Rainer Wekwerth & Thariot — Pheromon: Sie riechen dich

Rainer Wekwert Thariot Pheromon: Sie riechen dich7.Februar 2018

Phe­ro­mon: Sie rie­chen dich” ist ein Sci-fi-Thril­ler, der in einem Gemein­schafts­pro­jekt des deut­schen Autoren Rai­ner Wekwerth mit Tha­ri­ot (heißt eigent­lich Mar­tin Lang­ner) ent­stan­den ist. Eine Geschich­te über einen außer­ge­wöhn­li­chen Geruchs­sinn und eine dunk­le Macht, die um sich greift. Äußerst fes­selnd und unter­haltsam geschrie­ben. Der ers­te Teil einer Rei­he. Bes­tes Lese­fut­ter für Jungs (und auch Mäd­chen) ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Illi­nois. 2018. Der 17-jäh­ri­ge Jake hat ein äußerst wich­ti­ges Spiel ver­saut. “Nicht nur, dass er Alan dazu über­re­det hat­te, einen lan­gen Pass auf ihn zu wer­fen und sich damit den Anord­nun­gen des Coa­ches zu wider­set­zen, er war es, der dem Team die ein­zi­ge Chan­ce geraubt hat­te, das Fina­le der Staats­meis­ter­schaf­ten zu errei­chen.” (Zitat aus “Phe­ro­mon: Sie kön­nen dich rie­chen” S.10) Denn im ent­schei­den­den aller Momen­te wur­de ihm sei­ne schlech­te Seh­fä­hig­keit zum Ver­häng­nis, als ein Son­nen­strahl auf Jakes Augen fiel und dadurch sei­ne Kon­takt­lin­sen für eine win­zi­ge Sekun­de trüb erschie­nen. Er ver­passt den Ball und das Spiel war zu Ende. Böse Bli­cke, ver­är­ger­te Mit­spie­ler, die auf ein Sti­pen­di­um Rainer Wekwert Thariot Pheromon: Sie riechen dichgehofft hat­ten, ein gewal­ti­ger Shit­s­torm, der übers Netz auf ihn her­ein­pras­selt — Jake, der auch noch unter star­kem Heu­schnup­fen lei­det — hat es nicht leicht. Doch dann pas­siert etwas höchst Ver­wun­der­li­ches: “Es war selt­sam. Seit er den­ken konn­te, nahm er Medi­ka­men­te gegen Heu­schnup­fen, um über­haupt Luft zu bekom­men. Nun ver­gaß er sie zum ers­ten Mal in sei­nem Leben, und plötz­lich ging es ihm viel bes­ser. All die schwe­ren Sym­pto­me waren wir weg­ge­bla­sen, er konn­te frei und kräf­tig atmen.” (Zitat S.54) Und die Gerü­che, die er auf ein­mal alle wahr­neh­men — der Wahn­sinn! Als er aller­dings auf ein­mal Gefüh­le ande­rer als Gerü­che erfasst, und sogar ohne Kon­takt­lin­sen gesto­chen scharf sehen kann, kann Jake es nicht mehr leug­nen: irgend­et­was geht da in ihm vor. Sogar mathe­ma­ti­sche For­meln lösen sich vor sei­nen Augen in Logik auf und er kommt sekun­den­schnell auf Lösun­gen, die er — als Mathe­ver­sa­ger — eigent­lich nicht hät­te erken­nen kön­nen. Den Brand in einem Wohn­haus riecht er bereits in mei­len­wei­ter Ent­fer­nung. Was ist nur auf ein­mal los mit ihm?

New York. 2118. In einer neu­en hoch­tech­ni­sier­ten Welt. Der 68-jäh­ri­ge Tra­vis ist bereits in Ren­te, arbei­tet aber trotz­dem ehren­amt­lich als Arzt in einem Zen­trum, in das regel­mä­ßig Obdach­lo­se und Kran­ke kom­men. Vor Kur­zem wur­de Tra­vis jedoch in sei­nem eigenen Wohn­haus von einer Grup­pe Jugend­li­cher aus­ge­raubt und um ein wenig Geld erleich­tert. Mit dabei war ein jun­ges, schwan­ge­res Mäd­chen, das sich nicht wirk­lich wohl beiRainer Wekwert Thariot Pheromon: Sie riechen dich die­ser Sache zu füh­len schien. Umso erstaun­ter ist Tra­vis, als jenes Mäd­chen eines Tages in dem Zen­trum auf­taucht, sich von ihm dann aber nicht wirk­lich hel­fen las­sen will und lie­ber die Flucht ergreift. Irgend­et­was fas­zi­niert Tra­vis an die­sem Mäd­chen. Irgend­wie möch­te er ihr ger­ne hel­fen. Vor allem, weil er sie an sei­ne eige­ne, ver­stor­be­ne Toch­ter erin­nert. Doch als er sie ein paar Tage spä­ter wie­der sieht, ist er etwas per­plex: “Das Mäd­chen, Lee, hat­te sehr schlecht aus­ge­se­hen. Ihre Gesichts­zü­ge wirk­ten ein­ge­fal­len, sie hat­te eine asch­fah­le Haut und dün­ne Bei­ne. Einen Meter sieb­zig groß und höchs­tens fünf­zig Kilo­gramm schwer. Auch wenn sie vor Kur­zem ent­bun­den hat­te, konn­te das den enor­men Gewichts­ver­lust inner­halb von drei Tagen nicht erklä­ren.” (Zitat S.61) Was hat­te Lee mit die­sen ande­ren Jugend­li­chen zu tun? Wo ist ihr Kind? Und war­um zeigt sein Com­pu­ter fol­gen­de Feh­ler­mel­dung an: “Gene­tic embryo­nic foot­print not human” (Zitat S.45)? Und was ist das eigent­lich für eine merk­wür­di­ge Orga­ni­sa­ti­on, die sich “Human Future Pro­ject” nennt und sich auf der Welt immer mehr aus­brei­tet und auf die Tra­vis erst jetzt auf­merk­sam wird? Er beschließt der Sache auf den Grund zu gehen…

Phe­ro­mon: Sie rie­chen dich” sticht sogleich durch sein auf­fäl­li­ges Cover her­vor und dazu noch der knal­li­ge, grü­ne Schnitt — rich­tig schön gemacht! Ein unter­schied­li­ches Schrift­bild und die Jah­res­be­zeich­nun­gen 2018 und 2118 grenzt die zwei ver­schie­de­nen Haupt­er­zähl­per­spek­ti­ven, die in per­so­na­ler Sicht geschrie­ben sind, von­ein­an­der ab. Jedoch kommt an spä­te­rer Stel­le auch die Rainer Wekwert Thariot Pheromon: Sie riechen dich16-jäh­ri­ge Lee ver­ein­zelt zu Wort. Der Ein­stieg in die zwei Hand­lungs­strän­ge, die ein­hun­dert Jah­re Unter­schied vor­wei­sen, gelingt mühe­los und man wird rasch in den Sog der Geschich­te hin­ein­ge­zo­gen. Den Plot des Jun­gen, der sich auf ein­mal ver­än­dert, fand ich sehr inter­es­sant, allen vor­an die Idee mit den Gefüh­len, die er plötz­lich rie­chen kann: “Er wirk­te selbst­zu­frie­den wie immer, aber als Jake an ihm vor­bei­ging, roch er Unsi­cher­heit und Angst vor Ableh­nung. Es war der Geruch von ros­ten­dem Eisen, den er sofort mit die­sen Gefüh­len in Ver­bin­dung brach­te. War­um er das tat, wuss­te er nicht, aber er wuss­te, dass dem so war.” (Zitat S.73) Auch die hoch­tech­ni­sier­te Welt mit aller­lei futu­ris­ti­scher Ver­än­de­run­gen wirkt sehr fas­zi­nie­rend. Die Spra­che ist flüs­sig und die Span­nung baut sich kon­stant auf. Nicht nur die Fra­gen um Jakes plötz­li­che Ver­än­de­rung, son­dern auch die Fra­gen zu Tre­vis Ver­gan­gen­heit (War­um war er im Gefäng­nis? War­um hat er getrun­ken?) bestim­men die Hand­lung. Und das Geheim­nis um die­se selt­sa­me Orga­ni­sa­ti­on, auf die sowohl Tre­vis, als auch Jake sto­ßen, geben auch dem Leser gro­ße Rät­sel auf. Immer mehr Tei­le eines gro­ßen Puz­zles wer­den beim Lesen zusam­men­ge­setzt. Dazu die Cliff­han­ger am Ende von fast jedem Kapi­tel — ner­ven­zer­rei­ßen­de Span­nung garan­tiert! Das Ende: ein gro­ßer Show­down im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. (Auch ein wenig blu­tig, daher die Alters­emp­feh­lung unbe­dingt ab 14 Jah­ren) Nur zu ein paar Din­gen* hät­te ich mir noch ein paar mehr Infor­ma­tio­nen gewünscht. Die wur­den mir nicht aus­rei­chend genug beant­wor­tet. Jedoch: und das habe ich tat­säch­lich erst hin­ter­her erfah­ren (dach­te, dass das Buch zu Ende sei!) wird “Phe­ro­mon: Sie rie­chen dich” als Band 1 einer Rei­he bezeich­net. Also wer­den sich mei­ne Fra­gen ver­mut­lich in den Fort­set­zun­gen noch klä­ren;-)

Rainer Wekwert Thariot Pheromon: Sie riechen dichFazit: Fes­selnd, action­reich und äußerst gut unter­hal­tend!

*(««««««ACHTUNG SPOILER:»»»»»» Was ist mit Lees Kind pas­siert? War­um hat sie von der Schwan­ger­schaft nichts gemerkt und gibt es einen Vater? Was für eine Son­der­stel­lung hat­te Sere­na? Wel­che nähe­ren Hin­ter­grün­de gibt es zu den Lügen von Jakes Mut­ter? Wie­so kam es erst in Jugend­jah­ren zu Jakes Ver­än­de­rung und durch was wur­de sie aus­ge­löst? Wirk­lich nur durch das Abset­zen der Medi­ka­men­te oder gibt es dafür noch einen ande­ren Grund? ««««««ENDE SPOILER»»»»»»)

Wenn dir “Phe­ro­mon: Sie rie­chen dich” gut gefal­len hat, kannst du natür­lich noch die Fort­set­zun­gen lesen. Band 2 ist “Phe­ro­mon: Sie sehen sich” und Band 3 erscheint dann im Früh­jahr 2019. Oder lies noch ande­re Jugend­bü­cher von Rai­ner Wekwerth. Bekannt gewor­den ist er vor allem durch sei­ne “Laby­rin­the”-Rei­he: “Das Laby­rinth erwacht” (BaLesealternativennd 1), “Das Laby­rinth jagt dich” (Band 2) und “Das Laby­rinth kennt kei­ne Gna­de” (Band 3). Außer­dem geschrie­ben hat der die “Dami­an”-Rei­he: “Die Stadt der gefal­le­nen Engel” (Band 1) und “Die Wie­der­kehr des gefal­le­nen Engels” (Band 2). Danach folg­ten noch “Blink of time” und “Camp 21: Gren­zen­los gefan­gen”. Tha­ri­ot hat rela­tiv vie­le Sci-Fi-Bücher für Erwach­se­ne geschrie­ben, die lei­der jedoch fast nur im Ama­zo­nas ver­trie­ben wer­den. Du sucht ande­re Lese­al­ter­na­ti­ven? Ein merk­wür­di­ges Pro­gramm, das fin­dest du in “Du.Wirst.Vergessen.” von Suzan­ne Young und in “Boy 7” von Mir­jam Mous. Sehr gute Alter­na­ti­ve sind auch “Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe” von Mor­ton Rhue und die “Gone”-Rei­he von Micha­el Grant. Per­fekt ist eben­so fol­gen­de Rei­he: “Das Laza­rus­phä­no­men” und “Die Car­ring­ton­ka­ta­stro­phe” von Kje­til John­sen. Irgend­wie wuss­te ich in “Phe­ro­mon: Sie rie­chen dich” zuerst nicht wirk­lich, in was für eine Rich­tung das Gan­ze inhalt­lich gehen wür­de, was mir zuletzt auch mit der Neu­erschei­nung “Der Schein” vom Autorin­nen­duo Ella Blix so erging und ich bekam etwas völ­lig Uner­war­te­tes (eben­so wie z.B. in “Du kannst kei­nem trau­en” von Robi­son Wells). 

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann-Esslinger (Imprint: Planet!)
ISBN: 978-3-522-50553-6
Erscheinungsdatum: 16.Januar 2018
Einbandart: Broschur
Preis: 17,00€ 
Seitenzahl: 416 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:
 Ein interessantes Interview mit den beiden Autoren:

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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