Nicki Thornton — Hotel der Magier

30.August 2019

Die bri­ti­sche Buch­händ­le­rin und Autorin Nicki Thorn­ton stell­te sich — als sie ihren Debüt­ro­man “Hotel der Magi­er” schrieb, fol­gen­de Fra­ge: “Was wür­de pas­sie­ren, wenn Magi­er der Mit­tel­punkt einer Detek­tiv­ge­schich­te wären?”. Mit dem Resul­tat gewann sie nicht nur einen Schreib­wett­be­werb, son­dern ihr Buch wur­de auch zum Über­ra­schungs­er­folg in Eng­land. Eine tur­bu­len­te Geschich­te, die in ein abge­le­ge­nes, klei­nes Hotel ent­führt und bei einem Tref­fen von Magi­ern einen Mord pas­sie­ren lässt. Fan­ta­sie­voll, mys­te­ri­ös und recht unter­halt­sam. Für Jugend­li­che ab 10 Jah­ren.

Seth lebt im Hotel “Zur letz­ten Chan­ce”. Er ist dort Küchen­jun­ge. Sei­ne Mut­ter ist bei der Geburt gestor­ben und sein Vater, ehe­mals der Chef­koch des Hotels, hat sich aus dem Staub gemacht. Laut Tif­fa­ny, der Toch­ter des gries­grä­mi­gen und gei­zi­gen Inha­ber­paars, soll er sich wert­vol­les Eigen­tum unter den Nagel geris­sen haben und ist des­halb in Ungna­de gefal­len. Des­halb erhält Seth auch kei­ner­lei Lohn und muss hart schuf­ten. Und wird von Tif­fa­ny in jedem erdenk­li­chen Moment schi­ka­niert. Doch nun steht Kasimiraeine Dele­ga­ti­on an Gäs­ten und ein ganz beson­de­res Fest­mahl vor der Türe. Ein paar Magi­er tref­fen sich in dem Hotel zu einem gehei­men Tref­fen: “Die Tür wird nun ver­schlos­sen, als Teil des stren­gen Pro­ze­de­res. Wir tref­fen damit Vor­sor­ge, dass nicht noch in letz­ter Minu­te getrickst oder gar sabo­tiert wird. Das Fest­mahl wird sich neu­gie­ri­gen Bli­cken ent­zie­hen und im Gehei­men statt­fin­den. (Zitat aus “Hotel der Magi­er” S.50) Irgend­et­was soll vor­ge­führt wer­den? Nie­mand darf hin­ein. Auch das Des­sert, das Seth zube­rei­ten soll, muss zuvor in den Saal hin­ein­ge­stellt wer­den. Der Küchen­jun­ge ist höchst über­rascht über die Gäs­te und deren Fähig­kei­ten: “Magie gab es wirk­lich. Es war ein biss­chen, wie wenn man durch eine Tür tritt und an einem uner­war­te­ten, aber schö­nen Ort lan­det und dann gesagt bekommt, dass da etwas Dunk­les, Gefähr­li­ches und Unbe­kann­tes lau­ert.” (Zitat S.112) Vor allem der Chef der Magi­er, Dr. Thal­lo­mi­us, ist beson­ders freund­lich zu Seth, wäh­rend alle ande­ren Kasimiraihn eher über­se­hen. Doch dann gibt es einen Toten. Gestor­ben, nach­dem er Seth’s Des­sert geges­sen hat. Aus­ge­rech­net Dr.Thallomius! Alle ver­däch­ti­gen sofort den Küchen­jun­gen. Klar, dass Seth unbe­dingt ver­su­chen muss sei­ne Unschuld zu bewei­sen. Aber wer von der Anwe­sen­den könn­te es gewe­sen sein? Bald merkt Seth, dass vie­le der Gäs­te etwas zu ver­ber­gen haben…

Was ich nachts tat­säch­lich erst durch Zufall her­aus­ge­fun­den habe und vor­her nicht wuss­te — Tei­le des Covers leuch­ten im Dun­keln! Ein schö­ner Effekt und pas­send zum Buch. Seth ist eine sym­pa­thi­sche Haupt­fi­gur und berich­tet in dem Roman durch­ge­hend in per­so­na­ler Erzähl­wei­se“Seth sehn­lichs­ter Wunsch war es, mit­hil­fe sei­ner Koch­küns­te eines Tages hier weg­zu­kom­men. Er woll­te so gut kochen kön­nen, dass die Men­schen jeden Weg auf sich nah­men. Genau wie sein Vater.” (Zitat S.20) Die Geschich­te wird in drei Tei­len erzählt und ist inner­halb die­ser Tei­le jeweils in Kapi­tel ein­ge­teilt, die eine Über­schrift tra­gen und vor dem Hin­ter­grund eines Mon­des ste­hen. Auf der ers­ten Sei­te kann man als Leser auch einen Blick in das Gäs­te­buch des Hotels wer­fen und ent­deckt dort eine Über­sicht über sämt­li­che sie­ben Gäs­te und ihre Son­der­wün­sche für ihre jewei­li­gen Zim­mer. Die Cha­rak­te­re in “Hotel der Magi­er” sind schrul­lig und anders und jede Figur hat so ihre (magi­schen) Eigen­ar­ten. Wer Kasimirader Täter ist? Da darf man gespannt mit rät­seln. Wäh­rend mich die Geschich­te zu Beginn noch nicht wirk­lich stark gefes­selt hat und sich sehr auf man­che Figu­ren oder Beson­der­hei­ten kon­zen­triert, wird es zum Ende hin dann glück­li­cher­wei­se doch mit­rei­ßen­der. Für die Ziel­grup­pe dürf­te der Roman den­noch funk­tio­nie­ren, denn er offen­bart eine inter­es­san­tes Zusam­men­stel­lung aus klas­si­scher Detek­tiv­ge­schich­te und Fan­ta­sy­ro­man mit einer magi­schen Welt, in die der Prot­ago­nist immer mehr ein­taucht. Ein Aspekt hat mir jedoch — für ein Kin­der­buch zumin­dest — nicht beson­ders gut gefal­len: der Aspekt der Gewalt. So erfährt man zu Beginn bereits, dass Seth — wenn Tif­fa­ny ihn ärgert — er “ihr am liebs­ten mit der Faust in ihre per­fek­ten Zäh­ne geschla­gen hät­te” (Zitat S.22) und am Ende des Buches taucht auch noch ein­mal fol­gen­der Satz auf, den ich per­sön­lich eher unpas­send fin­de“Es fiel ihm viel leich­ter als gedacht, sie zu schla­gen, viel­leicht weil er es sich schon so oft vor­ge­stellt hat­te. Tif­fa­ny schrie auf, als sei­ne Faust ihre Nase traf, so hart, dass Blut her­aus­si­cker­te.” (Zitat S.267) Unge­ach­tet der Umstän­de ist die­se “gewalt­tä­ti­ge Lösung” päd­ago­gisch nicht unbe­dingt sinn­voll.

Fazit: Für Jungs (und Mäd­chen), die mal eine beson­de­re Mischung aus Fan­ta­sy und Kri­mi lesen möch­ten, ide­al.

Es wird von “Hotel der Magi­er” noch eLesealternativenine Fort­set­zung geben. Im Deut­schen ist sie zwar noch nicht erschie­nen, aber falls du schon gut Eng­lisch kannst, lies in “The bad luck light­house” wei­ter! Eine Neu­erschei­nung, an die ich sofort den­ken muss­te, hin­sicht­lich des Kri­mis, ist “Eine Lei­che zum Tee” von Alex­an­dra Fischer-Hunold, einem schö­nen Lese­spaß für ange­hen­de Detek­ti­ve. Ein mys­te­riö­ses Anwe­sen fin­dest du auch in “Dana Mal­l­o­ry und das Haus der leben­den Schat­ten” von Clau­dia Romes. Viel­leicht wäre auch das span­nen­de, fan­tas­ti­sche “Die Nacht der gefan­ge­nen Träu­me” von Anto­nia Michae­lis etwas für dich! Eine rich­tig gute Lese­al­ter­na­ti­ve ist zudem “Pan­do­ra und der phä­no­me­na­le Mr Phil­by” von Sabi­ne Lud­wig. Hier gibt es einem Hotel in Corn­wall eben­falls einen Mord. Gut könn­te ich mir auch “Per­cy Pump­kin: Mord im Schloss” von Chris­ti­an Loef­fel­bein vor­stel­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Chicken House
ISBN: 978-3-551-52116-3
Erscheinungsdatum: 30.August 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 288
Übersetzer: Barbara König
Originaltitel: "The last chance hotel"
Originalverlag: Chicken House

Britisches Originalcover: 
Kasimira

Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Britisches Cover: Homepage von Chicken House

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