Monika Feth — Und du wirst lächelnd sterben

28.Mai 2023

Die deut­sche Autorin Moni­ka Feth, die vor allem durch ihre “Erd­beer­pflü­cker”-Rei­he bekannt wur­de, legt einen neu­en, in sich abge­schlos­se­nen Thril­ler vor: “Und du wirst lächelnd ster­ben”. Eine star­ke Prot­ago­nis­tin, die sich nicht unter­krie­gen lässt, aller­dings ihr Gedächt­nis ver­lo­ren hat und auf der Flucht vor jemand Unbe­kann­ten ist. Drei kor­rup­te Poli­zis­ten, die sich ihr an die Fer­sen hef­ten. Was ist pas­siert? War­um hat Ivy solch gro­ße Angst zur Poli­zei zu gehen und was hat sie zuvor erlebt? Ein Katz- und Maus­spiel der beson­de­ren Art. Sou­ve­rän und unter­halt­sam erzählt. Aller­dings — hin­sicht­lich der Span­nung — lei­der mit etwas ver­schenk­tem Poten­ti­al. Für Jugend­li­che ab 14 Jahren.

Ivy hat ihr Gedächt­nis ver­lo­ren. “Als sie auf­wach­te, hat­te sie Mühe, sich zurecht­zu­fin­den. Ihr Kopf war leer. Da war kei­ne Infor­ma­ti­on, die sie abru­fen konn­te, kein ein­zi­ger noch so win­zi­ger Hin­weis auf ihre Lage. Als hät­te jemand oder etwas die Fest­plat­te ihres Gehirns gelöscht.” (Zitat aus “Und du wirst lächelnd ster­ben” S.15) Sie weiß nicht, wer sie ist, wo sie wohnt, wer ihre Eltern sind, ob sie stu­diert oder arbei­tet. Sie weiß gar nichts mehr. Ziel­los läuft sie durch Dör­fer, über Land­stri­che. Da ist die­se unsag­ba­re Angst in ihr. Sie ist auf der Flucht, das weiß sie instink­tiv. Irgend­je­mand ist hin­ter ihr her und sie kann auf kei­nen FallKasimira zur Poli­zei gehen. Fürch­tet sich sogar vor die­ser. Außer­dem ist da Blut auf ihrem Ober­kör­per. Blut, das nicht ihr eige­nes ist. Was ist ihr pas­siert? In einer klei­nen Pen­si­on nimmt sich die Besit­ze­rin Mar­leen ihrer an, gibt ihr eine Unter­kunft und steht ihr zur Sei­te. Zumin­dest an ihren Namen erin­nert sich Ivy bald. Immer mehr Flash­backs über­fal­len sie. Alp­träu­me über eine schick­sals­haf­te Nacht, in der sie etwas beob­ach­tet hat, das sie nie­mals hät­te sehen dür­fen. Doch ihre Ver­fol­ger sind ihr bereits dicht auf den Fersen…

Das Cover ist schlicht und doch auf­fäl­lig. Der Titel ist Teil eines Lied­tex­tes, den einer ihrer Ver­fol­ger, der regel­mä­ßig Rap­tex­te ver­fasst, zu Papier gebracht hat: “mei­ne hän­de wer­den dei­ne haut erglü­hen las­sen mei­ne zun­ge wird dei­ne lip­pen ver­bren­nen mei­ne lie­be wird dich töten und du wirst lächelnd ster­ben” (Zitat S.13) Geschrie­ben ist der Thril­ler in vier Tei­len und in per­so­na­ler Erzähl­wei­se. Haupt­säch­lich wird aus Ivys Sicht berich­tet, aber auch vie­le ande­ren (Neben-)Figuren kom­men zu Wort. Vor allem ihre Ver­fol­ger Niklas, Mar­vin (und Allan). Der eifer­süch­ti­ge Niklas, mit dem sie zusam­men war und Mar­vinKasimira, der eben­falls von Ivy fas­zi­niert ist und dar­un­ter litt, dass nicht er es war, für den sie sich ent­schie­den hat­te: “Ein Mäd­chen nach dem ande­ren hol­te er in sein Bett und setz­te sie am nächs­ten Mor­gen ohne Früh­stück wie­der auf die Stra­ße. Das waren nicht die Mäd­chen, die er woll­te. Sie bedeu­te­ten ihm nichts. Er hat­te noch nie das begehrt, was leicht zu haben war. Ivy… Schon ihr Name ver­ur­sach­te ihm Gän­se­haut.” (Zitat S.38ff) Neben dem Gedächt­nis­ver­lust und der Suche nach der eige­nen Iden­ti­tät sind eine Men­ge The­men in “Und du wirst lächelnd ster­ben” ein­ge­baut: toxi­sche Bezie­hun­gen, (sexu­el­le) Gewalt und Kor­rup­ti­on bei der Poli­zei. “Als Poli­zis­ten besa­ßen sie die Macht, sich jede Art von Spaß zu gön­nen. Jedes Spiel zu spie­len. Und die Regeln selbst fest­zu­le­gen. Wie sie mit wem umgin­gen, das bestim­men sie allein. Und wenn sie den einen oder ande­ren mal här­ter anfass­ten,Kasimira stand spä­ter im schlimms­ten Fall Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge. Ein Spiel mit dem Feu­er, das sie beherrsch­ten.” (Zitat S.93ff) Wäh­rend es am Anfang noch schwer ist eine Ver­bin­dung zur Prot­ago­nis­tin auf­zu­bau­en, da sie selbst nicht genau weiß, wer sie ist, set­zen sich Ivys Erin­ne­run­gen Stück für Stück wie ein Puz­zle zusam­men. Und man erkennt unter ihrer Ober­flä­che eine äußerst taf­fe Figur, die sich zur Wehr set­zen möch­te und dar­um bemüht ist sich selbst ver­tei­di­gen zu kön­nen. Von der Span­nung her hat mich der Thril­ler zwar unter­hal­ten, aber nicht buch­stäb­lich gefes­selt. Der Plot hat viel Poten­ti­al, aber er wird nicht völ­lig aus­ge­schöpft. Das liegt zum einen dar­an, dass man sich rela­tiv früh — durch die Sicht der Gegen­spie­ler — zusam­men­rei­men kann, was Ivy erlebt haben muss. “Wir sind erle­digt, wenn wir sie nicht fin­den.” Niklas wäre am liebs­ten abge­hau­en. Er hat­te abso­lut kei­ne Lust, Rede und Ant­wort zu ste­hen. War es denn sei­ne Schuld, dass Ivy even­tu­ell gese­hen hat­te, was sie nie­mals hät­te sehen dür­fen?” (Zitat S.36) Und die Auf­lö­sung dann nicht mehr wirk­lich über­ra­schend ist, weil die Details ein­fach schon zu früh ange­deu­tet wer­den. Zum ande­ren hat man bei dem Katz- und Maus­spiel oft eher ahnungs­lo­se Poli­zis­ten vor sich, die nach einer Steck­na­del im Heu­hau­fen suchen und nicht wirk­lich vor­an­kom­men. Erst gegen Ende wird es dann zuneh­mend fes­seln­der und durch die schnel­len Per­spek­tiv­wech­sel kommt es zu dem, was viel frü­her schon hät­te pas­sie­ren kön­nen: die Schlin­ge zieht sich lang­sam zu und die Ver­fol­ger kom­men der Prot­ago­nis­tin immer näher. Das Ende ist in einem Aspekt dann auch lei­der etwas offen gehalten.

Dir gefällt Moni­kas Feths Erzähl­stil? Dann lies noch ihre bekann­te “Erd­beer­pflü­cker”-Rei­he, die mitt­ler­wei­le 8 Bän­de umfasst: “Der Erd­beer­pflü­cker” (Band 1), “Der Mäd­chen­ma­ler” (Band 2), “Der Scher­ben­samm­ler” (Band 3), “Der Schat­ten­gän­ger” (Band 4), “Der Som­mer­fän­ger” (Band 5), “Der Bil­der­wäch­ter” (Band 6), Lesealternativen“Der Libel­len­fän­ger” (Band 7) und “Die Juli­braut” (Band 8). Dann schrieb sie noch die drei­bän­di­ge “Teu­fel­sen­gel”-Thril­ler-Rei­he: “Teu­fel­sen­gel” (Band 1), “Spie­gel­schat­ten” (Band 2) und “Blut­ro­sen” (Band 3). Ande­re Jugend­ro­ma­ne von Moni­ka Feth sind bei­spiels­wei­se “Die blau­en und die grau­en Tage”, “Du auf der ande­ren Sei­te” und “Fee: Schwes­tern blei­ben wir für immer”. Noch mehr Bücher der Autorin fin­dest du hier. Eine wirk­lich span­nen­de Ver­fol­gungs­jagd gefäl­lig, mit atem­lo­ser Span­nung? Dann kann ich dir “Cain­storm Island: Der Gejag­te” von Marie Goli­en emp­feh­len. Ein wenig muss­te ich hin­sicht­lich des Katz- und Maus­spiels auch an “Sadie. Stirbt sie, wird nie­mand die Wahr­heit erfah­ren.” von Court­ney Sum­mers den­ken. Span­nen­de Thril­ler zum The­ma Gedäch­nis­ver­lust sind bei­spiels­wei­se “Aqui­la” von Ursu­la Pozn­an­ski, “Die Wahr­heit kennst nur du” von Eileen Cook, “Dreh dich nicht um” von Jen­ni­fer L.Armentrout, “Schwarz wie Schnee” von Jut­ta Wil­ke und das bekann­te “Boy 7” von Mir­jam Mous.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbj
ISBN: 978-3-570-16500-3
Erscheinungsdatum: 20.April 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 496
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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