch vieles auf die Arbeit im Tierheim, Mister Masch und die verrückte Wissenschaftlerin Dr. Pretorius. Doch dann wird es allmählich ernster: “Ich muss gestehen, dass ich mir nicht als Erstes Sorgen wegen einer tödlichen Krankheit machte, denn es hatte schon des Öfteren Alarm gegeben. Doch da war es sc
hon wieder: CBE. Erst hört man nie davon und dann auf einmal ist es in aller Munde” (Zitat S.86) Das Buch zeigt jedoch auch, wie Kinder auf solch eine Situation erst einmal reagieren können: “Meine erste Reaktion war total egoistisch. “Und was ist mit [dem Urlaub in] Spanien?” (Zitat S.86) Und auch wenn die Situation sich immer mehr zuspitzt und viele Details der sich auf der Welt verschlechternden Zustände beschrieben wird — interessanterweise ist es auch China, wo der Virus das erste Mal entdeckt wird! — so nimmt auch hier der Autor seine Leser an die Hand und warnt beispielsweise am Anfang eines Kapitels, was nun kommen wird: “Wenn ihr zartbesaitet seid, solltet ihr diesen Teil lieber überspringen, denn es kommen tote Hunde darin vor.” (Zitat S.161) Am Ende wird es noch einmal richtig dramatisch, bis sich dann alles schön fügt und man weiß — die Welt ist wieder in Ordnung;-)
Fazit: Für mich ist “Der Hund, der die Welt rettet” eines seiner besten Bücher und hat mich sehr gut unterhalten!
Dir gefällt Ross Welfords Erzählstil? Dann lies unbedingt noch seine ersten drei Bücher, die völlig eigenständige Geschichten sind und nichts miteinander zu tun haben: “Zeitreise mit Hamster” (2017), “Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bist” (2
018) und “Der 1000-jährige Junge” (2019). Du magst Hundegeschichten? Hier gibt es eine ganze Menge! Woran ich zuerst denken musste ist “Für immer Alaska” von Anna Woltz, hier entwickelt auch ein Familienmitglied eine Hundeallergie, womit der ganze Ärger erst beginnt. Zwei “Hunde”-Neuerscheinungen sind dieses Jahr “Völlig hundelos” von Jo Franklin und “Hilfe, ich will keinen Hund!” von Klaus Kordon. Ein Mädchen, das ihren Hund rettet, das findest du zudem in “Hundewinter” von K.A.Nuzum und in “Wunderhund” von Ingrid Lee. Ein Lottogewinn spielt nicht nur in “Der Hund, der die Welt rettet” eine Rolle, sondern auch in “Lottery Boy” von Michael Byrne. Etwas schräger und witziger sind “Ich — einfach tierisch” von Judith Le Huray und die “Quinn & Spencer”-Reihe von Hans-Jürgen Feldhaus. Etwas abenteuerlicher wird es in “Spider. Die große Reise eines kleine Hundes” von Andy Mulligan, in der “Chase”-Reihe von Linwood Barclay und in der “Survivor Dogs” von Erin Hunter.
Bibliografische Angaben:Verlag: Coppenrath ISBN: 978-3-649-63124-8 Erscheinungsdatum: 1.Januar 2020 Einbandart: Hardcover Preis: 16,00€ Seitenzahl: 368 Übersetzer: Petra Knese Originaltitel: "The dog who saved the world" Originalverlag: Harper Collins Britisches Originalcover:
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Deutscher Trailer zum Buch:
Trailer zum Buch (auf Englisch):
Kasimiras Bewertung:
(5 von 5 möglichen Punkten)
------------------------------------------ Britisches Cover: Homepage von Ross Welford


Verlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-63124-8
Erscheinungsdatum: 1.Januar 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 368
Übersetzer: Petra Knese
Originaltitel: "The dog who saved the world"
Originalverlag: Harper Collins
Britisches Originalcover: