Mila Summers — Verloren sind wir nur allein

Kasimira17.März 2020

Ver­lo­ren sind wir nur allein” von der deut­schen Autorin Mila Sum­mers ist ein Lie­bes­ro­man mit tra­gi­schem Hin­ter­grund. Über Trau­er, Ver­lust und die zar­te Hoff­nung der Lie­be, die Men­schen aus ihrer Ein­sam­keit holt um Schwe­res am bes­ten gemein­sam zu über­ste­hen. Emo­tio­nal, roman­tisch und unter­halt­sam. Ein Schmö­ker für Zwi­schen­durch. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge Sky hat ihren Vater ver­lo­ren. Bei einem Base­ball­spiel ist er ein­fach so zusam­men­ge­bro­chen und nie wie­der auf­ge­stan­den. Sein Tod vor unge­fähr zwei Jah­ren hat sie völ­lig aus der Bahn gewor­fen. Sie trägt nur noch schwarz und hat sich auch von ihren Freun­den kom­plett zurück­ge­zo­gen. Nicht ein­mal mit ihrer bes­ten Freun­din Ruth schafft sie es noch zu tele­fo­nie­ren. Ihre Mut­ter hin­ge­gen ist bereits ein hal­bes Jahr nach dem Tod ihres Man­nes wie­der mit ande­ren aus­ge­gan­gen. “Für mich kommt das einem Ver­rat gleich. Einem Ver­rat, den sie an allem begeht, was unse­re Fami­lie aus­ge­macht hat. Die fes­te Ein­heit, die wir mit Dad gebil­det haben. gibt es nicht mehr. Anstatt an einem Strang zu zie­hen, schei­nen Mom und ich in unter­schied­li­che Rich­tun­gen zu lau­fen.” (Zitat aus “Ver­lo­ren sind wir nur alleKasimirain” S.9) Jetzt hat sie vor eini­gen Wochen Roger ken­nen­ge­lernt, der nicht nur ver­mö­gend ist, son­dern auch eine Ranch in Texas besitzt. Dort züch­tet er Rin­der und Pfer­de. Und genau dort­hin zie­hen Sky und ihre Mut­ter jetzt, auch wenn Sky mit all­dem über­haupt nicht ein­ver­stan­den ist. Denn wäh­rend ich hier auf einer Ranch in Texas fest­sit­ze, ist nie­mand mehr in Bos­ton, der Blu­men auf Dads Grab legen könn­te. Nie­mand besucht ihn. Nie­mand spricht mit ihm. Es ist fast so, als hät­te ich ihn ein zwei­tes Mal ver­lo­ren.” (Zitat S.17) Doch das letz­te High­school­jahr muss sie noch been­den, ehe sie zurück nach Bos­ton kann, um ihrem Vater wie­der nah zu sein. Also beschließt Sky das Gan­ze so schnell und unauf­fäl­lig wie mög­lich durch­zu­zie­hen. Will kei­ner­lei Kon­tak­te ein­ge­hen, mit nie­man­dem. Auch nicht mit Jeff, der Nef­fe von Roger, der eben­so auf der Ranch lebt. Der ein rich­ti­ger Sun­ny­boy ist und der Quar­ter­back der Schu­le. Unwei­ger­lich kommt sie ihm näher und ent­deckt bald, dass sein Image nur Fas­sa­de ist. Dass auch er etwas Dunk­les, Tra­gi­sches zu ver­ber­gen hat…

Das Cover erin­nert an “Cin­der & Ella”, eine geschickt gewähl­te Optik des Ver­lags, wel­cher genau die­sen Best­sel­ler her­vor­ge­bracht hat. Die Geschich­te mit dem schwe­ren Schick­sals­schlag erin­nert zunächst an Kel­ly Orams Buch, kommt aber erzäh­le­risch nicht an die­sen Erfolg her­an. Doch der Titel ist abso­lut schön gewählt! Der Roman wird durch­ge­hend aus Skys Sicht­wei­se in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt, nur äußerst spo­ra­disch tau­chen Kapi­tel auf, die Jeffs Blick­win­kel zei­gen, die­se sind zusätz­lich mit sei­nem Namen ver­se­hen, zu bes­se­ren Unter­schei­dung. Die­se stel­len einen beson­de­ren Reiz dar, gera­de weil sie so sel­ten sind und den Leser in Jeffs Gedan­ken­welt Kasimirabli­cken las­sen: “Irgend­was macht Sky mit mir. Noch vor weni­gen Tagen habe ich gedacht, ich müss­te ihr hel­fen, sich hier zurecht­zu­fin­den und sich dem Leben neu zu öff­nen. Doch seit dem Zwi­schen­fall eben bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es hier wirk­lich nur um Sky geht. Etwas tief in mir erwacht zu neu­em Leben und will sich durch die ver­krus­te­ten Schich­ten mei­ner See­le empor­kämp­fen.” (Zitat S.142) Das Buch wirkt nur manch­mal etwas kli­schee­be­la­den, liest sich aller­dings sehr flüs­sig. Die Autorin hat einen ange­neh­men Erzähl­stil, kei­ne lite­ra­ri­schen Spie­le­rei­en, son­dern ein­fach auf die Hand­lung und die Emo­tio­nen kon­zen­triert. Letz­te­re wer­den sehr authen­tisch geschil­dert. Gera­de den Schmerz, den Sky emp­fin­det, die­se Schuld­ge­füh­le sich wie­der neu aufs Leben ein­zu­las­sen, kom­men sehr glaub­haft her­über. Schwarz ist so viel mehr für mich als bloß eine Far­be. Es spie­gelt die Trau­er und die Ein­sam­keit tief in mir wider, die jede Faser mei­nes Kör­pers in Beschlag genom­men haben.” (Zitat S.28) Die Bot­schaft gemein­sam stär­ker zu sein, als allein, wird nicht nur durch die ent­ste­hen­de Freund­schaft zu einer Cli­que unter­malt, son­dern auch durch das all­mäh­li­che Annä­hern an Jeff, der selbst sein Päck­chen zu tra­gen hat. Man­che Figu­ren blei­ben lei­der sehr ober­fläch­lich, wie zum Bei­spiel Kath­le­en, deren Hin­ter­grün­de nicht mehr erwähnt wer­den, son­dern die ein­fach irgend­wann von der Bild­flä­che ver­schwin­det. Auch die inter­es­san­te Annä­he­rung von Sky mit dem Pferd Teard­rop am Anfang bleibt ein­fach im Raum ste­hen gelas­sen. Und an was ist der Vater eigent­lich wirk­lich gestor­ben? Was war der Grund für den Zusam­men­bruch? Hier ver­schenkt die Autorin ein wenig Poten­ti­al und Tief­gang. Am Ende wird es noch ein­mal rich­tig dra­ma­tisch, aber lei­der mogeln sich immer wie­der ein paar doch sehr ste­reo­ty­pe, kit­schi­ge Sät­ze in den Fließ­text.

Fazit: Eine Lek­tü­re mit Schwä­chen, aber schön mal so für Zwi­schen­durch — zum ent­spannt Her­un­ter­le­sen.

Eine her­vor­ra­gen­de Alter­na­ti­ve zu “Ver­lo­ren sind wir nur alleLesealternativenin” ist “Wenn du mich küsst” von Julia­na Stone. Hier hat die Prot­ago­nis­tin ihren klei­nen Bru­der ver­lo­ren und zieht sich völ­lig zurück. Bis sie den Som­mer auf der Plan­ta­ge ihrer Groß­mutter ver­bringt und einen Jun­gen ken­nen­lernt, der eben­falls ein Päck­chen zu tra­gen scheint. Wahn­sin­nig ergrei­fend und roman­tisch ohne kit­schig zu sein! Eine ähn­li­che Neu­erschei­nung ist “By your side” von Beth Anne Mil­ler. Drei wei­te­re, rich­tig gute Alter­na­ti­ven sind “Almost” von Anne Eli­ot, “Dein Lächeln an die­sen ver­damm­ten Tagen” von Kat­ie McGar­ry und “Fore­ver Hope” von Col­le­en Hoo­ver. Der Tod ver­bun­den mit einer Lie­bes­ge­schich­te — das fin­dest du höchst berüh­rend in “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” von Don­na Frei­tas und in “Nichts als Lie­be” von Beth Kephart.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: ONE
ISBN: 978-3-8466-0094-8
Erscheinungsdatum: 28.Februar 2020
Einbandart: Broschur
Preis: 12,90€
Seitenzahl: 432
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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