“Playlist for the dead” ist das erste Buch der amerikanischen Autorin Michelle Falkoff. Ein Roman über Freundschaft, Suizid und Schuld. Verbunden mit einer Playlist, die dem Protagonisten Rätsel aufgibt. Eine interessante Geschichte, einfühlsam und bewegend erzählt. Ideal vor allem für Jungs (und Mädchen) ab 13 Jahren.
Libertyville. Eine kleine Gemeinde in Illinois. Der 15-jährige Sam will eigentlich nur seinen besten Freund Hayden aus dem Tiefschlaf wecken. Sie waren gestern Abend zusammen auf einer Party, auf der etwas vorgefallen ist, für das Sam sich entschuldigen will: “Als ich ihn da so liegen sah, seufzte ich und überlegte, wie ich die Entschuldigung für vergangene Nacht, wegen der ich eigentlich gekommen war, in die Entschuldigung einfließen lassen konnte, die ich ihm schuldig wäre, wenn ich ihn gleich vom Bett auf den Boden fallen ließ.” (Zitat aus “Playlist for the dead” S.5) Doch Hayden wacht nicht auf. Eine leere Flasche Wodka steht auf seinem Schreibtisch. Und Sam findet noch eine aufgebrauchte Packung Valiumtabletten neben ihm. “Und dann sah ich noch etwas, was auf den Boden gefallen war. Einen USB-Stick, der neben einem abgerissenenNotizzettel lag. Für Sam, stand darauf. Wenn du das hörst, wirst du mich verstehen. Und dann wählte ich den Notruf.” (Zitat S.8) Hayden ist tot. Er hat sich das Leben genommen. Warum? Das versucht Sam mit Hilfe der Playlist — der Ansammlung ihm bekannter oder auch unbekannter Lieder — herauszufinden. Er und sein Freund waren beide Außenseiter. Sie hatten nur einander. Und auch wenn Hayden oft Witze über mögliche Suizidmethoden gemacht hatte, hätte Sam nie gedacht, dass sein bester Freund tatsächlich Ernst machen würde. Hayden hatte es nicht leicht. Er war Legastheniker, ziemlich mies in der Schule und sein Bruder Ryan und seine zwei Freunden tyrannisierten und quälten ihn, wo sie nur konnten. Seine Mutter war enttäuscht von Hayden und meckerte ständig an ihm herum. Sein Vater war entweder nicht zu Hause oder teilte die Meinung seiner Frau. Die Musik und das Computerspielen waren Sams und Haydens große Gemeinsamkeit. Und doch findet Sam bald heraus, dass es Dinge gab, die sein bester Freund vor ihm verheimlicht hat…
27 Lieder sind auf Haydens Playlist und in genau 27 Kapitel ist “Playlist for the dead” eingeteilt. Jedes beginnt mit der Überschrift eines Songtitels mit Interpret (wobei die Musikrichtung eher etwas alternativer ist) und einem gedruckten Playzeichen. In den Kapiteln wiederum kommentiert Sam — der aus der Ich-Perspektive erzählt — dieses Lied meist in irgendeiner Form: er erinnert sich zurück, in welchem Zusammenhang er es gehört hat oder hört es sich gerade an und denkt darüber nach. Herauszufinden, welche Gründe Hayden zu seinem Suizid getrieben haben, stellt einen wesentlichen Teil des Buches dar: “Er hatte Selbstmord begangen und mich ganz allein hier zurückgelassen. […] Ich war mir ziemlich sicher, dass es mein Schuld war, auch wenn ich im Moment noch nicht bereit war, darüber nachzudenken. Aber ich hatte die Playlist rauf und runter gehört und nach einem Song gesucht, der das bestätigen würde, dem Song, der mir die ganze Schuld zuweisen würde. Bisher hatte ich ihn noch nicht gefunden.” (Zitat S.11) Sam hält sich für mitschuldig. Das wird immer wieder hervorgehoben. Jedoch enthält er dem Leser wichtige Informationen. Was ist wirklich auf dieser Party geschehen? Warum wollte sich Sam am nächsten Morgen entschuldigen? War das der Grund für Haydens Suizid? Aber auch Haydens Bruder gibt er die Mitschuld: “Willst du wirklich da raufgehen und erzählen, was für ein toller Bruder du gewesen bist? Obwohl doch alle die Wahrheit kennen? Du warst auf dieser Party, genau wie ich. Du hättest alles verhindern können. Du hättest ihn beschützen sollen, anstatt alles noch schlimmer zu machen.” (Zitat S.24) Die Suche nach der Wahrheit macht einen großen Reiz in der Geschichte aus (wobei sich die Spannung auf einem mittleren Niveau hält).
Zumal ein Unbekannter unter Haydens Chatname plötzlich Kontakt mit Sam aufnimmt und danach auf einmal den Freunden von Ryan etwas Schlimmes angetan wird. Wer übt da Rache? Oder war Sam es gar selbst, so wie die anderen behaupten? Wobei nicht unbedingt die Playlist für viel Klarheit sorgt, sondern eher die Ereignisse, die auf Haydens Suizid folgen. Sehr empfindsam wird auch auf Sams Gefühllage eingegangen: “Während der letzten Tage hatte ich ihn abwechselnd vermisst und gehasst, ich hatte mich schuldig und mies gefühlt, ohne zu wissen, wie ich mich wirklich hätte fühlen sollen, außer dass ich mich anders fühlen wollte, irgendwie. Er hatte mich alleingelassen, und das hätte ich ihm nie angetan, ganz egal, wie sauer ich wäre. Mit diesen Gedanken im Kopf war es fast unmöglich gewesen zu schlafen, deshalb war ich obendrein auch noch völlig erschöpft. Erschöpft und wütend. Großartige Kombination.” (Zitat S.14) Man kann sich in den Jungen sehr gut einfühlen und nachvollziehen, wie es ihm geht. Hayden war sein einziger Freund. Selbst die Streitereien zwischen ihnen vermisst er nun. Und auch, wenn Sam neue Leute kennenlernt, allen voran Astrid, in die er sich verliebt, weiß er, dass er seinen Freund niemals ersetzen kann. Das Ende ist ins sich schlüssig (bis auf — für mich — einen Aspekt) und vor allem bewegend!
Fazit: Gute Unterhaltung, besonders für Jungs, die nicht so viel lesen und sich auch mit ernsteren Themen befassen möchten.
Ein Roman, der mir sofort als Alternative
zu “Playlist for the dead” eingefallen ist, ist der moderne Klassiker “Tote Mädchen lügen nicht” von Jay Asher, wobei in diesem die 13 Gründe, die zu dem Tod der Protagonistin führen, auf 13 Kassetten in Erzähltext erklärt werden und nicht in 27 Liedern, aus denen die Hauptfigur selbst Schlüsse ziehen muss. Die Kombination von Kassette/CD-Hören zwischen dem Haupterzählteil findest du ebenso in “Press play: Was ich dir noch sagen wollte” von Steven Camden und in “So wüst und schön sah ich noch keinen Tag” von Elizabeth Laban. Gründe für einen Suizid in 34 Zettelbotschaften muss der Leser in “Du bist das Gegenteil von allem” von Carmen Rodrigues entschlüsseln. Vor allem mit dem Gefühl der Schuld bei einem Suizid setzt sich die deutsche Autorin Christine Fehér in “Dann mach ich eben Schluss” sehr intensiv auseinander.
Bibliografische Angaben:Verlag: Coppenrath ISBN: 978-3-649-66884-8 Erscheinungsdatum: 18.März 2016 Einbandart: Hardcover Preis: 14,95€ Seitenzahl: 272 Übersetzer: Sonja Häußler Originaltitel: "Playlist for the dead" Originalverlag: HarperTeen Amerikanisches Originalcover:
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Kasimiras Bewertung:
(4 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-66884-8
Erscheinungsdatum: 18.März 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€
Seitenzahl: 272
Übersetzer: Sonja Häußler
Originaltitel: "Playlist for the dead"
Originalverlag: HarperTeen
Amerikanisches Originalcover: