Olivia Worley — People to follow

27.März 2024

Peo­p­le to fol­low” ist das Debüt der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Oli­via Worley. Ein Social-Media-Thril­ler, der auf eine ein­sa­me kari­bi­sche Insel ent­führt, auf der zehn Influencer:innen Teil einer Rea­li­ty­show wer­den sol­len. Doch das Pro­duk­ti­ons­team, das am nächs­ten Tag ein­tref­fen soll, kommt nicht und plötz­lich taucht der ers­te Tote auf. Außer ihren aus­ge­hän­dig­ten Smart­wat­ches haben sie kei­ner­lei Mög­lich­keit jeman­den zu kon­tak­tie­ren. Aber sie bekom­men dar­über Nach­rich­ten von ihrem Spon­sor. Auf­ga­ben. Sol­len Lügen offen­ba­ren. Abstim­men, wer als nächs­tes “gecan­celt” wird und wes­sen Geheim­nis­se auf­ge­deckt wer­den sol­len. Wer spielt hier ein Spiel mit ihnen? Und ist der Mör­der unter ihnen? Wei­te­re Tote fol­gen… Ein zunächst noch etwas unüber­sicht­li­cher Thril­ler mit ziem­lich vie­len Prot­ago­nis­ten, der dann aber zuneh­mend span­nen­der wird und jede Men­ge über­ra­schen­de Plot­twists parat hat. Zudem eine Abrech­nung mit der Welt der Influencer:innen, aber auch erns­te The­men wie #metoo, Macht­miss­brauch und Erfolgs­druck wer­den dar­in ver­ar­bei­tet. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und für inter­es­sier­te Erwachsene.

Zehn Influencer:innen. Eine abge­le­ge­ne Insel in der Kari­bik. Eine neue Rea­li­ty­show, die ein Leben ohne Han­dy zeigt, aber von Kame­ras über­wacht wird. Big Brot­her is wat­ching you… Pro­duk­ti­ons­as­sis­ten­tin Til­ly bringt die Zehn zur Insel: “Wirk­lich, fühlt euch ganz wie zu Hau­se. Wir wol­len, dass alles so natür­lich und spa­ßig rüber­kommt wie mög­lich. Ihr seid ein­fach ein paar coo­le Creator:innen, die auf einer pri­va­ten Insel abhän­gen!” (Zitat aus “Peo­p­le to fol­low” S.36) Doch auf­grund eines her­an­na­hen­den Sturms Kasimirakann das Pro­duk­ti­ons­teams erst am nächs­ten Tag auf der Insel ein­tref­fen und Til­ly muss auch zurück zum Fest­land, um noch eini­ges vor­zu­be­rei­ten. Sie lässt ihnen aber ein Han­dy für den Not­fall da. Und so ver­brin­gen die zehn Influencer:innen die ers­te Nacht allei­ne auf der Insel. Da ist zum Bei­spiel Kira, die frü­her bei Tanz­wett­be­wer­ben im Fern­se­hen teil­ge­nom­men hat. “Fünf­und­zwan­zig Kilo­me­ter vom Fest­land ent­fernt und noch viel wei­ter von zu Hau­se, von allem, was dort auf mich war­tet: Col­lege­be­wer­bun­gen und beruf­li­che Ent­schei­dun­gen. End­lo­se Nach­rich­ten, Kom­men­ta­re und E‑Mails von allen mög­li­chen Leu­ten, für die ich etwas sein soll, das ich viel­leicht nicht mehr sein kann. Aber hier, auf die­ser Insel, habe ich die Chan­ce, ein­fach nur zu sein. (Zitat S.20ff) Corin­ne, eine bekann­te Game­rin. McK­ay­leigh,Kasimira die Kiras (Tanz-)Konkurrentin war und sie gemobbt hat. Cole, der regel­mä­ßig frau­en­feind­li­che Prank­vi­de­os ver­öf­fent­licht. Max, der Doku­men­tar­fil­me dreht und zwar kein Han­dy auf die Insel mit­neh­men durf­te, aber sei­ne Kame­ra. “Dies hier ist ein Ort, an dem man wil­de Din­ge sagt und tut, nur um ihn mit etwas aus­zu­fül­len — ein Ort, der Wahr­heit von Lügen trennt wie ein Sieb. Zum Glück habe ich jedoch eine Kame­ra, die fest­hält, was immer auch durch die Löcher rie­selt.” (Zitat S.33) Aaron, der Schau­spie­ler ist, aber ziem­lich abge­stürzt ist und mit Alko­hol am Steu­er erwischt wur­de. Elo­dy, die aus ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen stammt, es aber wei­ter gebracht hat. “Elo­dy ist bei ihrer allein­er­zie­hen­den Mut­ter in einem Trai­ler­park in Flo­ri­da auf­ge­wach­sen, wo sich die Rech­nun­gen auf dem Küchen­tisch sta­pel­ten, bis ein paar vira­le Fotos sie prak­tisch über Nacht berühmt mach­ten.” (Zitat S.15) Zane, Gra­ham und McK­ay­leigh, die “Boun­ce House”, ein Con­tent Kol­lek­tiv, gegrün­det haben, in einem Haus woh­nen und ein Luxus-Influen­cer-Leben tei­len. Mit­glied war dort zuletzt auch Logan, die für ihre humor­vol­len, fre­chen Vide­os bekannt ist, aber sie hat die Trup­pe aus unbe­kann­ten Grün­den wie­der ver­las­sen. Wäh­rend die Influencer:innen, die sich zum Teil bereits ken­nen, den Abend und die Nacht genie­ßen und fei­ern, taucht am nächs­ten Mor­gen plötz­lich eine Lei­che auf. Ist Cole tat­säch­lich betrun­ken vom Bal­kon­ge­län­der gestürzt oder hat ihn jemand gesto­ßen? “…ich wer­de trotz­dem von einem Schau­er geschüt­telt. Weil ich mich zum ers­ten Mal fra­ge, ob ich die­se gan­ze Sache völ­lig falsch ein­ge­schätzt habe. Die Insel und die Ein­sam­keit. Viel­leicht ist das hier gar kei­ne Frei­heit. Viel­leicht sit­zen wir hier ein­fach nur in der Fal­le.” (Zitat S.70ff) Auf ein­mal ist auch das Not­fall­han­dy weg und vom Pro­duk­ti­ons­team taucht nie­mand mehr auf. Kurz danach wird eine wei­te­re Per­son tot auf­ge­fun­den. Und es wird nicht die letz­te bleiben…

Das Cover ist pas­send gewählt und in Sze­ne gesetzt. Der Thril­ler wird aus der Sicht von vier Per­so­nen in der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve erzählt: Kira, Max, Logan und Elo­dy. Zwi­schen­durch gibt es immer wie­der kur­ze Tran­skrip­te, Auf­zeich­nun­gen von Smart­wat­ches oder von Max’ Auf­nah­me­ge­rät. Das Setting ist fas­zi­nie­rend: “Law­rence Island ragt wie eine Fata Mor­ga­na aus dem Was­ser auf, eine Oase aus Land nach mei­len­wei­tem, so kla­rem blau­en Meer, dass es eigent­lich nicht gar nicht real sein kann. Der Kai führt auf einen Strand, blen­dend weiß und von Pal­men und glit­zern­den Fel­sen gesäumt. Ein Stück wei­ter war­ten eine Ter­ras­se, ein Pool und — mit Blick auf alles ande­re — das Haus. Der Bau­stil wirkt spa­nisch: drei Stock­wer­ke vol­ler Stuck und ein Dach aus Ton­zie­geln, mit Bogen­fens­tern und eiser­nen Bal­kon­brüs­tun­gen, wäh­rend wei­te­re Pal­men die Sei­ten flan­kie­ren wie eine könig­li­che Gar­de.” (Zitat aus “Peo­p­le to fol­low”) Was am Anfang eher anstren­gend ist, sind die unglaub­lich vie­len Per­so­nen, die eine Rol­le spie­len. Auf den ers­ten zwölf Sei­ten tau­chen bereits 13 ver­schie­de­ne Namen auf. Wenn man sich Noti­zen neben­bei macht, wer wer ist, kommt man irgend­wann mit, aber ohne könn­te dies noch etwas müh­sa­mer sein. Vie­le alte Kon­flik­te kom­men an die Ober­flä­che. Man­che Influencer:innen haben sich zum Teil Ewig­kei­ten nicht mehr gese­hen und den Ver­bin­dun­gen zwi­schen ihnen nach­zu­spü­ren, braucht eini­ge Zeit. “Es ist Jah­re her, seit ich McK­ay­leigh zum letz­ten Mal per­sön­lich begeg­net bin, aber ihr Lächeln hat sich kein biss­chen ver­än­dert. […] Und jetzt strahlt es auf mich her­ab. McK­ay­leigh Hill, die mich als Mäd­chen damals jah­re­lang im lan­des­wei­ten Fern­se­hen gemobbt hat, steht direkt vor mir und tut, als wären wir die bes­ten Freun­din­nen.” (Zitat S.13) Sie sind von unter­schied­li­chem Sta­tus, teil­wei­se abge­stürzt, teil­wei­se ganz weit oben Kasimiraund kämp­fen um ihren Erfolg. Ein biss­chen fehlt die Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur, am sym­pa­thisch­ten erscheint noch Kira von den vier Prot­ago­nis­ten. Eini­ge The­men sind in den Thril­ler mit ein­ge­bun­den, wie #metoo, Selbst­jus­tiz, Macht­miss­brauch, aber auch das Influencer.innen-Dasein wird immer wie­der in den Mit­tel­punkt gerückt und sich damit aus­ein­an­der­ge­setzt. “Macht uns das zu schlech­ten Men­schen?” Corin­ne presst die Lip­pen zusam­men und schweigt einen Moment. “Ich glau­be nicht, dass es zwin­gend schlecht ist, eine Platt­form zu wol­len”, ant­wor­tet sie schließ­lich. […] Aber ich schät­ze, wir sind alle in der Lage dazu, schlim­me Din­ge zu tun. Es ist leicht, sich selbst zu ver­lie­ren, wenn man erst mal anfängt, sich wie ein Pro­dukt zu füh­len und nicht mehr wie ein Mensch.” (Zitat S.159) Wenn man die “Hür­de” der Zuord­nung der jewei­li­gen Cha­rak­te­re über­stan­den hat, dann darf man in “Peo­p­le to fol­low” auf jeden Fall gespannt mit­rät­seln, wer der oder die Täte­rin ist. Klar ist eini­ges kon­stru­iert, aber den­noch sehr unter­halt­sam und die Autorin macht es ihren Leser:innen auch nicht gera­de leicht, das Gan­ze auf­zu­de­cken. Gegen Ende stei­gert sich die Span­nung ins Uner­mess­li­che! Eine Wen­dung nach der nächs­ten — Hol­la, die Wald­fee;-)! Das Buch wird man daher zum Schluss so schnell nicht mehr aus den Hän­den legen.

LesealternativenDie bes­te Lese­al­ter­na­ti­ve zu “Peo­p­le to fol­low” ist wohl “Never coming home” von Kate Wil­liams. Hier wer­den eben­falls zehn Influencer:innen auf eine Insel ein­ge­la­den und schei­nen düs­te­re Geheim­nis­se zu ver­ber­gen, die nach und nach ans Tages­licht kom­men. Eine rich­tig tol­le Alter­na­ti­ve ist außer­dem der Klas­si­ker Iso­la” von Isa­bel Abe­di, wel­cher eben­falls auf einer Insel spielt und von einer außer­ge­wöhn­li­chen Fern­seh­idee erzählt, die außer Kon­trol­le gerät. Oder lies “Schluss­takt” von Arno Stro­bel, wel­cher auf eine Insel in den Male­di­ven ent­führt, auf der ein Gesangs­cas­ting für eine gro­ße Show statt­fin­det und die ers­te Lei­che auch nicht lan­ge auf sich war­ten lässt.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31586-6
Erscheinungsdatum: 13. März 2024
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 448
Übersetzer*in: Doris Attwood
Originaltitel: "People to follow"
Originalverlag: Macmillan US

Amerikanisches Originalcover:

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Macmillan US

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