Ross Welford — Der Hund, der die Welt rettet

Kasimira22.März 2020

Dass der bri­ti­sche Autor Ross Wel­ford mit sei­nem neus­ten Roman “Der Hund, der die Welt ret­tet” in Zei­ten von Coro­na ein höchst aktu­el­les The­ma trifft, hät­te er letz­tes Jahr, als das Buch bereits im Eng­li­schen erschien, wohl nicht gedacht. Nun wur­de das Buch im Deut­schen Anfang des Jah­res ver­öf­fent­licht und ist gera­de für Kin­der ide­al um sich mit der Virus-The­ma­tik aus­ein­an­der­zu­set­zen. Eine Geschich­te über einen sich plötz­lich ver­brei­ten­den Hun­de-Virus, eine ver­rück­te Wis­sen­schaft­le­rin und zwei Jugend­li­che, die durch Zeit­rei­se nichts Gerin­ge­res ver­su­chen als eben mal die gan­ze Welt zu ret­ten. Eine tur­bu­len­te, äußerst unter­halt­sa­me Lek­tü­re, die mit Ernst­haf­tig­keit und Humor vor allem eines gibt, etwas das Kin­der und Jugend­li­che jetzt brau­chen — Hoff­nung! Und der Glau­be, dass — zumin­dest zwi­schen zwei Buch­de­ckeln — mal alles gut aus­ge­hen kann. Der vier­te — und für mich zugleich bes­te Roman des Autoren. Zu emp­feh­len ab 10 Jah­ren und für inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Als die 11-jäh­ri­ge Geor­gie von ihrem Vater eines Tages einen Hund, des­sen Alter und Ras­se nicht wirk­lich bekannt ist, geschenkt bekommt, ver­liebt sie sich sofort: Mis­ter Masch hat zot­te­li­ges Fell — grau, braun und weiß — und Schlapp­oh­ren. Und so ein süßes, auf­ge­weck­tes Gesicht wie ein Schnau­zer; gro­ße lie­be Augen und einen kräf­ti­gen, sehr wedel­freu­di­gen Schwanz wie ein Lab­roador. Sprich, er ist ein Misch­masch.” (Zitat aus “Der Hund, der die Welt ret­tet S.7) Eigent­lich woll­te Geor­gie ihn tat­säch­lich “Misch­masch” nen­nen, aber weil alle ande­ren Kasimira“Miss Masch” ver­stan­den haben und der Hund nun mal ein Rüde ist, wur­de er schließ­lich “Mis­ter Masch” genannt. Er stammt aus dem Sankt Bel­lo, einem Tier­heim, das sich in einer ehe­ma­li­gen Kir­che befin­det. Doch als Jes­si­ca, die Freun­din ihres Vaters, eine Hun­de­all­er­gie ent­wi­ckelt, muss Mis­ter Masch genau dort­hin wie­der zurück. Ins Tier­heim. “Mis­ter Masch lan­de­te wie­der im Sankt Bel­lo. Und das ein­zig Gute ist, dass er noch da ist. Der Pfar­rer erlaubt mir auch, ihn jeder­zeit zu besu­chen. Ich arbei­te jetzt näm­lich ehren­amt­lich im Sankt Bel­lo.” (Zitat S.22) Auf einem sei­ner Spa­zier­gän­ge am Strand, bei denen nicht nur Mis­ter Masch mit von der Par­tie ist, son­dern auch Ram­zy, Geor­gi­es bes­ter Freund, machen sie uner­war­tet die Bekannt­schaft mit einer älte­ren Frau namens Dr. Pre­to­ri­us. Mis­ter Masch stiehlt ihr die Bade­kap­pe. Die Wis­sen­schaft­le­rin lädt sie dar­auf­hin zu sich in ihr Haus ein, unter größ­ter Geheim­hal­tung: Nie­man­dem dür­fen sie von dem Tref­fen erzäh­len. Aller­lei omi­nö­se Gerät­schaf­ten ver­ber­gen sich in dem Gebäu­de. Auch hat Dr. Pre­to­ri­us Kasimiramerk­wür­di­ge Hel­me gebaut, mit denen man vir­tu­el­le Wel­ten ent­de­cken kann, die sie gleich mal an den Kin­dern aus­pro­biert“Nach­dem Dr. Pre­to­ri­us noch mal die Hel­me kon­trol­liert hat, klappt sie einen gebo­ge­nen Stahl­bü­gel her­un­ter, der sich wie ein Visier vor die Augen schiebt. “Das ist der 3‑D-Gene­ra­tor”, sagt sie. “Am Anfang blen­det es ein wenig. Und wahr­schein­lich krib­belt es auch auf der Kopf­haut, aber küm­mert euch nicht drum.” Ram­zy sagt: “Das ist ja wie im Vir­tu­el­len Erleb­nis­raum in Dis­ney­land!” (Zitat S.33) Doch angeb­lich hat sie noch eine ganz ande­re bahn­bre­chen­de Erfin­dung auf Lager — eine Rei­se in die Zukunft mit dem sel­ben Helm! Geor­gie darf Ver­suchs­ka­nin­chen spie­len. Und lan­det schließ­lich nicht nur kurz­zei­tig in der Zukunft, son­dern hin­ter­her auch mit star­ken Kopf­schmer­zen im Kran­ken­haus. Als dann jedoch ein Hun­de­vi­rus über­ra­schend welt­weit aus­bricht, ist klar, Geor­gie muss erneut in die Zukunft rei­sen, um ihren gelieb­ten Mis­ter Masch zu ret­ten. Und viel­leicht sogar die gan­ze Welt, da der Virus bereits auf den Men­schen Kasimiraüber­zu­sprin­gen droht…

Das Cover hat ganz kla­ren Wie­der­erken­nungs­wert zu den drei Vor­gän­ger­ti­teln (alle unab­hän­gig von­ein­an­der zu lesen). Die Geschich­te beginnt mit einem kur­zen Blick in die Zukunft und einem “Auf­takt”, in dem Mis­ter Masch vor­ge­stellt wird und schließ­lich dem ers­ten von vier Tei­len des Buches. Schon gleich zu Anfang wird Fol­gen­des ver­ra­ten: “Aber ohne Mis­ter Masch gäbe es die Welt jetzt viel­leicht nicht mehr. Kein Witz.” (Zitat S.8) Der Autor hat einen locke­ren, ein­fa­chen Erzähl­stil und eine sehr ange­neh­me Art zu unter­hal­ten. Und was mir am bes­ten gefällt — er schafft einen schö­nen Erzähl­rah­men. Oft gibt es zeit­li­che Sprün­ge, aber stets nimmt er den Leser an die Hand, lässt bei­spiels­wei­se ein Kapi­tel mit einem Cliff­han­ger enden: “Denn in die­ser Woche geht alles schief. In die­ser Woche erfah­ren wir alle von der Seu­che.” (Zitat S.58) und führt dann im nächs­ten Kapi­tel gleich noch ein paar Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen hier­zu an: “Erst mal muss ich aber von Sankt Bel­lo erzäh­len…” (Zitat S.59) So erge­ben sich immer mehr Kasimiradie Zusam­men­hän­ge und man wird wun­der­bar durch die Hand­lung geführt. Auch spricht die Ich-Erzäh­le­rin Geor­gie ihre Leser oft direkt an: “Ihr könnt euch sicher vor­stel­len, dass…” (S.64), was den Leser noch näher ins Gesche­hen hin­ein­zieht. Gera­de die zahl­rei­chen Andeu­tun­gen sor­gen für unheim­lich viel Span­nung und las­sen einen rasch über die Sei­ten flie­gen: Eine fie­se Bemer­kung von Sass Hen­nes­sey führ­te dazu, dass sechs Mona­te spä­ter fast die Welt unter­ging. Und wenn ihr jetzt denkt, ich über­trei­be, lasst es mich erklä­ren. Also, bis vor Kur­zem waren noch alle Hun­de in Sankt Bel­lo gesund. Aber jetzt… jetzt nicht mehr. Und das ist alles mei­ne Schuld.” (Zitat S.66) Die Viren­the­ma­tik wird erst all­mäh­lich in der Geschich­te auf­ge­grif­fen, am Anfang kon­zen­triert sich noch vie­les auf die Arbeit im Tier­heim, Mis­ter Masch und die ver­rück­te Wis­sen­schaft­le­rin Dr. Pre­to­ri­us. Doch dann wird es all­mäh­lich erns­ter: Ich muss geste­hen, dass ich mir nicht als Ers­tes Sor­gen wegen einer töd­li­chen Krank­heit mach­te, denn es hat­te schon des Öfte­ren Alarm gege­ben. Doch da war es scKasimirahon wie­der: CBE. Erst hört man nie davon und dann auf ein­mal ist es in aller Mun­de” (Zitat S.86) Das Buch zeigt jedoch auch, wie Kin­der auf solch eine Situa­ti­on erst ein­mal reagie­ren kön­nen: “Mei­ne ers­te Reak­ti­on war total ego­is­tisch. “Und was ist mit [dem Urlaub in] Spa­ni­en?” (Zitat S.86) Und auch wenn die Situa­ti­on sich immer mehr zuspitzt und vie­le Details der sich auf der Welt ver­schlech­tern­den Zustän­de beschrie­ben wird — inter­es­san­ter­wei­se ist es auch Chi­na, wo der Virus das ers­te Mal ent­deckt wird! — so nimmt auch hier der Autor sei­ne Leser an die Hand und warnt bei­spiels­wei­se am Anfang eines Kapi­tels, was nun kom­men wird: “Wenn ihr zart­be­sai­tet seid, soll­tet ihr die­sen Teil lie­ber über­sprin­gen, denn es kom­men tote Hun­de dar­in vor.” (Zitat S.161) Am Ende wird es noch ein­mal rich­tig dra­ma­tisch, bis sich dann alles schön fügt und man weiß — die Welt ist wie­der in Ord­nung;-)

Fazit: Für mich ist “Der Hund, der die Welt ret­tet” eines sei­ner bes­ten Bücher und hat mich sehr gut unter­hal­ten!

Dir gefällt Ross Wel­fords Erzähl­stil? Dann lies unbe­dingt noch sei­ne ers­ten drei Bücher, die völ­lig eigen­stän­di­ge Geschich­ten sind und nichts mit­ein­an­der zu tun haben: “Zeit­rei­se mit Hams­ter” (2017), “Was du nie­mals tun soll­test, wenn du unsicht­bar bist” (2Lesealternativen018) und “Der 1000-jäh­ri­ge Jun­ge” (2019). Du magst Hun­de­ge­schich­ten? Hier gibt es eine gan­ze Men­ge! Wor­an ich zuerst den­ken muss­te ist “Für immer Alas­ka” von Anna Woltz, hier ent­wi­ckelt auch ein Fami­li­en­mit­glied eine Hun­de­all­er­gie, womit der gan­ze Ärger erst beginnt. Zwei “Hunde”-Neuerscheinungen sind die­ses Jahr “Völ­lig hun­de­los” von Jo Fran­k­lin und “Hil­fe, ich will kei­nen Hund!” von Klaus Kor­don. Ein Mäd­chen, das ihren Hund ret­tet, das fin­dest du zudem in “Hun­de­win­ter” von K.A.Nuzum und in “Wun­der­hund” von Ingrid Lee. Ein Lot­to­ge­winn spielt nicht nur in “Der Hund, der die Welt ret­tet” eine Rol­le, son­dern auch in “Lot­te­ry Boy” von Micha­el Byr­ne. Etwas schrä­ger und wit­zi­ger sind “Ich — ein­fach tie­risch” von Judith Le Huray und die “Quinn & Spen­cer”-Rei­he von Hans-Jür­gen Feld­haus. Etwas aben­teu­er­li­cher wird es in “Spi­der. Die gro­ße Rei­se eines klei­ne Hun­des” von Andy Mul­ligan, in der “Cha­se”-Rei­he von Lin­wood Bar­clay und in der “Sur­vi­vor Dogs” von Erin Hun­ter.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-63124-8
Erscheinungsdatum: 1.Januar 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 368
Übersetzer: Petra Knese
Originaltitel: "The dog who saved the world"
Originalverlag: Harper Collins

Britisches Originalcover:
Kasimira










Deutscher Trailer zum Buch:
Trailer zum Buch (auf Englisch):

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Britisches Cover: Homepage von Ross Welford

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