Natasha Preston — The Twin: Geliebtes Schwesterlein

Kasimira19.November 2021

The Twin: Gelieb­tes Schwes­ter­lein” ist das ers­te Buch der bri­ti­schen Autorin Nata­sha Pres­ton, das ins Deut­sche über­setzt wur­de. Sie erzählt die Geschich­te der (Zwillings-)Schwestern Iris und Ivy, die nach der Tren­nung ihrer Eltern eben­falls getrennt wur­den und nun — nach dem Tod der Mut­ter — wie­der zusam­men woh­nen dür­fen. Doch war­um hat Ivy das Gefühl, dass Iris sich immer mehr in ihr Leben drängt? Buch­stäb­lich ihren Platz ein­zu­neh­men ver­sucht? Was hat ihre Schwes­ter vor? Ein atmo­sphä­risch dicht erzähl­ter Psy­cho­thril­ler über Trau­er­be­wäl­ti­gung, Schwes­tern­be­zie­hun­gen und dunk­le Abgrün­de mensch­li­cher See­len. Eine Geschich­te, die lang­sam beginnt und sei­ne Leser immer mehr in ihren Bann zieht. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Vor zwei Wochen ist Ivys Mut­ter gestor­ben. Ein töd­li­cher Unfall. Und obwohl Ivy seit der Tren­nung ihrer Eltern vor sechs Jah­ren bei ihrem Vater lebt, trifft sie der Ver­lust ihrer Mut­ter hart. Denn damals — als die Zwei sich nach unzäh­li­gen Strei­te­rei­en getrennt haben, hat sie sich für ihren Vater ent­schie­den. “Iris und ich haben nie dar­über gespro­chen, aber für sie war die Tren­nung eine Über­ra­schung. Sie brüll­te, und dann wein­te sie, wäh­rend ich stumm dane­ben­saß und im Stil­len plan­te, wie ich ihnen bei­brin­gen wür­de, dass ich bei Dad blei­ben woll­te.” (Zitat aus “The Twin: Gelieb­tes Schwes­ter­lein” S.8) Und auch wenn Bekann­te und Freun­de sag­ten, dass es doch unmög­lich sei, Zwil­lin­ge von­ein­an­der zu tren­nen, haben sie Kasimiradies gemacht. “Dad und ich hat­ten uns immer nahe­ge­stan­den, wir haben eine Men­ge gemein­sa­me Vor­lie­ben, von Fil­men und Musik bis zu Hob­bys und Essen. Er ist der­je­ni­ge, der kla­re Regeln auf­stellt, ohne die ich nicht zurecht­kom­men wür­de. Mom war locker, manch­mal zu locker, bei ihr hät­te ich nie­mals etwas geschafft.” (Zitat S.8ff) Denn Ivy und Iris sind sehr verschie­den. Wäh­rend Iris eher emo­tio­nal ist, ist Ivy die Ratio­na­le, Ver­nünf­ti­ge­re der bei­den. Sie ist ehr­gei­zig, will unbe­dingt ein Schwimm­sti­pen­di­um gewin­nen und ver­sucht alle auf­tau­chen­den Pro­ble­me am liebs­ten sofort zu lösen. Nun zieht Iris wie­der in das Haus ihres Vaters ein, doch sie kommt Ivy vor wie eine Frem­de. Die bei­den stan­den sich frü­her schon nicht all­zu nah. Doch nun ist es äußerst schwie­rig wie­der an sie her­an­zu­kom­men. Iris hat jetzt nie­man­den. Sie war beliebt und hat­te immer eine Rie­sen­cli­queKasimira um sich, aber sie spricht mit nie­man­dem von ihrer alten Schu­le. Es ist komisch, dass eine, die immer von Leu­ten umge­ben war, plötz­lich kei­ne ein­zi­ge Freun­din mehr hat.” (Zitat S.51) Also ver­sucht Ivy sie in ihre Cli­que und an ihrer Schu­le zu inte­grie­ren. Aber war­um hat sie immer mehr das Gefühl, dass Iris sie eigent­lich gar nicht braucht, son­dern nur noch mehr Raum in ihrem Leben ein­neh­men will? Als sie einen Stun­den­plan erhält, in dem sie die meis­ten Kur­se getrennt von Ivy ver­bringt, macht sie ordent­lich Thea­ter, dass sie sich alles noch nicht allei­ne zutraue, und erhält schließ­lich einen neu­en, in dem sämt­li­che Kur­se mit denen von Ivy über­ein­stim­men. “Sie braucht mich nicht. Ihre Reak­ti­on auf den ers­ten Stun­den­plan war eine Show­num­mer. Iris will aus einem ande­ren Grund in mei­nen Kur­sen sein. War­um?” (Zitat S.91) Immer mehr hat Ivy den Ein­druck, dass ihre Schwes­ter einen ganz eige­nen Plan verfolgt…

Das Cover wirkt düs­ter, fast ein wenig unschein­bar, aber irgend­wie inter­es­sant. Eine gel­be Rose, die hei­le ist und eine, die buch­stäb­lich zer­fetzt aus­sieht? Das passt her­vor­ra­gend auf das inhalt­li­che Set­ting der Geschich­teKasimira, wel­che durch­ge­hend in der Ich-Per­spek­ti­ve und aus Ivys Sicht geschrie­ben ist. Die Spra­che ist sehr klar und ange­nehm zu lesen. Am Anfang wird noch ein beson­de­res Augen­merk auf die Trau­er­ver­ar­bei­tung der Prot­ago­nis­tin gelegt wird, die sehr von dem Tod der Mut­ter mit­ge­nom­men wird: “Es gibt kei­ne Wor­te für das, was pas­siert ist. Alles, wor­an ich den­ken kann, kommt mir leer und belang­los vor. Nichts ist groß genug, um die gewal­ti­ge Lee­re zu fül­len, die unse­re Mom hin­ter­las­sen hat.” (Zitat S.6) Hier wird schnell der Unter­schied zur Zwil­lings­schwes­ter Iris klar, die zwar eigent­lich die Emo­tio­na­le­re der bei­den ist, aber bis­her noch kein ein­zi­ges Mal geweint hat. Nicht ein­mal nachts kann Ivy ihre Schwes­ter Trä­nen ver­gie­ßen hören. Doch sobald sie Iris auf ihre Mut­ter anspricht, blockt die­se das The­ma ab. Will nicht dar­über reden. Wäh­rend Ivy eine The­ra­pie beginnt, um ihre Trau­er zu ver­ar­bei­ten, möch­te Iris mög­lichstKasimira schnell wie­der zur Schu­le gehen. Anschluss fin­den. Jede Men­ge unheil­vol­le Momen­te wer­den in den Psy­cho­thril­ler ein­ge­ar­bei­tet. Gleich zu Beginn fin­dest sich bei­spiels­wei­se fol­gen­de Stel­le am Ende eines Kapi­tels wie­der: “Ich schlie­ße die Auto­tür und bli­cke mich dabei zum Haus um. Was? An mei­nem Armen sträu­ben sich die Haa­re. Iris beob­ach­tet mich durch ein Fens­ter im ers­ten Stock. Aber sie ist nicht in ihrem Zim­mer. Son­dern in mei­nem.” (Zitat S.11) Die Span­nung baut sich in “The Twins: Gelieb­tes Schwes­ter­lein” immer mehr auf. Manch­mal hät­te durch­aus noch etwas mehr sein kön­nen, eini­ges an For­mu­lie­ren wie­der­holt sich irgend­wie auch. Gegen Ende spitzt sich alles dann ziem­lich zu. Jedoch muss ich geste­hen, dass mir der Aus­gang lei­der nicht beson­ders gefal­len hat. Man war­tet auf den gro­ßen Clou und ist dann etwas ent­täuscht, wie alles ausgeht.

Im Deut­schen ist “The Twin: Gelieb­tes Schwes­ter­lein” bis­her das ein­zi­ge Buch von Nata­sha Pres­ton. Auf Eng­lisch kannst du noch eini­ge mehLesealternativenr auf ihrer Home­page fin­den. Du magst span­nen­de Geschich­ten über Zwil­lin­ge? Dann lies zum Bei­spiel “Book of lies” von Teri Ter­ry, hier ler­nen sich die Zwil­lings­schwes­tern erst bei der Beer­di­gung der Mut­ter ken­nen. Oder “Two can keep a secret” von Karen McMa­nus oder auch sehr pas­send “Die See­le mei­ner Schwes­ter” von Tri­sha Lea­ver. Rich­tig klas­se sind außer­dem “Feu­er­schwes­ter” von Emi­ko Jean“In dei­nem Licht und Schat­ten” von Loui­sa Reid und “Zer­trenn­lich” von Saskia Sar­gin­son. Das eige­ne Leben, in das sich jemand ande­res nach und nach hin­ein­drängt? Die­se The­ma­tik fin­dest du in eini­gen sehr gelun­ge­nen Roma­nen: “Böses Mäd­chen” von Amé­lie Nothomb, “Die Wahr­heit über Ali­ce” von Rebec­ca James“Spin­nen­fal­le” von Nina Schind­ler“Du denkst, du weißt, wer ich bin” von Em Bai­ley, Spring in den Him­mel” von Lot­te Kin­s­ko­fer, “Böse, böse” von Eliza­beth Woods und “Die Beses­se­ne” von S.B.Hayes. Etwas neu­er wäre noch “Life­Hack: Dein Leben gehört mir” von June Per­ry.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31403-6
Erscheinungsdatum: 9.November 2021
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 432
Übersetzer: Gabriele Haefs
Originaltitel: "The twin"
Originalverlag: Delacorte Press

Britisches Originalcover: 
Kasimira











Trailer zum Buch (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Cover: Homepage von Natasha Preston

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