Rachel Lippincott — Drei Schritte zu dir

Kasimira9.Juni 2019

Die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Rachael Lip­pin­cott hat den Roman zum Film “Drei Schrit­te zu dir” geschrie­ben, basie­rend auf der Idee der Dreh­buch­au­toren Mikki Daugh­try und Tobi­as Iaco­nis. Eine Geschich­te zwei­er an Muko­vis­zi­do­se erkrank­te Jugend­li­che, die sich inein­an­der ver­lie­ben, obwohl sie ein­an­der fern blei­ben müs­sen, um nicht ihr Leben zu ris­kie­ren. Herz­zer­rei­ßend schön — DIE Lie­bes­ge­schich­te des Som­mers! Für alle Fans von “Das Schick­sal ist ein mie­ser Ver­rä­ter” und “Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt”. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Hals­weh und Fie­ber. Was für ande­re kein beson­de­rer Umstand ist, ist für die jun­ge Stel­la ein Grund mal wie­der ins Kran­ken­haus zu müs­sen. Sie lei­det unter Muko­vis­zi­do­se, einer ange­bo­re­nen, schwe­ren Stoff­wech­sel­er­kran­kung, die vor allem ihre Lun­ge stark beein­träch­tigt: “Unse­re Kör­per machen zu viel Schleim, und die­ser Schleim kriecht dann in unse­re Lun­ge und macht, dass sie sich ent­zün­det, und dann lässt unse­re Lun­gen-funk-tion- nach.” (Zitat aus “Drei Schrit­te zu dir” S.42). Als klei­nes Mäd­chen hat­te Stel­la noch eine Lun­gen­funk­ti­on von 50%, mitt­ler­wei­le sind es nur nochKasimira35%. Eine Zahl, die vor allem ihren Eltern, die sich mitt­ler­wei­le getrennt haben, Sor­gen berei­ten. Wäh­rend die meis­te Zeit ihres Lebens völ­lig nor­mal abläuft — sie zur Schu­le geht und ihre Freun­din­nen trifft — ist es nun ein­mal wie­der so weit: Stel­la lan­det im Saint Grace Kran­ken­haus. Und das aus­ge­rech­net, als ihre Klas­se auf Stu­di­en­fahrt geht. Wäh­rend sie ihren durch­ge­plan­ten, struk­tu­rier­ten Kran­ken­haus­auf­ent­halt durch­lebt und ihren The­ra­pi­en nach­geht, befin­den sich ihre Freun­din­nen in Mexi­ko am Strand. Doch Stel­la, die sehn­süch­tig die Fotos ihrer Klas­sen­ka­me­ra­den betrach­tet, ver­sucht sich den­noch nicht unter­krie­gen zu las­sen. Immer­hin hat sie ja noch ihren mitt­ler­wei­le ziem­lich erfolg­rei­chen You­Tube-Kanal: “Vor fünf Jah­ren habe ich dann ange­fan­gen, You­Tube-Vide­os zu dre­hen, damit Muko­vis­zi­do­se mehr Auf­merk­sam­keit bekommt. Im Lau­fe der Jah­re haben so vie­le Leu­te mei­ne Ope­ra­tio­nen und The­ra­pi­en und Auf­ent­hal­te im Saint Grace ver­folgt, dass es mei­nen Ver­stand über­steigt.” (Zitat S.18) Doch dann lernt Stel­la einen Neu­zu­gang ken­nen: KasimiraWill. Der ihr Leben ziem­lich auf den Kopf stellt. Er hat Muko­vis­zi­do­se, eben­so wie sie. Jedoch eine noch hef­ti­ge­re Ver­si­on davon. Denn er hat sich vor ein paar Mona­ten Burk­hol­de­ria cepa­cia — eine Grup­pe von schlim­men Bak­te­ri­en — ein­ge­fan­gen. “Für Leu­te mit Muko ist das der Todes­stoß. Wenn er es noch ein paar Jah­re macht, hat er Glück.” (Zitat S.44) Sei­ne Lun­gen­funk­ti­on sinkt dadurch noch schnel­ler als ohne­hin schon. Und er hat — im Gegen­satz zu Stel­la — nun mit die­sem Bak­te­ri­en­stamm auch kei­ne Chan­ce mehr auf eine neue Lun­ge. Will ist ein Cha­ot, über­schrei­tet ger­ne Gren­zen und nimmt sei­ne The­ra­pi­en nicht son­der­lich ernst. Vor allem Letz­te­res beginnt Stel­la, die dies mit­be­kommt, all­mäh­lich wahn­sin­nig zu machen. Sie nimmt sich sei­ner an und ver­sucht in sei­nen Tag eine Struk­tur her­ein­zu­be­kom­men, ihn zu über­re­den, sei­ne The­ra­pi­en auch alle wahr­zu­neh­men. Jedoch darf Stel­la Will nie­mals näher kom­men als ein paar Schrit­te. Zwei Meter Abstand. Das ist der vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­ab­stand, den sie ein­hal­ten müs­sen. “Wir dür­fen ein­an­der nicht zu nahe kom­men. Für Muko­vis­zi­do­se­pa­ti­en­ten ist eine Quer­in­fek­ti­on mit bestimm­ten Kasimiraande­ren Bak­te­ri­en­stäm­men ein gewal­ti­ges Risi­ko. Wenn sich zwei Mukos auch nur berüh­ren, kann das für bei­de töd­lich sein. Im wort­wört­lichs­ten Sin­ne.” (Zitat S.23) Doch je bes­ser Stel­la Will ken­nen­lernt und hin­ter sei­ne Fas­sa­de schaut, des­to schwie­ri­ger wird es Abstand zu hal­ten. Vor allem da sie auf dem bes­ten Wege ist sich in Will zu ver­lie­ben…

Drei Schrit­te zu dir” lockt mit einem wirk­lich schön gestal­te­ten Cover. Ein Auf­kle­ber weist auf den Kino­film hin, der Ende Juni star­tet. Die Wid­mung im Innen­teil ist für alle, die gegen Muko­vis­zi­do­se kämp­fen und soll “…der Krank­heit zu mehr Auf­merk­sam­keit zu ver­hel­fen und sie eines Tages heil­bar zu machen” (Zitat S.5) Was mir bei dem Buch manch­mal ein wenig fehl­te, waren noch etwas aus­führ­li­che­re Infor­ma­tio­nen über die Krank­heit. Immer wie­der wer­den nur Bruch­stü­cke beschrie­ben oder zum Bei­spiel eine Abkür­zung genannt, die man als Unwis­sen­der nicht wirk­lich zuord­nen kann: Kasimira“Es gibt jede Men­ge Sachen, die mich an CF auf­re­gen, aber…” (Zitat S.33). Oder es wird erwähnt, dass sie abends noch über eine Son­de zusätz­li­che Nah­rung erhal­ten, wohl aber auch ganz nor­mal essen kön­nen? Da wür­de ein Neben­satz mit einer kur­zen Erklä­rung schon rei­chen. Da hät­te ich mir noch ein biss­chen mehr gewünscht, gera­de für Leser, die von der Krank­heit groß noch nichts gehört haben. Trotz die­ser — wirk­lich nur mini­ma­len Kri­tik — ist “Drei Schrit­te zu dir” ein wirk­lich tol­ler, ergrei­fen­der Roman. Eine Geschich­te, abwech­selnd aus Stel­las und aus Wills Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt, die schnell gefan­gen nimmt und mit sich reißt. Zwei wun­der­bar gezeich­ne­te, gegen­sätz­li­che Cha­rak­te­re tref­fen dar­in auf­ein­an­der. Stel­la, die To Do Lis­ten liebt, stets per­fekt orga­ni­siert ist und sogar eine App ent­wor­fen hat, die ihr genau sagt, wann sie wel­ches Medi­ka­ment neh­men soll. Und Will, der Kran­ken­häu­ser ein­fach nicht mehr sehen kann und sei­ne The­ra­pie nicht wirk­lich ernst nimmt. Kein Wun­der, dass die bei­den schnell anein­an­der­ge­ra­ten: “Behand­lungs­scheiß?” Ich gehe zwei Schritt­chen auf ihn zu. Zwei Meter. Das Limit. “Die­ser Behand­lungs­scheiß Kasimirahält uns am Leben.” Er schnaubt und ver­dreht die Augen. “Die­ser Behand­lungs­scheiß ist es, der uns davon abhält, da unten zu sein und wirk­lich zu leben.” (Zitat S.73) Sich näher zu kom­men, obwohl sie stets ein paar Schrit­te von­ein­an­der ent­fernt sein müs­sen und es dann noch zu schaf­fen eine authen­ti­sche Lie­bes­ge­schich­te zu erzäh­len, man glaubt kaum, dass so etwas mög­lich ist — aber Racha­el Lip­pin­cott gelingt dies zwei­fel­los! Herz­schmerz pur, ganz gro­ße Gefüh­le, Span­nung und Sze­nen, in denen es wirk­lich Taschen­tuch­alarm gibt — in “Drei Schrit­te zu dir” erhält man das vol­le Paket! Das Ende ist stim­mig und pas­send.

Fazit: Eine unheim­lich ergrei­fen­de Lek­tü­re, die man in die­sem Som­mer defi­ni­tiv nicht ver­pas­sen soll­te!

Wie bereits erwähnt sind die wohl bes­ten Lese­al­ter­na­ti­ven zu “Drei Schrit­te zu dir” die zwei Roma­ne und Best­sel­ler “Das Schick­sal ist ein mie­ser Ver­rä­ter” voLesealternativenn John Green und “Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt” von Nico­la Yoon, die bei­de ver­filmt wur­den. Eben­so könn­te ich mir “Mid­ni­ght Sun” von Trish Cook vor­stel­len, das auch die Geschich­te einer Lie­be und einer Krank­heit, die zwei Jugend­li­che auf eine Pro­be stellt, erzählt. Jugend­bü­cher über Muko­vis­zi­do­se gibt es nur sehr weni­ge: “Der sal­zi­ge Kuss” von Ger­da van Erkel (2008), “Mein Leben für deins” von Amber Kizer (2015), “Ich bin anders, ich bin ich” von Chan­tal Gös­sel (2017) und die Neu­erschei­nung “Solan­ge wir atmen” von Jen­ni­fer Wasch­ke (2019). Eine schwe­re Krank­heit und eine neue Lie­be, die alles noch ein­mal auf den Kopf stellt? Das fin­dest du in Hel­ler als ein Stern” von Celia Bryce (Krebs), “Das ande­re Herz” von Alf Kje­til Wal­ger­mo (Herz­feh­ler), “Die Unwahr­schein­lich­keit von Lie­be” von A.J.Betts (Krebs), “Wie das Licht von einem erlo­sche­nen Stern” von Nico­le Boyle Rødt­nes (Apha­sie) oder “Mein bes­ter letz­ter Som­mer” von Anne Frey­tag (tod­krank).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76252-6
Erscheinungsdatum: 24.Mai 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,95€
Seitenzahl: 304
Übersetzer: Nina Frey
Originaltitel: "Five feet apart"
Originalverlag: Simon & Schuster

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira











Deutscher Trailer zum Film:
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Simon & Schuster

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