Nataly Elisabeth Savina — Meine beste Bitch

Nataly Elisabeth Savina - Meine beste Bitch19.Oktober 2018

Mei­ne bes­te Bitch” ist nun das drit­te Buch der let­tisch-deut­schen Autorin Nata­ly Eli­sa­beth Savina. Ein Roman über Freund­schaft, das Erwach­sen­wer­den und die Schwie­rig­kei­ten, die mit all dem ein­her­ge­hen. Eine unver­wech­sel­ba­re, eigen­wil­lig erzähl­te Geschich­te mit beson­de­ren Cha­rak­te­ren und teils schrä­gen Sze­ne­ri­en. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Eine namen­lo­se Klein­stadt. Hier lebt Fai­na mit ihren Mut­ter, einer Psych­ia­te­rin, nach­dem der Vater die Fami­lie ver­las­sen hat. Schon als Kind war sie unru­hig, litt unter Ängs­ten, für deren Ursprung ihre Eltern ver­schie­dens­te Theo­ri­en hat­ten. Eine davon ist der “Sche­ren­mann”, ein Pati­ent, der die Psych­ia­te­rin einst mit einer Sche­re angriff und ver­letz­te und ein Trau­ma in Fai­na aus­lös­te. “Mei­ne Unru­he kam in vie­len Gestal­ten. Je nach Tages­form war sie ein Zit­tern, eine ner­vö­se Nie­der­ge­schla­gen­heit, und zuletzt wur­de sie immer häu­fi­ger zum quä­len­den Jucken.” (Zitat aus “Bes­te Bitch”  S.18) Erst ihre Freund­schaft zu der ein Jahr älte­ren, quir­li­gen Nike bringt ein wenig Ver­än­de­rung in Fai­nas Leben. Bei einer Demons­tra­ti­on haben sie sich ken­nen­ge­lernt. Obwohl die Mäd­chen auf unter­schied­li­che Schu­len gehen, hän­gen sie bald dar­auf die meis­te Zeit des Tages zusam­men ab. Oder schrei­ben sich Nach­rich­ten, Brie­fe oder tele­fo­nie­ren abends heim­lich unter Nataly Elisabeth Savina - Meine beste Bitchder Bett­de­cke mit­ein­an­der. Seit dem Tag unse­res Ken­nen­ler­nens erzähl­te ich Nike alles, und das meis­te sofort. Nur die eine Win­zig­keit mit der Unru­he behielt ich für mich. Mei­ne Ängs­te und ihre Begleit­erschei­nun­gen, gegen die mei­ne Mut­ter seit mei­ner Kind­heit wie ein tap­fe­rer Zinn­sol­dat kämpf­te, exis­tier­ten in Nikes Gegen­wart ein­fach nicht.” (Zitat S.17) Mit Nike fühlt Fai­na sich heil. Nike, die vor Ener­gie nur so sprüht, die unter­neh­mungs­lus­tig ist und am liebs­ten die gan­ze Welt ver­än­dern will: “Nike schrieb für die Schü­ler­zei­tung und ver­an­stal­te “poli­ti­sche Wah­len” für Grund­schü­ler, führ­te einen femi­nis­ti­schen Blog und teil­te stän­dig Online­ar­ti­kel, die sich um irgend­wel­che neu­en Geset­ze und euro­päi­schen Unge­rech­tig­kei­ten dreh­ten.” (Zitat S.25) Dann lernt Fai­na auf einem Fried­hof bei der Beob­ach­tung eines ver­letz­ten Eich­hörn­chens, des­sen sie sich annimmt, den älte­ren Juli­an ken­nen“Er lächel­te. “Gera­de habe ich noch gedacht, nichts ergibt einen Sinn, und dann das.” Er schlug die Augen wie­der auf und sah mich an. “Dann tauchst du auf.” (Zitat S.43) Doch sowohl er, als auch Nike, die ihr Abitur soeben been­det hat, gehen bei­de nun zum Stu­die­ren nach Ber­lin. Sind plötz­lich weg aus Fai­nas Leben, die sich nach der Frei­heit in dem fer­nen Ber­lin sehnt. Aber als sie auf Umwe­gen schließ­lich auch in die heiß ersehn­te Nataly Elisabeth Savina - Meine beste BitchStadt kommt, raus aus dem Klein­stadt­i­dyll, muss sie fest­stel­len, dass Träu­me manch­mal zer­plat­zen kön­nen wie Sei­fen­bla­sen und dass das Erwach­sen­wer­den mit­un­ter auch schmerz­haft und schwer sein kann…

Eigent­lich hat­te ich mich auf das neue Buch von Nata­ly Eli­sa­beth Savina schon sehr gefreut, nach­dem ich von “Love Ali­ce” so begeis­tert war. Jedoch muss ich geste­hen, dass ich nicht ganz sicher bin, was ich von dem neu­en Werk hal­ten soll. Sprach­lich gese­hen ist es nicht ganz so atmo­sphä­risch und inten­siv wie der Vor­gän­ger­ti­tel und war­tet auch mit einer Prot­ago­nis­tin auf, mit der ich beim Lesen irgend­wie nicht warm wer­den konn­te. Die Autorin ver­wen­det ger­ne spe­zi­el­le Cha­rak­te­re, kei­ne kli­schee­ver­seuch­ten 0−8−15 Per­sön­lich­kei­ten, wie man sie in jedem zwei­ten Buch fin­det. So auch in “Mei­ne bes­te Bitch”, das schon durch sein anders­ar­ti­ges Cover auf­fällt und inne­hal­ten lässt. Der Roman wird durch­ge­hend aus Fai­nas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt und ist in ver­schie­de­ne Kapi­tel unter­teilt. Fai­na selbst ist ein viel­schich­ti­ger, schwie­rig ein­zu­ord­nen­der Cha­rak­ter. Angst­ge­plagt, sehn­süch­tig nach Frei­heit und Nataly Elisabeth Savina - Meine beste BitchGebor­gen­heit, aber auch abso­lut unvor­her­seh­bar und mit teils befremd­li­chen Gedan­ken“Er küss­te so weich und so hilf­los, dass ich Lust bekam, ihm hef­tig in den Rücken zu hau­en. Was ich nicht mach­te, ich stell­te mir aber vor, ich hät­te ein lan­ges Mes­ser in der Hand. Ohne dass der rus­si­sche Aus­tausch­schü­ler es bemerk­te, tat ich so, als wür­de ich ihn hin­ter­rücks erste­chen. Hack, hack, hack.” (Zitat S.13) Dann gibt es da noch eine Sze­ne, in der Fai­na auf Juli­ans Schwes­ter trifft, die ich sehr befremd­lich fand: “Ich höre Stim­men, wuss­test du das?”, sag­te Kara. “Immer meh­re­re auf ein­mal. Auch jetzt. Man­che flüs­tern mir zu, dass du nicht hier­her­ge­hörst. […] Ich lass dich nicht mehr raus”, sag­te sie. “Das war frech von dir, her­zu­kom­men.” Kara ging zu ihrem Tisch, nahm den gro­ßen Com­pu­ter­bild­schirm hoch und ließ ihn unver­mit­telt auf den Boden fal­len. […] “Hast du ver­stan­den?”, sag­te Kara ganz ruhig. “Du gehst erst, wenn ich es erlau­be. Oder wenn jemand einen Kran­ken­wa­gen ruft.” (Zitat S.63ff) Und wäh­rend die Sze­ne­rie vor­an­schrei­tet, pas­siert auf ein­mal Fol­gen­des: “Kara drück­te mir den Glas­split­ter sacht in die Hand, ohne ihn dabei los­zu­las­sen. Er fühl­te sich scharf an. Der Kick durch das Adre­na­lin war schö­ner als die Angst, irgend­wie erha­be­ner. Wenn sie geschickt zusticht, dau­ert es gera­de mal zwei Minu­ten, Nataly Elisabeth Savina - Meine beste Bitchdach­te ich, dann bin ich fort. Noch ein­mal unglaub­lich. Und erre­gend. Es hät­te mir sogar gefal­len, wenn Kara den Split­ter fes­ter hin­ein­ge­drückt hät­te.” (Zitat S.65) Mit manch abstru­ser Sze­ne darf der Leser in “Mei­ne bes­te Bitch” rech­nen, auch als es Fai­na schließ­lich nach Ber­lin führt, wo sie ein psy­che­de­li­scher Cock­tail aus Expe­ri­men­ten mit Dro­gen, Per­for­mance­kunst, Ver­leum­dung und Ver­rat erwar­tet, der — wie zumeist in Nata­ly Eli­sa­beth Savinas Büchern — in einer Tra­gö­die enden wird. Beim Lesen hat­te ich oft­mals das Gefühl - wenn ich den Klap­pen­text nicht gele­sen hät­te — ich kei­ner­lei Ahnung gehabt hät­te, auf was die gan­ze Geschich­te zusteu­ern wird. Der rote Faden fehlt irgend­wie an man­chen Stel­len. Fai­na ist selbst zuwei­len wie ein Fähn­chen im Wind, das mal dem einen Jun­gen hin­ter­her­läuft, mal dem ande­ren. Oder es wer­den Andeu­tun­gen gemacht wie  “Ver­sprich mir etwas”, bat mich Nike. […] Wenn du zuerst stirbst, dann lass mich nicht im Stich! Ver­sprich mir, dass du zu mir kommst, als Geist...” (Zitat S.27), die im Nach­hin­ein ein­fach so im Nichts ver­si­ckern. Oder auch die War­nung der Mut­ter, ihre Ängs­te nicht mit Nike zu tei­len. Genau das tut Fai­na nicht und genau das hat hin­ter­her auch ein­fach kei­ne Bedeu­tung mehr. Die Ängs­te Nataly Elisabeth Savina - Meine beste Bitchwer­den ein­fach nicht mehr groß erwähnt. Gelun­gen fand ich am Anfang die Kapi­tel­über­schrif­ten, die sich in jedem Kapi­tel auf eine neue Per­son bezo­gen. Doch auch die­ses Prin­zip wird irgend­wann ein­fach fal­len gelas­sen. Es erschei­nen “nor­ma­le” Kapi­tel­über­schrif­ten. Viel Poten­ti­al, das irgend­wie nicht rich­tig aus­ge­schöpft wird. Dabei kann die Autorin durch­aus rich­tig gut erzäh­len, das hat man in ihrem vor­he­ri­gen Werk, für das sie auch den “Peter-Härt­ling-Preis erhal­ten hat, gemerkt. Das Ende ist bewe­gend und macht nach­denk­lich. Und ist zugleich doch auch irgend­wie unbe­frie­di­gend.

Fazit Für mich ein lei­der eher ent­täu­schen­des Buch. Aber am bes­ten selbst lesen und eine eige­ne Mei­nung bil­den;-)

Du möch­test noch ande­re Bücher von Nata­ly Eli­sa­beth Savina lesen? Dann greif zu Lesealternativenbereits erwähn­tem “Love Ali­ce”, das mir wirk­lich außer­or­dent­lich gut gefal­len hat oder “Herbst­at­ta­cke”, das sie davor noch ver­öf­fent­licht hat. Ein Roman übers Erwach­sen­wer­den, über das, was kommt, wenn die Schu­le vor­bei ist und es hin­aus ins “ech­te” Leben geht? Das fin­dest du zudem in “Raben­som­mer” von Eli­sa­beth Stein­kell­ner oder in “Die­ser Som­mer gehört noch uns” von Hei­ke Karen Gürt­ler. Eine kunst­vol­le Drei­ecks­freund­schafts­ge­schich­te erzählt auch April Gene­vie­ve Tuchol­ke in “All the stran­gest things are true.” , die deut­sche Autorin Mar­le­ne Röder in “Cache” und Ali­ce Kui­pers in ihrer Neu­erschei­nung “Som­mer­dunk­le Tage”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer
ISBN: 978-3-73734139-4
Erscheinungsdatum: 26.September 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€ 
Seitenzahl: 288 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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