Rachel Lippincott, Mikki Daughtry — All this time: Lieben heißt unendlich sein

Kasimira31. März 2021

Nach ihrem Best­sel­ler “Drei Schrit­te zu dir” ist “All this time: Lie­ben heißt unend­lich sein” der zwei­te Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin­nen Rachel Lip­pin­cott und Mik­ki Daugh­try. Eine Geschich­te über einen gro­ßen Ver­lust, über Trau­er­be­wäl­ti­gung und den zar­ten Beginn einer neu­en Lie­be. Doch kann die­se tat­säch­lich bestehen? Berüh­rend, schmerz­voll, roman­tisch. Kommt für mich an den erfolg­rei­chen (völ­lig unab­hän­gig zu lesen­den) Vor­gän­ger nicht ganz her­an und über­rascht erst gegen Ende so rich­tig. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Der 18-jäh­ri­ge Kyle will sei­ner Freun­din Kim­ber­ly zum Schul­ab­schluss ein Arm­band schen­ken. Eigent­lich ist es mitt­ler­wei­le mehr ein Ent­schul­di­gungs­ge­schenk, obwohl er im Grun­de kei­ne Ahnung hat, wofür er sich ent­schul­di­gen müss­te. Aber irgend­et­was ist komisch zwi­schen ihnen in letz­ter Zeit. Kim ist abwei­sen­der und distan­zier­ter zu ihm. “Viel­leicht rückt Kim ja end­lich damit raus, was eigent­lich los ist, wenn sie das Arm­band sieht. Oder viel­leicht küsst sie mich auch ein­fach und sagt mir, dass sie mich liebt, und das Pro­blem hat über­haupt nichts mit mir zu tun. Ist auch mög­lich.” (Zitat aus “All this time: Lie­ben heißt unend­lich sein” S.8) Kyle und Kim­ber­ly sind das per­fek­te Paar und schon seit vie­len Jah­ren Kasimirazusam­men. Sie ist die Cheer­lea­der-Kapi­tä­nin und er der Foot­ball­star. Nach einer Schul­ter­ver­let­zung sitzt er jedoch nur noch am Ran­de des Spiel­felds, schreibt über die Spie­le, anstatt selbst aktiv zu sein. Aber Kyle, Kim­ber­ly und ihr gemein­sa­mer bes­ter Freund Sam haben gro­ße Plä­ne, wol­len bald auf die UCLA, die Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia, gehen, eine der renom­mier­tes­ten Uni­ver­si­tä­ten der gan­zen Welt. Schon das gan­ze Jahr über haben sie das zusam­men geplant. Doch auf dem Rück­weg, im strö­men­den Regen, als Kyle Kim­ber­ly mit­nimmt, macht die­se plötz­lich mit ihm Schluss: “Ich will nicht mit dir zusam­men sein.” Die Wor­te sind wie ein Schlag ins Gesicht. Ich rei­ße den Blick von der Stra­ße, um sie anzu­se­hen, die­ses Mäd­chen, das ich seit der drit­ten Klas­se geliebt habe. Gera­de erken­ne ich sie nicht mal ansatz­wei­se.” (Zitat S.22) Erst kuKasimirarz zuvor hat Kyle erfah­ren, dass Kim­ber­ly gar nicht vor hat, auf die UCLA zu gehen, son­dern nach Ber­kley will. Und dass Sam bereits davon wuss­te. “Ich will dich nicht los­wer­den. Aber… ich will wis­sen, wie es sich anfühlt, mich umzu­dre­hen und nicht dich zu sehen.” Ihre Stim­me bricht, aber ihr Rücken wird gera­der. Sie meint das ernst. Sie meint das wirk­lich ernst. Ihr Blick weicht mei­nem nicht aus, sicher, ent­schlos­sen. “Ich will ein­fach ich selbst sein, nur ich, ohne dich.” (Zitat S.26) Aber es kommt noch schlim­mer. Als ein Last­wa­gen ihr Fahr­zeug erfasst, erwacht Kyle im Kran­ken­haus. Schwer ver­letzt. Kim­ber­ly ist bei dem Unfall gestor­ben. Von da an ist alles anders. Tie­fe Trau­er und vor allem Schuld­ge­füh­le bestim­men Kyl­es Leben. “Selbst der schlich­tes­te zwi­schen­mensch­li­che Aus­tausch fühlt sich gera­de schwe­rer an als die Lauf­bahn­run­den beim Trai­ning. Die Rea­li­tät ohne Kim ist eine Ket­teKasimira aus täg­li­chen Qua­len. Momen­te und Erin­ne­run­gen, die mich lang­sam auf­fres­sen, bis nichts mehr übrig ist.” (Zitat S.45) Als er sich das ers­te Mal auf den Fried­hof wagt, lernt er dort Mar­ley ken­nen. Mar­ley, die auch eine trau­ri­ge Ver­gan­gen­heit mit ihm teilt, die eben­falls einen ihr nahe ste­hen­den Men­schen ver­lo­ren hat. “Es ist schön, end­lich über die Tren­nung spre­chen zu kön­nen. Mit jeman­dem, der aner­kennt, dass ich abser­viert wur­de, ohne mir ein schlech­tes Gewis­sen zu machen.” (Zitat S.124) All­mäh­lich kom­men die bei­den sich näher. Aber hat ihre Lie­be ange­sichts der Umstän­de über­haupt eine Chan­ce? Dür­fen sie ein­fach so weitermachen?

KasimiraDas Cover ist sehr schön gestal­tet, sieht “Drei Schrit­te zu dir” optisch auch pas­send ähn­lich. Die Erzähl­per­spek­ti­ve liegt in “All this time: Lie­ben heißt unend­lich sein” jedoch aus­schließ­lich bei Kyle und wech­selt nicht zwi­schen den männ­li­chen und weib­li­chen Protagonist*innen hin und her, was bei einer Lie­bes­ge­schich­te mit die­ser opti­schen Auf­ma­chung eher sel­ten vor­kommt. Ich muss geste­hen mit einer gewis­sen Erwar­tungs­hal­tung an den Roman her­an­ge­gan­gen zu sein. Wäh­rend “Drei Schrit­te zu dir” wirk­lich unglaub­lich ergrei­fend, mit­rei­ßend, span­nend und höchst emo­tio­nal war, fehl­te mir in “All this time: Lie­ben heißt unend­lich sein” etwas der rote Faden in der Geschich­te. Oft­mals plät­scher­te alles vor sich hin, man hat­te kei­ner­lei Ahnung, was jetzt inhalt­lich noch kom­men könn­te, kein dra­ma­ti­scher Span­nungs­bo­gen, der einen durch die Geschich­te führ­te. Auch das ers­te Tref­fen mit Mar­ley kam mir ein weniKasimirag höl­zern und befremd­lich vor. Gan­ze drei Mal beharrt sie dar­auf mit ihm essen gehen zu wol­len: “Essen hilft. Bei Kopf­schmer­zen.” und “Möch­test du… was essen gehen?” und “Aber du hast Hun­ger”, ver­setzt sie.” (Zitat S.85) Den­noch schafft man es auch all­mäh­lich hin­ter Mar­leys Fas­sa­de zu schau­en. Sie eben­so wie Kyle ins Herz zu schlie­ßen. Letz­te­rer macht einen enor­men, authen­tisch geschil­der­ten Trau­er­pro­zess durch, wor­auf in dem Roman ein gro­ßes Haupt­au­gen­merk gelegt wird. Denn wenn Rachel Lip­pin­cott und Mik­ki Daugh­try eines vor allem sehr gut kön­nen, dann ist es, trau­ri­ge Geschich­ten zu erzäh­len. Und als wir mit dem Last­wa­gen zusam­men­sto­ßen, spü­re ich, wie mei­ne gan­ze Welt zer­schmet­tert wird, wie der Schmerz in mei­nem Kopf grö­ßer wird und grö­ßer, bis mein gan­zer Kör­per in eine Mil­liKasimiraon Tei­le zer­split­tert, Tei­le, die nie wie­der ein Gan­zes erge­ben wer­den.” (Zitat S.35) Gefühl­vol­le Sze­nen, eine ange­neh­me sen­si­ble Spra­che. Wäh­rend ich im Gesam­ten von dem Buch zunächst noch nicht ganz so ange­tan war, schaf­fen es die Autorin­nen glück­li­cher­wei­se durch gewis­se Ereig­nis­se, die ich nicht vor­aus­ahn­te, am Ende das Ruder noch ein­mal her­um­zu­rei­ßen und der Geschich­te noch eine ganz ande­re Dimen­sio­na­li­tät zu ver­lei­hen. Respekt! Das macht eini­ges wie­der wett. Die Begeis­te­rung am Ende ist groß, hier wird der Roman genau­so wie man ihn sich wünscht. Das, was am Anfang gefehlt hat, wird gewis­ser­ma­ßen wie­der etwas ausgeglichen;-)

Dir gefällt “All this time: Lie­ben heißt unend­lich sein”? Dann lies noch Lesealternativenden ers­ten Roman von Rachel Lip­pin­cott und Mik­ki Daugh­try: “Drei Schrit­te zu dir”. Die­ser wur­de auch ver­filmt und lohnt sich defi­ni­tiv! Zwei Roma­ne zum The­ma Trau­er­be­wäl­ti­gung, die ich abso­lut emp­feh­len kann, sind “Wie viel Leben passt in eine Tüte” von Don­na Freitas (wur­de mehr­mals neu auf­ge­legt!) und “Die Stil­le mei­ner Wor­te” von Ava Reed. Sehr gut vor­stel­len kann ich mir außer­dem “Was uns bleibt ist jetzt” von Meg Wolit­zer (eben­falls mit einer Über­ra­schung am Ende) und “Nichts als Lie­be” von Beth Kephart. Roma­ne, in denen durch die Lie­be wie­der Los­las­sen (von Trau­er) mög­lich ist, sind “In Lie­be, Brook­lyn” von Lisa Schroe­der“Das Jahr, nach­dem die Welt ste­hen blieb” von Cla­re Fur­niss und “Wenn du mich küsst” von Julia­ne Stone. Eine gute Alter­na­ti­ve ist zudem “Was ich dich träu­men las­se” von Fran­zis­ka Moll.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76330-1
Erscheinungsdatum: 18.März 2021
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,95€
Seitenzahl: 368
Übersetzer: Nina Frey
Originaltitel: "All this time"
Originalverlag: Simon & Schuster

Amerikanisches Originalcover:
Kasimira











Trailer zum Buch (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Simon & Schuster

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