Michaela Kastel — C’est la fucking vie

Kasimira6.April 2020

Was die öster­rei­chi­sche Autorin Michae­la Kas­tel da mit ihrem Roman “C’est la fuck­ing vie” geschrie­ben hat, ist außer­ge­wöhn­lich! Eine zer­stö­re­ri­sche, hef­ti­ge, ver­zwei­fel­te, lebens­pul­sie­ren­de Lie­bes­ge­schich­te, die sei­nes­glei­chen sucht. Im Mit­tel­punkt ein jun­ges Mäd­chen, das exzes­siv ihr Leben lebt, sich nie­mals ver­liebt, son­dern nur von einer Bett­ge­schich­te zu nächs­ten flüch­tet. Das sich nun der Lie­be und der Wahr­heit stel­len muss, als ihr bes­ter Freund mehr von ihr will. Frei­heit oder Bezie­hung? Ein Roman wie ein Tanz auf einem Draht­seil — in unvor­stell­ba­rer Höhe und ohne Sicher­heits­netz. Inten­siv. Unver­gess­lich. Ein­ma­lig. Und abso­lut lesens­wert! Für Jugend­li­che ab 16 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge San­dra, genannt San­ni, weiß genau was sie vom Leben will: Spaß, unver­gess­li­che Erin­ne­run­gen sam­meln, sich trei­ben las­sen und ein­fach nur genie­ßen. Mit­neh­men was geht. Ohne nach­zu­den­ken. Ohne Kom­pro­mis­se. Ein­fach mal ihren bes­ten Freund Niko küs­sen, wenn ihr auf einer Par­ty danach ist? Klar, war­um nicht. “Das ist Leben. Die­ser Kuss, die­ses Glück, wir bei­de inein­an­der ver­schlun­gen. Es soll ewig dau­ern. Hier, jetzt, in die­ser wun­der­schö­nen hei­ßen Som­mer­nacht ohne Sor­gen. Das sind die Momen­te, dieKasimira das Herz still­ste­hen las­sen. Für die man stirbt und in denen man wei­ter­lebt, noch lan­ge danach.” (Zitat aus “C’est la fuck­ing vie” S.8) Dass Nikos aktu­el­le Freun­din zufäl­lig dabei zuguckt? Dumm gelau­fen. Aber hey, die soll sich nicht so anstel­len, das war doch nur Spaß! Niko und San­ni sind seit Kind­heit zusam­men auf­ge­wach­sen. Haben ein sehr inni­ges Ver­hält­nis. Damit schei­nen sei­ne Freun­din­nen, die er eine nach der ande­ren hat und die immer wie­der nach eini­gen Mona­ten mit ihm Schluss machen, nicht klar­zu­kom­men. “Wie­so immer die­se Mau­er­blüm­chen? Was geben sie dir? Sicher­heit? Sicher­heit ist lahm. Sie bremst nur. Sie hält uns von Din­gen ab, die zu wag­hal­sig sind, um sie sich zwei­mal zu über­le­gen. Manch­mal muss man ein­fach sprin­gen, ver­stehst du, sich fal­len las­sen, los­ren­nen ohne zu über­le­gen(Zitat S.35) San­ni hat mit so etwas gar kei­ne Pro­ble­me. Sie ver­liebt sich nie. Hat regel­mä­ßig One-Night-Stands und noch nie eine fes­te Bezie­hung. “Ohne Lie­be Kasimirawäre alles ganz leicht. Ich hof­fe, du kapierst das irgend­wann.” (Zitat S.36) Mit ihren Freun­den Alex, Tasche, Raf­fi, Manu und Tom­my genießt sie nun den letz­ten Som­mer, bevor sich ihre Wege nach dem Schul­ab­schluss dann viel­leicht tren­nen wer­den. Wäh­rend Niko von sei­nen stren­gen Eltern zum Stu­di­um gedrängt wird, will sich San­ni über so etwas über­haupt kei­ne Gedan­ken machen. Lie­ber in den Tag hin­ein­le­ben oder mit Niko end­lich nach Aus­tra­li­en ver­rei­sen, so wie sie es schon lan­ge geplant haben. Doch als sie ihren 18.Geburtstag fei­ert, pas­siert etwas, das ihr Leben völ­lig auf den Kopf stellt. Niko und sie kom­men sich näher und das ver­än­dert alles. Aber kann San­ni ihre Frei­heit für eine Bezie­hung so ein­fach auf­ge­ben?

Das Cover von “C’est la fuck­ing vie” ist ein rich­ti­ges Kunst­werk gewor­den und sieht für ein Jugend­buch schon rela­tiv erwach­sen aus. Es ist sty­lisch, es ist frech (die pin­ke Schrift) und gleich­zei­tig — hin­sicht­lich der zar­ten Blü­ten — fast roman­tisch, gefühl­voll schön. Es umfasst die Gegen­sät­ze per­fekt, die auch die Kasimirazunächst noch 17-jäh­ri­ge, dann voll­jäh­ri­ge Prot­ago­nis­tin aus­ma­chen. Die Innen­sei­ten sind knall­pink — der Papp­block des Ein­ban­des, auf den das Cover direkt geklebt wur­de, fühlt sich ange­nehm in der Hand an, ist bün­dig mit dem Buch­block, fast wie ein Taschen­buch, nur hoch­wer­ti­ger. Der Roman wird durch­ge­hend aus der Sicht von San­ni, in der Ich-Per­spek­ti­ve, erzählt. Eine Beson­der­heit ist hier­bei, dass sie Niko immer mit “Du” anspricht, ihn sozu­sa­gen — pas­send zum Inhalt — in den Mit­tel­punkt rückt. Dass in “C’est la fuck­ing vie” ein ganz ande­res Milieu als in “gewöhn­li­chen” Jugend­bü­chern herrscht, merkt man bei Lesen rela­tiv schnell: “Auf dem Weg ins Bade­zim­mer stol­per­te ich über einen Drei­er, der sei­nen Spaß offen­bar mit­ten auf dem Flur­tep­pich hat­te und ein­fach dort ein­ge­schla­fen ist.” (Zitat S.11ff) Aus­schwei­fen­de Par­tys, Dro­gen, Alko­hol, Sex, ein Leben fast ohne Regeln und Kon­ven­tio­nen. Da räumt der geschie­de­nen Vater von KasimiraSan­ni, der mit sei­ner Sekre­tä­rin zusam­men ist, schon mal des Öfte­ren das Haus, damit die Toch­ter in Ruhe fei­ern kann: “Ein über­le­ge­nes Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht. Hat sie es jemals mit zwei Män­nern im Mond­licht getrie­ben? Kennt sie das Gefühl, der Mit­tel­punkt des Uni­ver­sums zu sein? (Zitat S.25) Bereits mit 16 haben ihre Eltern sie in eine eige­ne WG zie­hen las­sen. San­ni als Cha­rak­ter sticht beson­ders her­vor, ist anders, wild und vol­ler Ener­gie. Sprüht förm­lich vor Lust auf das Leben und ist auch ziem­lich selbst­be­wusst: “Ich weiß, dass ich gut aus­se­he. […] Ich bin schlank, ohne kno­chig zu sein, habe tol­le Brüs­te und einen noch tol­le­ren Po, weil ich mich stän­dig bewe­ge, jog­ge, Bah­nen schwim­me, Sex unter frei­em Him­mel habe, und ich lie­bes es. Ich lie­be die Frei­heit, den Mut und das unkom­pli­zier­te Den­ken. Die Jugend strahlt mir aus den Augen und lässt mich leuch­ten wie einen Stern.” (Zitat S.12) Wäh­rend man am Anfang noch staunt über ihren Frei­heits­drang Kasimiraund ihr schein­bar völ­lig unkom­pli­zier­tes Leben, so wird bald ersicht­lich, dass auch San­ni nicht völ­lig gefühl­los ist. Und gera­de das ist das mit­un­ter Fas­zi­nie­ren­de an der Geschich­te, die­ses lang­sa­me Erspü­ren von Emo­tio­nen, die zwei­fel­los da sind. Bli­cke und Berüh­run­gen zwi­schen San­ni und Niko, die es schon immer gab zwi­schen den bei­den und das all­mäh­li­che Ein­ord­nen und Kate­go­ri­sie­ren ihrer Bezie­hung zuein­an­der. Ein Pro­zess, der schmerz­voll für die Prot­ago­nis­tin und wie ein Kraft­akt ist, aber unglaub­lich authen­tisch dar­ge­stellt wird. Gera­de ihre Zer­ris­sen­heit zu erle­ben, liest sich abso­lut ergrei­fend, mit­rei­ßend und ver­ein­nah­mend. Man möch­te “C’est la fuck­ing vie” zeit­wei­se gar nicht mehr aus den Hän­den legen! Auch die zuwei­len kraft­vol­le Spra­che, die Michae­la Kas­tel ver­wen­det, hat mir sehr gut gefal­len: “Die ver­gan­ge­ne Nacht brennt wie die glü­hen­den Split­ter eines eben explo­die­ren­den Traums hin­ter mei­nen Augen. […] Die Nacht hat nie­mals auf­ge­hört und der Son­nen­schein ist Kasimirabloß der Wahn­sinn, dem wir lang­sam anheim­fal­len, die­ses irre­füh­ren­de Leuch­ten, das sich um uns dreht, wenn der Alko­hol zu sehr rein­zieht oder wir zu viel von Raf­fis magi­schen Pil­zen gefut­tet haben.” (Zitat S.10) Auf­grund der vie­len ero­ti­schen Sze­nen und unver­blüm­ten Direkt­heit über Sexua­li­tät zu schrei­ben, wür­de ich das Buch jedoch kei­nes­falls ab 14, wie der Ver­lag angibt, son­dern erst ab 16 Jah­ren emp­feh­len. Das Ende ist glaub­wür­dig und pas­send.

Dir gefällt Michae­la Kas­tels Erzähl­art? “C’est la fuck­ing vie” ist ihr ers­ter Young Adult-Roman. Für Erwach­se­ne hat sie noch eine Lie­bes­ge­schich­te geschrie­ben: “Die Sterb­lich­keit der See­le” und zwei Thril­ler: “Wor­über wir schwei­gen” und “So dun­kel der Wald”. Sich mit viLesealternativenelen Flirts ablen­ken, um sich nicht mit den eige­nen Gefüh­len aus­ein­an­der­zu­set­zen? Das erlebst du in “Der Som­mer, als du wie­der­kamst” von Emi­ly Mar­tin (rich­tig klas­se! Geheim­tipp), “Lie­be ist wie Dra­chen­stei­gen” von Ash­ley Her­ring Bla­ke (bewe­gend und roman­tisch) und “Lemon Sum­mer” von Kody Keplin­ger. Seit Kind­heit zusam­men auf­ge­wach­sen, bes­te Freun­de und plötz­lich ver­liebt? Das fin­dest du in “Und wenn es kein mor­gen gibt” von Jen­ni­fer Arment­rout (ein Feu­er­werk der Emo­tio­nen!), “Lass ich nicht los” von Sarah Alder­son (Geheim­tipp!), Küs­sen erlaubt, ver­lie­ben ver­bo­ten“ von Patri­cia Schrö­der, Sum­mer of love“ von Abby McDo­nald und „Die Tie­fen dei­nes Her­zens“von Ant­je Szil­lat (toll erzählt!). Der letz­te Som­mer nach dem Abschluss bevor das (beruf­li­che) Leben war­tet? Davon kannst du in die­sen Büchern lesen: “Raben­som­mer” von Eli­sa­beth Stein­kell­ner, “Die­ser Som­mer gehört noch uns” von Hei­ke Karen Gür­t­ler und “School’s out: Jetzt fängt das Leben an!” von Karo­lin Kol­be.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7099-8
Erscheinungsdatum: 17.Februar 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Die Autorin erzählt:

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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