Ross Welford — Das Kind vom anderen Stern

Kasimira5.Februar 2021

Der bri­ti­sche Autor Ross Wel­ford ver­sorgt sei­ne deut­schen Leser — pünkt­lich zu Beginn jeden Jah­res — wie­der mit einem neu­en Buch. “Das Kind vom ande­ren Stern” heißt sein aktu­el­les, in sich abge­schlos­se­nes Werk, das dies­mal nichts Gerin­ge­res als einen Außer­ir­di­schen mit ein­schließt. Ein ver­schwun­de­nes Mäd­chen und deren Zwil­lings­bru­der, der sich mit einem Kum­pel und des­sen dres­sier­ten Huhn auf die Suche nach sei­ner Schwes­ter macht und dabei einen ganz beson­de­ren Kon­takt knüpft. Ein schö­ner, humor­vol­ler, aben­teu­er­li­cher Lese­spaß für Jugend­li­che ab 10 Jahren.

Seit vier Tagen ist die zwölf­jäh­ri­ge Tama­ra, genannt Tam­my, bereits ver­schwun­den. Ihr Zwil­lings­bru­der Ethan macht sich gro­ße Vor­wür­fe. “Ich has­se dich!” Das ist das Letz­te, was ich zu Tam­my gesagt habe. Es will mir nicht mehr aus dem Kopf, natür­lich ist das Gegen­teil wahr. Mei­ne Zwil­lings­schwes­ter. Mei­ne “ande­re Hälf­te”, sagt Mam immer und da hat sie recht.” (Zitat S.37) An Hei­lig­abend waren die Geschwis­ter noch im Dorf unter­wegs und soll­ten im Auf­trag ihrer Eltern Kasimiraein paar Geschen­ke ver­tei­len. Doch sie hat­ten sich gestrit­ten, weil Ethan ein Kos­tüm dafür anzie­hen woll­te und Tam­my nicht. Sie ist ohne ihn los­ge­fah­ren. Und als er ihr nach­fol­gen woll­te, hat er nur noch ihr auf dem Boden lie­gen­des Fahr­rad im Wald gefun­den. Von Tam­my kei­ne Spur. Bald betei­ligt sich nicht nur die Poli­zei, son­dern auch das gan­ze Dorf an der Such­ak­ti­on. Doch nie­mand fin­det einen Hin­weis. Bis Ethan von sei­nem Mit­schü­ler Iggy eines Tages zum Angeln am Stau­see ein­ge­la­den wird und die­ser Ein­la­dung folgt, um sich ein wenig abzu­len­ken und die bei­den auf ein merk­wür­di­ges Phä­no­men sto­ßen: “Bevor wir da ankom­men, gibt es auf ein­mal die­se rie­si­ge Fon­tä­ne. So gigan­tisch, als hät­te jemand von der ande­ren Sei­te des Stau­sees aus gro­ßer Höhe ein Auto ins Was­ser geschleu­dert. Natür­lich ist es kein Auto. Und genau­so wenig glau­be ich in dem Moment, dass es ein unsicht­ba­res Ufo ist. Ich bin ja nicht Kasimiraver­rückt gewor­den. Aber es wird sich her­aus­stel­len, dass es genau das ist.” (Zitat S.22) Es ist unsicht­bar, doch sie kön­nen mit einem Laser­poin­ter des­sen Umris­se aus­ma­chen. Das Licht wird immer wie­der davon abge­lei­tet. Auch Stei­ne pral­len von dem unsicht­ba­ren Etwas ab. Doch plötz­lich stößt ihr Boot um und sie kön­nen sich gera­de noch so ans Ufer ret­ten. Iggy ver­letzt sich mit sei­ner Angel­schnur am Bein und blu­tet. Aber dann taucht wie aus dem Nichts plötz­lich ein außer­ir­di­sches Wesen auf“Irgend­wie ähnelt das Wesen einem Men­schen. Es hat zum Bei­spiel zwei Arme und zwei Bei­ne. Abge­se­hen von der lan­gen Mäh­ne auf dem Kopf ist der übri­ge Kör­per mit einem hel­len gräu­li­chen Flaum über­zo­gen, wie auf­ge­plus­tert. Hin­ten hat es einen lan­gen Schwanz, der sich geschmei­dig wie der einer Kat­ze bewegt.” (Zitat S.31) Das Wesen kann ihre Spra­che spre­chen. Es kann sogar mit einem lan­gen Stab Iggys blu­ti­ge Wun­de kom­plett hei­len. Und was noch viel unglaub­li­cher ist — esKasimira scheint eine Ahnung zu haben, wo Tam­my steckt. Denn das “Kind vom ande­ren Stern”, ein selt­sam stin­ken­des Wesen, das sich Hel­lyann nennt, ist auf Ret­tungs­mis­si­on. Nur dass dabei lei­der eini­ges schief gegan­gen ist…

Das Cover von “Das Kind vom ande­ren Stern” ist außer­ge­wöhn­lich schön gestal­tet und reiht sich optisch genau in das Design der (unab­hän­gi­gen) Vor­gän­ger­ti­tel ein, wobei ich fin­de, dass die­se wirk­lich her­vor­sticht. Wohin es ent­führt, das machen die Illus­tra­tio­nen mehr als deut­lich und auch das Anfangs­ka­pi­tel bereits. Denn nach einem kur­zen Zei­tungs­ar­ti­keln, in wel­chem von der Suche nach der ver­schwun­de­nen Tam­my berich­tet wird, knüpft direkt die Per­spek­ti­ve von Hel­lyann an, die sich auf ihrem Hei­mat­pla­ne­ten in dKasimiraer Aus­stel­lung “Erd­zo­ne” befin­det, und wie in einem Zoo, das neue Expo­nat, die Tam­my betrach­tet. Hin­ter Ihnen hat sich eine Schlan­ge gebil­det, auch ande­re wol­len das neue Expo­nat besich­ti­gen. Bean­spru­chen Sie nicht mehr als die Ihnen zuste­hen­de Zeit. Der Nächs­te.” Das Men­schen­mäd­chen sieht mir nach, dann zieht es sich in die hin­ters­te Ecke sei­nes Gehe­ges zurück und setzt sich auf den Boden. Da rücken auch schon zwei neue Besu­cher an.” (Zitat S.11) Doch Hel­lyann, der es sogar gelingt mit dem Expo­nat zu kom­mu­ni­zie­ren und ihren Namen zu erfah­ren und den ihres Bru­ders, will nicht ein­fach hin­neh­men, dass Tam­my nun für immer hier blei­ben muss. “Denn ich wer­de Ta-mii zur Erde zurück­brin­gen. Das wird gefähr­lich. Wenn ich schei­te­re, wer­de ich für den Rest mei­nes Lebens in den Tief­schlaf ver­setzt. Und wenn es mir gelingt? Dann wer­de ich es wahr­schein­lich fürs nächs­te Expo­nat wie­der tun mKasimiraüssen. Das ist der Fluch, wenn man Gefüh­le hat.” (Zitat S.12) Der Roman wird in vier Tei­len und aus zwei Per­spek­ti­ven erzählt: der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve von Ethan und der von Hel­lyann. Was mir immer beson­ders gut an den Büchern von Ross Wel­ford gefällt, ist nicht nur der unter­schwel­li­ge Humor, der einen beglei­tet, son­dern auch der schö­ne, rote Erzähl­fa­den. Man wird auf sehr ange­neh­me Art und Wei­se durch die Geschich­te manö­vriert. Es gibt Rück­blen­den, es gibt nähe­re Erklä­run­gen zu ein­zel­nen Per­so­nen, alles per­fekt cho­reo­gra­fiert und auf­ein­an­der abge­stimmt. Der Autor lässt sei­ne Figu­ren die Leser zuwei­len direkt selbst anspre­chen, um einen Erzähl­rah­men zu schaf­fen: “Umso schlim­mer, dass es mir nicht gelang, das Mäd­chen zu ret­ten, und ich schließ­lich allein zur Erde gereist bin. Ihr seht also, es ging schon mal gut los mit mei­ner Mis­si­on…” (Zitat S.79ff) Die Spra­che ist locker und sehr flüs­sig, die Figu­ren indi­vi­du­ell und cha­rak­ter­stark. Beson­ders Ein­blick in das Leben auf dem frem­denKasimira Pla­ne­ten der Ant­hallaner zu bekom­men, liest sich mit­un­ter höchst amü­sant: “Auto­mo­bi­le”, sag­te Mr Park, als eines mit einem Men­schen am Steu­er an uns vor­bei­brumm­te. “Es sind abge­wan­del­te Nach­bau­ten mit Sen­so­ren, aber nehmt euch trotz­dem in Acht, dass ihr nicht ange­fah­ren wer­det. Um euch klar­zu­ma­chen, wie pri­mi­tiv Men­schen sind, braucht ihr nur zwei Din­ge wis­sen: Sie essen ande­re Lebe­we­sen und ver­bren­nen Kraft­stof­fe für Trans­port und Wär­me­ge­win­nung.” Av neben mir schüt­tel­te den Kopf. “Unfass­bar!” (Zitat S.92) Das Leben dort scheint schon viel fort­ge­schrit­te­ner zu sein und die Bewoh­ner hal­ten sich um eini­ges intel­li­gen­ter als die Men­schen. Aller­dings kön­nen die Ant­hallaner kei­ne Gefüh­le emp­fin­den, oder zumin­dest die meis­ten von ihnen nicht. Wer­den von einer künst­li­chen Intel­li­genz, einem Men­tor, gelei­tet. Spaß haben, lachen, so etwas ken­nen sie nicht. Von der Span­nung her muss ich sagen, dass die­se nicht auf aller höchs­tem Niveau ist, erst gegen Ende spit­zen sich die Ereig­nis­se dann deut­lich zu. Aber eine schö­ne Bot­schaft ist in “Das Kind vom ande­ren Stern” ent­hal­ten — manch­mal lohnt es sich wirk­lich sein Bes­tes zu geben!

Übri­gens — auf der Home­page von Ross Wel­ford kannst du dir Fotos der Ori­gi­nal­schau­plät­ze des Buches anschau­en und erfah­ren, wie es tat­säch­lich mög­lich ist, Hüh­ner zu dressieren.

Dir gefällt Ross Wel­fords Erzähl­stil? Dann lies unbe­dingt noch sei­ne ande­ren Bücher. SeiLesealternativenne zwei bes­ten sind für mich “Der Hund, der die Welt ret­tet” (ein heim­li­cher Coro­na-Roman, der Hoff­nung macht!) und “Was du nie­mals tun soll­test, wenn du unsicht­bar bist”. Sein ers­tes Buch war “Zeit­rei­se mit Hams­ter”. Eben­falls von ihm ist “Der 1000-jäh­ri­ge Jun­ge”. Sei­ne Roma­ne sind alle in sich abge­schlos­sen und kom­plett unab­hän­gi­ge Geschich­ten. Du magst wit­zi­ge Geschich­ten, in denen es um Raumschiffe/Außerirdische geht? Schau dir fol­gen­de Titel ein­mal genau­er an: “Mein Bru­der ist ein Super­held” von David Solo­mons, “Fipp, Vanes­sa und die Koof­michs” von Burk­hard Spin­nen, “Mein rät­sel­haf­ter Freund Ror­ty” von Sharon Cohen, “Mist, Oma ist ein Ali­en (und ich bin schuld!)” von Suzan­ne Main, “Zor­ro Vela” von Nor­bert Zäh­rin­ger und “Boom!” von Mark Had­don.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-63778-3
Erscheinungsdatum: 8.Januar 2021
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 352
Übersetzer: Petra Knese
Originaltitel: "The kid who cam from space"
Originalverlag: Harper Collins UK

Britisches Originalcover:
Kasimira











Der Autor liest aus seinem Buch (auf Englisch):

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Cover: Homepage von Ross Welford

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