Der Peter-Härtling-Preis ging im Jahr 2013 an die lettisch-deutsche Autorin Nataly Savina für ihren Roman “Love Alice”. “Ein mutiges und gekonnt choreographiertes Manuskript” schreibt die Jury in ihrer Begründung. Eine Geschichte über eine außergewöhnliche Freundschaft, eine Mutter-Tochter-Beziehung und einen unerwarteten Schicksalsschlag. Ein herausragendes Buch, das unter die Haut geht — absolut lesenswert! Jetzt neu als Taschenbuch erschienen. Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Die 14-jährige Alice fühlt sich einsam. Kein Wunder — ihre Mutter, eine eigensinnige Opernsängerin reist für ihre Auftritte von Ort zu Ort. Fünf Mal musste Alice schon die Schule wechseln. Freunde finden ist da schwierig. Auf ihrer neusten Schule ist es jedoch anders. Da gibt es ein Mädchen, das Kristin heißt, auf ihr Namensschild aber eine Kirsche gemalt hat und von allen Cherry genannt werden möchte. Sie ignoriert Alice zunächst, beginnt dann aber die Grenzen ihrer beginnenden Freundschaft auszuloten. Cherry mit ihren knallroten Haaren und ihrem abgedrehten, launenhaften Wesen. Sie unternehmen gemeinsame Ausflüge in ein bizarres Scherzartikel- und Kostümgeschäft, in eine Zoohandlung, in der Alice in ein Becken mit Fischen hineinfassen soll, die nach ihren Fingern schnappen (es waren Piranhas!). Als die wagemutige Freundin über einen Stacheldrahtzaun klettert und Alice hinterher will, wackelt Cherry daran, bis sie hinunterstürzt und eine Schramme an der Stirn bekommt. Und doch ist Cherry für Alice das Aufregendste, was ihr je passiert ist. Sie bauen gemeinsam ein Haus aus Tannen, sie basteln sich lustige Hawaiikleider und tanzen durch Cherrys Wohnung und sie holen sich Froschlaiche aus dem See, um sie aufwachsen zu sehen. Aber dann passiert etwas Schreckliches…
“Love Alice” ist ein ausdrucksstarker Roman mit einer intensiven, präzisen Sprache. Einige Formulierungen wirken noch lange nach und bieten viel Raum für eigene Interpretationen. Die größte Stärke des Buches liegt vor allem in der hervorragenden Zeichnung der einzelnen Charaktere, die so vielschichtig und greifbar wirken, als entsprängen sie nicht der Fantasie, sondern der Wirklichkeit. Alice ist ein besonderes Mädchen, sie träumt sich auf Flügeln in die Wolken hinein, in eine riesengroße Zuckerlandschaft, zu der Erwachsene keinen Zutritt haben. Zuhause tut sie
so, als brüte sie ein Marmor-Ei aus, dem dann ein Plüschtiervogel entschlüpft. Sie hat kein großartiges künstlerisches Talent, so wie ihre begabte Mutter, die sich zuweilen etwas theatralisch gibt. “Die Menschheit stirbt”, flüstert ihr die Mutter abends — hinsichtlich Naturkatastrophen und Umweltverschmutzung — zu, “Deshalb musst du jeden einzelnen Tag genießen.” (Zitat aus “Love Alice”) Ein hoher Druck, der da auf dem 14-jährigen Mädchen lastet, die ihrer Mutter regelmäßig Gedichte vorlesen soll und am besten selbst noch eines auswendig lernen soll, obwohl sie dessen Sinn nicht versteht. Ihrer Mutter muss Alice viel Raum lassen, allzu viele Nähe verträgt sie nicht. Ausführliche Gespräche — “infantiles Wühlen im Selbst” wie sie sagt- mag sie ebenfalls nicht, als ob sie all ihre Gefühle auf der Bühne bereits verbraucht hätte. Doch Alices Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe ist groß. Als Cherry in ihr Leben tritt, erfüllt sie diese Freundschaft über die Maßen und die beiden werden unzertrennlich. Verrückte Ideen, außergewöhnliche Momente und eine neue, ungewohnte Art der Nähe verbinden sie. Das verändert auch Alices Beziehung zu ihrer Mutter: “Du sorgst dich nur um dich”, wirft sie ihr vor, “Du willst keine Tochter, sondern nur eine Freundin. Aber ich habe schon eine Freundin.” (Zitat aus “Love Alice”).Erst gegen Ende des Buches entsteht eine Nähe zwischen Mutter und Tochter, die es so noch nie gab. Und Alice begreift schließlich auf verhängnisvolle Weise auch den Sinn des Gedichts, das sie auswendig lernen sollte.
Fazit: Ein rundherum gelungenes Buch mit einem sehr ansprechenden, etwas geheimnisvoll wirkenden Cover.
Du magst Bücher über eine besondere, außergewöhnliche Freundschaft? Dann lies doch mal die Neuerscheinung “Spring in den Himmel” von Lotte Kinskofer oder “Love you, hate you, miss you” von Elizabeth Scott. Ebenfalls in dieselbe Richtung gehen “Du denkst, du weißt, wer ich bin” von Em Bailey oder für Jugendliche ab 16: “Die Wahrheit über Alice” von Rebecca James. Sehr zu empfehlen ist auch “The lovely way: Nur wenn du aufgibst, wird der Tod lebensgefährlich” von Sanne Näsling.
Bibliografische Angaben:Verlag: Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74526-2 Erscheinungsdatum: 2.März 2015 Einbandart: Taschenbuch Preis: 7,95€ Seitenzahl: 160 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: - Trailer zum Buch:
Kasimiras Bewertung:
(5 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-74526-2
Erscheinungsdatum: 2.März 2015
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 7,95€
Seitenzahl: 160
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -
Trailer zum Buch: