Nova Hill — The Woods: Die vergessene Anstalt

Kasimira13.Dezember 2020

Die schot­ti­sche Autorin Nova Hill hat mit “The Woods: Die ver­ges­se­ne Anstalt” den ers­ten Teil einer drei­tei­li­gen Mys­te­ry-Thril­ler-Rei­he her­aus­ge­bracht, die ihre Leser in die Tie­fe eines Wal­des ent­führt und an den Schau­platz einer ver­las­se­nen Lun­gen­heil­an­stalt mit­nimmt. Eine Grup­pe von elf Jugend­li­chen, die sich dort­hin ver­irrt, kann die­sen Ort aus uner­klär­li­chen Grün­den nicht mehr ver­las­sen. Jeder Weg zurück in die siche­re Zivi­li­sa­ti­on führt sie erneut vor die Tore der Anstalt. Schön schau­rig und unheil­voll. Span­nen­des Lese­fut­ter für dunk­le Win­ter­aben­de! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Iri­na und Ivan sind Zwil­lin­ge. Doch so eng wie sie es frü­her ein­mal waren, sind sie nicht mehr. Frü­her, als sie noch bei­de akti­ve Tur­ner waren und gemein­sam Wett­kämp­fe bestrit­ten. Heu­te trai­niert nur noch Iri­na. “Schon vor dem gro­ßen Streit bei der Turn­hal­le hat­te sich etwas zwi­schen uns ver­än­dert. Heu­te müss­te ich Van­jo sowie­so nicht mehr fra­gen, ob er mit zum Tur­nier kommt. Statt­des­sen hängt er bei irgend­wel­chen Kum­pels ab, kifft oder macht so Drauf­gän­ger­sa­chen. War­um er das Tur­nen auf­ge­ge­ben hat, hat er mir bis heu­te nicht erzählt.” (Zitat aus “The Woods: Die ver­ges­se­nen Anstalt” S.12) Doch nun sind sie gemein­sam für eine Exkur­si­on in den Wald in eine Grup­pe ein­ge­teilt wor­den. Auch Mari­us istKasimira mit von der Par­tie, er ist Ivans bes­te Freund und zugleich seit einem hal­ben Jahr mit Iri­na zusam­men. Als sie sich unter­wegs strei­ten, sucht Mari­us das Wei­te. Ach­tet gut auf die Linie, dich ich mar­kiert habe, das ist eure Rou­te, sie ist durch die gel­ben Pfei­le im Wald gekenn­zeich­net. Solan­ge ihr euch nicht zu weit von die­sem Pfad ent­fernt, kann nichts pas­sie­ren. Wenn ihr es tut, lan­det ihr im Moor.” (Zitat S.20) Aber obwohl sie dem Pfad wei­ter fol­gen und die Anwei­sung von dem jun­gen Exkur­si­ons­lei­ter Mark beach­ten, ver­lau­fen sich Iri­na und Ivan. Mark holt sie ein, irgend­je­mand habe wohl die Schil­der ver­setzt, so dass sie woan­ders hin­ge­führt wur­den. Auf ihrem gemein­sa­men Rück­weg errei­chen die Drei plötz­lich ein rie­si­ges Anwe­sen mit meh­re­ren Gebäu­de­kom­ple­xen, tief ver­sun­ken im Wald und von der Natur über­wu­chert: eine alte, ver­las­se­nen KasimiraLun­gen­heil­an­stalt: “Die­ser Ort hat wahr­schein­lich seit Jah­ren kei­ne Men­schen­see­le mehr betre­ten. Nur die Natur war zugan­ge. Der wohl einst schön ange­leg­te Gar­ten ist mit ver­wil­der­ten Büschen zuge­wach­sen. Der Efeu hat sich wie gie­ri­ge Schlan­gen über die Fas­sa­de her­ge­macht, als wol­le er das Haus auf­fres­sen.” (Zitat S.39) Auch eine Grup­pe von acht Jugend­li­chen trifft dort kurz nach ihnen ein“Sor­ry, wenn wir euch erschreckt haben! Wir sind Boot­cam­per, eigent­lich woll­ten wir nur wan­dern, aber die­se dum­men Schil­der haben uns voll in die Irre geführt.” (Zitat S.41) Da die Nacht bereits her­ein­bricht, beschlie­ßen die Elf in einem Schup­pen vor der Lun­gen­heil­an­stalt zu über­nach­ten. Doch als sie am nächs­ten Tag auf­bre­chen wol­len, müs­sen sie Erschre­cken­des fest­stel­len: egal wel­chen Weg sie neh­men Kasimiraund wel­che Rich­tung sie ein­schla­gen, sie lan­den immer wie­der vor den Toren der Lun­gen­heil­an­stalt. Ein keu­chen­der, alter Mann, der urplötz­lich auf­taucht und wie­der ver­schwin­det, selt­sa­me Geräu­sche und Stim­men — irgend­et­was Merk­wür­di­ges scheint an die­sem Ort vor sich zu gehen. Und all­mäh­lich wer­den ihre Lebens­mit­tel­vor­rä­te knapp und das Miss­trau­en unter­ein­an­der größer…

Das Cover wirkt schön düs­ter, genau­so wie es zu einem Mys­te­ry-Thril­ler passt. Das Buch wird in 6 Epi­so­den erzählt und endet mit einem Epi­log. Vor­an­ge­stellt ist ein Zitat aus dem Gedicht “Abend­rot im Wal­de” von Con­rad Fer­di­nand Mey­er. Die Epi­so­den sind abwech­selnd von Iri­na und Ivan in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt, nur zwei wei­te­re Per­spek­ti­ven — die einer der Boot­cam­per und die einer Ermitt­le­rin — kom­men spä­ter noch hin­zu. Das Set­ting mit der ver­las­se­nen KasimiraLun­gen­heil­an­stalt mit­ten im Wald ist sehr gut gewählt. “Ich spü­re förm­lich, wie sich das Gebäu­de hin­ter mir auf­türmt. Ein Unge­heu­er, das dort lau­ert und des­sen Fens­ter sich wie dunk­le Augen in mei­nen Rücken boh­ren. Es war­tet nur auf den bes­ten Moment, bis es sei­ne Geis­ter aus dem Inne­ren spuckt. “Du meinst, hier sol­len wir blei­ben?”, flüs­te­re ich ungläu­big zurück.” (Zitat S.43) Auch wenn die ört­li­chen Beschrei­bun­gen manch­mal noch ein wenig aus­führ­li­cher und atmo­sphä­ri­scher hät­ten sein könn­ten, fin­det man sich sofort in die Geschich­te ein und folgt der tem­po­rei­chen Ent­wick­lung: “Dann stop­pe ich. Knei­fe die Augen zusam­men. Ist das…? […] Das ist kein Aus­gang. Was sich vor uns auf­tut, ist ein rie­si­ges Gelän­de, und ich habe es schon ein­mal gese­hen. Der Kom­pass hat uns im Kreis geführt. Das Blut in mei­nen Adern gefriert. Wir ste­hen wie­der vor dKasimiraer Lun­gen­heil­an­stalt.” (Zitat S.75) Fas­zi­nie­rend ist auch das, was man an Hin­ter­grün­den bis­her nicht weiß. War­um es bei­spiels­wei­se einen Bruch zwi­schen den Zwil­lin­gen gab. Oder war­um Mark sich Iri­na gegen­über so abwei­send ver­hält, obwohl er sie gar nicht rich­tig kennt? “Am Feu­er schien er sich mit allen gut unter­hal­ten zu haben. Allen außer mir. Ich pres­se die Lip­pen zusam­men. Hat er mich etwa als die pani­sche Zwil­lings­schwes­ter abge­stem­pelt? Oder was ist sein Pro­blem?” (Zitat S.50) Auch die Mes­ser­at­ta­cke eines unbe­kann­ten Täter auf Mari­us, die Mona­te zuvor geschah und nicht auf­ge­klärt wer­den konn­te, scheint eine Rol­le zu spie­len. Man darf flei­ßig mit rät­seln, was noch alles im Dunk­len liegt. Stel­len­wei­se hal­ten eini­ge Hor­ror­ele­men­te Ein­zug in “The Woods: Die ver­ges­se­ne Anstalt”. Am Ende spitzt sich eini­ges zu und der Aus­gang macht bereits neu­gie­rig auf die Fort­set­zun­gen, die bei­de 2021 erschei­nen werden.

LesealternativenDu möch­test wis­sen wie es wei­ter­geht? Dann lies Band 2 “The Woods — Die ver­lo­re­ne Grup­pe”, der im Febru­ar 2021 erscheint und Band 3 The Woods — Die letz­te Ankunft”, wel­ches bereits für April 2021 geplant ist. Hor­ror & Span­nung im Wald? Das erlebst du außer­dem in dem Mys­te­ry-Thril­ler “Blind Walk” von Patri­cia Schrö­der, in “Sae­cu­lum” von Ursu­la Pozn­an­ski und in “Kalt” von Eric Berg. Eine Grup­pe abge­schie­den von der Außen­welt und merk­wür­di­ge Din­ge, die pas­sie­ren? Das fin­dest du auch in “Abgrün­dig” von Arno Stro­bel und in Das dunk­le Lied des Todes” von Bjar­ne Reu­ter. Du magst Hor­ror? Dann stö­be­re mal hier!

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Oetinger
ISBN: 978-3-8415-0656-6
Erscheinungsdatum: 23.November 2020
Einbandart: Broschur
Preis: 14,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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