Rose Snow — 12: Das erste Buch der Mitternacht

Kasimira2.April 2020

12: Das ers­te Buch der Mit­ter­nacht” ist der neu­es­te Roman­ta­sy-Roman von Rose Snow. Hin­ter die­sem Psyeud­onym ver­ber­gen sich zwei deutsch-öster­rei­chi­sche Autorin­nen: Ulri­ke Mayr­ho­fer und Car­men Schmit. Der Auf­takt einer Rei­he stellt eine beson­de­re Traum­welt in den Vor­der­grund, in die ein Mäd­chen zu gelan­gen ver­sucht, um ihren Freund aus dem Koma zu ret­ten. Fan­ta­sie­voll und mit sprit­zi­gen Dia­lo­gen. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Seat­tle. Die 19-jäh­ri­ge Har­per weiß noch nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfan­gen soll. Sie zeich­net ger­ne, hat sogar mal über­legt ein Kunst­stu­di­um anzu­fan­gen. Aber das Geld dafür fehlt. Sie jobbt in einem Schuh­la­den um auch ihre Mie­te für ihre WG mit ihrem bes­ten Freund Scott bezah­len zu kön­nen. Doch jetzt steht ihr Leben Kopf, seit sie vor vier Wochen mit ihrem Freund Phoe­nix einen Auto­un­fall gebaut hat. “Seit vier Wochen beglei­tet mich die­se Schuld, als wür­de sie eine ver­damm­te Aus­zeich­nung dafür bekom­men, mich über­all­hin zu ver­fol­gen. Sie ist da, Tag und Nacht. Seit acht­und­zwan­zig Tagen gehört sie zu mir wie das Mut­ter­mal über mei­ner Lip­pe, das ich noch nie lei­den konn­te.” (Zitat aus “12: Das ers­te Buch der Mit­ter­nacht” S.9) Har­per, die ein wenig getrun­ken hat­te, saß am Steu­er, als Kasimiraihnen in einer Ein­bahn­stra­ße ein ande­res Auto ent­ge­gen­kam. Geis­tes­ge­gen­wär­tig lenk­te sie den Wagen auf den Bür­ger­steig, ramm­te ein Stra­ßen­schild. Sie waren bei­de nicht ver­letzt, hat­ten kei­nen Krat­zer und ver­lo­ren den­noch bei­de das Bewusst­sein. Wäh­rend Har­per wie­der erwacht, liegt Phoe­nix seit­dem im Koma. Und Har­per träumt Nacht für Nacht immer wie­der von dem Unfall und von einem merk­wür­di­gen Ort. “In mei­nem Kopf taucht immer wie­der eine Stadt auf, als wür­de sie dort­hin gehö­ren. Nacht für Nacht nimmt sie mehr Kon­tu­ren an, auch wenn die Erin­ne­run­gen danach jedes Mal lei­se weg­drif­ten. Des­halb ver­su­che ich, ihre schwar­zen Brü­cken und schim­mern­den Later­nen in mei­nen Skiz­zen fest­zu­hal­ten.” (Zitat S.14) In die­ser Stadt trifft sie — schein­bar in einem ande­ren Kör­per — auf Cajus Con­ter­vil­le, der im ech­ten Leben der Juni­or­chef ihres Schuh­la­dens und diver­ser ande­rer Mode­lä­den Kasimiraund Restau­rants ist. Und ist extrem wütend auf ihn, kämpft sogar gegen ihn. “Sein Zorn befrie­digt eine sadis­ti­sche Sei­te in mir. Er gibt mir, was ich möch­te. Cajus Con­ter­vil­le wird nicht fin­den, wonach er sucht. Er wird lei­den und für das bezah­len, was er mir genom­men hat.” (Zitat S.40ff) Cajus ist arro­gant und über­heb­lich. Als Har­per ihn im ech­ten Leben trifft, ist sie scho­ckiert. Denn Cajus, der ihr gegen­über äußerst feind­se­lig ist, weiß von ihren Träu­men. Und er will sie wie­der dort­hin brin­gen, nach Noc­ta­ris, die Stadt aus ihrem Traum. Denn dort ist auch Phoe­nix irgend­wo. Doch Cajus ver­birgt etwas vor ihr…

Das Cover wirkt geheim­nis­voll und mys­te­ri­ös, eben­so wie es die Welt in “12: Das ers­te Buch um Mit­ter­nacht” ist, in die man erst ein­mal lang­sam ein­tau­chen muss. Der Roman star­tet mit einem Pro­log, der in zwei Tei­len Andeu­tun­gen von dem Unfall und von Har­pers Traum­ort Noc­ta­ris macht. KasimiraWäh­rend man in der Rea­li­tät zu Beginn gleich gut mit­kommt, habe ich ein wenig gebraucht um mich in der Traum­welt zurecht­zu­fin­den: “Denk dar­an, wie du als Kind die Welt gese­hen hast, gren­zen­los und vol­ler Far­ben. Du hast instink­tiv mit dei­ner See­le gese­hen, nicht mit dei­ner Ver­nunft. […] Wäh­rend der Groß­teil der Men­schen irgend­wann blind dafür wird, lernst du gera­de wie­der zu sehen. Der Zau­ber kehrt zu dir zurück.” (Zitat S.87) Es gibt vie­le Begriff­lich­kei­ten, vie­le Sit­ten und Regeln, auf die man sich erst ein­mal ein­las­sen muss. Am Anfang hat mich die Geschich­te noch nicht so gepackt, die Span­nungs­kur­ve ver­läuft mehr so wel­len­för­mig, aber ab der Mit­te des Buches zieht das Gan­ze dann ein wenig an. Die Spra­che ist sehr ange­nehm und stel­len­wei­se sehr schön: “Ich möch­te nicht ein­schla­fen, nicht jetzt und nicht hier. Ich will nicht wie­der einen die­ser Träu­me haben, die mich in eine ande­re Welt zie­hen. Eine Welt, die nach tie­fen Geheim­nis­sen und alter Magie scKasimirahmeckt” (Zitat S.25) Was mir hin­ge­gen beson­ders gefiel, sind — neben den Ver­glei­chen zu berühm­ten Gemäl­den — vor allem die rasan­ten, fet­zi­gen Dia­lo­ge der bei­den Prot­ago­nis­ten. Har­per und Cajus kön­nen sich abso­lut nicht aus­ste­hen und lie­fern sich ver­ba­le, höchst unter­halt­sam zu lesen­de Wort­ge­fech­te: “Dei­ne Eltern mögen reich sein, aber in punc­to Erzie­hung haben sie offen­bar ver­sagt.” Mei­ne Reak­ti­on scheint ihn zu amü­sie­ren, denn sein lin­ker Mund­win­kel zuckt für einen Sekun­den­bruch­teil nach oben. “Viel­leicht”, ant­wor­tet er tro­cken. “Dafür haben dei­ne offen­bar ver­säumt, dir zu erklä­ren, dass man nicht jeden Gedan­ken laut aus­spre­chen muss.” (Zitat S.73) Erst all­mäh­lich kom­men sie sich unfrei­wil­lig näher, was jedoch manch­mal etwas im Hin­ter­grund ver­schwin­det. Haupt­au­gen­merkt liegt wirk­lich auf den Ereig­nis­sen in Noc­ta­ris, was eigent­lich scha­de ist. Am Ende machen die letz­ten Sät­ze bereits deut­lich — es wird wei­ter­ge­hen! Eine Lese­pro­be aus Band zwei ist eben­falls bei­gefügt.

Fazit: Kann man lesen, wenn man Fan­ta­sy ger­ne mag. Mich hat es an vie­len Stel­len lei­der nicht so gepackt, auch wenn mir die Dia­lo­ge echt gut gefal­len haben!

Die Fort­set­zung von “12: Das ers­te Buch der Mit­ter­nacht” erscheint bereits im Juni: “12: Das zwei­te Buch der Mit­ter­nacht”. Du magst den Erzähl­stil von Rose Snow? Da hast du Glück, die zwei Autorin­nen, die sich hin­ter die­sem Pseud­onym ver­ber­gen, haben rich­tig vie­le (Fantasy-)Bücher geschrie­ben (alles Rei­hen): “Acht Sin­ne”, “17 — Die Bücher der Erin­ne­rung”, “Die 11 Gezeich­ne­ten — Die Bücher der Ster­ne”, “3 Lili­en — Die Bücher des Blut­adels”,Lesealternativen “13 — Die Bücher der Zeit”, “19 — Die Bücher der magi­schen Angst”, “Ein Augen­blick für immer — Die Bücher der Lügen­wahr­heit”, “7 — Die Bücher des Spiels”Unter dem Pseud­onym Anna Pfef­fer schrei­ben sie außer­dem etwas humor­vol­le­re Unter­hal­tung: “Für dich soll’s tau­send Tode reg­nen”“Flo oder der Tag, an dem die Maus ver­rutsch­te”, “New York zu ver­schen­ken”Eine Neu­erschei­nung hin­sicht­lich einer beson­de­ren Par­al­lel­welt an die ich sofort den­ken muss­te, ist “Nie­man­ds­stadt” von Tobi­as Gold­farb, eine sehr gute Alter­na­ti­ve zu “12: Das ers­te Buch der Mit­ter­nacht”. Träu­me spie­len in Fan­ta­sy­bü­chern oft eine Rol­le. Ent­de­cke die­se Wel­ten zum Bei­spiel in der schon etwas älte­ren “Wake”-Rei­he von Lisa McMann (Band 1: “Wake”Band 2: “Dream”Band 3: “Sleep”), “Wenn die Nacht in Scher­ben fällt” von Anika Beer, “Memo­ry: Stadt der Träu­me” von Chris­toph Mar­zi und “Die Stadt der glä­ser­nen Träu­me” von Lin­da Rott­ler. Etwas span­nen­der sind “GoodDreams: Wir kau­fen dei­ne Träu­me” von Clau­dia Piet­sch­mann und die “Dream­kee­per”-Rei­he von Joy­ce Win­ter. Sehr gut könn­te ich mir auch die “Sil­ber”-Rei­he von Kers­tin Gier vor­stel­len. Einen Jun­gen erst im Traum tref­fen und dann plötz­lich in der Wirk­lich­keit, das fin­dest du zudem auf roman­ti­sche Art und Wei­se in “Zwei in einem Traum” von Lucy Kea­ting, in “Wenn wir fal­len” von Jen­ni­fer Ben­kau und in “Wir für alle Zeit” von Lisa Cach.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-40190-1
Erscheinungsdatum: 2.Januar 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 17,99€
Seitenzahl: 480
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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