Neal Shusterman — Game Changer

Kasimira6.November 2021

Game Chan­ger: Es gibt unend­lich vie­le Mög­lich­kei­ten, alles falsch zu machen” ist das neu­es­te Buch des ame­ri­ka­ni­schen Autoren Neal Shus­ter­man. Ein in sich abge­schlos­se­ner Roman mit Sci­ence-Fic­tion-Ele­men­ten, der einen Jugend­li­chen in den Mit­tel­punkt stellt, der durch den Zusam­men­stoß bei einem Foot­ball­spiel in eine ande­re Dimen­si­on kata­pul­tiert wird. Und dies nicht nur ein­mal, son­dern meh­re­re Male und auf völ­lig ver­än­der­te Umstän­de trifft, wie zum Bei­spiel plötz­li­chen Reich­tum oder die Wie­der­ein­füh­rung der Ras­sen­tren­nung. Eine Geschich­te vol­ler Mög­lich­kei­ten. Gesell­schafts­kri­tisch. Nach­denk­lich machend. Ziem­lich schräg. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und für inter­es­sier­te Erwachsene.

Bei einem Foot­ball­spiel pas­siert es — der jun­ge Ash stößt mit jemand ande­rem zusam­men und lan­det in einer ande­ren Dimen­si­on. Nur, dass er das zunächst noch nicht begreift. Da ist nur die­ses komi­sche Gefühl in sei­nem Inne­ren. “Nun, dies war wie ein plötz­li­cher Schub von Phan­tom­käl­te. Kein Luft­zug und auch kein fieb­ri­ges Frös­teln — eher so, als ob mein Blut durch Eis­was­ser ersetzt wor­den wäre, aber nur für den Bruch­teil einer Sekun­de. Dann war das Gefühl wie­der ver­flo­gen, und ich lag auf dem Boden” (Zitat aus “Game Chan­ger” S.17) Doch dann muss er fest­stel­len, dass etwas anders ist. Sämt­li­che Stopp­schil­der sind auf ein­mal blau. Auch dieKasimira Ampeln nicht grün — gelb — rot, son­dern grün — gelb — blau. Höchst merk­wür­dig. Als er eine Woche spä­ter wie­der bei einem Foot­ball­spiel das Glei­che erlebt, scheint sei­ne Fami­lie plötz­lich ver­mö­gend gewor­den zu sein: “Ich glau­be, am selt­sams­ten war der Moment, als ich zu unse­rem Haus kam. Obwohl ich nicht wuss­te, wohin ich fuhr, erkann­te ich es, als ich es sah.” (Zitat S.54) Ash hat ein viel bes­se­res Auto, ver­steht sich auf ein­mal bes­tens mit sei­nem Bru­der, hat aber wohl auch mit der Schwes­ter sei­nes bes­ten Freun­des Leo geschla­fen und dealt mit Dro­gen! Was pas­siert nur mit ihm? Bald naht das nächs­te Foot­ball­spiel und es kommt noch schlim­mer — beim nächs­ten Zusam­men­stoß wird auf ein­mal die Ras­sen­tren­nung wie­der ein­ge­führt! Und dann ist die Schwes­ter sei­nes bes­ten Freun­des plötz­lich tot und Leo scheint Ash gar nicht mehr Kasimirazu ken­nen! Denn Leo ist ein Schwar­zer und geht natür­lich in die­ser Welt natür­lich nicht auf die glei­che Schu­le. Ash muss unbe­dingt her­aus­fin­den, wie er all das wie­der rück­gän­gig machen kann…

Das Cover ist höchst fas­zi­nie­rend und auf­fäl­lig gestal­tet. Die fal­len­den, schwar­zen Männ­chen pas­sen cho­reo­gra­fisch her­vor­ra­gend zum Inhalt und tau­chen auch im Inne­ren des Buches an beson­de­ren Stel­len wie­der auf, näm­lich jedes Mal, wenn Ash — der durch­gän­gi­ge Ich-Erzäh­ler der Geschich­te — wie­der in einer neu­en Dimen­si­on lan­det, dann wird am Sei­ten­rand ein schwar­zes Männ­chen abge­bil­det und zudem — sehr raf­fi­niert gemacht — das kom­plet­te Schrift­bild ver­än­dert. Eini­ges in “Game Chan­ger: Es gibt unend­lich vie­le Mög­lichei­ten, alles falsch zu machen” ist ein wenig anders, als in ande­ren Büchern: im Innen­ein­band ist eine rie­si­geKasimira Zeich­nung, die wie ein Comic­bild wirkt, abge­druckt, dann folgt eine recht mys­te­riö­se Wid­mung mit unzäh­li­gen Namen, die so zahl­reich sind, dass sie immer klei­ner wer­den und in der Mit­te ein “Gewid­met den vie­len Opfern des Unge­zie­fers Igno­ranz und Into­le­ranz” (Zitat S.5) tra­gen. Nach einem Zitat aus einem Song einer Band, die in dem Buch erwähnt wird, beginnt schließ­lich der in Kapi­tel unter­teil­te Haupt­teil der Geschich­te. Ich muss geste­hen am Anfang erst ein wenig gebraucht zu haben, um in die­se hin­ein­zu­kom­men. Vie­le Foot­ball­de­tails, vie­le Per­so­nen, vie­le direk­te Anre­den an den Leser. Ash spricht die Leser immer wie­der an, wie zum Bei­spiel mit “Merkt euch das, denn es kommt noch mal vor.” (Zitat S.11). Denn im Grun­de — und so ver­deut­licht es auch der ers­te Satz des Buches bereits — erzählt er dem Leser sei­ne Geschich­te: “Ihr wer­det mir nicht glau­ben. Ihr wer­det sagen, ich hät­te den Ver­stand ver­lo­ren oder zu vie­le Gehirn­er­schüt­te­run­gen erlit­ten. […] Ich weiß von welt­ver­krüm­men­den Ereig­nis­sen, dieKasimira nicht von Wis­sen­schaft­lern oder den Nach­rich­ten ver­folgt wer­den kön­nen. Ver­än­de­run­gen, die nie­mand sonst auf der Erde je mit­be­kom­men wird. Aber ihr müsst mir nichts von dem abkau­fen, was ich euch erzäh­le. Eigent­lich ist es sogar bes­ser, wenn ihr es nicht tut.” (Zitat S.9) Die Geschich­te ist an sich schon recht unter­halt­sam, aber manch­mal fehl­te mir ein­fach der sich stei­gern­de Span­nungs­bo­gen. Die Spra­che ist locker und leicht, dann aber auch wie­der anspruchs­voll und mit einer phi­lo­so­phi­schen Note: “Wir sind so begrenzt. Als Spe­zi­es. Als Indi­vi­du­en. Wir kön­nen nicht nur nicht in die Zukunft sehen, wir sehen auch die Gegen­wart nicht so, wie sie ist. Zu sehr ist unser Blick getrübt von den Din­gen, die wir uns wün­schen, und den Din­gen, die wir fürch­ten.” (Zitat S.122) Vor allem exis­ten­ti­el­le Fra­gen über das Leben wer­den in “Game Chan­ger” unwei­ger­lich in den Mit­tel­puKasimirankt gestellt. Wel­chen Ein­fluss haben Ent­schei­dun­gen auf den wei­te­ren Lebens­weg? Was wird uns bereits in die Wie­ge gelegt auf­grund unse­rer Gene und wel­che Ent­schei­dun­gen tref­fen wir auf­grund unse­rer Umwelt? “Aber war das wirk­lich mei­ne Wahl gewe­sen? Foot­ball war die gro­ße Lie­be mei­nes Vaters. Über Foot­ball hat­ten wir eine Ver­bin­dung, also habe ich es auch geliebt. So ist das manch­mal, wenn man Kind ist. Man isst, was einem die Eltern auf den Lebenstel­ler legen.” (Zitat S.14) Man­che Ver­än­de­rung war im letz­ten Teil des Buches dann fast doch etwas zu gewollt, um einen Bei­trag zum The­ma Diver­si­tät (und (zu) vie­len ande­ren) zu leis­ten. Etwas schräg und bemüht. Auch wenn das Erzähl­tem­po gegen Ende dann wie­der etwas anzieht, lässt mich die­ser Roman doch etwas zwie­ge­spal­ten zurück.

Fazit: Außer­ge­wöhn­lich, unge­wöhn­lich, defi­ni­tiv anders. 

Dir gefällt der Erzähl­stil von Neal Shus­ter­man? Dann lies noch sei­ne ande­ren Bücher. Bekannt gewor­den ist er mit sei­ner “Voll­endet”-Rei­he (Band 1: Voll­endet: Die Flucht”, Band 2: “Voll­endet: Der Auf­stand”Band 3: “Voll­endet: Die Rache”). Sei­ne letz­te Rei­he ist die “Scy­the”-Rei­he (Band 1: “Scy­the: Die Hüter des Todes” und Band 2: “Scy­the: Der Zorn der Gerech­ten” und “Scy­the: Das Ver­mächt­nis der Ältes­ten”). Für jün­ge­re Leser (ab 11 Jah­ren) hat er noch die “Tes­la”-Rei­he geschrie­ben: “Tes­las unvors­teLesealternativenllbar genia­les und ver­blüf­fend kata­stro­pha­les Ver­mächt­nis” (Band 1), “Tes­las irr­sin­nig böse und atem­be­rau­bend revo­lu­tio­nä­re Ver­schwö­rung” (Band 2) und “Tes­las gran­di­os ver­rück­te und kom­plett gemein­ge­fähr­li­che Welt­ma­schi­ne” (Band 3). Außer­dem schrieb er über die Erkran­kung (Schi­zo­phre­nie) sei­nes Soh­nes den Roman “Kom­pass ohne Nor­den”der 2019 den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis erhielt. Gemein­sam mit sei­nem Sohn Jar­rod schrieb er außer­dem den wirk­lich span­nen­den Umwelt­thril­ler “Dry”. Eine inhalt­lich gute Alter­na­ti­ve zu “Game Chan­gers” ist zum Bei­spiel “Mein schö­nes fal­sches Leben” von Hil­ary Free­man. Hier wacht die Prot­ago­nis­tin eines Mor­gens in einer ande­ren Ver­si­on ihres Lebens auf. Roma­ne über Par­al­lel­wel­ten gibt es jede Men­ge, die meis­ten drif­ten in fan­tas­ti­sche Wel­ten ab. Ande­re, die dies nicht tun, wären zum Bei­spiel: “Ein Tag, zwei Leben” von Jes­si­ca Shir­ving­ton, die “Zimt”-Rei­he von Dag­mar Bach (“Zimt und weg”, “Zimt und zurück”) und die “Wel­ten”-Rei­he von Sara Oli­ver (“Gefan­gen zwi­schen den Wel­ten” und “Ver­lo­ren zwi­schen den Wel­ten”). Eine sehr gute Alter­na­ti­ve ist eben­so “Das Laza­rusphä­no­men: Wenn die gan­ze Welt dich jagt” und “Die Car­ring­ton­ka­ta­stro­he: Wenn die gan­ze Welt dich jagt” von Kje­til Johnsen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5884-2
Erscheinungsdatum: 13.Oktober 2021
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 416
Übersetzer: Kristian Lutze, Andreas Helweg, Pauline Kurbasik
Originaltitel: "Game Changer"
Originalverlag: Walker Books

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira











Neal Shusterman beantwortet Fragen (auf Englisch):

Neal Shusterman liest aus seinem Buch (auf Englisch):

Kasimira auf Instagram:

Kasimira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 

(3 von 5 mög­li­chen Punkten)

---------------------------------------
Amerikanisches Cover:  Homepage von Harper Collins

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.