Nach ihrem Bestseller “Drei Schritte zu dir” ist “All this time: Lieben heißt unendlich sein” der zweite Roman der amerikanischen Autorinnen Rachel Lippincott und Mikki Daughtry. Eine Geschichte über einen großen Verlust, über Trauerbewältigung und den zarten Beginn einer neuen Liebe. Doch kann diese tatsächlich bestehen? Berührend, schmerzvoll, romantisch. Kommt für mich an den erfolgreichen (völlig unabhängig zu lesenden) Vorgänger nicht ganz heran und überrascht erst gegen Ende so richtig. Für Jugendliche ab 13 Jahren und interessierte Erwachsene.
Der 18-jährige Kyle will seiner Freundin Kimberly zum Schulabschluss ein Armband schenken. Eigentlich ist es mittlerweile mehr ein Entschuldigungsgeschenk, obwohl er im Grunde keine Ahnung hat, wofür er sich entschuldigen müsste. Aber irgendetwas ist komisch zwischen ihnen in letzter Zeit. Kim ist abweisender und distanzierter zu ihm. “Vielleicht rückt Kim ja endlich damit raus, was eigentlich los ist, wenn sie das Armband sieht. Oder vielleicht küsst sie mich auch einfach und sagt mir, dass sie mich liebt, und das Problem hat überhaupt nichts mit mir zu tun. Ist auch möglich.” (Zitat aus “All this time: Lieben heißt unendlich sein” S.8) Kyle und Kimberly sind das perfekte Paar und schon seit vielen Jahren
zusammen. Sie ist die Cheerleader-Kapitänin und er der Footballstar. Nach einer Schulterverletzung sitzt er jedoch nur noch am Rande des Spielfelds, schreibt über die Spiele, anstatt selbst aktiv zu sein. Aber Kyle, Kimberly und ihr gemeinsamer bester Freund Sam haben große Pläne, wollen bald auf die UCLA, die University of California, gehen, eine der renommiertesten Universitäten der ganzen Welt. Schon das ganze Jahr über haben sie das zusammen geplant. Doch auf dem Rückweg, im strömenden Regen, als Kyle Kimberly mitnimmt, macht diese plötzlich mit ihm Schluss: “Ich will nicht mit dir zusammen sein.” Die Worte sind wie ein Schlag ins Gesicht. Ich reiße den Blick von der Straße, um sie anzusehen, dieses Mädchen, das ich seit der dritten Klasse geliebt habe. Gerade erkenne ich sie nicht mal ansatzweise.” (Zitat S.22) Erst ku
rz zuvor hat Kyle erfahren, dass Kimberly gar nicht vor hat, auf die UCLA zu gehen, sondern nach Berkley will. Und dass Sam bereits davon wusste. “Ich will dich nicht loswerden. Aber… ich will wissen, wie es sich anfühlt, mich umzudrehen und nicht dich zu sehen.” Ihre Stimme bricht, aber ihr Rücken wird gerader. Sie meint das ernst. Sie meint das wirklich ernst. Ihr Blick weicht meinem nicht aus, sicher, entschlossen. “Ich will einfach ich selbst sein, nur ich, ohne dich.” (Zitat S.26) Aber es kommt noch schlimmer. Als ein Lastwagen ihr Fahrzeug erfasst, erwacht Kyle im Krankenhaus. Schwer verletzt. Kimberly ist bei dem Unfall gestorben. Von da an ist alles anders. Tiefe Trauer und vor allem Schuldgefühle bestimmen Kyles Leben. “Selbst der schlichteste zwischenmenschliche Austausch fühlt sich gerade schwerer an als die Laufbahnrunden beim Training. Die Realität ohne Kim ist eine Kette
aus täglichen Qualen. Momente und Erinnerungen, die mich langsam auffressen, bis nichts mehr übrig ist.” (Zitat S.45) Als er sich das erste Mal auf den Friedhof wagt, lernt er dort Marley kennen. Marley, die auch eine traurige Vergangenheit mit ihm teilt, die ebenfalls einen ihr nahe stehenden Menschen verloren hat. “Es ist schön, endlich über die Trennung sprechen zu können. Mit jemandem, der anerkennt, dass ich abserviert wurde, ohne mir ein schlechtes Gewissen zu machen.” (Zitat S.124) Allmählich kommen die beiden sich näher. Aber hat ihre Liebe angesichts der Umstände überhaupt eine Chance? Dürfen sie einfach so weitermachen?
Das Cover ist sehr schön gestaltet, sieht “Drei Schritte zu dir” optisch auch passend ähnlich. Die Erzählperspektive liegt in “All this time: Lieben heißt unendlich sein” jedoch ausschließlich bei Kyle und wechselt nicht zwischen den männlichen und weiblichen Protagonist*innen hin und her, was bei einer Liebesgeschichte mit dieser optischen Aufmachung eher selten vorkommt. Ich muss gestehen mit einer gewissen Erwartungshaltung an den Roman herangegangen zu sein. Während “Drei Schritte zu dir” wirklich unglaublich ergreifend, mitreißend, spannend und höchst emotional war, fehlte mir in “All this time: Lieben heißt unendlich sein” etwas der rote Faden in der Geschichte. Oftmals plätscherte alles vor sich hin, man hatte keinerlei Ahnung, was jetzt inhaltlich noch kommen könnte, kein dramatischer Spannungsbogen, der einen durch die Geschichte führte. Auch das erste Treffen mit Marley kam mir ein weni
g hölzern und befremdlich vor. Ganze drei Mal beharrt sie darauf mit ihm essen gehen zu wollen: “Essen hilft. Bei Kopfschmerzen.” und “Möchtest du… was essen gehen?” und “Aber du hast Hunger”, versetzt sie.” (Zitat S.85) Dennoch schafft man es auch allmählich hinter Marleys Fassade zu schauen. Sie ebenso wie Kyle ins Herz zu schließen. Letzterer macht einen enormen, authentisch geschilderten Trauerprozess durch, worauf in dem Roman ein großes Hauptaugenmerk gelegt wird. Denn wenn Rachel Lippincott und Mikki Daughtry eines vor allem sehr gut können, dann ist es, traurige Geschichten zu erzählen. “Und als wir mit dem Lastwagen zusammenstoßen, spüre ich, wie meine ganze Welt zerschmettert wird, wie der Schmerz in meinem Kopf größer wird und größer, bis mein ganzer Körper in eine Milli
on Teile zersplittert, Teile, die nie wieder ein Ganzes ergeben werden.” (Zitat S.35) Gefühlvolle Szenen, eine angenehme sensible Sprache. Während ich im Gesamten von dem Buch zunächst noch nicht ganz so angetan war, schaffen es die Autorinnen glücklicherweise durch gewisse Ereignisse, die ich nicht vorausahnte, am Ende das Ruder noch einmal herumzureißen und der Geschichte noch eine ganz andere Dimensionalität zu verleihen. Respekt! Das macht einiges wieder wett. Die Begeisterung am Ende ist groß, hier wird der Roman genauso wie man ihn sich wünscht. Das, was am Anfang gefehlt hat, wird gewissermaßen wieder etwas ausgeglichen;-)
Dir gefällt “All this time: Lieben heißt unendlich sein”? Dann lies noch
den ersten Roman von Rachel Lippincott und Mikki Daughtry: “Drei Schritte zu dir”. Dieser wurde auch verfilmt und lohnt sich definitiv! Zwei Romane zum Thema Trauerbewältigung, die ich absolut empfehlen kann, sind “Wie viel Leben passt in eine Tüte” von Donna Freitas (wurde mehrmals neu aufgelegt!) und “Die Stille meiner Worte” von Ava Reed. Sehr gut vorstellen kann ich mir außerdem “Was uns bleibt ist jetzt” von Meg Wolitzer (ebenfalls mit einer Überraschung am Ende) und “Nichts als Liebe” von Beth Kephart. Romane, in denen durch die Liebe wieder Loslassen (von Trauer) möglich ist, sind “In Liebe, Brooklyn” von Lisa Schroeder, “Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb” von Clare Furniss und “Wenn du mich küsst” von Juliane Stone. Eine gute Alternative ist zudem “Was ich dich träumen lasse” von Franziska Moll.
Bibliografische Angaben:Verlag: dtv ISBN: 978-3-423-76330-1 Erscheinungsdatum: 18.März 2021 Einbandart: Hardcover Preis: 18,95€ Seitenzahl: 368 Übersetzer: Nina Frey Originaltitel: "All this time" Originalverlag: Simon & Schuster Amerikanisches Originalcover:
Trailer zum Buch (auf Englisch):
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------------------------------------------ Amerikanisches Cover: Homepage von Simon & Schuster

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76330-1
Erscheinungsdatum: 18.März 2021
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,95€
Seitenzahl: 368
Übersetzer: Nina Frey
Originaltitel: "All this time"
Originalverlag: Simon & Schuster
Amerikanisches Originalcover:
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