Neal & Jarrod Shusterman — Dry

2.Juni 2019

Der ame­ri­ka­ni­sche Autor Neal Shus­ter­man hat gemein­sam mit sei­nem Sohn Jar­rod einen End­zeit-Thril­ler geschrie­ben: “Dry”. Ein Buch über das all­mäh­li­che Ver­sie­gen des Was­sers in Ame­ri­ka und dem Aus­nah­me­zu­stand, der dar­auf­hin folgt. Ein Kampf ums Über­le­ben. Ein Grau­en, das lang­sam um sich greift. Beängs­ti­gend, erschre­ckend und äußerst packend geschrie­ben! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Dass so etwas eines Tages pas­sie­ren wür­de, damit hat kei­ner aus der Fami­lie der 17-jäh­ri­gen Alys­sa gerech­net: “Der Was­ser­hahn in der Küche gibt sehr bizar­re Geräu­sche von sich. Er keucht und hus­tet, als hät­te er einen Asth­ma­an­fall. Er gur­gelt wie ein Ertrin­ken­der, spuckt ein­mal und ver­stummt dann ganz.” (Zitat aus “Dry” S.9) Wäh­rend sie zunächst noch an ein Klemp­ner­pro­blem glau­ben, müs­sen sie bald fest­stel­len, dass in der gan­zen Stadt das Was­ser abge­stellt wur­de. Es ist ein­fach nichts mehr da. “Ari­zo­na und Neva­da sind gera­de aus dem Stau­see-Hilfs­pro­gramm aus­ge­stie­gen”, erklärt Mom. “Sie haben die Schleu­sen­to­re aller Däm­me geschlos­sen. Sie brau­chen das Was­ser selbst, sagen sie.” Das bedeu­tetKasimira, der Colo­ra­do River kommt nicht mehr in Kali­for­ni­en an.” (Zitat S.11) Schon vor eini­ger Zeit ist das Cen­tral Val­ley lang­sam aus­ge­trock­net. Schon vor eini­ger Zeit gab es Geset­zes­än­de­run­gen, die das Wer­fen von Was­ser­bom­ben unter­sag­ten oder die Nut­zung und Befül­lung von pri­va­ten Swim­ming­pools. Alys­sas Onkel Basil ver­sucht die Fami­lie den­noch zu beru­hi­gen: “Ver­mut­lich dau­ert es nicht län­ger als einen Tag, bis der Bezirk das Was­ser wie­der lau­fen lässt. Wir brau­chen höchs­tens ein paar Käs­ten. […] Seht es mal posi­tiv”, sagt Onkel Basil, “Wahr­schein­lich müsst ihr ein paar Tage nicht zur Schu­le.” (Zitat S.16) Also fah­ren Alys­sa, ihrer klei­ner Bru­der Gar­rett und ihr Onkel in den Super­markt, um ein paar Fla­schen Was­ser zu kau­fen, für den Über­gang. Doch sie sind nicht die Ein­zi­gen, die auf die­se Idee gekom­men sind, wie sie im völ­lig über­füll­ten Geschäft fest­stel­len müs­sen. Die Geträn­ke sind bald rest­los aus­ver­kauft. KasimiraAlys­sa schafft es im letz­ten Moment noch zu ein paar Säcken Eis­wür­fel zu grei­fen. Die fül­len sie dann in ihre Bade­wan­ne. Aber was ist, wenn so schnell kein Was­ser mehr nach­kommt? Als Alys­sa und Gar­retts Eltern zu einer Anla­ge ans Meer fah­ren, die Salz­was­ser in Trink­was­ser umwan­deln soll, um dort für Nach­schub zu sor­gen und nicht zurück­keh­ren, müs­sen die bei­den erken­nen, dass die Lage all­mäh­lich aus dem Ruder zu lau­fen beginnt. Gemein­sam mit dem Nach­bars­jun­gen Kel­ton, den Alys­sa eigent­lich für einen Spin­ner hält, der aber über eini­ges an Wis­sen und vor allem an Was­ser ver­fügt, bege­ben sie sich zu Dritt auf die Suche nach Alys­sas Eltern. Doch der Kampf um das Was­ser macht die Men­schen unbe­re­chen­bar…

Dry” macht bereits mit dem Unter­ti­tel auf dem Cover auf sehr prä­gnan­te Wei­se deut­lich um was es in dem End­zeit-Thril­ler gehen Kasimirawird: “Kein Was­ser. Nicht heu­te. Nicht mor­gen. Viel­leicht nie mehr.” Hoch ent­zünd­li­cher Lese­stoff. Men­schen ohne Was­ser — eine explo­si­ve Mischung — das bren­nen­de Streich­holz, des­sen Flam­me jedoch nicht aus Feu­er, son­dern aus Was­ser besteht, ist hier­zu geschickt gewählt. Das Buch wird in fünf Tei­len und aus meh­re­ren Sicht­wei­sen erzählt. Das Haupt­au­gen­merkt liegt hier­bei auf den jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ven von Alys­sa und Kel­ton, wäh­rend spä­ter noch ande­re Per­so­nen hin­zu­kom­men. Inter­es­sant sind auch die in einem ande­ren Schrift­bild gestal­te­ten Schnapp­schüs­se (“Snapshot”), die zwi­schen­durch immer wie­der ein­ge­blen­det wer­den und die unter­schied­lichs­ten Men­schen an ihren jewei­li­gen Orten zei­gen und wie sie mit die­ser Situa­ti­on fer­tig wer­den. Was mir beson­ders gut gefal­len hat, ist die sich lang­sam stei­gern­de Bedro­hung, die sich ver­än­dern­den Stim­mun­gen, die Neil und Jar­rod Shus­ter­man beson­ders gut ein­ge­fan­gen haben: Irgend­was fühlt sich komisch an. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber es hängt in der Luft wie ein KasimiraGeruch. Es ist die Unge­duld der Men­schen vor den Kas­sen. Fast wie mit einem Ramm­bock bah­nen sich die Leu­te mit ihren Ein­kaufs­wä­gen einen Weg durch die Schlan­gen. Es herrscht eine Art pri­mi­ti­ve Ur-Feind­lich­keit, nur ver­deckt von einer dün­nen Schicht aus vor­städ­ti­scher Höf­lich­keit, die lang­sam faden­schei­nig wird.” (Zitat S.17ff) Den Autoren gelingt es unheim­lich gut die­ses Sze­na­rio, die­ses sich Ver­än­dern von Umwelt­be­din­gun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen in Wor­te zu fas­sen. Ein rea­lis­ti­sches Bild zu zeich­nen, wie eine Welt aus­se­hen könn­te, in der das Was­ser tat­säch­lich knapp wird. Bald hat man fast ein komi­sches Gefühl beim Lesen, wenn man gera­de kein Glas Was­ser in der Nähe hat und der Mund tro­cken wird. Auch der Blick auf einen flie­ßen­den Was­ser­hahn scheint fast ein biss­chen ver­schwen­de­risch. An man­chen Stel­len wird der Thril­ler sogar uner­war­tet phi­lo­so­phisch, wäh­rend die KasimiraAutoren sich über gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren aus­las­sen oder Ent­wick­lungs­sta­di­en beschrei­ben : “Als Kind idea­li­siert man sei­ne Eltern. Man glaubt, sie sei­en per­fekt, weil sie das Maß sind, mit dem man den Rest der Welt und ich selbst misst. Als Teen­ager ist man nur noch genervt von ihnen, weil man erkennt, dass sie eben doch nicht per­fekt und sogar noch ein biss­chen ver­korks­ter sind als man selbst. Aber dann gibt es einen Moment, in dem man begreift…” (Zitat S.173) Der Span­nungs­bo­gen ist gut gezo­gen. Eigent­lich pas­siert stän­dig irgend­et­was. Ein Moment zum Luft­ho­len (oder Was­ser­trin­ken;-)) bleibt kaum, denn wie man das Tem­po hält, das ver­ste­hen Neil & Jar­rod Shus­ter­man. Beson­ders zum Ende hin — ner­ven­zer­rei­ßen­de Span­nung!

Dir gefällt Neal Shus­ter­mans Erzähl­still? Dann lies noch sei­ne vor­he­ri­gen Rei­hen: die “Voll­endet”-Rei­he: “Die Flucht” (Band 1), “Der Auf­stand” (Band 2), “Die Rache” (Band 3) und “Die Wahr­heit” (Band 4). Danach folg­te die “Scy­the”-Rei­he: “Die Hüter des Todes” (Band 1) und “Der Zorn der Gerech­ten” (BandLesealternativen 2). Einen bewe­gen­den Roman zum The­ma Schi­zo­phre­nie hat Neal Shus­ter­man eben­falls geschrie­ben: “Kom­pass ohne Nor­den”, der die Krank­heits­ge­schich­te sei­nes Soh­nes Jar­rod zum The­ma nimmt und aktu­ell für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis nomi­niert ist. Du suchst inhalt­li­che Alter­na­ti­ven zu “Dry”? Sehr pas­send ist “Bis zum letz­ten Trop­fen” von Min­dy McGin­nis oder auch “Über uns Stil­le” von Best­sel­ler­au­tor Mor­ton Rhue. Ein wenig hat mich der Roman auch an die “Dark Insi­de”-Rei­he von Jeyn Roberts (Band 1: “Dark Insi­de”Band 2: “Rage Insi­de”) und an die Rei­he von Susan Beth Pfef­fer erin­nert: Die Welt, wie wir sie kann­ten” (Band 1), “Die Ver­lo­re­nen von New York” (Band 2) und “Das Leben, das uns bleibt” (Band 3). Oder lies die gelun­ge­ne Novi­tät aus dem Früh­jahr: “Davor und danach” von Nicky Sin­ger. Was­ser­knapp­heit, das erlebst du zudem in Der lan­ge Weg zum Was­ser” von Lin­da Sue Park (beruht auf einer wah­ren Bege­ben­heit) und in “Bren­nen­der Durst” von Liz­zie Wil­cock.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer
ISBN: 978-3-7373-5638-1
Erscheinungsdatum: 22.Mai 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 448
Übersetzer: Kristian Lutze, Pauline Kurbasik
Originaltitel: "Dry"
Originalverlag: Simon & Schuster

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira











Trailer zum Buch (auf Englisch):
 
Neal Shusterman spricht über sein Buch (auf Englisch):
 

Kasimiras Bewertung:

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