Mirjam Mous — Data Leaks: Wer macht die Wahrheit?

Kasimira3.Juli 2021

Die nie­der­län­di­sche Autorin Mir­jam Mous hat mit “Data Leaks: Wer macht die Wahr­heit?” einen dys­to­pi­schen Thril­ler geschrie­ben, der ers­te Teil einer zwei­bän­di­gen Rei­he. Eine Geschich­te über Digi­ta­li­sie­rung, Daten­ma­ni­pu­la­ti­on und Macht und zwei Geschwis­ter, die in einer Welt in der nahen Zukunft zwi­schen die Fron­ten gera­ten. Hoch­bri­sant und gewohnt tem­po­reich erzählt — von einer Garan­tin für Span­nung und gute Unter­hal­tung! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

In der Welt, in der die Geschwis­ter Hol­den und Priss­ly leben, ist vie­les anders. Die Men­schen tra­gen ID-Bänd­chen, mit denen sie geor­tet wer­den kön­nen. Mit denen ihre Gesund­heit über­wacht wird. Mit denen sie bezah­len kön­nen. Sämt­li­che Waf­fen wur­den ver­nich­tet. Nur die Ord­nungs­hü­ter besit­zen noch Taser und Gum­mi­knüp­pel. Das Leben ist ange­nehm. Es gibt kei­ne Kri­mi­na­li­tät, fast kei­ne Krank­hei­ten mehr und kei­ne Umwelt­ver­schmut­zung. Hol­den jedoch hält sich nicht ger­ne an Regeln. Er ist oft heim­lich in abge­sperr­ten Bezir­ken unter­wegs, wie dem ver­bo­te­nen Natur­schutz­ge­biet. Eines Tages stürzt er dort durch den Boden und lan­det in einem alten Schutz­kel­ler, derKasimira voll­ge­füllt ist mit über­le­bens­not­wen­di­gen Gegen­stän­den aus längst ver­gan­ge­nen Zei­ten. Dort fin­det er auch alte Vor­rats­do­sen: “Das sind Lebens­mit­tel. Kei­ne Yum­mys, Shakes oder Vita, son­dern nicht mani­pu­lier­te Nah­rungs­mit­tel, wie sie die Leu­te frü­her geges­sen haben. […] Alles, was hier steht, stammt noch aus den Jah­ren der Gro­ßen Umkehr, als die Men­schen noch befürch­te­ten, der Drit­te Welt­krieg könn­te aus­bre­chen. Unse­re neu­en Füh­ren­den berich­ten jedes Jahr an Hap­py Day davon.” (Zitat aus “Data Leaks: Wer macht die Wahr­heit?” S.15) Die Leucht­ra­ke­ten, die eben­falls in dem Schutz­kel­ler gela­gert sind, nimmt er kur­zer­hand mit. Hol­dens Schwes­ter Pris­sy hin­ge­gen ver­liert sich in ihrem All­tag meist in Cam­chat-Gesprä­chen mit ihren Freun­din­nen und den Sehn­süch­ten nach den neu­es­ten Desi­gner­kla­mot­ten. Über ihr Cam­pho­ne ist sie mit ihnen ver­bun­den, tauscht Cam­fies mit ihnen aus. Für den Hap­py KasimiraDay hat sie sich ein neu­es Kos­tüm gekauft, doch nun hat aus­ge­rech­net die bekann­te Vlog­ge­rin Ree­se einen Betrag gepos­tet, dass genau die­ses völ­lig out wäre. Pris­sy braucht unbe­dingt ein neu­es, doch ihre Mut­ter will ihr kei­nes kau­fen. Soll sie das neue Out­fit wirk­lich heim­lich mit dem Arm­band ihrer Mut­ter bezah­len? Bald über­schla­gen sich die Ereig­nis­se. Pris­sy wird von einem unbe­kann­ten Jun­gen ange­schrie­ben, der sich Mo nennt und behaup­tet sie zu ken­nen und Hol­den lan­det nach einer Straf­tat im Cliff­ton Insti­tut. “Der Ort, an dem sie Gestör­te und Kri­mi­nel­le ver­wah­ren. […] Eine lei­der not­wen­di­ge Initia­ti­ve unse­rer neu­en Füh­ren­den”, sagt Chap­man. “Men­schen, die sich nicht an die Regeln hal­ten, wer­den dort auf­ge­nom­men und behan­delt, um Frie­den und Ord­nung in unse­rer Stadt zu bewah­ren.” (Zitat S.99) Mit Hil­fe von Mo ver­sucht Pris­sy ihren Bru­der dar­aus zu befrei­en. Doch sie ahnt nicht, dass es kein Zufall Kasimiraist, dass Hol­den für das Insti­tut aus­ge­wählt wur­de und dass all das mehr mit der Ver­gan­gen­heit ihres toten Vaters zu tun hat, als sie bei­de je für mög­lich gehal­ten hätten…

Das Cover wirkt fas­zi­nie­rend. Eben­so wie die Welt in der zeit­lich unbe­nann­ten Zukunft, die Mir­jam Mous für ihre Leser erschaf­fen hat: Unse­re Ener­gie stammt jetzt nur noch aus grü­nen Quel­len. Unse­re Elek­tro­au­tos sind so pro­gram­miert, dass sie kei­nem Men­schen mehr Scha­den zufü­gen kön­nen. Unser Ernäh­rungs­mus­ter wur­de ver­än­dert, sodass kein Mensch mehr Hun­ger lei­den muss. Unse­re Klei­dung wird nach­hal­tig pro­du­ziert und unser weni­ger Abfall kann rest­los recy­celt wer­den.” (Zitat S.63) Auch Flug­rei­sen für Tou­ris­ten wur­den abge­schafft, um die Luft­qua­li­tät zu ver­bes­sern. Rei­sen kann man Kasimirain der vir­tu­el­len Rea­li­tät ohne­hin viel bes­ser von Zuhau­se aus. Erzählt wird der dys­to­pi­sche Thril­ler aus sich abwech­seln­den Per­spek­ti­ven: Pris­sy und Hol­den berich­ten kapi­tel­wei­se in der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve. Das Buch ist in vier Tei­le ein­ge­teilt, die mit einem Zitat begin­nen wie zum Bei­spiel pas­send auf S.5: “Sie woll­te die Welt sehen. Er instal­lier­te Goog­le Earth.” (Leukespreuken.nl) Schon zu Beginn ist man bereits mit­ten im Gesche­hen, durch­streift mit Hol­den ein ver­bo­te­nes Gebiet und stürzt in einen gehei­men Schutz­bun­ker, aus dem die­ser sich erst ein­mal befrei­en muss. Oder man beglei­tet Pris­sy, wie sie in ein altes Schwimm­bad geht und von dem mys­te­riö­sen Mo ange­schrie­ben wird. Mir­jam Mous ver­steht es ein­fach ihre Leser zu fes­seln und her­vor­ra­gend zu unter­hal­ten. Die Kapi­tel Kasimirasind nicht all­zu lang und enden meist mit gemei­nen Cliff­hän­gern, die zu einem stän­di­gen Wei­ter­le­sen und Bloß-nicht-Auf­hö­ren ani­mie­ren. Andeu­tun­gen über die Ver­gan­gen­heit des Vaters machen neu­gie­rig: “Als Pa Feu­er fing, gab es nichts, das ihn schütz­te.” (Zitat S.8) Immer mehr Details wer­den offen­bart und bald wird klar, dass in die­ser Welt in der Zukunft nicht alles so rosig ist wie es scheint. Daten­miss­brauch, Über­wa­chung, Kon­trol­le — die nie­der­län­di­sche Autorin hat es mal wie­der geschafft bri­san­te The­men in eine hoch­span­nen­de Geschich­te ein­zu­bau­en. Ide­al für Jungs und auch für Mäd­chen, die ein­fach gut unter­hal­ten wer­den wol­len, aber auf gedank­li­chen Tief­gang und Anre­gung für eige­ne Über­le­gun­gen nicht ver­zich­ten wol­len. Das Ende ver­wirrt ein wenig und macht deut­lich — es geht wei­ter. Der offe­ne Aus­gang macht neu­gie­rig auf die Fortsetzung!

Der zwei­te Teil “Data Leaks: Wer kennt dei­ne Gedan­ken?” erscheint im April 2021. Dir gefällt Mir­jam Mous’ Erzähl­art? Dann lies noch ihre ande­ren Thril­lern (alleLesealternativens Ein­zel­ti­tel), sor­tiert nach Erschei­nungs­da­tum: “Ich woll­te, es wäre ges­tern” (2006), “Boy 7: Ver­traue nie­man­dem. Nicht ein­mal dir selbst” (2011, ihr bekann­tes­tes Buch, wur­de sogar 2015 ver­filmt), “Room 27: Zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort” (2012), Pass­word: Zugriff für immer ver­wei­gert” (2012), “Cra­zy Games: Der per­fek­te Tag, der in der Höl­le endet” (2015, toll!), “Virus: Wer auf­gibt, hat ver­lo­ren” (2016) und “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an” (2017). Eine gute Alter­na­ti­ven zu Mir­jam Mous sind zum Bei­spiel die Bücher der Best­sel­ler­au­torin Ursu­la Pozn­an­ski “Ela­nus” oder Ere­bos” und “Ere­bos 2”. Über­wa­chung fin­dest du eben­so in “Litt­le Bro­ther” und “Litt­le Bro­ther: Home­land” von Cory Doc­to­row, der all­ge­mein sehr viel über Gamer, Hacken und Inter­net­kri­mi­na­li­tät schreibt oder in “Vront” von Yves Gre­vet. 

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-51235-8
Erscheinungsdatum: 17.Juni 2021
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 10,00€
Seitenzahl: 408
Übersetzer: Verena Kiefer
Originaltitel: "H@ck: Het instituut #1"
Originalverlag: Uitgeverij Unieboek

Niederländisches Originalcover: 
Kasimira











Trailer zum Buch (auf Niederländisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Niederländisches Cover: Homepage von Mirjam Mous

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