Mirjam Mous — Paradise Project: Der Schein lügt

Mirjam Mous - Paradise Project: Der Schein lügt15.Juli 2018

Para­di­se Pro­ject: Der Schein lügt” ist der neu­es­te Thril­ler der nie­der­län­di­schen Autorin Mir­jam Mous. Eine Geschich­te über ein paar Jugend­li­che, die ver­su­chen den schein­ba­ren Unfall­tot eines Ver­wand­ten als einen Mord zu ent­lar­ven und mit­ten in ein Geflecht aus Kor­rup­ti­on, Macht und Erpres­sung hin­ein­ge­ra­ten. Packend erzählt. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Der 16-jäh­ri­ge Mink liebt das Zau­bern. So möch­te er natür­lich auch am Berufs­ori­en­tie­rungs­tag sei­ner Schu­le am liebs­ten einen Tag lang einem Illu­sio­nis­ten bei sei­ner Arbeit über die Schul­ter schau­en. Nur lei­der sehen die­se das nicht so posi­tiv und er ern­tet nur Absa­gen oder gar kei­ne Reak­tio­nen auf sei­ne Anfra­gen. Wohl oder übel muss eine Alter­na­ti­ve her und sei­ne bes­ten Freu­din Jools orga­ni­siert ihm einen Tag bei ihrem Onkel Her­mann, der als Jour­na­list beim Dag­blad Zuid arbei­tet. Ziem­lich lang­wei­lig, fin­det Mink. Ein Inter­view mit einem Schrift­stel­ler. Eine Eröff­nungs­fei­er eines Kin­der­bau­ern­hofs. Das ist nicht wirk­lich span­nend. “Natür­lich schrei­be ich oft über läp­pi­sche Din­ge”, sag­te er. “Ich muss eben wie jeder ande­re die Mie­te zah­len und die Lokal­nach­rich­ten brin­gen Geld in die Kas­se. Aber unter­des­sen arbei­te ich an einer ande­ren, viel wich­ti­ge­ren Sto­ry. Etwas Gro­ßem.” “Wor­um geht’s?” “Das kann ich jetzt noch nicht ver­ra­ten, aber sie wird ein­schla­gen wie eine Bom­be.” (Zitat S.45) Mehr bekommt MInk lei­der nicht aus ihm her­aus. Umso über­rasch­ter und ent­setz­ter ist er also, als er bei einem SpMirjam Mous - Paradise Project: Der Schein lügtazier­gang mit sei­nem Hund einen Toten im Schilf am Fluss fin­det — Onkel Her­mann! Angeb­lich soll er eines ganz natür­li­chen Todes gestor­ben sein. Doch das glau­ben Jools und Mink nicht und begin­nen auf eige­ne Faust zu recher­chie­ren. Und lösen eine Ket­te uner­war­te­te Ereig­nis­se aus…

Para­di­se-Pro­ject: Der Schein lügt” ist aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven in per­so­na­ler Erzähl­wei­se geschrie­ben. Der Haupt­teil der Ereig­nis­se spielt sich im Früh­jahr 2017 ab — dar­auf wei­sen die Datums­an­ga­ben am Anfang jedes Kapi­tels hin — aber es gibt auch Rück­blen­den in das Jahr 2015, das den Beginn von Mink und Jools Freund­schaft mar­kiert. Haupt­säch­lich erzählt jedoch Mink die Geschich­te und wird immer wie­der durch die Per­spek­ti­ve von Neben­fi­gu­ren ergänzt, unter ande­rem die von Onkel Her­mann, was noch ein dif­fe­ren­zier­te­res Bild auf die Gescheh­nis­se gibt. Beim Klap­pen­text fand ich den Abgang etwas schwach, eben­so die Erklä­rung zum Titel des Buches taucht erst ganz am Ende der Geschich­te auf und war für mich fast schon etwas zu zweit­ran­gig, als dass sie titel­wür­dig war. Unter­halt­sam ist “Para­di­se-Pro­ject: Der Schein lügt” zum Glück den­noch. Dafür sor­gen vor allem manch geheim­nis­vol­le Andeu­tun­gen: “Dass sein Leben nur zwei Jah­re spä­ter zum Alb­traum wer­den wür­de, schien damals noch voll­kom­men absurd.” (Zitat S.34) und “Er konn­te ja nicht wis­sen, das ihm das Schlimms­te noch bevor­stand.” (Zitat S.48) Ab Mit­te des Buches ist es dann völ­lig unmög­lich, das den Thril­ler aus den Hän­den zu legen. Die Spra­che ist sehr flüs­sig und beson­ders das Motiv des Zau­berns, das sich in Zita­ten vor jedem Erzähl­teil wie­der­fin­det, aber auch in den Hand­lungs­wei­sen des Prot­ago­nis­ten ist mal etwas ganz ande­res. Für mich blieb die Geschich­te ins­ge­samt doch eher etwas ober­fläch­lich und ging nicht ganz so schön in die Tie­fe wie zum Bei­spiel ihr letz­ter Thril­ler “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an”.

Fazit: Ein sou­ve­rän erzähl­ter Thril­ler.

Dir gefällt Mir­jam Mous’ Erzähl­art? Dann lies noch ihre ande­ren Thril­lern, sor­tiert nach Erschei­nungs­da­tum: “Ich woll­te, es wäre ges­tern” (2006), “Boy 7: Ver­traue nie­man­dem. Nicht ein­mal dir selbst” (2011, ihr bekann­tes­tes Buch, wur­de 2015 ver­filmt), “Room 27: Zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort” (20Lesealternativen12), Pass­word: Zugriff für immer ver­wei­gert” (2012), “Cra­zy Games: Der per­fek­te Tag, der in der Höl­le endet” (2015, toll!), “Virus: Wer auf­gibt, hat ver­lo­ren” (2016) und “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an” (2017). Die Bücher sind alles Ein­zel­ti­tel. Eine gute Lese­al­ter­na­ti­ve ist auch “Liqui­da­tor” von Andy Mul­ligan. In die­sem schnup­pern ein paar Jugend­li­che eben­falls bei einem Schul­pro­jekt in die Berufs­welt hin­ein und gera­ten mit­ten in die ille­ga­len Prak­ti­ken einer gro­ßen Fir­ma. Ähn­li­ches pas­siert den Prot­ago­nis­ten in dem span­nen­den “Bren­nen­des Was­ser” von Lukas Erler, die von einem Kon­zern ver­folgt wer­den, weil sie etwas her­aus­ge­fun­den haben, das eigent­lich nie­mand wis­sen darf. Gejagt wird auch die Haupt­fi­gur in “Die Scan­ner” von Robert M. Sonn­tag. Oder lies “Dan­ge­rous deal” von Andre­as Schlü­ter, in denen der Prot­ago­nis­tin zufäl­lig hoch­bri­san­tes Mate­ri­al in den Hän­den hält und damit ech­te Pro­ble­me kriegt. Gut vor­stel­len könn­te ich mir auch die Neu­erschei­nung “Stil­les Gift” von Seve­rin Schwen­de­ner und den Umwelt­ro­man “Schat­ten des Dschun­gels” von Kat­ja Bran­dis

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60431-2
Erscheinungsdatum: 15.Juni 2018
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€ 
Seitenzahl: 288
Übersetzer: Verena Kiefer
Originaltitel: "Het Eos-project" 
Originalverlag: Van Goor

Niederländisches Originalcover:
Mirjam Mous - Paradise Project: Der Schein lügt










Niederländischer Trailer:
 

Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Niederländisches Cover: Homepage von Unieboekspectrum

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